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.1.Franz August Theodor Wißmann 1818-1884

von Annette Röcher

[Bild: Annette Röcher]

In der Stammtafel der Familie Wißmann, die mit Johann Egidius Wißmann geboren am 7. Oktober 1665 beginnt, finden sich u.a. folgende Daten:

Christian Wißmann, geboren am 13.2.1792 in Gemünden, starb als Pfarrer am 10.2.1855 zu Schadeck. Verheiratet hatte er sich zu Hopfgarten bei Alsfeld am 18.7.1817 mit Mariana Carolina Wilhelmina Stückrad, geboren in Hopfgarten 15.7.1794, gestorben Kettenbach 11.6.1873. Dem Ehepaar wurden in Schadeck 10 Kinder geboren, der Erstgeborene war Franz August Theodor am 8.6.1818.

Theodor Wißmann wurde Landrat des Oberwesterwaldkreises und starb zu Marienberg am 11.1.1884. Er hatte am 28.6.1849 die Ehe zu St. Goarshausen geschlossen mit Johanna Rosine Philippine Mayer, geboren in St. Goarshausen am 27.3.1826, gestorben in Hachenburg am 22.5.1913.

Aus dieser Ehe Wißmann-Mayer entstammten folgende Kinder:

Julius geboren in Hachenburg 8.10.1850

Henriette Wilhelmine Ida geboren in Hachenburg 8.5.1852

Eduard Heinrich Karl Wilhelm geboren in Hachenburg 16.11.1853

Lina Theodore Wilhelmine Friederike geboren in Weilburg 27.6.1858

Julius Wißmann starb als Amtsgerichtsrat zu Wiesbaden am 25.5.1900. Er war zweimal verheiratet. Die erste Ehe schloß er zu Grevenbrück-Förde am 30.9.1880 mit Maria Emilie Pauline Hüttenhain, * Grevenbrück 30.3.1860, +Grevenbrück-Förde am 9.6.1889; die 2. Ehe zu Vienenburg bei Goslar am 22.10.1892 mit Sophie Elisabeth Caroline Ottilie Georg, *Grünhagen bei Lüneburg am 6.12.1865, +Wiesbaden 4.2.1935.

Ida Wißmann wohnt zu Hachenburg und verheiratete sich zu Marienberg am 11.3.1873 mit dem Kaufmann Johann Carl Ludwig Winter, *Hachenburg 28.10.1834, +ebd. 9.1.1925. 

Eduard Wißmann starb als Generaldirektor der Neu Guinea-Kompagnie 1898 zu Finschhafen. Aus seiner Ehe mit Jeanne de Rochemont ging eine Tochter Dora hervor, die sich mit Louis de Rochemont verheiratete und zu Amsterdam wohnt.

Lina Wißmann starb zu Grevenbrück-Elspe am 9.4.1915. Sie hatte am 9.8.1882 zu Marienberg die Ehe geschlossen mit dem Elektrizitätswerkbesitzer Wilhelm Friedrich Martin Hüttenhain, *Grevenbrück 19.11.1852, +Grevenbrück-Elspe 15.6.1916.[Anm. 1] [Anm. 2]

Weitere Daten aus Hachenburg und Marienberg:

Die Ehefrau von Franz August Theodor Wißmann, Johanna Wißmann, starb in Hachenburg. Aus der Sterbeurkunde ergaben sich die Angaben zu ihren Eltern:

… Johanna Wissmann, geborene Meyer, evangelischer Religion, wohnhaft zu Hachenburg, am 22. Mai 1913 verstorben ist, Tochter der verstorbenen zuletzt zu Sankt Goarshausen wohnhaft gewesenen Eheleute Weinhändler Jakob Meyer und Constanze geborene Dresel. Tod angezeigt durch: Carl Winter der Zweite (Wortlaut der Unterschrift).

Der Tod von Theodor Wißmann am 11. Januar 1884 in Marienberg wurde der Urkunde zufolge von Julius Wißmann, Amtsrichter, wohnhaft zu Förde, Reg. Bezirk Arnsberg am 12. Januar 1884, angezeigt.[Anm. 3]

.2.Die Familie Winter in Hachenburg

[Bild: Annette Röcher]
[Bild: Annette Röcher]

Die Firma Carl Winter wurde am 1. April 1832 von Carl Winter I. gegründet und führte zunächst Kolonial-, Kleineisen- und Farbwaren. Die handelsgerichtliche Eintragung erfolgte am 24. Mai 1862. Am 21. März 1877 ging die Firma auf den Sohn Carl Winter II. über. Nach Erwerb von drei benachbarten Grundstücken erbaute Carl II. im Alexanderring ein größeres Geschäftshaus und erweiterte das Sortiment auf Baumaterialien, Öfen, Herde, Werkzeuge, Waffen und Munition.

Am 30. April 1901 übernahm der Sohn Carl III. das Unternehmen und führte und vergrößerte es bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1916. Seine Witwe Else Winter übernahm die Geschäftsführung

Der Sohn von Carl Winter II. war Karl Theodor Johann Winter, geboren am 20. Dezember 1873 in Hachenburg. Er heiratete am 25. Juni 1901 Elsa Paula Ermen aus Hachenburg, geboren am 15. August 1880, Tochter der Eheleute Carl Ermen und Georgine Mergler.

Als Carl Winter III. am 14. November 1916 starb, wurde er selbst in der Urkunde als Kaufmann und Kreisdeputierter bezeichnet, sowie als Sohn der Eheleute „Stadtältester“ Carl Winter und Ida geborene Wissmann …  - Stadtältester = Ehrentitel von Kommunalpolitikern.

Im Hachenburger Adressbuch von 1926 wurden Winter Else Wwe. Geschäftsinhaberin; *Ida Winter Wwe.; und Winter Karl, Inhaber Else Winter Wwe. Kolonial- und Eisenwaren in der Friedrichstraße 46 genannt. [Anm. 4]

Daten aus verschiedenen Kirchbucheinträgen in Hachenburg zur Familie Winter: 

Carl Wilhelm Winter, geboren am 28. September 1805 in Niedertiefenbach Pfarramt Nassau, heiratete am 25. Mai 1832 Friederike Catharina Johannette (Johanna) Melser, die am 3. Oktober 1811 in Hachenburg als Tochter des August Melser - zeitlicher Laquai bei dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Weilburg - und Friederike Karoline geb. Rudolph zu Hachenburg, geboren wurde. (Konfirmation J. Melser: 10. April 1825 in Hachenburg) Die Heirat wurde am 6.,13., und 20. May zu Hachenburg proclamiert. – Niedertiefenbach= Gemeinde Beselich, Reg. Bez. Limburg-Weilburg.

Die Kinder des Ehepaares Winter und Melser:

Philipp August Friedrich Winter, geboren 4. März 1833, Taufe 10.April 1833, konfirmiert am I. Sonