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Von der Königlich Preußischen Domäne Niederhausen Thalböckelheim zur Verwaltung der Staatlichen Weinbaudomänen Niederhausen-Schloßböckelheim – Geschichte, Tatsachen, Heiteres 1901 bis 1998

von Dr. Werner Hofäcker, Mai 2011

Einleitung und Vorgeschichte

Staatsdomänen sind im Eigentum des Staates stehende größere landwirtschaftliche Besitzungen, sie wurden oft als Musterlandwirtschaft betrieben, um moderne Produktionsmethoden in der Landwirtschaft zu verbreiten und hatten daneben letztlich auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Auch an der Nahe gab es Ende des 19. Jhrdt. weitsichtige Persönlichkeiten die für den Weinbau eine solche Möglichkeit als hilfreich ansahen. Gab es doch auch an der Nahe reichlich Anlass zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation im Weinbau und zwar durch das massive Auftreten der aus Amerika eingeschleppten Reblaus, das stellenweise zu einem Totalausfall führte, daneben aber auch das vermehrte Auftreten von pilzlichen Schaderregern und vor allem auch die fehlende Eigenständigkeit der Naheweine, die oft unter Fremdbezeichnungen wie „Rüdesheimer“ oder „Rheinwein“ verkauft wurden. Immerhin führte die 1834 gegründete Weingroßhandlung J. Böckel, Wismar a. d. Ostsee in ihrer Weinpreisliste 1904er und 1905er Schloßböckelheimer Weine zu Preisen von 2 - 2,50 Mark. Darüber hinaus galt es, der Praxis der sog. analysenfesten Weine (Weinfabriken) etwas entgegen zu setzten. Das 1. Deutsche Weingesetz von 1892 hatte teilweise sehr konkrete Grenzwerte formuliert und somit jenen die es nicht so genau nahmen Grenzen aufgezeigt, wieweit sie unbehelligt gehen können. Allerhand Ingredienzen, im harmlosesten Fall Rosinen, „verbesserten“ die Weine. Schließlich war auch das neue agrikulturchemische Wissen (Liebig) in allen Bereichen der Landwirtschaft umzusetzen.

Mit Schreiben vom 23. November 1899 bittet der Regierungspräsident des preußischen Regierungsbezirks Coblenz, Joseph Anton Friedrich August Freiherr von Hövel (1842 bis 1919), das Preußische Landwirtschaftsministerium in Berlin, der Einrichtung einer domänenfiskalischen Anlage nähertreten zu wollen. Demnach gab es schon zuvor Aktivitäten in dieser Richtung. Zugleich würdigt er den Weinbau im Regierungsbezirk, der sich auf Gebiete an Nahe, linkes Rheinufer, Mosel und Ahr, aber auch in Enklaven bis Wetzlar erstreckte. Trotz des allgemeinen Flächenrückgangs infolge schlechter klimatischer Bedingungen und billiger Weinimporte aus Italien ist an Mosel und Nahe eine gewisse Prosperität festzustellen in deren Folge eine Ausweitung zu registrieren ist, meist Flächen, die auf der Rodung von Eichenschälwald beruhen. Hövel beziffert die Weinbaufläche der Nahe mit 2784 Hektar, der Bürgermeister von Kreuznach meinte damals, dass es sogar 3500 Hektar seien. Erwähnung findet auch eine Kartierung der Weinberge im Regierungsbezirk Coblenz nach Grundstückpreisen in Silbergroschen je Morgen:

Bodenklasse Mosel Nahe
I 15 -120 15 - 120
II 150 - 240 150 - 240
III 300 - 440 360 - 600

Daraus ist zu entnehmen, dass beste Lagen der Nahe höher bewertet wurden als die der Mosel, vor allem Lagen von der Nahemündung bis Bad Kreuznach. Hövel war es auch der 1899 verfügt eine Klassifikation der Weinbergslagen im Regierungsbezirk zu erstellen. Das Blatt für die Nahe wurde 1901 veröffentlicht. Darin verzeichnete Spitzenlagen liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zur späteren Domäne. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Gutachter Kenntnis von dieser Karte hatten und ihre Stellungnahmen davon mitgeprägt wurden. Die Einrichtung einer Musteranlage würde auch von der Bevölkerung begrüßt und die Umwandlung von Eichenschälwald in Weinberge sei bereits früher in Münster, Niederhausen und Waldböckelheim genehmigt worden. Es sei ein „glücklicher Zufall“, dass noch größere Flächen in dem 11,3 Kilometer oberhalb Kreuznach bzw. dem 7,5 Kilometer oberhalb Münster gelegenen Niederhausen zu Verfügung stünden. Für Niederhausen spreche die vorhandene Eisenbahnstation und 2 Flächenkomplexe, einmal ein Komplex in Flur 7, 12,27 Hektar der Gemeinde Niederhausen, eine Süd-Südwestlage auf Schiefer, Sandstein und kupferhaltigen Quarzitadern und sodann ein 2. Komplex von 2,09 Hektar der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde und privaten Besitzern: Peter Kunz und Gemeindeförster Heinrich Otte, eine Süd-Südostlage auf Buntsandstein mit Porphyr durchzogen. Otte bewohnte bis 1902 das Forsthaus am Taleinschnitt von heutiger Kupfergrube und Steinberg. Danach verzog er für kurze Zeit nach Hüffelsheim und dann wohnte er bis 1905 in Niederhausen. 1905 zog er in das neu gebaute Forsthaus in Norheim. Die Gemeinde Niederhausen hat ihm im Gemeindewald bei der „Dicken Eiche“ einen Erinnerungsplatz mit Sitzgelegenheit und einem Schild mit der Aufschrift „Otte´s Ruh“ gewidmet. Seine Tochter Leni Otte wurde am 30.10.1898 im Forsthaus bei der Domäne geboren und wohnte bis zu ihrem Tod (1982) in Norheim. Sie trug stets eine grüne Uniform und Schirmmütze und huldigte dem Waidwerk.

Am 4. Dezember 1899 schaltet sich der Oberpräsident der Rheinprovinz Berthold Johannes Marcellus Edmund Nass (1831 bis 1906), vormals Regierungspräsident von Trier und weinbaulich nicht unerfahren, ein, auch er befürwortet die Einrichtung einer Musteranlage in der Naheregion und begründete dies mit den bereits vorhandenen Rebflächen von 2858 Hektar an der Nahe, gegenüber 1141 Hektar an der Ahr, 2121 Hektar am Rhein und 2553 Hektar an der Mosel. Er qualifizierte innerhalb des Regierungsbezirks Coblenz die Naheregion als sehr bedeutend, hatte aber mehr die Schaffung einer Weinbauversuchsanstalt im Blick, was auch 1900 mit der Gründung der Provinzial-Lehranstalt Bad Kreuznach in die Tat umgesetzt wurde.

Daneben sprach er sich aber für die Schaffung einer Domäne zur Förderung des praktischen Weinbaus und der Kellerwirtschaft, besonders der „Pflege der Weine“, der Hebung des Rufes des Naheweines, der Vermarktung unter dem Gebietsnamen aus und hatte die damals schon existierenden Domänen im Rheingau und an der Mosel als Vorbild. Neben einem, von Ritter zu Engers erstellten Gutachten empfahl er ein weiteres Gutachten bei Landesökonomierat Czeh aus Wiesbaden einzuholen und zusätzlich den Königlichen Weinbaudirektor, Oberförster Franz Willibrord Hoepp aus Saarburg (17.08.1853 - 02.10.1907) in der Sache zu hören. Letzterer war der Leiter der Staatlichen Weinbaudomäne Trier, er hatte seinerseits dem Königlichen Fiskus vorgeschlagen mit Eichenschälwald genutzte Flächen im Zuge des prosperierenden Weinbaus umzuwidmen und daraus die Domänen Ockfen, Serrig und Avelsbach aufzubauen. Sein Gutachten lag am 20. Juli 1900 vor worin Anmerkungen zum Flächenerwerb und zum Kaufpreis erwähnt werden.

Bezüglich der Eignung der Flächen hatten sich verschiedene Gutachter, Ritter zu Engers, Weingutsbesitzer Louis Gör und Weingutsbesitzer und Abgeordneter Engelsmann, Weinbausachverständiger Winkler und Reblaussachverständiger Späth, die letztgenannten aus Kreuznach, für den größeren Komplex bei Niederhausen als dem Höherwertigen ausgesprochen und einen Wert von 44700 Mark ermittelt. Flächenkorrekturen und zwischenzeitliches Interesse auch an Flächen in Schlossböckelheim-Thalböckelheim ließ das Projekt auf 23,34 Hektar anwachsen, abzüglich Dienstland, ungeordnetem Waldgelände sowie Weg- und Gebäudeflächen verblieben 18,00 Hektar Fläche zur weinbaulichen Nutzung, wofür Kosten von 68000 Mark veranschlagt wurden, überwiegend zum Preis von 4000 Mark je Hektar, einige Flächen allerdings auch zu 600 Mark je Hektar. Am 8. Mai 1900 wird eine Begehung der Flächen vorgeschlagen: Kupfergrube (Thalböckelheim), Steinberg (Niederhausen), auch das in der Gemarkung Niederhausen, Distrikt Oedesacker gelegene Gemeindefeld (Waldland), Waldgrundstücke von Heinrich Puricelli, Weinsheim und ein Waldgrundstück in Traisen. An der Begehung nahm auch der Preußische Landwirtschaftsminister Se. Excellenz Freiherr Ernst von Hammerstein-Loxten teil, er stand ohnehin dem Plan positiv gegenüber. Sie fand am 25. und 26.5.1900 statt und die Flächen in Traisen, Weinsheim und Niederhausen wurden in Augenschein genommen. Dabei ergab sich, dass sich die Grundstücke in Traisen und Weinsberg zu dem gedachten Zweck nicht eigneten, während das Niederhäuser Gelände definitiv zum Ankauf in Aussicht genommen wurde. Dem damaligen Landrat Otto Ludwig Agricola gelang es, den Niederhäuser Komplex der Gemeinde bis 1.9.1900 „an die Hand verkauft“ zu bekommen, und den Niederhäuser Gemeinderat (4.9.1900) zu bewegen die Flächen zum Preis 41000 Mark anzubieten und sich bis 1.4.1901 daran zu binden und nur dem Königlichen Fiskus zu verkaufen. Man darf davon ausgehen, dass zu diesem Zeitpunkt umfassendste Kenntnisse zu den in Diskussion stehenden Flächen vorlagen: Exposition, Inklination, Höhenlage, Niederschläge, Sonneneinstrahlung, geologisches Ausgangsgestein, pedologische Kennwerte, Frost- und Hagelgefährdung usw.

Der Anfang wird gewagt – Grunderwerb

Das preußische Finanzministerium Berlin signalisiert in einem Schreiben vom 6. Oktober 1900 sein Wohlwollen, auch zum Kaufpreis von 24000 Mark und regte zugleich an vor dem Kauf dem Landtag Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben und ihn von vornherein in die Entwicklung einzubinden. Schon im Etatjahr 1901 waren Mittel für Bodenerwerb eingeplant, statt an die Saar sollten sie an die Nahe gehen. Mit Erlass vom 1.3.1901 wurde der Ankauf zum Zwecke der Einrichtung eines fiskalischen Musterweinbergs aus der Gemeinde Niederhausen in Flur 7 mit 13,58 Hektar und,62 aus Flur 8 der Gemarkung Thalböckelheim genehmigt. Die Zahlen differieren in den Unterlagen erheblich, es wird auch von 6 Hektar aus Niederhausen und 7,042 Hektar a` 600 Mark von Thal-Schloßböckelheim berichtet. Es darf vermutet werden, dass einerseits von Gesamtflächen ausgegangen wurde, andererseits den tatsächlichen Flächen unter Abzug von Nicht- Weinbergsflächen. Auf jeden Fall wurde der Flächenerwerb in den Jahren 1901 und 1902 abgeschlossen. Zeitgleich, im ersten Halbjahr 1901, wurde Forstmeister Hoepp der Auftrag zum Aufbau erteilt. Mit Schreiben vom 17. Juni 1901 macht er bereits Feststellungen zur Vereinigung der Flächen von Niederhausen und Thal - Schloßböckelheim. Parallel erfolgt am 5.8.1901 ein Bericht der Königlich Preußischen Weinbauverwaltung Coblenz über den Ausbau einer Domänenverwaltung in Niederhausen.

Der Kreuznacher Weingutsbesitzer, Stadtverordnete und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Johann Baptist Engelsmann (1844-1913), hatte das Projekt schon lange gefordert, und stets drei Argumente genannt: Ein Weinbaudomänen - Mustergut als Kristallisationspunkt für Versteigerungen von Nahewein, als Aushängeschild für Winzer und die damit verbundene Preis- und Verkaufskonsolidierung und eine Wunschvorstellung der kleineren und größeren Winzer. Am 29.1.1902 führte er vor dem preußischen Landtag u. a. aus: „Ich wünsche, daß an der Nahe Weinberge bis zu 100 Hektar angelegt werden, dass ein Weinbaudirektor an der Nahe fungieren kann und dass die Gewächse die dort gebaut werden wenigstens ebenbürtig sind mit denen von Rhein und Mosel. Ich bin überzeugt, dass der Staat kein schlechtes Geschäft dabei machen würde.“

Vermutlich den 1. hohen Besuch erlebte die junge Domäne am 28 Juni 1905. Der Preußische Landwirtschaftsminister Se. Excellenz Victor Adolf Theophil von Podbielski (1844 – 1916) „besuchte Kreuznach, machte im, in Festesschmuck angelegten Niederhausen eine Kostprobe und begab sich dann mit seiner Begleitung zu der neuen Weinbergs-Domänenanlage, wo über die bisher erfolgten Arbeiten ein Bericht entgegengenommen wurde. Danach nahm C.F. Eccardt vom Weingut „Felseneck“ in Münster den Gast in Empfang und lobte die Regierung, die durch Musterweinberge ein Vorbild zur Nachahmung geschaffen habe und helfe dadurch auch dem Weinhandel in seinem Bestreben den Ruf der Naheweine sowohl im Vaterland als auch im Ausland weiter zu fördern“ (Kreuznacher Zeitung 30.6.1905).

Der Grunderwerb erfolgte nach dem preußischen Grundsatz, kein Bauernland zu kaufen und zu vermeiden etwa Weinberge von in wirtschaftliche Not geratenen Winzern zu übernehmen und dadurch die Lage des Berufsstandes weiter zu verschärfen. Dem kamen die erworbenen Flächen sehr entgegen, waren sie doch, abgesehen von kleinen Restflächen, ungepflegte Baumgrundstücke, Reste einer ehemaligen Kupferschürfung, Ödland mit Ginster und Eichenschälwald (Lohhecken) bestockt, überwiegend steil und felsig aber meist nach Süden geneigt.

Die Kupferschürfung, zuletzt unter dem Namen „Kupfergruben Manfred und Astarte“ sollen seit dem 15. Jahrhundert durch mehrere Stollen und Schächte gebaut worden sein. Wegen mangelnder Rentabilität wurde 1883 der Betrieb eingestellt. 1915 wollten die ehemaligen Grubenbesitzer im Bereich der Domänenweinberge erneut mit dem Kupfererzabbau beginnen.

Mit der Anlage der Weinberge erfuhr das Gelände eine völlige Veränderung, so, dass man heute kaum noch Spuren des ehemaligen Tagebaus nachweisen kann; bis heute ist noch ein erhöhter Kupfergehalt der Böden festzustellen, der sich auch, wie Untersuchungen aus den 1960er Jahren zeigten, in geernteten Mosten widerspiegelt. Was sich aber durch die kellerwirtschaftlichen Maßnahmen im Wein nicht mehr wiederfindet. Für die seinerzeitigen Erzproben sind 4,94% Cu und 0,00909% Ag belegt. Bei Schneefall sind im Bereich der Kupfergrube noch heute kleine Bereiche zu erkennen, auf denen der Schnee später liegen bleibt und früher wegtaut, was vermutlich durch Stollenmundlöcher im Untergrund bedingt ist.

Die Arbeiten waren kein leichtes Unterfangen, durchzogen doch, wie auch historische Aufnahmen belegen zahlreiche Klüfte, tiefe Rinnen und bis zu 15 Meter hohe Felsnasen das Gelände, frühere Autoren sprechen von einer Felsenwildnis. Nicht wieder zu erkennen waren die Hänge später. In den 1980er Jahren wurde über die Domäne liebevoll von der „Toskana der Nahe“ oder „Intarsie des Südens gesprochen“. Aber man vertraute darauf, dass die anstehenden Magmatite vom Typ des Porphyrs und Melaphyrs den Reben das richtige Ausgangssubstrat bieten könnten. Also mussten die Felsen gesprengt, gewaltige Erdmassen bewegt und Mutterboden herangeschafft werden. Man hatte sich vorgenommen, eine kultivierte Aufschütthöhe von 1,5 Meter zu erreichen um der Rebe günstige Wachstumsbedingungen zu geben. Allerdings zeigte sich später, dass die Wasserspeicherung dieses meliorierten Konglomerats in trockenen Jahren oft nicht ausreichte und durch Überfahren mit feinerdereichem Bodenmaterial, und reichlich organischer Düngung und schließlich durch Beregnung nachbessert werden musste.

Leben braucht Wasser

Zur Wasserversorgung wurde auf Wasservorkommen und Quellen der Bergwerksphase zurückgegriffen. Sie wurden 1903 neu gefasst, weitere Zuläufe abgefangen und in einem 60 Kubikmeter fassenden Behälter gesammelt. Weitere Wasserquellen wurden in der Folge erschlossen und ein weit verzweigtes Leitungsnetz erstellt. 1908 stellt das Preußische Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten 1000 Mark für Erbohrungsversuche bereit wenn Aussicht auf Erfolg bestehe. Auch die Versorgung der Betriebs- und Wohngebäude war einbezogen. In den Jahren 1926 steht die Wasserversorgung erneut im Mittelpunkt. Die Menge reicht nicht aus für Kellerei, Spritzbetrieb und mehr Bewohner. 3 Quellen, eine in +175 m gelegen, liefert normalerweise genug Wasser für die alten Gebäude, sie ist in einem Bergwerkstollen gefasst, sie zeigt eine konstante Ergiebigkeit, scheint aber nicht unabhängig von Oberflächenwasser zu sein. Eine weitere Quelle +230 m gelegen, ist nur unzulänglich erschürft, auch hier sind Verunreinigungen von den bestellten Parzellen nicht ausgeschlossen, Quelle 3 und 4 (+214m +218 m) sind als Schacht in Fels gehauen und zeigen eine geringe Ergiebigkeit (Pläne liegen im Hauptarchiv Koblenz). Am 20. Mai 1927 werden 5000 Reichsmark für den Ausbau bewilligt. Kurz darauf stellt das Medizinaluntersuchungsamt Koblenz die bakterielle Bedenklichkeit fest. Eine Leitung von der oberen Kupfergrube (Bocksbrunnen) zur Kellerei ist nach einer Notiz vom 31.8.1927 wieder instand zu setzen, sie war 1923/24 von Verwalter Zink entfernt worden, um alles Wasser ins Doppelwohnhaus zu leiten, wo Zink wohnte. Weitere Gutachten, Planungen und Kostenermittlungen und Angebote über Dosieranlagen mit Na-Hypochlorid für die Trinkwasserbehandlung folgen. Fazit: Alle Quellen sind für Trinkwasser und Kellerei ungeeignet. Der Anschluß an das Gruppenwasserwerk Waldböckelheim oder eine Pumpstation im Nahetal wird erwogen, schließlich bemüht man auch einen Wünschelrutengänger, der aber außer Spesen keine neuen Erkenntnisse brachte. Am 9.10.1931 wird vermerkt man müsse „die Arbeiten in die Wege leiten“. Diesen Status hat der Verfasser, wie er ihn selbst nun auch erst jetzt erfahren hat, einige Jahrzehnte später noch vorgefunden. Wieder kam das Gesundheitsamt, diesmal aus Bad Kreuznach, sein Befund war eindeutig. Schon bald wurde eine entsprechende Dosieranlage beschafft und auch aus Eigennutz und wegen des Chlorgehalts weitgehend selbst überwacht. Das blieb so bis in die 1980er Jahre, erst dann erfolgte der Anschluss der Domäne an das öffentliche Versorgungsnetz. Gleichzeitig wurden zu dieser Zeit auch die Abwässer dem kommunalen Netz zugeführt.

Kräftige Arme unter der Regie eines Forstmeisters

Preußisch akribisch wurde alles genau geplant, so auch die Ermittlung der zu erwartenden Herrichtungskosten: Für Wegebau 16000.- Mark, für Stützmauern 14000.- Mark, für Auffüllungen 6000.- Mark. Für die Erstellung von 1 Hektar neuer Rebfläche ermittelte man Kosten von insgesamt 37708.- Mark einschließlich anteiliger Gebäudekosten und Zinsen. Bei einer Verzinsung mit 3%, Betriebskosten von 1500.- und Steuern von 200.- Mark ergaben sich Produktionskosten von 2835.-Mark je Hektar. Man ging von einem Ertrag von 4,1 Fuder pro Hektar aus (1993 vergleichsweise bei ca. 5000 Liter), bei einem Fuderpreis von 750.- Mark erwartete man einen Erlös von 3075.- Mark je Hektar. Dies entsprach einem Gewinn von 240.- Mark. Die Kostenermittlungen nahmen einen breiten Raum ein waren sie doch Grundlage für die Standortentscheidung der Kellerei bzw. des Lagerkellers.

Erst danach konnte Forstmeister Hoepp aus Trier mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Unter seiner Oberaufsicht begannen am 19. oder 20. September 1902 10 Arbeiter mit den Einrichtungs-, und Kultivierungsarbeiten. Bis Ende November waren 59 Arbeiter im Einsatz. Bis Ende 1902 waren Flächen von 26,69 Hektar erworben bei einem Kaufpreis von 90523 Mark. Noch 1902 wurde Forstassessor Vinzenz Schmanck zur Unterstützung von Hoepp „attachiert“ (Geschichte Domäne Marienthal).

Zunächst ging es darum, die Flächen von Bewuchs frei zu machen um das Gelände genauer zu erkunden und die kartographischen Grundlagen zu schaffen für die Planung von Wege- und Wasserführung. Sehr rasch stellte man fest, dass mehr Arbeitskräfte notwendig waren. Am 24. Oktober 1902 forderte die Königliche Regierung zu Coblenz beim Ministerium des Inneren, Berlin, 80 Strafgefangene an. Erst am 17. Juni 1903 kam das Einverständnis von dort: „aus der Strafanstalt Ziegenhain alsbald 50 und aus der Strafanstalt Diez sobald erforderlich, 30 zur Außenarbeit geeignete Gefangene nach den genannten Weinbergsanlagen zu überführen“, sie trafen am 1. Juli 1903 ein. Es wird berichtet, dass die Aufseher stets mit Gewehren bewaffnet waren, wofür auch Bilddokumente sprechen. Dass die Sträflinge auch „angekettet“ waren, wird wohl eher als Gerücht zu werten sein.

Schon im April 1903 werden auf einer planierten Terrasse, der heutigen Lage Kupfergrube, Baracken für die Gefangenen errichtet und im Folgejahr um 2 Arrestzellen und ein Abortgebäude ergänzt. Die Kosten hierfür werden von der Gefängnisfiliale Niederhausen getragen. Die Einrichtungen wurden bis 1918 genutzt und erst in den Jahren 1930/31 abgerissen. Dem Verfasser hat der langjährige Mitarbeiter Otto Friebis einen Teil in der Lage Kupfergrube zur exakteren Ortsbeschreibung immer als Mördergrube bezeichnet, vermutlich der Teil in dem die entsprechenden Baulichkeiten standen. Zeitweise waren später über 300 „Zuchthäusler“ abgestellt, aber nur 5jährige Sträflinge, denen hier in den letzten 2 Jahren in einer „Resozialisierungmaßnahme“ der Übergang in die Freiheit erleichtert werden sollte. Zusätzlich waren bis zu 100 freie Arbeiter im Einsatz, sie verdienten im Sommer 2 Mark, im Winter 1,80 Mark, ab 1906 3 bzw. 2,20 Mark, Vorarbeiter das ganze Jahr 2,50-3,00 Mark und Handwerker 3,50 Mark. Also eine recht stattliche „Gefolgschaft“, wie in den Unterlagen statt Mitarbeiterschaft zu lesen ist.

Insgesamt wurden ca. 420000 Kubikmeter Erdmassen bewegt und 900 Kubikmeter Mauerarbeiten errichtet, 1934 beziffert der damalige Administrator Jost die Erdmassebewegungen auf 500000 Kubikmeter. Seit 1902 wurden tägliche Aufzeichnungen über Bodenbewegungen notiert, die Herrichtung vermerkt und Anpflanzung festgehalten. Es darf erwähnt werden, dass auch in den 50-80er Jahren größere Erdbewegungen durch neuerliches Überfahren zur Verbesserung des Wurzelraums stattgefunden haben.

Pflanzen und Ernten

Schon im 2. Aufbaujahr, im Mai 1903, konnten in der heutigen Lage Hermannsberg (Lage im Alleinbesitz) in einer auf 1,5 Meter tief gerodeten Fläche 1878 Rieslingreben von der Provinzial Wein- und Obstbauschule, Bad Kreuznach gepflanzt werden. 1907 fand vom 7. bis 9. November die erste Weinlese statt, es war eine bescheidene Ernte. Der Jungfernertrag von 1330 Litern und 83° Oechsle und 11 bis 12,8 Promille Säure wurde in den Keller der Oberförsterei Sobernheim eingelagert und war der Anfang einer fast 100 jährigen Erfolgsreihe. Für 1908 werden auch nur 1435 Liter, bei 72°- 98° Oechsle, für 1909 wurde 1/3 einer normalen Ernte, 5920 Liter, bei Mostgewichten zwischen 71° und 80° Oechsle aus den Pflanzungen der Jahre 1903-1905 und einer Fläche von 3,5 Hektar notiert.

Man richtete auch eine Rebschule ein um den ständigen Bedarf an Pflanzmaterial zu decken. Im Mai und Juni 1903 wurden 80000 Rieslinghölzer von mehreren Weinbergsbesitzern aus Niederhausen und Thalböckelheim verschult. Entsprechend den Fortschritten bei der Meliorierung wurde Zug um Zug gepflanzt: 1906 waren 6,5 Hektar gepflanzt, 1907/08 kamen 1,27 Hektar hinzu. Der Kometenjahrgang 1911 brachte eine Ernte von 24313 Liter Most, bei Mostgewichten zwischen 70° und 94 ° Oechsle und Säuren zwischen 6,2 und 11,8 Promille. Der Jahrgang 1921 ist mit 34230 Liter Most und Mostgewichten bis 308 ° Oechsle, dem höchsten Wert in der ganzen Geschichte, in die Annalen eingegangen; 1934, 1937, 1947, 1949, 1953, 1959, 1975, 1976 folgten (alle Jahrgänge sind gut dokumentiert). Der Spitze folgten 1912 massive Frühfrostschäden, man war durch Sortieren um Trennung von erfrorenen und guten Trauben bemüht; die minderen Weine wurden zur Sektbereitung verkauft, damit sie nicht als Domänenwein in den Handel gelangten. Außerdem hatte man stark unter Dickmaulrüsselkäfern zu leiden, ihre Bekämpfung erfolgte mit Schwefelkohlenstoff. Im Mai 1912 wurde der 1911er versteigert, das beste Halbstück brachte 2420 Mark.

Berichte und Mahnungen

Das Berichtswesen war auf jeden Fall sehr ausgeprägt. Die Direktoren der Weinbauverwaltungen waren nach § 4 der Dienstanweisung gehalten, dem Minister jedes Viertel- bzw. Halbjahr einen Bericht über Ergebnisse und den Stand des Geschäftsbetriebes der Domäne zu erstatten. Über Jahrzehnte wurden diese Berichte erstellt. Sie geben getrennt nach Domänenteil Auskünfte über Ernteergebnisse, Qualitäten, Witterungsverhältnisse, Schädlingsbefall, Verkaufszahlen, Arbeitskräftesituation usw. 1936 erfährt die Domänenverwaltung eine Rüge, der Verfasser fühlt sich nachträglich in bester Gesellschaft, es wurde Wein auf Flaschen gezogen, die Dienstanweisung sieht aber nur den Verkauf von Fassweinen vor. Dies steht allerdings in Widerspruch zum 15.3.1911, wo Schmanck „gehorsamst anzeigt“, 675 Flaschen 1908er Niederhäuser Hermannsberg an den Club der Landwirte in Berlin geschickt zu haben. Im Bericht für 1923/24 erfährt der leitende Beamte den schwerwiegenden Vorwurf von Pflichtsversäumnissen und nachlässiger Bewirtschaftung. Infolge von notwendigen Sparmaßnahmen beschäftigte man nur noch 42 Arbeiter und es wurden nur noch die notwendigsten Arbeiten ausgeführt. In den 30er Jahren wird auf einen Vierteljahresbericht hin vom Reichs- und Preußischen Ministerium für Ernährung der hohe Probenverbrauch, gemessen am Verkauf, gerügt. Man verdächtigt die Mitarbeiter, auf diese Weise ihr Deputatweinkontingent aufzubessern. Die Zahlen sind verdächtig: Verkauf 390 Flaschen, Probeverbrauch 23 Flaschen; Verkauf 380 Flaschen, Probeverbrauch 36 Flaschen; Verkauf 11 Flaschen, Probenverbrauch 9 Flaschen usw. 1936 hatte man erneut 38 Halbstück und 4 Viertelstück auf Flaschen gefüllt, das Ministerium weist mahnend darauf hin, dass die Kosten der Abfüllung für den Fiskus zu hoch seien.

Eine schwere Geburt – der Kellerbau

Ein Dauerthema der ersten Jahre war die Standortfrage des Kellers. Entweder am „Markt Kreuznach“, man hatte den Keller unter der Realschule in Erwägung gezogen, auch einen Neubau mit einer Kostenschätzung von 120 000 Mark zuzüglich 10500 Mark für den Baugrund oder aufgeteilt in den umliegenden Dörfern vor allem in Forsthäusern oder doch bei den Weinbergen in Verlängerung an den Gärkeller in Form eines Felsenkellers. Am 6.4.1903 erfolgte von Hoepp ein konkreter Vorschlag zur Errichtung eines Kellers und der entsprechenden Dienstgebäude bei den Weinbergen, er wurde am 11. Januar 1905 wie folgt konkretisiert: Lagerkeller für 250 bis 300 Fuder, Gärkeller, Kelterraum für 4 Pressen, Maischeraum, 4 Bütten, Dienstgebäude. In einem Schriftwechsel, vor allem im Mai 1904, wird vom Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Berlin und der Königlichen Regierung Coblenz der Oberpräsident der Rheinprovinz ultimativ aufgefordert innerhalb von 6 Wochen eine klare Stellungnahme über Notwendigkeit, Art, Kosten und Zeit für den Lagerkeller und die Dienstgebäude abzugeben. Am 31.5. 1904 stellt Forstmeister Hoepp fest, dass vor 1906/07 ein Bau nicht nötig sei, da vorher kaum eine Weinernte sei, die geringen Mengen könnte man im Winzerkeller Niederhausen einlagern und für den Weinbauvogt genüge das alte Forsthaus, der Plan sei verfrüht und im übrigen, verweise er auf seinen Bericht vom 4.8.1901. Trotzdem wird zur weiteren Klärung und aufgrund mangelnden eigenen Sachverstands für den 22.9.1904 ein Besuch der Dominial-Weinberge bzw. der Dominial-Zentral-Kellerei in Trier vereinbart. Forstmeister Schmanck erhält dafür am 18.9.1904 eine Dienstreisegenehmigung. Der Besichtigungsplan Hoepps sieht vor: Mit der Eisenbahn, Uhr 6.55 Trier, Ockfen 7.34, zu Fuß zur Domäne Ockfen (1/2 Stunde steil bergan), Rückfahrt nach Trier um 10.12 , Ankunft 10.53 Uhr, Besichtigung der Zentralkellerei, 12.00 Uhr Mittagessen, 1.00 Uhr per Wagen nach der Domäne Avelsbach, Rückkehr nach Trier 5 1/2 Uhr, Abfahrt nach Coblenz 6.03 Uhr, Ankunft 8.00 Uhr abends. Oberregierungsrat Elsner von Gronow war schon am Vorabend der Besichtigung in Trier eingetroffen und im Hotel „Porta Nigra“ abgestiegen. Für Baurat Haeuser von der Königlichen Kreisbauinspection Kreuznach, der auch an dem Ortstermin teilnahm, liegt eine Reisekostenabrechnung vor, die auszahlende Behörde korrigiert die Angaben, z. B. eine Streckenangabe von 20 Kilometer auf 19,4 Kilometer; auf dass alles seine Richtigkeit hat. Am 20.10.1904 machen Haeuser, Hoepp und Schmanck in Niederhausen eine Begehung und besprechen die Lage und Anordnung der zu errichtenden Betriebsgebäude: Der Lagerkeller soll am Fuße des Bergkopfes in den Hang gebaut werden, darüber ist der Gärkeller vorgesehen, daneben Keller und Stallung für den Weinbauvogt; es entspricht grob den heute noch bestehenden Baulichkeiten. Alles wird in Skizzen festgehalten und von Hoepp begutachtet. Immer wieder gab es durch „Überbürdung“ des Kreisbauinspectors, Baurat Haeuser, Bad Kreuznach, Verzögerungen, auch die Standortfrage ging hin und her. Am 19. 4.1904 lag nach mehrmaliger Fristverlängerung ein Kostenüberschlag in Höhe von 196000 Mark vor, nach Änderungswünschen ermäßigte sich die Summe auf 113000 Mark (detaillierte Kostenaufstellungen liegen vor).

Die Prüfungsbemühungen zogen sich bis 1907 hin und es gibt Hinweise, dass ab 1905 „unter der Realschule“ (Reitschule) in Kreuznach für 1160 Mark Miete ein Keller für 130 Stück genutzt wurde, wobei aufgrund der Weinbergsfläche eine größere Kapazität erforderlich war. Parallel wird dem Fiskus 1905 eine ganze Reihe von Objekten in Kreuznach angeboten mit denen die Kellereifrage sofort gelöst werden könnte. Von Anlagen in „bester Lage gegenüber dem Casino, 2 Minuten zur Post, Nähe der geplanten elektrischen Straßenbahn nach Münster am Stein, mit 6 hydraulischen Keltern, teils mit Bild usw. wird werbewirksam gesprochen. Als Namen tauchen auf: Laist + Engert, Potthoff und Söhne, Villa Steinhauer, Ernst Rieger, H. Ihlhardt, C. Seligmann, Carl u. Theo Vollmann, Fa. Josef Schneider-Oster, Jakob Saßler, Albert Brummer, Landau / Pfalz. Ein Verkäufer offeriert seine Grundstücke zu „handlichen Preisen“. Von den Anbietern wird teils die schleppende Beantwortung beanstandet aber es werden auch neue Problemfelder angezeigt. Der Hauptsitz der Nahe-Dominial-Verwaltung müsse auf jeden Fall in Kreuznach sein, weil Niederhausen zu einseitig im Nahetal liege; auch seit 30 Jahren werde nichts für den Nahewein getan, nur für Rheingau, Mosel, Saar, Ruwer und das Rotweingebiet am Niederrhein, jetzt mit 60000 Mark.

Nachdem sich die passenden Angebote aus Kreuznach bei 230-240000 Mark bewegen favorisiert Schmanck den Bau der Kellerei in Niederhausen weil es dort billiger komme; als Zentralverkaufsstelle komme Kreuznach in Frage. Die Kreuznacher Weingutsbesitzer wollen unbedingt, dass die Weinbergsanlagen in Niederhausen auf ein Minimum beschränkt werden.

Die Nahe-Dominial-Weinbauverwaltung machte Ende 1905 in 12 Punkten differenzierte Korrekturen am vorliegenden Bauplan was von Haeuser mit einer nicht enden wollenden Stellungnahme erwidert wird: Er hält Kreuznach für zweckmäßiger. Am 24.3.1906 vereinbarte man einen Behördentermin für den 3.5.1906 mit 2 Punkten: 1. Besichtigung der domänenfiskalischen Weinbergsanlage Niederhausen-Thalböckelheim, 2. Besichtigung der in Kreuznach angebotenen Kellereien. Teilnehmer waren: 1. Der Ministerial-Direktor, Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Dr. Thiel, 2. der Geheime Oberregierungsrat Schumacher, 3.der Geheime Oberfinanzrat Dr. Goedecke,(1-3 aus Berlin), 4. der Regierungspräsident Freiherr von Hövel, 5. der Domänendepartementsrat Regierungsrat Dr. Dietrich, 6. der bautechnische Referent der Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten zu Coblenz, Landbauinspektor Holtzheuer (4-6 aus Coblenz), 7. der Weinbaudirektor Forstmeister Hoepp, Trier, 8. der technische Leiter der Weinbergseinrichtungsarbeiten an der Nahe Oberförster Schmanck, Sobernheim, 9. der Kreisbauinspektor Baurat Haeuser, Kreuznach, 10. der Landrat des Kreises Kreuznach, v. Nasse. Als Fazit kann aus den Unterlagen entnommen werden: Die Weinbaudomäne ist eine Musteranlage deshalb sollen auch die Baulichkeiten dort platziert werden, die Kosten müssen hinter diesen Gesichtspunkt zurücktreten. Vor allem die Berliner Vertreter haben die Auffassung die finanzielle Frage habe den Vorrang. Haeuser und Hoepp erhalten den Auftrag die Kosten des Ankaufs und die Umgestaltung des Besitztums Steinhauer und auch die Kosten einer längerfristigen Vermietung zu ermitteln.

In einem weiteren Protokoll zum Ortstermin vom 3.5.1906 von Weinbaudirektor Forstmeister Hoepp und dem Technischen Leiter Oberförster Schmanck wurde eine weitere Ausdehnung der Anpflanzungen festgehalten, wobei Hoepp auch vorschlug Ackerflächen an Arbeiter zu verpachten, die Trauben auf jeden Fall am Produktionsort zu keltern, weil die Verarbeitung am gleichen Tage erfolgen müsse, Kreuznach aber nicht gänzlich als Lagerkellerei ausscheide. Zur Überbrückung wurde ein Keller in Oberhausen (Mühlenbesitzer Julius Bollenbach) für 20 Stück und 110 Mark jährlicher Miete angemietet; Verwalter Klein wohnte daselbst und konnte die Aufsicht übernehmen. Weitere Vermieter waren die Kellereien Schneider-Oster und Steinhauer (Kreuznach). Dazu kamen Lagermöglichkeiten im Keller beim Dienstsitz der Oberförsterei in Sobernheim.

Hoepp und Schmanck gaben gemeinsam ihrer Sorge Ausdruck über die Entwicklung in Sachen Keller. Sie sahen in der weiteren Anmietung qualitative Probleme durch Geruchsbelastungen, Rauch durch Heizen der Räume, gemeinsame Lagerung mit Kraut und Rüben. Auch der „Charakter der Domäne als Musteranlage schwinde, denn zu ihr gehören auch entsprechende Kelleranlagen“.

Hoepp, Schmanck, Haeuser kommen am 16.10.1906 zum Ergebnis: Der Ankauf des Objekts Steinhauer ist zwar um 9000 Mark billiger, könne aber die Möglichkeiten eines neuzeitlichen Gebäudes nicht bieten. Deshalb ist ein Neubau in Niederhausen gerechtfertigt. Endlich am 18.1.1907 gab man in Berlin trotz der Marktferne und der Mehrkosten der Lösung bei den Weinbergen den Vorzug. Da die Neubauverfügung der Regierung in Coblenz zu lange auf sich warten ließ wird sie von Berlin angemahnt. Schon am 5.10. 1907 hat man mit der Abtragung der obersten Bodenschicht für den Neubau begonnen. Aber trotz nun auftretender geologischer Probleme lässt man sich nicht mehr aufhalten und verfährt nach dem Grundsatz „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Bei einem nochmaligen „großen Behördentermin“ am 24.6.1908, mit ähnlicher Besetzung wie am 3.5.1906 wird festgelegt: 1. Der Gärkeller wird um 10 Meter zum Berg hin verschoben, 2. der Aushub der Baugrube erfolgt durch die Weinbergsverwaltung, 3. das Mauerwerk der Kelleranlagen erledigen Strafgefangene unter einem versierten Aufseher, 4. der Gärkeller erhält keine Mittelstütze, da diese den Betrieb störe, 5. hydraulische Keltern oder ein ebensolcher Aufzug kommen nicht in Frage aus Mangel an Wasserdruck, 6. 2 neue Wasserquellen in der Schlucht vor den Gefangenenbaracken werden gefasst.

Auf Hoepp folgt Schmanck – die Förster bestimmen den Kurs

Im Jahre 1905 gab Hoepp Niederhausen arbeitsüberlastet auf und Schmanck wurde am 21. November sein Nachfolger. Er führte Hoepps Planungen aus und ergänzte sie.

Schmack, 1863 in Höllinghofen geboren, hatte eine umfassende Ausbildung erfahren: Studium der Forstwirtschaft in Hannoversch – Münden, naturwissenschaftliche und juristische Vorstudien in Bonn, Studium der Geodäsi, Staatsexamen. Eine Freundschaft mit Hoepp veranlasste ihn, mehrere Monate praktisch auf den Saar- und Moseldomänen zu arbeiten. Anschließend besuchte er die Preußische Lehr- und Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau, Geisenheim, um das weinbauliche Examen abzulegen. Seine Vorbildung veranlasste den Preußischen Landwirtschaftsminister ihm, ohne Rücksicht auf sein Alter, die Leitung der Preußischen Oberförsterei Soberheim zu übertragen einschließlich der Leitung der Domäne Niederhausen.

Im Zusammenhang mit diesem Wechsel wird nachfolgende Anekdote kolportiert: Der Leiter der Domänenabteilung beim preußischen Landwirtschaftsministerium schlug Staatsminister von Podbielski einen süddeutschen Herren mit der Begründung vor, in Preußen sei kein Fachmann mit Ruf zu finden. Dieser verwarf den Vorschlag sofort: „Ach was, wir haben schon genügend Süddeutsche in der Verwaltung, die Rebe ist ein Baum, welcher Forstassessor ist an der Reihe, etwas zu werden? So, der Forstassessor Schmanck. Gut, dann wird Schmanck Weinbaudirektor in Niederhausen, basta!“ Förster bildeten ohnehin in der preußischen Verwaltung eine starke Fraktion, auch im landwirtschaftlichen Bereich.

Februar / März 1907 erfährt man noch aus einem Schriftwechsel zwischen Hoepp und Schmanck, dass im alten Forsthaus, das der „interimistische Weinbergsverwalter“ Klein nunmehr mit Familie bewohnt, die Feuchtigkeit in den Räumen so hoch ist, dass Kleidungsstücke in den Räumen schimmelig werden. Hoepp schreibt: Seit 30 Jahren ist das Haus in diesem Zustand bewohnt, ohne dass es gesundheitsschädlich gewesen wäre. Nach meiner Beobachtung werden die Räume und Kleider nicht genügend gelüftet, daher der Schimmel. Baurat Haeuser hat Mitleid mit den Kindern, derenthalben man nicht bei Wind und Kälte lüften könne und auch Schmanck hat ein Einsehen und meint es sei auch nicht sicher dass der Neubau 1909 bezugsfertig sei. Da dieses Haus auch nicht an die Wasserleitung angeschlossen und erst noch mit einer Stichleitung an die Gefängnisbaracken angeschlossen werden muss, ist Kleins Frau auch zum Wassertragen verurteilt. Klein beschafft sich eine Wasserpumpe um in Selbsthilfe den Zustand zu überbrücken.

Aus 1908 datiert ein Hinweis über die „Pächterwohnung“ nebst Stallungen, es handelt um die in neuerer Zeit von den Direktoren benutze Wohnung (eine Zeichnung dieses Gebäudes wie auch alle Pläne der Kelleranlagen befinden sich beim Landeshauptarchiv Koblenz) sowie Details über Abortanlage und deren Abgänge, die in einem Tonnenwagen mit Handdeichsel zu sammeln sind, versehen mit Schieber und Bajonettverschluß. In Bestandsplänen vom 30.12.1910, weist das Wohn- und Stallgebäude für den Weinbergsvogt einen Futterraum und Stall für Rindvieh und Schweine aus, nicht groß, Länge 10,38 m, Tiefe 5,68m; die Baupläne 1912 zeigen eine Umwidmung auf: Holz-, Kuh-, Schweine-, Gänse- und Hühnerstall. Das gesamte Gebäude war zunächst freistehend, nach der Auflösung der Stallanlagen und im Zuge der stärkeren Erdabdeckung des Kellers wurde das Gelände aufgefüllt (siehe Problem Kellertemperatur).

Im Kellereigebäude wird 1910 südlich neben dem Probierraum ein Schlafzimmer von 18,63 m², eingeplant vermutlich um dem in Sobernheim wohnenden Weinbaudirektor, Forstmeister Schmanck eine Übernachtungsmöglichkeit zu schaffen.

Erst mit Erlass von 1910 des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Berlin wurde der Schwebezustand der gesamten Baumaßnahmen, nach erneuter Besichtigung der Trierer Anlage und einer Kostenermittlung von 108 300 Mark beendet. Berlin hatte am 24.4.1908 die Kosten für den Keller von 129770 Mark als noch zu hoch bezeichnet und durch eine Reduzierung um 10% auf 117000 Mark begrenzt, was durch eine weniger aufwändige „Architektonik“ erreicht wurde.

Die Kellereianlage einschließlich Betriebsgebäude sowie Wohn- und Stallgebäude für den Weinbergsvogt, wie wir sie heute noch in den Konturen kennen entstand dann Zug um Zug in beherrschender Lage auf einer vorspringenden Felsnase; teilweise in historisierenden Bauformen des Jugendstils. Am 10.11.1910 schloss Forstmeister Schmanck zu Sobernheim mit dem Bauunternehmer Klein zu Norheim einen Vertrag über die Ausschachtungsarbeiten zum Bau der Kellerei, kostenlose Schärfung der Geräte in der Domänenschmiede, außerdem stellt die Domäne Loren und Gleise zur Verfügung.

Schon bald hatte die Königliche Weinbauverwaltung zu Sobernheim Ergänzungswünsche. So soll die Probierstube eine „reichere“ Ausstattung durch Ausmalung und Vertäfelung erfahren. Das hatte auch der Kunstmaler C. Heine Coblenz Burgstr. 4 „in Erfahrung gebracht“ und interessierte sich am 8.Oktober 1911 für Ausmalung des Probierzimmers, er ist zu einem farbigen Entwurf bereit und bittet um weitere Nachricht. Die Kreisbauinspection hat schon einen jungen Maler vorgesehen, Heine soll trotzdem seinen Vorschlag unterbreiten. Von der Münchener Glasmalerei A. Staudinger wird zur gleichen Zeit ein Vorschlag zu den Glasmotiven in den Probierzimmerfenstern gemacht, die Bauverwaltung hatte dazu vorgeschlagen: Grafen von Sponheim, Rhein- und Wildgrafen, Grafen von Salm-Kyrburg, Freiherrn von Dalberg, Franz von Sickingen und Boos von Waldeck. Die Firma Joh. Kraef, Coblenz gibt dann am 22.2.1913 ein Angebot über 9 Glasfenster in antiker Bleiverglasung, Wappenscheiben streng heraldisch gestaltet, Deckenbemalung, 2 Lederstühle, Tisch, Vorhänge, Deckenlüster zum Preis von 1494 Mark ab. Ende 1913 ist die Maßnahme abgeschlossen. In dem Artikel von Böhmer (1929) ist ein Bild dieses Probierraums überliefert. Teile der Einrichtung wurden später im kleinen Probierzimmer des Direktorwohnhauses (ehemals Wohnung Weinbergsvogt) bis heute verwendet: Teile der Holzvertäfelung, Teile der Fenster, 2 Ledersessel, 2 Sitzgruppen.

Bereits am 13.7.1912 wird über zu hohe Kellertemperaturen (14° C) geklagt, man muss 30 Liter Eiswein umlagern und stellt die Frage ob im Innern des Kellers noch eine weitere Wölbung angebracht werden könne. Zwischen dem 26.7. und 9.8.1912 ermittelt man genaue Temperaturen und legt sie in tabellarischer Form vor. Auch 1916 und 1918 geht es noch um die Kellertemperatur des auf dem Bergrücken gebauten Kellers. Als Zielgröße waren 11° C angestrebt. Der bisher wenige Wein musste mit Eis gekühlt werden. Man war dem Gedanken der Kühlgärung schon weit voraus. Bei den Planungen hatte man zunächst eine Stollenanlage von 66,80 Metern favorisiert, man musste aber auf einen Grubenbau mit schwacher Erdüberdeckung ausweichen. Nun war man wieder beim Gedanken eines Stollens, es gab einen Vorschlag einen16 Meter tiefen Probestollen zu graben und den Keller zu vertiefen. Erst Jahre später wurde dem abgeholfen und die Erdaufschüttung verstärkt. Neben tieferen Kellertemperatur waren aber auch zur notwendigen Umgärung höhere Werte erforderlich. Mit einem Kaminbau vom Keller aus und Heizung mit Kohleöfen wollte man Abhilfe schaffen. Das wird von der Baubehörde nicht gut geheißen, stattdessen kommt eine bessere Lösung zum Tragen, eine Warmwasserheizungsanlage der Firma Clemens, Kreuznach, die Rohrreste sind dem Verf. im Keller noch begegnet. Man forderte weiterhin den elektrischen Anschluss an die Überlandzentrale um die Beleuchtung des Kellers mit den teuren Spirituslampen zu ersetzen; Karbid und Petroleum scheiden wegen Geruchsbelastungen beim Wein aus. Der elektrische Anschluss erfolgte 1922. Am 1. Dezember 1921 werden Bauverträge für das Dienstwohnungshaus unterzeichnet.

In einem Protokoll zum Ende der gesamten Baumaßnahmen wurde u.a. festgehalten: "Übergabe des Domänengebäudes am 6.10.1913, Regierungsbaumeister Bode, Weinbergsverwalter Klein i.V. des Weinbaudirektors Schmanck, Regierungsbauführer Hamann, insgesamt als gut gesehen, bei Schmiede und Abort zieht bei Westwind der Rauch gegen das Wirtschaftsgebäude, Sammelgrube hat keinen geschlossenen Boden, die Abwässer versickern im aufgeschütteten Geröll und in den Felsklüften. Es ist eine wasserdichte Grube mit 3 Kammern herzurichten.“

Ab jetzt: Königlich Preußische Domäne Niederhausen - Schloßböckelheim

In das Jahr 1911 fällt die Namensänderung: Die Königlich Preußische Domäne Niederhausen - Thalböckelheim, heißt nunmehr Niederhausen - Schloßböckelheim.

Auf einem Flaschenetikett vom Jahr 1929 wird der Betrieb als Preußische Domänen – Weinbauverwaltung Niederhausen a. d. Nahe bezeichnet. Vielleicht war das auch der Auftakt für die 1935 zwischen den Gemeinden Niederhausen, Schloßböckelheim, der Amtsvertretung Waldböckelheim und der Domänenverwaltung geführte Korrespondenz, welcher Ortsname korrekterweise vorn zu stehen habe. A propos Etikett, es gibt weiter Auskunft: „In der Staatlichen Domänenkellerei abgefüllt und mit Brandkork verschlossen“.

Die Domäne vertrat später (5.4.1935) den Standpunkt, dass der Lage- und Ortsname Schloßböckelheim Weltruf bedeute, was sich auch im Verkauf und in den Preisen niederschlage und zugleich den Verkauf der Weine von der Unteren Nahe begünstige. Dazu gab es ein positives Votum des Schloßböckelheimer Gemeinderates, nämlich die Weinbaudomäne von Niederhausen nach Schloßböckelheim „umzugemeinden“. Auch die Amtsvertretung von Waldböckelheim präferierte Schloßböckelheim und nimmt auch Bezug auf ein Schreiben der Gemeinde Niederhausen, die ihrerseits anstrebt die Gemeinde Schloßböckellheim einzugemeinden. Es scheint auch zu einigen „abfälligen Bemerkungen“ von Niederhäuser Seite gekommen zu sein (vgl. Seil 2000). Die Flaschenetiketten von 1917 sprechen von Königlich Preußischer Domänenweinbauverwaltung Niederhausen Schloß- böckelheim, 1920 auch von Staatlicher Domänenweinbauverwaltung Niederhausen Schloß- böckelheim a. d. Nahe, 1929 wie oben erwähnt, nach dem 2. Weltkrieg bis 1998 Verwaltung der Staatlichen Weinbaudomänen Niederhausen – Schloßböckelheim. Anscheinend hat man es über die Jahre recht entspannt gesehen, mit und ohne Bindestrich, königlich und staatlich, Domäne, Dominial…usw. In jüngster Zeit (Ende1994) taucht im Zusammenhang mit einem „Domänen Parfüm“ lt. Fernsehbericht als Firmensitz Waldböckelheim auf – man reibt sich die Augen und fragt sich warum.

Zum Ersten, zum Zweiten und zum…

Im Jahr 1911 gründet sich in Bad Kreuznach der Verein der Naturweinversteigerer in den die Domäne Niederhausen-Thalböckelheim aufgenommen wird. Regelmäßig an 2 Tagen versteigerten im großen Saal des städtischen Saalbaus in der Mühlenstraße 51 zu Bad Kreuznach die Königlich Preußische Domäne Niederhausen - Schloßböckelheim, Provinzial Weinbau- und Obstbauschule Bad Kreuznach, L. Dupuis, Waldböckelheim, Rittergutsbesitzer Hermann Stock, Graf Plettenberg, Gutleuthof Carl Andres, Rudolf Anheuser´sche Gutsverwaltung, Weingut August E. Anheuser ihre Gewächse. 1931 lagen die Preise je Halbstück - es wurden nur Fassweine angeboten – zwischen 350 und 690 Reichsmark. Später wurden die Versteigerungen in der Concordia in der Kurhausstraße und danach im Großen Kursaal des Kurhauses abgehalten. Die jährlichen Versteigerungen des 1. Versteigerungsrings waren immer bedeutende Ereignisse im Jahresablauf und ein Qualitätswettstreit. Die Domäne war auch der einzige Betrieb der an allen Versteigerungen teilnahm, sie hat 1982 auch einmal ganz allein mit 33 Weinnummern die Versteigerung erfolgreich bestritten. Es gab hilfreiche Partner in der Person der Kommissionäre. Bei der Spitzen-Weinversteigerung des Verbandes der Prädikatsweingüter wurde 1981 für

eine1949er Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Trockenbeerenauslese 2400 DM und 1985 für eine 1953er Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Trockenbeerenauslese 4000 DM erlöst.

Domänen - Allerlei

Aus 1908 wird berichtet, dass Weinbergsverwalter Klein einen Antrag zur Unterstützung von 198.- Mark für eine Dienstuniform gestellt hat, laut einem Erlass bereits aus 1902 war eine solche auch für die Kellereiverwaltung vorgesehen.

Auch 1908 und zwar am 17. Dezember wird für den Außen- und Kellereiverwalter die erste Dienstanweisung erlassen. 4 Jahre später (1912) erfolgt am 7.6. die für Weinbergsverwalter Klein und am 27. November die des Direktors.

Auch das Telefon wurde 1912 beantragt der gestiegene Geschäftsbetrieb mit Kommissionären, Weinhändlern und Geschäftskunden verlange dies.

Mit Schreiben vom 19.11.1913 meldet Schmanck auch einen Raumbedarf zum Aufenthalt der Kommissionäre an, weil der als Labor genutzte Raum neben dem Probierzimmer nicht für diesen Personenkreis zugänglich sein darf. Er regt an, stattdessen den Raum über dem Probierzimmer zu nutzen, der an den Gehilfen vermietet sei. Der Gehilfe könnte evtl. im alten Forsthaus unterkommen, ist vermerkt.

In den Jahren 1912, 1913 werden eine 2.Kelterpresse (Ph. Mayfahrth, Frankfurt, galt als z. Zt. bester Hersteller) und eine 3. hydraulische Kelter (Clemens Bad Kreuznach) beantragt. Weitere Anträge betreffen den Bau einer Küferwohnung, sowie den Bau eines Veredelungshauses.

Die Königliche Kreisbauinspektion muss sich schließlich auch damit beschäftigen, dass „im Winter bei Glatteis, die Klosetts ohne alpine Ausrüstung erreicht werden können“, - die Lösung wird gefunden.

Mit Erlass vom 23.7.1921 wird die Höhe des Deputat- und Reklameweins für den Weinbaudirektor und die übrigen Bediensteten geregelt. So erhielt beispielsweise Weinbaudirektor Jost 70 Flaschen, Verwalter Bauer 60 Flaschen, Bürohilfe Mecking und Kellermeister Stein je 40 Flaschen. Man war angehalten diese Weine bei häuslichen Anlässen zur Verkostung zu bringen um neue Abnehmer zu finden.

Bereits 1916 wird davon berichtet, dass aus 1282 Kilogramm Traubenkernen rund 73 Kilogramm Kernöl und 1037 Kilogramm Ölkuchen gewonnen wurden; die als Back-, Speise- und Brennöl verkauft wurden, lange vor der heutigen Bedeutung in der Gourmet- und Kosmetik-Szene. Die Besonderheit von Traubenkernöl liegt im hohen Gehalt an Procyanidin, einem natürlichen Antioxidans.

Ebenfalls 1916 wird von Arbeitskraftproblemen berichtet, neben Straffälligen sind auch russische Gefangene im Einsatz, unter ihnen kam es 1917 zu einer „kleinen Revolte“, wegen schlechten Essens schnitten sie aus Protest 10-12 Pfund reifer Trauben auf den Boden. 1919 kamen die während des Krieges eingezogenen Arbeitskräfte zurück und im gleichen Jahr wurde das Gefangenenkommando aufgelöst, man reagierte damit auch auf Kritik aus der Öffentlichkeit. Kurz vor dem 2. Weltkrieg führt die Domäne wieder über mehrere Jahre Klage über fehlende Arbeitskräfte. Es gab einen einfachen Grund, die Winzer der Umgebung bezahlten besser, 5 Reichsmark pro Tag gegenüber 4 Reichsmark der Domäne. Die Situation verschärfte sich so, dass Frauen schwerste Männerarbeit verrichten mussten, im „Nebenweingut“ Untere Nahe war sogar der 80 jährige Vorarbeiter Peil im Einsatz.

1919 und 1920 wurden auf 3 Morgen im oberen, nördlichen Teil der Kupfergrube eine Obstanlage gepflanzt: Apfel, Birne, Süßkirsche, Pfirsich, Walnuss, Zwetschge sowie Johannisbeeren und Stachelbeeren. Das Ergebnis war nicht zufrieden stellend und das Landwirtschaftsministerium ordnete zum Ertragsausgleich zwischen und unter den Bäumen eine nutzbringende Zwischenkultur an.1926 wurde die Anlage schon wieder gerodet. Auch ein Ausflug in die Imkerei ist aus 1922 berichtet, man pflanzt Linden zur Bienenweide und richtet einen Schleuderraum ein. Auch hier nur ein mäßiger Erfolg.

Anscheinend war man zu diesem Zeitpunkt noch an weiteren Flächen für den Weinbau interessiert, 1917 taucht in den Unterlagen der Hinweis auf, dass der Rentner Schneider aus Biebrich für 62000 Mark 27 Morgen von L. Dupuis aus Waldböckelheim zum Schein für die Domäne kaufte.

Amüsant ist auch die Geschichte, wonach ein Mitarbeiter nach Wein gelüstete und er dem im Fasskeller abhelfen wollte. Gleichzeitig kam überraschend der Direktor mit einer Besuchergruppe in den gleichen Kellergang. Kurzerhand verbarg sich der Durstige hinter einem Stückfass. Ihm wurde bald heiß, weil der Chef ausgerechnet vor diesem Fass längere Ausführungen machte. Es wurde nicht berichtet, ob gegen den Durstigen irgendwelche disziplinarische Maßnahmen verhängt wurden.

Manchmal drängt sich beim Lesen der alten Unterlagen auch der Eindruck auf, die Direktoren hätten nur Miet- und Arbeitsverträge abgefasst, obgleich diese durch Namensnennung aufschlussreiche Ansatzpunkte bieten: So z. B. der Arbeiter Fleck aus Rehbach, der Volotär Max Wetzel aus Niederhausen, der Weinbergsgehilfe Zink aus Niederhausen, der Küfer Nicodemus Gut, der Bürosekretär Weißfinger aus Schloßböckelheim. Ein anderer, der zwar nicht zu der der alten Gefolgschaft gehört aber in neuerer Zeit unentbehrlich war, Karlheinz Paul aus Hallgarten. Besonders dann, wenn die in die Jahre gekommenen Maschinen Probleme zeigten, wusste er immer wie was wieder zum Laufen zu bringen war. Egal ob Schmiedearbeit oder filigrane Feinwerktechnik. Für die Schatzkammer und den Eisernen Bestand, eine „weinerne Bibliothek“ fast aller großen Weinjahrgänge, hat er 1980 mit handgeschmiedeten Weinstockmotiven geschmückte Türen geschaffen, die hoffentlich erhalten bleiben. Ein treuer Kunde, der eine Metallarbeiterklasse unterrichtete, ließ von jungen Auszubildenden den Preußischen Adler in Metall schneiden. Er ziert eine der Türen.

Von der Feldbahn zum Unimog

Innerbetrieblich hatte man sich schon zu Beginn der Arbeiten auf Feldbahnbetrieb eingestellt, die guten Erfahrungen auf den Moseldomänen, wollte man auch in Niederhausen nutzen, vor allem für die gewaltigen Erd- und Gesteinsbewegungen. Auch später wurden alle Weinbergswege mit Gleisanlagen erschlossen. Die 4 Terrassen der Kupfergrube waren daneben mit Sandsteinstufen zugänglich, bis zum höchsten Punkt waren es 350 Stufen. An den Grenzflächen errichtete man mächtige Mauern zum Schutze vor Erosion; die Scheitelpunkte markierten Säulen mit kleinen Sandsteinreliefs, an einer Stelle war auch der preußische Adler eingearbeitet und die Jahreszahl 1902 vermerkt. In den 80er Jahren wurde es von Andenkenjägern herausgebrochen und ist nie wieder aufgetaucht.

Bis zum Jahr 1918 hatte die Domänenverwaltung keinen eigenen Fuhrpark, alle anfallenden Transportarbeiten wurden privat vergeben. 1919 wurden 3 Pferdegespanne angeschafft, die man aber 1925 schon bis auf 1 Gespann reduzierte weil ein erster Lastkraftwagen den Erfordernissen mehr entsprach. Es war ein ketten-angetriebener, vollgummibereifter „Vomag“ (Bild). Ihm folgte 1934 ein Büssing Diesel der von dem legendären Mitarbeiter Fritz Reidenbach aus Duchroth, gefahren wurde. Er war von 1925 bis 1970 auf der Domäne beschäftigt und ist dem Verfasser noch in sehr guter Erinnerung; seine stehende Rede war, „Ich und der Herr Direktor….“. 1926 wurde der Fuhrpark um einen Lanz Bulldog ergänzt. Im Kriegsjahr 1944 hat Hartrath von der Kreuznacher Diakonie einen LKW mit Fahrer geliehen um Arbeitskräfte während der Lese von Niederhausen an die Untere Nahe zu bringen. In späteren Jahren waren wechselnde Traktorenfabrikate vertreten, in neuerer Zeit dann auch MAN, Fendt und Unimog, letzterer vor allem wegen der doch recht weit voneinander entfernt liegenden Domänengüter.

Die Domänendirektoren halten nicht nur Wein feil

Allgemein wurde den Domänengütern schon zu dieser Zeit, unabhängig ihrer Landeszugehörigkeit und besonders ihren Leitern ein hohes Maß an Kompetenz und segensreiches Wirken für den allgemeinen Weinbau attestiert – Garreis für Eltville und Hoepp für Trier / Niederhausen und Schmanck. Mitte 1924 begutachtete letzterer, zusammen mit Landesökonomierat Ehatt, Trier und Oberregierungsrat Garreis, Eltville Flächen für die projektierte Domäne an der Ahr.

Aus dem preußischen Landtag wird protokolliert, Forstmeister Schmanck habe den Weinbau an der Nahe auf große Höhe gebracht und den Herren Ehatt und Garreis müsse für ihre vorbildliche Tätigkeit vollstes Lob gespendet werden.

Mit Beginn des Ruhrkampfes (1920) wurde Schmanck als Leiter des Forstamtes Sobernheim nicht mehr zugelassen, wohl aber als Direktor der Weinbaudomäne. Er trat als beamteter Forstmeister zurück und wurde als Domänendirektor im Angestelltenverhältnis weiterbeschäftigt

Einer Pressenotiz vom 5.12.1924 ist zu entnehmen, dass die Domänenweingüter von Rheingau, Saar und Nahe, die seit dem Frühjahr 1923 durch Beschlagnahmung der französischen Besatzungsbehörden in ihrer Arbeit stark eingeschränkt waren, nur durch vorsichtige Wirtschaftsführung in einem relativ guten Zustand waren. Durch rechtzeitigen Verkauf wertvoller Weinbestände vor der Beschlagnahmung wurden die Domänenverwaltungen vor größeren Verlusten verschont. Von Ökonomierat Egon Anheuser, Bad Kreuznach wurde dem Verfasser berichtet, durch einen Trick habe man weiteren Wein vor der Beschlagnahmung gerettet. Die Domänenbeamten hätten mit seinem Vater verabredet, die noch in den Fässern lagernden Domänenweine seien im Besitz einer US- Firma, den Anheuser´schen Verwandten. Man habe die Fässer entsprechend mit Kreide gekennzeichnet. Die Franzosen hätten dies aber nicht glauben wollen. Erst der Besuch des US Botschafters beim französischen General in Trier hätte zum Erfolg geführt.

Die gesamte Ernte 1923 fiel der Pfandverwaltung zum Opfer. Die Reichsregierung erstattete einen Teil des Ausfalls und im Gegenzug haben die Domänen versucht durch Mustergültigkeit, Düngung, Bodenbearbeitung, Pflege, Rebenzucht und Weinbereitung höchste finanzielle Ausnutzung zu erreichen.

Nach dem Ankauf des Gutes Marienthal wurde 1924 Schmanck zum Direktor der Staats-Weinbau-Domänen im Regierungsbezirk Koblenz mit Sitz in Marienthal ernannt. Er bewohnte dort das Merremsche Herrenhaus. Schmanck schied 1931 aus der Domänenverwaltung aus und verstarb 1946 in Avelsbach.

Ab jetzt walten Weinbauern in der Domänendirektion

Der Vertreter Schmancks und Administrator in Niederhausen wurde 1924 sein Schwiegersohn Dr. Karl Decker (1895 – 1977). Dieser hatte ein Studium der Landwirtschaft in Weihenstephan absolviert und bei der Gutsverwaltung Deinhard in Deidesheim volontiert. 1931 wurde ihm die Leitung der Verwaltung der Weinbaudomänen Trier-Avelsbach, Serrig und Ockfen übertragen. Er hat in vielfältiger Weise den Weinbau geprägt: Weinbau, Kellerwirtschaft, Kommissar für Reblausbekämpfung, Anregung zur Bildung der Wiederaufbaukasse, Entwicklung der Weinbautechnik im Steilhang, Klonenselektion, Beiträge zur Kulturgeschichte des Weinbaus. Es wird berichtet, dass er eine sehr markante Persönlichkeit war.

Die schon zu dieser Zeit anerkannte Reputation von Niederhausen wurde durch die Auswahl einer 1921er Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Trockenbeerenauslese als Ehrentrunk anlässlich der Rheinlandbefreiung für Herrn Reichspräsident und Generalfeldmarschall von Hindenburg auf der Domäne, weiter gefestigt. Anderthalb Jahrzehnte später wissen auch die Herren des 3. Reichs wo gute Weine wachsen – bei den preußischen Domänen. So existiert eine Rechnung der Domänenverwaltung Niederhausen Schloßböckelheim vom 6. Februar 1940 über den Bezug von 1936er Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Spätlese, 1936er Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Auslese, 1936er Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Trockenbeerenauslese an den Herrn Ministerpräsidenten für Generalfeldmarschall Hermann Göring z.H. des Herrn Hausmeisters Köhne (Deckers 2010). Eine 1916er Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Auslese hatte Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel 1984 als Gastgeschenk für Francois Mitterand, der mit Dr. Helmut Kohl in Trier konferierte, geordert. Ein Wein aus Mitterands Geburtsjahr. Beim Anblick der mit Alterspatina überzogenen Flasche scherzte Mitterand „ Ich hoffe nicht, dass ich so alt aussehe wie diese Flasche“. Drei Jahre zuvor hatten Kellermeister Karl-Heinz Sattelmayer und der Verfasser beim Umkorken diesen Wein als „bernsteinfarben mit etwas Weinstein, aber völlig klar“ charakterisiert. Als im September 1988 Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl mit dem Deutschen Weinkulturpreis und mit einer Skulptur „Jahrtausendwein“ geehrt wurde, kam noch eine Weinrarität aus Kohls Geburtsjahrgang 1930 dazu, eine Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Auslese.

Nicht nur eine Flasche, eine große Weinprobe bester Jahrgänge hat vormals Direktor Goedecke aufgeboten um dem Bundespräsidenten Professor Dr. Theodor Heuss (1884 – 1963) seine Referenz zu erweisen. Wohl wissend, dass Heuss aus dem württembergischen Brackenheim stammte und außerdem mit der Arbeit „Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar“ zum „Doktor“ promoviert wurde. Unmittelbar vor den Weinprobe, alle Gäste, auch Heuss, hatten Platz genommen, kam der Weinbaudirektor in große Nöte. Er entdeckte, dass Heuss seine legendäre Zigarre unaufgeregt weiter in Betrieb hatte. Die Dienstanweisung für den Weinbaudirektor regelt eindeutig „bei Weinproben ist nicht zu rauchen“. Dienstanweisung kontra Bundespräsident ?! Der Weinbaudirektor hatte sich inzwischen mit dem persönlichen Referenten ins Benehmen gesetzt und das Dilemma aufgezeigt. Dieser machte Heuss in wohlgesetzten Worten klar, der Weinbaudirektor kann die Weinprobe nicht beginnen weil der Herr Bundespräsident raucht. Wie lange dauert die Weinprobe, entgegnete dieser. Ihm wurde ein Zeitraum genannt, der ihm für einen Verzicht vertretbar erschien; somit eine rauchfreie, domänengerechte Weinprobe. Der Weinbaudirektor konnte aufatmen, der Dienstanweisung war genüge getan, die Weinprobe war gerettet.

Anders war es bei Altkanzler Dr. Konrad Adenauer (1876 - 1967). Er wurde bei einem Besuch von seinen Begleitern darauf aufmerksam gemacht, dass die Zeit schon vorgeschritten sei und man Aufbrechen müsse. Der Bundeskanzler geht, der Adenauer bleibt hocke, war seine bestimmende Antwort.

Weinbaudirektor Heinrich Jost

Auf Decker folgte Heinrich Jost (1901 – 1978). Er hatte Landwirtschaft in Weihenstephan und Bonn studiert und auch die Lehr- und Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau Geisenheim absolviert. Ab 1927 war er als wissenschaftlicher Assistent und Wirtschafts-Oberinspektor bei der Domänen-Direktion Trier. 1929 folgte Berufung in das Preußische Landwirtschaftsministerium nach Berlin. 1931 übertrug man ihm die Direktion der Weinbaudomänen des Regierungsbezirks Koblenz. Er verlegte den Sitz dieser Verwaltung von Marienthal nach Niederhausen-Schloßböckelheim. Nach der Angliederung Österreichs übernahm er die Verwaltung der Reichsweingüter Bad Vöslau. Zunächst noch von Niederhausen aus, man glaubte wenn er mehrfach im Jahr für 1-2 Wochen in Gumpoldskirchen anwesend sei, genüge dies. Am 15. April 1939 ließ der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft von allen preußischen Domänen je 50 Flaschen nach Gumpoldskirchen schicken zum Qualitätsvergleich. Ob dieser Vergleich ausschlaggebend für die ausschließliche Anstellung von Jost in Vöslau war, kann nur vermutet werden. 1944 wurde er auch beauftragt, die Vorlesung Weinbaubetriebslehre an der Hochschule für Bodenkultur in Wien zu übernehmen. Nach Kriegsende leitete er die Administration von Schloss Reinhartshausen, um 1949 Direktor der Verwaltung der Staatsweingüter in Eltville/Rheingau zu werden. Schon in Niederhausen brachte er sein umfassendes Fachwissen ein und führte in einer straffen, konsequenten, stets auf Rationalisieren nach ökonomischen Grundsätzen ausgerichteten Art. 1934 berichtet er in einer Fachzeitschrift, dass mit der Domänengründung der Winzerschaft in vielfacher Weise gezeigt werden konnte welche Wege zur Existenzsicherung möglich sind: Die Vorteile einer gut aufschließenden Wegeführung, wie sie in der Kupfergrube vorbildlich gelöst war, somit Vorbild für die Flurbereinigung, Neuerungen der Pflanzenernährung, der Schädlingsbekämpfung und der Sortenprüfung. Breiten Raum nimmt darin die Versorgung mit Pflanzmaterial für Winzer ein. 1928 hatte der Staat in Münster Sarmsheim eine Domänenrebenveredelungsstation eingerichtet. Die Bereitstellung von Edelreis und Unterlagen hatte die Domäne mit übernommen. Man versuchte die Übertragungsfähigkeit und Beständigkeit von Sorten und Klonen im Rahmen der „Familienzüchtung“ zu sichern. Um rascher vorwärts zu kommen und sich auch der Erfolge anderer Zuchtstellen zu bedienen, hatte man von den namhaftesten Zuchtanstalten Europas Europäer- und Amerikaner-Zuchtholz bezogen und für genaue Beobachtungen aufgepflanzt. Durch Prüfungs- und Vermehrungsmaßnahmen gewinnt die Domäne hochwertige Pfropfpartner, die der Winzerschaft zur Hebung des Gesamtertrages zugeführt werden. Die Rebsorten Riesling, Sylvaner, Traminer sogar einige Tafeltrauben und auch heute noch aktuelle Unterlagssorten (5 Hektar) waren in diesem Programm vertreten.

Domäne setzt weitere Akzente: Untere Nahe, Rotenfels und Altenbamberg kommen dazu, Domäne Marienthal wird abtreten

Zum Aufbau reblausfreier Bestände erstellte man Anlagen im 1927 erworbenen Schickel´schen – Kruger´schen Weingut mit 12 Hektar an der Unteren Nahe in Münster Sarmsheim, fortan als Nebenweingut bezeichnet. Die Ernte wurde mit dem LKW täglich nach Niederhausen gebracht. Bald stellte man fest, dass die Kundschaft die Weine von Niederhausen gegenüber der Unteren Nahe bevorzugte, was auch bis in die neuere Zeit zu beobachten war.

Am 31.1.1940 wurde vom Berliner Ministerium über die Bezirksregierung der Domänenverwaltung die Genehmigung zu einem weiteren Flächenerwerb erteilt. Die Lage Rotenfels (heute Traisener Bastei), neben der Kupfergrube die beste Lage an der Nahe, so die damalige Meinung, stand zum Verkauf an. Von der Rudolf Anheuser´schen Weingutsverwaltung Bad Kreuznach ersteigerte man dieses kleine Juwel für 26000 Reichsmark. Der Aufbau erfolgte unter Einbeziehung des Preußischen Staatshochbauamts Kreuznach. Es waren nämlich auch hier Nivellierungs- und Bauarbeiten erforderlich. Es wurde unter den Felsen ein oberer Horizontalweg geschaffen, er war über eine Seilbahn mit der unteren Hangpartie verbunden. Mittels einer Winde am LKW konnte so der Materialtransport vereinfacht werden. Wegen der Diebstahlgefahr wurde das ganze Gelände eingefriedet. Die Weinbergsmauern und auch die Arbeiter-Schutzhütte wurden in festem Mauerwerk ausgeführt um den Bilchen keine Schlupflöcher zu bieten. In den 80er Jahren kam die Staatliche Straßenbauverwaltung der Domänenverwaltung zu „Hilfe“ indem sie den unteren Parzellenstreifen zur Straßensanierung kaufte und zugleich den aufwändigen, hohen Mauerbau zur Straße hin mit übernahm.

Die weitere Entwicklung der Domäne Niederhausen war dann im Jahr 1953 durch einen erneuten Flächenerwerb von ca. 5 Hektar in der Gemarkung Altenbamberg, als Impuls für den nordpfälzischen Weinbau, gekennzeichnet, andererseits wurde die Domäne Marienthal 1952 an die Landeslehr- und Versuchsanstalt Ahrweiler abgetreten. 1974 wurde ein Teil der ehemaligen Domäne Mainz, das Domänengut Bingen, Niederhausen angegliedert; dieser Teil wurde aber bereits 1977 wieder verkauft obwohl arbeitswirtschaftlich günstig zu bewirtschaftende Flächen dabei waren und auch die Sortimentserweiterung von Vorteil war.

Die Domänengeschichte nahm mit der Versetzung von Jost ihre Fortsetzung. Ein geeigneter Nachfolger musste gefunden werden. Man besann sich auf den wissenschaftlichen Assistenten (sie unterstützten in den ersten Jahrzehnten die jeweiligen Weinbaudirektoren) Alfons Hartrath (1.8.1897-12.5.1979), Hauptmann der Landwehr und stellte ihn am 11.9. 1940 für die Aufgabe der Leitung der Staatsweingüter Niederhausen-Schloßböckelheim und Marienthal u k. Er wurde noch von Jost eingeführt. Hartrath hatte Landwirtschaft studiert, war im elterlichen Weinbaubetrieb in Trier tätig und, ab 1927 in der Verwaltung der Staatlichen Weinbaudomänen in Eltville/Rheingau. Er hatte in einer sehr schwierigen Phase das Domänengeschehen zu organisieren. Wirtschaftlich gestaltete sich der Domänenbetrieb immer schwieriger, der Weinabsatz stockte, Arbeitskräfte fehlten, manche politischen Ungereimtheiten waren zu überwinden. So hatte sich in der Bürgermeisterei Rüdesheim ein SA Reitersturm gegründet. Die Domäne war aufgefordert ihre Pferde für Übungen zur Verfügung zu stellen. Der Regierungspräsident der Preußischen Regierung Koblenz Gerhard Mitschke (?) vertritt dagegen die Meinung, dass die beiden Pferde der Domäne ungeeignet seien. Dann verlangte die Deutsche Arbeitsfront am 9.1.1943, dass Bilder des Gauleiters in den Geschäftsräumen aufzuhängen sind. Hartrath fragt in der Sache bei der Bezirksregierung nach. Der Regierungspräsident lehnt es ab da keine Mittel für diesen Zweck zur Verfügung stünden. Es wurde auch in Erwägung gezogen aus elsässischen Hybridtraubenerzeugnissen Süßmost mit den vorhandenen 3 Hochdrucktanks à 10000 Liter nach dem Seitz-Böhi-Verfahren herzustellen. Am Ende verfügt der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Herbert Backe am 14.91943, dass die vorhandene Einrichtung der Firma Philipp Baum zu vermieten sei.

Dagegen liest sich die Geschichte über eine verunfallte Kuh in dieser Zeit doch eher amüsant. Ein Niederhäuser Winzer fuhr mit seinem Kuhgespann den steilen Weg am Steinberg talwärts, in Höhe des Schieferbruchs, den die Domäne für Auffüllmaterial nutzte und auf dem noch das alte Gleis der Feldbahn quer über den Feldweg verlief, kam das Fuhrwerk ins Rollen, die Kühe konnten es nicht mehr aufhalten und eine Kuh kam zu Fall. Der Winzer führte die stark lahmende Kuh nach Hause in den Stall wo sie sich hinlegte und trotz Tierarzt nie wieder aufstand. Ein monatelanger Schriftverkehr mit der Domäne schloss sich an, ohne Ergebnis.

Schlechte Zeiten

Der 18.12.1944 war ein schwarzer Tag für die Domäne. Um 14.15 Uhr erfolgen massive Fliegerangriffe. 15 Spreng- und 200 Brandbomben verursachen schwere Schäden am Keller, dem Gutshof, der Dienstwohnung des Direktors und an der Wasserleitung. Die Keltern sind demoliert, weitere Maschinen stark beschädigt. Der ganze Giebel des Kelterhauses ist herausgedrückt. Schon am 28.8.1941 waren Bomben gefallen, dabei hatte es keine gravierenden Schäden gegeben.

Im 2.Halbjahr 1944 gab es zwischen Direktor Hartrath, einem, auch ökonomisch sehr versierten Fachmann und dem Rechnungshof über Monate Diskussionen zur Art und Weise der Reinertragsrechnung, dann einigte man sich auf einen methodischen Weg, der bis zur Privatisierung der Staatlichen Weinbaudomäne Niederhausen Schloßöckelheim 1998 beibehalten wurde.

In der Bilanz ist auch ein Bestandsverzeichnis aufgeführt, demnach gab es 1946 5 Doppelstückfässer, 20 Stückfässer, 155 Halbstückfässer, 11 Viertelstückfässer, 3 Hektoliterfässer, keine Ohmfässer. Weiterhin ist interessant, dass am 1.4.1947 auch ein Tresterweinbestand von 12,0 Hektoliter und 605 Liter Apfelwein, davon 200 Liter als Trinkwein (für die Arbeiter) vermerkt sind. Der Obstbaumbestand weist Apfel, Birne, Süßkirsche, Sauerkirsche, Pflaumen, Mirabellen Reneclaude, Aprikose und Pfirsich mit insgesamt 263 Bäumen aus. In der Rubrik „Erlegtes Wild“ ist „Fehlanzeige“ vermerkt, was als Hinweis gewertet werden darf, dass der Direktor zu der Zeit nicht zur Jagd ging. Eigentlich hatte Hartrath dazu auch keine Zeit. Er musste sich jetzt nicht nur um die Domäne sorgen, er hatte sich auch um die Ernährung der „Gefolgschaft“ zu kümmern. Auf geeigneten Flächen wurden Kartoffeln angebaut. Die Arbeiter mussten mit Schuhwerk versorgt werden. Die Bezahlung der Gefolgschaft, überdurchschnittlich auch Frauen, erfolgte auf Naturallohn - Basis, Bares war 1947 etwas Rares. Der Mangel ging bis zur Versorgung der Pferde, es gab zu wenig Hafer, Pferdemischfutter war rar. Am 25.6.1947 berichtet Hartrath über fehlende Hochdruckschläuche für die Schädlingsbekämpfung. Nach langwierigem Suchen konnte er 100 Meter auftreiben, die Bezahlung erfolgte mit Wein.

Die erste „staatstragende“ Veranstaltung nach dem Krieg auf der Domäne fand am 7. November 1947 statt. Der Kreuznacher Landrat Philipp Gräff, er war von 1946 bis 1969 im Amt, hatte als Tagungsort zur Gründung des Landkreistages Rheinland Pfalz auf die Domäne eingeladen. Es erwies als gute Wahl für diesen kommunalpolitischen Spitzenverband.

1948 folgte in der Domänenleitung Hermann Goedecke (31.12.1905 – 2.3.1996). Nach praktischen Jahren im Weinbau und der Landwirtschaft studierte der Bad Kreuznacher Landwirtschaft in Bonn und absolvierte die Lehr- und Forschungsanstalt Geisenheim. mit dem Ziel des Examens als Weinbautechniker. Als Weinbaulehrer war er zunächst in Eltville und Bullay und ab 1938 Güterdirektor und Leiter der Vereinigten Hospitien in Trier. 1948 wurde er von Landwirtschaftsminister Oskar Stübinger vom Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung Rheinland Pfalz zum Direktor der Staatlichen Weinbaudomänen Niederhausen-Schloßböckelheim berufen. Während dieser Zeit verwaltete er auch das Amt des Reblauskommissars für die Weinbaugebiete Nahe und Mittelrhein und war insofern in der Tradition der Königlich-Preußischen Reblausbekämpfungs- und Rebenveredelungskommision. Goedecke „war im Weinbau und in der Kellerwirtschaft ein ständig Suchender mit dem Ziel, die Erträge zu sichern und die Qualität zu verbessern.“ Er pflegte die Zusammenarbeit mit der Universität Bonn (Weiling), den Lehr- und Versuchsanstalten Neustadt (Bosian) und Trier (Schrader) sowie der Biologischen Bundesanstalt in Bernkastel-Kues (Gärtel). Mit dem Deutschen Wetterdienst initiierte er auf der Domäne die intermittierende Methode der Wasserzufuhr in Abstimmung mit den Witterungsverhältnissen. Sein großes Anliegen galt auch der Klonenselektion.

Domäne wird endgültig zum Flaggschiff

Etwa 1960 hatte man beim Weinausbau mit der Großraumkühlung begonnen. Es war auch der Zeitpunkt zu dem die Domänenverwaltung erstmals einen umfassend ausgebildeten Kellermeister bekam: Karl Heinz Sattelmayer, ein Absolvent der Weinbauschule Weinsberg, ein Mann der sich gar nicht beworben hatte, auf den man durch Suchen, stieß. Zusammen mit Goedecke wurde in der Anwendung von Kühlung während der Gärung eine Entwicklung in der Kellerwirtschaft angestoßen die noch heute nachwirkt und zum Standard gehört. In einem separaten Keller konnte man die Raumtemperatur auf ca. +8 ° C kühlen, einerseits die Moste nach dem Pressen kühlen, und andererseits die Gärung bei verminderter Temperatur gezielt ablaufen lassen. Das Ergebnis waren fruchtige Weine bisher nicht gekannter Feinheit und Finesse. Sie waren der Grundstein für die sicher erfolgreichste Epoche der Domänenverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim und vor allem auch ein Alleinstellungsmerkmal. Erst nach und nach fand die Methode auch Eingang in die breite Weinbaupraxis.

Die 60er Jahre waren auch durch die konsequente Umstellung im Weinverkauf gekennzeichnet. Der mehr oder weniger verordnete Faßweinverkauf wurde nach und nach durch die Flaschenvermarktung abgelöst. Man begann auf der Domäne gezielt Privatkunden an die Weine heranzuführen. Einzelpersonen und Freundeskreise wurden dazu benutzt. Ein für allemal ist der Mär des Weinverkaufs vor allem an Angehörige der Ministerien zu widersprechen. Selbstverständlich wurde auch das Geschäft mit Wiederverkäufern gepflegt.

Die Jahrgänge sind in den Kellerbüchern der Domäne lückenlos vermerkt und auch beim Landeshauptarchiv zu finden. Neben Erntedaten sind auch der Witterungsverlauf und besondere Ereignisse vermerkt. Dabei ist zu beobachten, dass in den Anfangsjahren der Domäne die Weinlese oft bis in den Dezember dauerte, bis 1998 hat sich der Termin in den Oktober, maximal November verlagert. 1993 war der Erntebeginn am 23.September, bis dahin der früheste Zeitpunkt in der gesamten Domänenhistorie; man war geradezu erschrocken, auch über den Abbau der Säure. Das Erntemanagement musste überdacht werden

Ein Großteil des Wirkens Goedeckes fiel in die Amtszeit von Landwirtschaftsminister Oskar Stübinger. Dieser, selbst Winzersohn und Gutsverwalter, hatte stets ein offenes Ohr für die kleinen und großen Belange der Domäne, das sollte sich später ändern. Manche Dinge konnten bei Terminen vor Ort pragmatisch geklärt werden. Die Amtszeit Goedeckes ging bis 1973, danach nochmals 1977 für eine einjährige Interimszeit. Für seine Verdienste im Weinbau wurde ihm 1979 von Staatsminister Otto Meyer das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht.

1974 wurde Georg Raquet sein Nachfolger, er war Geisenheimer Weinbauingenieur und kam vom Weingut Dr. Bürklin Wolf aus Wachenheim, wohin er auch nach 3 Jahren wieder zurückging. Er war vor allem an der Vertriebsverbesserung interessiert. In seine Amtszeit fielen die Realisierung des großen Bauvorhabens eines separaten Weinlagers und die Umstellung auf auf Großpalettenlagerung. Während dieser Zeit wurden die einzigartigen Weinjahrgänge 1975 und 1976 eingebracht, die 1977 zu dem besten Versteigerungsergebnis in der Domänengeschichte und zu einem beträchtlichen Gewinn führten. Die Durchschnittserlöse lagen je Flasche bei 9 DM, aber die Gestehungskosten schon bei über 8 DM. Die fast ausschließlich im Steilhang gelegenen Flächen erforderten sehr hohe Arbeitkraftstunden. Die Domäne war der einzige Landesbetrieb der mit kaufmännischer Buchführung arbeitete und so einen echten Vergleich mit der Praxis bot. Immer wieder wechselten Gewinne mit Verlusten. Die Domäne hatte wie jeder Privatbetrieb Steuern zu zahlen, Beihilfen wie in der Praxis waren ihr verwehrt. Die Mitarbeiter wurden nach den öffentlichen Tarifen entlohnt.

Am 1. Oktober 1974 wurde Dr. Werner Hofäcker als Leiter der Verwaltung der Staatlichen Weinbaudomänen Niederhausen Schloßböckelheim angestellt. Eine mit viel praktischer Erfahrung im eigenen Betrieb, aber auch in Weingütern der Pfalz vertraute Person. Über den 2. Bildungsweg kam er zum Studium der Landwirtschaft und hatte anschließend die wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen. Er wurde im Februar 1978 von Staatsminister Otto Meyer in Anwesenheit von Regierungspräsident Heinz Korbach, Landrat Hans Schumm, Präsident Edwin Steinhauer, Landtagsabgeordneten, Bürgermeistern und weiteren Ehrengästen eingeführt. Er versprach „die Kontinuität im Sinne von Goedecke“, (dieser wurde zur gleichen Zeit verabschiedet), zu halten. „Dies ist kein Job für mich, dies ist eine Berufung.“

Da die Weinqualität stimmte, startete der Weinbaudirektor eine Marketingoffensive, nicht mit direkter Werbung, Ausgaben hierzu sah der Haushaltsansatz nicht vor, sondern mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit, vor allem auch überregional und national. Der Bekanntheitsgrad sollte noch verbreitert werden.

Daneben, auch aufgrund seiner wissenschaftlichen physiologischen Kenntnisse, gab er vielen Versuchsfragestellungen der Domäne eine andere Ausrichtung und betrieb ebenso eine konsequente Nutzanwendung für die Praxis. Hierzu zählen Beregnungsversuche, Laubwandgestaltung, Düngung, Adaptionsversuche und ganz besonders auch die Klonenselektion. Die kellerwirtschaftlichen Versuche wurden sehr zurückhaltend betrieben. Einige in Zusammenarbeit mit den Chemischen Untersuchungsämtern Koblenz und Speyer zur Gewinnung von Kenndaten in der Analytik besonders zur Referenz in Rechtsfällen. Die Zurückhaltung in diesem Bereich hatte den einfachen Grund keine qualitativen Kompromisse eingehen zu müssen. Wissen und Erfahrung wurden auch an die Auszubildenden des Berufsstandes weitergegeben; bis zu 5 „Lehrlinge“ pro Jahr wurden in die Geheimnisse des Weinbaus und der Kellerwirtschaft, „domänen like“, eingeweiht; auch die Übernahme von Unterricht an der Fachoberschule Bad Kreuznach und der Ingenieurschule für Landwirtschaft Bad Kreuznach im Wahlfach Weinbau, durch den Weinbaudirektor gehörte dazu.

Praxisorientierte Versuchsfragen in Weinberg und Keller

Schon 1904 stellte man die ersten Versuche mit Amerikaner Reben zur Verwendung bei der Veredelung an, legte 1905 mit der großherzoglichen hessischen landwirtschaftlichen Versuchsstation Darmstadt einen Düngungsversuch an mit den Varianten: 1 Stallmist, 2 Stallmist, Kalisalz, Thomasmehl, Chilesalpeter, 3 Stallmist, Chilesalpeter, 4 Kalisalz, Thomasmehl, Chilesalpeter. Insgesamt gesehen war man in viele Versuchsfragen involviert. Einem Schriftsatz vom 21. März 1930 ist zu entnehmen, dass man zwischen den Staatlichen Domänen eine Arbeitsteilung abgesprochen hatte – wahrscheinlich aus Gründen der Kosteneinsparung (pers. Mitteilung Deckers 2011). Danach war Niederhausen für Pflanzenschutz-, Düngungs-, Erziehungs- und Pfropfrebenversuche sowie Klonenselektion zuständig. Auf Anweisung der preußischen Rebveredelungskommision hatte man schon Adaptionsanlagen mit den Unterlagen 1G, 101/14, 143 A und B erstellt, ab 1930 unter Decker dann aber auch mit der Klonenselektion begonnen. Man hatte eigene Klone bei Silvaner (D 12, D 21) und Riesling (Steinberg 99) und auch aus Material von Willig und Trautwein die Riesligklone 378 und 391 selektioniert. Die Klone wurden am 1.4.1956 beim Bundessortenamt eingetragen. Unter Goedecke wurde die Klonenslektion weiter intensiviert. Ganz besonders nachdem er neben Renz und Schrader 1956 auch Mitbegründer der Zentralstelle für Klonenselektion in Trier war. Die Klone der Domäne galten als ertragsstabil bei guten Qualitätseigenschaften. Im weiteren Verlauf wurden eine ganze Reihe von Kleinklonen, ausgelesen, z. T. aus wurzelechten Anlagen der Gründerjahre. Mehrmals im Jahr erfolgte eine visuelle, strenge Gesundheitsselektion und ab den 50er Jahren auch Einzelstockprüfungen hinsichtlich Ertrag, Mostgewicht und Säure. Der Zentralstelle für Klonenselektion gebührt Dank für wertvolle begleitende Untersuchungen, auch für die Mikrovinifikation von aussichtsreichen Kleinklonen. Die eingetragenen Klone wurden im Rahmen eines kontinuierlichen Neuaufbaus weiterentwickelt und nach jeder neuen Generation einer strengen Nachkommenschaftsprüfung unterworfen. Während der Amtszeit des Verfassers wurden 2 Klone DN 400 und DN 500 1981 beim Bundessortenamt eingetragen. 1985 erfolgte deren Virus-, 1990 deren Mauketestprüfung. Besonders DN 500 ist bezüglich Bodentraubenanteil, Botrytis- und Maukebefall gegenüber seinen Vorgängern deutlich verbessert. Ähnlich verhält es sich auch beim Ertrag und Mostgewicht. Lange Zeit waren sie bei Winzern von Nahe, Rheinhessen und Pfalz sehr beliebt und erreichten Spitzenzahlen in der Veredelung. Die Außenverwalter Werner Luschberger und Hartmut Günther haben mit ihrer visuellen Boniturarbeit wesentlich mit dazu beigetragen.

Schon Decker hatte die Idee, die rückengetragenen Batteriespritzen durch ein tragbares Schlauchspritzgerät (Jochsystem) zu ersetzen. Pumpen und Schlauchmaterial mussten nach und nach entwickelt werden (Fa. Clemens); 1926 hatte man eine funktionsfähige Einheit.

Ähnlich verhielt es mit der Motorseilwinde, auch eine Idee von Decker. Ab 1926 erfolgten durch die Landwirtschaftliche Hochschule Bonn, mit Professor Vormfelde, dem Assistenten Dr. Rau und Techniker Hinterkeuser entsprechende Versuche. Basis dieser Entwicklung war die Lafette des schweren Maschinengewehrs 08/15. Danach wurde es bis zur praktischen Einsatzreife durch die Firma Clemens weiterentwickelt und unter dem Namen „Winzerdank“ bekannt. Zusatzgeräte stellte die Firma Ventzky bereit. Die erste Schlepperanbauseilwinde kam 1939 an einem 11 PS Deutz Schlepper auf der Domäne an der Unteren Nahe zum Einsatz.

Der Qualitätsverbesserung dienten Untersuchungen über das sog. Ausdünnen, auch Grünernte genannt. Schon 1983 begann man damit. Die Lokalpresse titelte damals: „Staatsdomäne wirft Trauben weg“ und Mitarbeiterinnen meinten, „O je, die scheene Trauwe“. Das Ergebnis bei der Ernte zeigte: 8-10°Oechsle mehr, 2 Promille Säure weniger und ein um 20% geringerer Ertrag. Bald wurde es zum Standard für Qualitätsbemühungen.

Die Versuchsanstellungen machten nicht an der Kellertüre halt, auch in der Kellertechnik war man führend. Friedrich Schmitthenner (1876 – 1945) entwickelte bei den Seitz Werken, Bad Kreuznach, den Entkeimungsfilter, eine neue Epoche begann: die Kaltsterilfüllung. Schmitthenner hat den ersten Filter auf der Domäne Niederhausen ausprobiert, er sollte dann mit der Bahn nach Marienthal transportiert werden, er verschwand unterwegs (1928/29).

Trockenstandort und skelettreiche Böden – die Beregnung ließ die Reben aufatmen

Schon immer war man bemüht auf den skelettreichen Böden, besonders den Lagen Kupfergrube und Steinberg die Wasserkapazität zu verbessern, zeigten sie doch stets in Trockenjahren gravierende Trockenschäden, die sich vor allem negativ auf die Qualität auswirkten. Am 25.8.1952 berichtet Weinbaudirektor Goedecke von extremen Trockenschäden an das Landwirtschaftsministerium. Nach früheren Ablehnungen genehmigte nunmehr Landwirtschaftsminister Stübinger die Anschaffung einer Überkronenberegnungsanlage. Sie wurde bis 1956 in einem weitgespannten Netz ausgebaut. Man verwendete Nahewasser, was dem Mühlenbesitzer in Bad Kreuznach, der eine Wasserturbine betrieb, gar nicht recht war. Seine Pegelmessungen sollten den Nachweis liefern, dass der Wasserverbrauch für die Weinberge zu groß wäre. Die Gründung eines Beregnungsverbandes sorgte dafür, dass weitere Betriebe an dieser Verbesserung teilhaben konnten – in Trockenperioden litten die Anlagen vieler Winzer. In den Trockenjahren 1964, 1966, 1971 erzielte man damit außergewöhnliche Erfolge nach Menge und Güte. Daneben wurde die Einrichtung auch zur Frostschutzbekämpfung eingesetzt. Mit wissenschaftlichen Begleituntersuchungen zwischen den Jahren 1961 und 1969 von Bosian, zur Photosynthese bei Reben und agrarmeteorologischen Fragen des Deutschen Wetterdienstes (Horney), versuchte man mit der klimatisierenden Beregnung und der Verbesserung des Bestandesklimas einen Weg zu finden, die Wasserzufuhr so zu regeln, dass weniger der Ertrag als vielmehr die Qualität (Mostgewichtssteigerung) davon profitierte. Im Prinzip versucht diese Methode an heißen Tagen durch kurze Beregnungsstöße die Blatttemperatur vor Überhitzung zu bewahren, dadurch die Hydratur im optimalen Zustand zu halten und damit den produktiven Anteil der Photosynthese zu erhöhen. Gleichzeitig kann auch die fehlende Bodenwassermenge ergänzt werden. In den Jahren 1980 bis 1982 wurde dieser Fragestellung nochmals im Rahmen einer Dissertation (Heimers 1983) systematisch und mit neueren mess- und steuerungstechnischen Methoden intensiv nachgegangen. Besonders auch unter reifephasenabhängigen Gesichtspunkten, sowohl mit der Über-kronen-, als auch der Tropfberegnung. Die Arbeit konnte als Fazit bestätigen: Es ist zwar aufwändig aber technisch möglich den Beregnungseinsatz so zu steuern, dass er vorrangig der Qualitätsverbesserung zugute kommt. Hinzu kommt, dass auch der Wasserverbrauch bei dieser Methode insgesamt geringer ist und insofern auch ökonomisch besser abschneidet.

Geburtstag und weitere Erfolge aber auch Schmerzliches

1978 feierte die Domäne ein Jubiläum, sie war 75 Jahre alt geworden. Am 18.9.1978 beging sie diesen Tag mit einem Festakt, einer Festansprache von Staatsminister Otto Meyer unter dem Thema: „Bedeutung und Erfolge der Staatlichen Weinbaudomänen“ und einer Weinprobe „Weine im Spiegel von 6 Jahrzehnten“. Beginnend mit einer 1920er Schloßböckelheimer Felsenberg Auslese waren alle großen Jahrgänge seit 1907 bis 1976 in einer einmaligen Probe vertreten. Viele Ehrengäste waren anwesend, der amtierende Landtagspräsident Albrecht Martin führte u.a. aus: „Die Notwendigkeit Staatlicher Weinbaudomänenwirtschaften ist nicht zu bestreiten. Zum Staat gehört es auch, Eigentum zu haben.“ Eine Woche später, am 23. September 1978, gab es aus diesem Anlass für Kunden ein Serenadenkonzert. Die Südwestdeutschen Kammersolisten spielten Werke von Devienne, Schubert, Haydn, und Mozart.

Es hat dann fast 10 Jahre gedauert bis man sich am 5.September 1987 zur ersten Veranstaltung „Musik und Wein“ entschloss. Mit jährlich wechselnden Ensembles versuchte man einen Brückenschlag von gutem Wein, guter Musik in guter Atmosphäre zu zelebrieren. Die außerordentlich gute Resonanz bei den Domänenfreunden wurde zur ständigen Einrichtung und einer Fangemeinde. Es war jedes Mal eine organisatorische Meisterleistung der Domänenmannschaft, alle, auch die Familien wurden mit eingespannt. Dieser Veranstaltungstyp wurde später von vielen Winzern übernommen.

Die Weinqualität schlug sich auch in vielen Prämierungen nieder. Nachdem Preismünzen und Urkunden ganze Regale füllten wurde der Domäne aus Konkurrenzgründen nahe gelegt sich nicht mehr daran zu beteiligen, dies wurde später wieder aufgehoben. Im November 1977 erfolgte, nach 1970, erneut die Verleihung des Großen Rheinischen Weinpreises. Bei der „International Wine and Spirit Competition“ in London wurde mehrfach eine "Gold Trophy“ erreicht, zuletzt 1993.

Der Ruf der Domäne Niederhausen Schloßböckelheim und ihrer Weine hat auch breite Resonanz bei Weinjournalisten gefunden. Erwähnt sei nur Mr. Hugh Johnson, der Autor des bekannten „World Atlas of Wine“; das Gästebuch der Domäne weist die vielen anderen Weinpäpste großen und kleineren Namens aus. Johnson besuchte am 28.6. 1979 und später noch mehrfach die Domäne, ein Riesling - Fanatiker und Bekenner „dass der Domänen Riesling weltweit immer dann zu nennen ist, wenn es um die Feinheit und Subtilität großer Weine geht“.

Ohne Übertreibung kann festgehalten werden, dass Weinfreunde aus der halben Welt von „A“ wie Argentinien bis „Z“ wie Zaire – auch ganz exotische – auf der Domäne zu Gast waren. Dazu kamen viele Fachkollegen aus dem In - und Ausland. Personen aus Wissenschaft, Kirchen, Kunst, Sport, Weinmajestäten. Das biblische Bild „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ war oft ein Anknüpfungspunkt und zugleich anschaulich, nicht nur dem EKD Haushaltsausschuss und dem Trierer Bischof Hermann Josef Spital beim Anblick der Domänenweinberge und der Erläuterung des Rebschnitts, sondern vielen weiteren Gästen denen nicht nur die hohe Kunst des Weingenießens ein Anliegen war. Eine Frauenorganisation tagte zum Alkoholkonsum Jugendlicher, man sorgte sich um die Gesundheit des Weinbaudirektors der so viele Weinproben zu absolvieren hat.

Nicht zuletzt sind auch die offiziellen Gäste des Landes Rheinland - Pfalz und seiner Minister zu erwähnen, alle waren auf der Domäne. Am 5.9.1988 besuchte das gesamte Kabinett von Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel und Spitzen der CDU Fraktion die Domäne, alles schien in bester Ordnung. Schon am 11.11.1988 wurde Vogel „gestürzt“ und nahm Abschied vom Amt mit dem historischen Wunsch: „Gott schütze Rheinland-Pfalz“.

Die Landwirtschaftsminister des Landes Rheinland-Pfalz, gern auch Weinbauminister genannt, die nach Otto Meyer die letzte Phase des Betriebes als Staatliches Unternehmen gestalteten, wechselten in rascher Folge (1985 - 1998): Dieter Ziegler, Werner Langen, Karl Schneider, Rainer Brüderle, Hans-Artur Bauckhage. Manch Wichtiges hörte man, manches war bald überholt, über manches kann man noch heute schmunzeln, etwa am 3.10.1979 am Rande der Agrarministerkonferenz, als Bundesminister Josef Ertl beim Blick auf die Schatzkammer sagte: „Mein Gott, das ist ja fast so wertvoll wie das Bundesvermögen.“

Bei einen Weineinkauf u. a. mit Alfred Biolek, vermerkte dieser im Gästebuch: Vor der großen Weinprobe hieß ich Alfred Biolek, danach sah meine Visitenkarte so aus: er legte diese ins Gästebuch, darauf war sein Name in japanischen Schriftzeichen geschrieben.

Auch ein Besuch der Thomaner, am 4. November 1989 darf vermerkt werden. Sie waren anlässlich eines Konzerts in Bad Kreuznach vom musikbegeisterten Domänendirektor zu einer Besichtigung eingeladen worden. Sie kamen und stimmten unter Thomaskantor Hans-Joachim Rotzsch im Kellergewölbe vor den alten Holzfässern eine der bekannten Motetten von J. S. Bach, „Jesu meine Freude“ an. Die Gärung der Weine war noch im Gange, so dass sich das glucksende Geräusch mit dem Gesang verwob, vielleicht auch eine Form der Zustimmung und einer gegenseitigen Symbiose. Das darf auch als absolut einmalig in Domänengeschichte eingehen. Als Dank gab es für die Älteren Wein, für die Jüngsten mit ausdrücklicher Erlaubnis des Chordirektors auch Wein oder auf Wunsch Traubensaft.

Der der Alltag war meist ernster. Die Domäne hatte unter dem 1985 bekannt gewordenen Glykolskandal, wenngleich aus Österreich nach Deutschland importiert, zu leiden. „Infizierte“ Weine von dort wurden mit deutschen Weinen verschnitten um deren Defizite beim Körper aufzustylen. Monatelang war der Name Schloßböckelheim in den Schlagzeilen. Viele nicht ganz so gut informierte Kunden sahen die Domäne als Sünder, es hat viel Mühe gekostet das alles aufzuarbeiten, vor allem auch, weil sich das Ganze über ein Jahrzehnt hinzog. Oder ein Pflanzenbehandlungsmittel hat in den Jahre 1983-1985 beim Wein Geschmacksfehler verursachte. Der Schaden wurde zwar ersetzt, aber die Weine mussten zurückgenommen werden, bei Kunden hat das zu erheblichen Irritationen geführt. Ähnlich erging es der Domäne auch mit Korkproblemen. Besonders Spitzenweine waren betroffen, bei denen man durch besonders teure Korken sicherstellen wollte, dass sie frei von Korkproblematik sind, das Gegenteil war der Fall.

1987 stand wieder Personalwechsel an, der 2½ Jahrzehnte wirkende Kellermeister Karl Heinz Sattelmayer, der einen handwerklich intuitiven Weinausbau gepflegt und den Domänenstil mitgeprägt hatte ging am 30. September in den Ruhestand. Sein Wirken wurde am 9.10.1987 in einer Weinprobe auch mit Weinen von Kunden nachgezeichnet. Höhepunkt war eine 1976er Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Trockenbeerenauslese.

Der Weinbaudirektor wollte aufgrund der guten Erfahrungen mit einem „Weinsberger“, wiederum einen solchen gewinnen. Der Tarifvertrag kannte zu diesem Zeitpunkt als Einstellungskriterium nur die Größe des vorhandenen Fasslagerraums. Das erwies sich als schlechte Voraussetzung. Trotzdem gelang es einen gewünschten Weinsberger Absolventen zum 24.8.1987 einzustellen: Walter Eschborn. Es war eine gute Wahl. Nach nur 3 Jahren folgte er einem doppelt so hohen Verdienstangebot in die Privatwirtschaft. Das Ministerium konnte keine Zusage für eine höhere und angemessene Entlohnung geben. Wieder musste gesucht werden. Der staatlich geprüfte Wirtschafter und Kellermeister Rüdiger Steinborn folgte auf dieser Position. In sehr solider Weise und außerordentlich großem Engagement war er vom 1.9.1990 bis 30.9.1994 für Domäne tätig. Ihm folgte ab Herbst 1994 Kurt Gabelmann. Wiederum ein Weinsberger.

Neben Wein und Sekt wurde das Sortiment nach und nach um Traubensaft, Weinhefebrand, Traubenbrand, teils in einer Premium-Linie mit kunstvollen, mundgeblasenen Flaschen und Traubenbrandtrüffel erweitert. Man widmete sich auch erfolgreich dem Thema Wein und Speisen mit der deutschen Spitzengastronomie; dabei entstanden Kreationen, wie Weinblütensorbet und -parfait. Anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Riesling Anbau“ wurde eine limitierte Sonderfüllung in 1,5 Liter Magnum - Flaschen, eine 1989er Niederhäuser Hermannsberg Riesling Auslese mit Ersttagsblatt und Sonderpostzeichen ausgegeben.

Im Jahr 1993 vom 10.- 29.Mai vollzog die Staatliche Weinbaudomäne Niederhausen-Schloßböckelheim einen neuen Schritt in der Vermarktung. Mit dem Jahrgang 1992 bot man das Verkaufskonzept einer Domänen-Wein-Messe im Frühjahr an. Es konzentriert sich ausschließlich auf den jüngsten Jahrgang und ist im Gegensatz zur Weinversteigerung mit festen Preisen verbunden. Attraktive und differenzierte Konditionen garantieren eine solide Einkaufsmöglichkeit. Es war auch dem vielfachen Wunsch der Kundschaft geschuldet schon zeitig im Jahr die Weine kennen zu lernen und kaufen zu können. An der traditionellen Weinversteigerung nahm man weiter teil, allerdings mit einem gestrafften Angebot und drastisch verringerten Losgrößen.

Schon während der Amtszeit von Landwirtschaftsminister Dieter Ziegler (1985-1990) wurden von der Domänenleitung Vorschläge vorgelegt um den Domänenbetrieb wirtschaftlich etwas unabhängiger zu gestalten. Die Idee war, die Domäne zu einem Informations- und Besucherzentrum für den rheinland-pfälzischen Weinbau auszubauen, ähnlich wie man es in Frankreich kennt. Mit Schauräumen über dem damaligen, alten Kelterhaus, mit Weintasting, multimedialer, interaktiver Besucheransprache und Weinshop. Das Konzept fand keinen fruchtbaren Boden obwohl inzwischen auch in anderen deutschen Bundesländern, auch bei ehemaligen Domänen solche Projekte verfolgt wurden. Stattdessen wurde im Landwirtschaftsministerium eine andere Idee verfolgt: An der Autobahn A 61 sollte bei Gundersheim ein Weindorf an der Autobahn entstehen, dieser Gedanke verschwand aber schnell wieder.

Kurswechsel

Allmählich änderte sich die politische Großwetterlage, 1991 entstanden im Anschluss an eine Rechnungshof Prüfung Überlegungen die Verwaltung der Staatlichen Weinbaudomänen Niederhausen-Schloßböckelheim umzustrukturieren, auch Flächen der Domäne zu reduzieren. Während man Ende der 80er Jahren nur an den Etiketten und dem Adler darauf Korrekturen durch ministeriellen Erlass verordnete, wollte man nun mehr. Wie schon zu Beginn der Domänengeschichte vertraute man Gutachtern, Dr. Hans Ambrosi und Georg Raquet. Das Weitere ist rasch erzählt. Das Land wollte sich schließlich von Flächen in Altenbamberg und evtl. an der Untere Nahe trennen und nur noch die Niederhäuser und Schloßböckelheimer Lagen, dazu die Traisener Bastei bewirtschaften. Der Domänenleiter sollte kein Beamter mehr sein, vielmehr Angestellter mit Gewinnbeteiligung. Langfristig sollten 1,1 Millionen DM investiert werden, das hatte der Domänendirektor auch schon seit Jahren gefordert. Die anhaltenden Diskussionen in der Öffentlichkeit führten auch zur Verunsicherung der Geschäftspartner und damit zum Gegenteil dessen was man erreichen wollte.

Am 24.3.1994 verabschiedete sich der letzte Weinbaudirektor der ehemals „Königlich Preußischen Weinbaudomäne Niederhausen Schloßböckelheim“, Dr. Werner Hofäcker mit einer Weinprobe unter dem Motto „Weine und Jahrgänge des Merkens und Erinnerns würdig“ u.a. aus Kunden- und persönlichen Beständen; dazu waren langjährige Domänenkunden und Wegbegleiter eingeladen.

Am 1. April 1994 trat Dr. Liane Engelmann in die Leitung der Domäne ein. Sie erhält einen 5-Jahresvertrag und eine Gewinnbeteiligung. Landwirtschaftsminister Karl Schneider sichert ihr eine freiere Amtsausübung zu, ohne Gängelband des Ministeriums und in den nächsten 5 Jahren Investitionen von etwa 2,5 Millionen DM. Aber bereits zum 1.11.1994 verlässt Frau Engelmann die Domäne. Nun wird Kellermeister Kurt Gabelmann auch Leiter des Betriebes.

In einem der letzten Geschäftsberichte wurde das oft gebrauchte Bild „Flaggschiff Domäne Niederhausen - Schloßböckelheim“ aufgegriffen dem Wunsch auf weiterhin gute Fahrt. Es kam anders: Das Schiff erhielt nach 95 Jahren einen neuen Eigner. 1998 wurde die Domäne privatisiert; die Aussage von 1978 „Zum Staat gehört es auch, Eigentum zu haben“, wurde durch andere parteipolitische Mehrheiten revidiert. Der 1. private Besitzer der Domäne war Familie Erich Maurer aus Dirmstein.

Weinbaudirektoren

Franz Willibrord Hoepp 1901 – 1905

Vinzenz Schmanck 1905 - 1924

Dr. Karl Decker 1924 – 1931

Heinrich Jost 1931 – 1939

Alfons Hartrath 1939 – 1948

Hermann Goedecke 1948 – 1973 und 1977

Georg Raquet 1.1.1974 – 31.3.1977

Dr. Werner Hofäcker 1.10.1977 – 1.4.1994

Dr. Liane Engelmann 1.4.1994 – 1.11.1994

Kurt Gabelmann 1.6.1995 – Herbst 1998

Wissenschaftliche Assistenten

Rüdiger Schornick

Außenverwalter

Klein bis 1926

Bauer 1911 – 1940

Zink vor 1914 – 1924

Barzen 1926 – 1931

Dr. Sauer 1940 sollte als Direktor aufgebaut werden

Weitzel Untere Nahe

Josef Bauer, Domäne Bingen, danach Untere Nahe

Friedrich Rech 1947(?)- 1974

Werner Luschberger 1.1.1974 – 31.1.1991

Hartmut Günther 1.1.1992 – bis Ende Staatliche Ära

Kellermeister

Eich 1908 – 1923

Stein 1937 – 1960

Karl-Heinz Sattelmeyer 1.5.1961 - 30.9.1987

Walter Eschborn 24.8.1987 – 30.6.1990

Rüdiger Steinborn 1.9.1990 – 30.9.1994

Kurt Gabelmann 1.10.1994 – Herbst 1998

Widmung und Danksagung:

Meiner Familie Ingeborg, Christian, Andreas, Sebastian gewidmet, zugleich auch ein Dank für viele kleine und ganz große Hilfen während meiner aktiven Domänenzeit. An meine Tante Katharina Finck erinnere ich mich gerne, sie hat mir 1983 Archivtexte (in dt. Schrift geschrieben) vorgelesen.

 

Dr. Werner Hofäcker

Tilsiter Straße 8

D 55543 Bad Kreuznach

Nachweise

Verfasser: Dr. Werner Hofäcker

Redaktionelle Berarbeitung: Dominik Kasper

Quellen und Literatur:

Archivalien im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten II Abt. Geheime Domänen Registratur

  • Band 1 von 1903-1922 Rep. 87 Nr. 4506
  • Band I von 1899-1909 Rep. 87 Nr. 380
  • Band II von 1910-1918 Rep. 87 Nr. 372, Rep. 87 Nr. 4562, Rep. 87 Nr. 4507, Rep. 324 Nr. 4508

Archivalien Landeshauptarchiv Koblenz:

  • Best. 441 Nr. 19732-19735 Bd. 1, 2, 4, 5
  • Best. 441 Nr. 44225; 44266; 44267; 44281; 44692; 57030 Bd. 4; 57523;
  • Best. 539,001 Nr. 985;
  • Best. 702 Nr. 9363-9372;
  • Best. 710 Nr. 2842; 2843;
  • Best. 875 Nr. 286;

Literatur

  • Anheuser, E. Persönliche Mitteilung (1984)
  • Beuscher, R. Aufzeichnungen Gemeinde Niederhausen 1900-1903
  • Beuscher, R. Chronik der Gemeinde Niederhausen, Auszug (2011)
  • Beuscher, R. Jahresaufzeichnungen Amt Rüdesheim (1927)
  • Beuscher, R. Persönliche Mitteilung (2011)
  • Böhmer, Die Staatlichen Weinbaudomänen im Regierungsbezirk Koblenz In: Deutschlands Städtebau, Der Regierungsbezirk Koblenz Hrsg. K. Müller 17-28, (1929)
  • Deckers, D. Eine Geschichte des deutschen Weins. Im Zeichen des Traubenadlers. Verlag Philipp von Zabern, Mainz am Rhein (2010)
  • Deckers, D. persönliche Mitteilung (2011)
  • Frisch, W. persönliche Mitteilung (2011)
  • Gesellschaft für Geschichte des Weines, www.geschichte-des-weines.de
  • Jost, H. Der Weinbau an der Nahe. Der Rheinische Bauernstand 37, 944-946, (1934)
  • Kreuznacher Zeitung 30.6.1905
  • Meyer-Zeltingen, F. Ein Propaganda- und Nachschlagewerk für den gesamten Weinbau und Weinhandels Deutschlands. Rhein Mosel Pfalz 57-59, (1926/27)
  • Schworm, K. Die Weinbaudomäne Niederhausen-Schloßböckelheim. Naheland Kalender 72-73, (1954)
  • Seil, R. Chronik der Ortsgemeinde Schloßböckelheim (2000)
  • Singer, F. Geschichte Schloßböckelheim (Kopie)
  • Tietmann, O. : Der Ankauf des Klostergutes Marienthal a.d. Ahr durch den preußischen Staat und sein erstmaliger Ausbau zur Preußischen Staats-Weinbau-Domäne, Ditters Bürodienst Mainz (1960)
  • Wagner, E.E. : Der „ neuzeitliche“ Weinbau. Ein Beitrag zur Geschichte der Rebenveredelung und der Rebenzüchtung in Preußen. Deutsches Weinbau-Jahrbuch 39, 231-235, (1988)

Bilddokumente:

  • Hofäcker, W. Fotosammlung

Erstellt: 31.05.2011

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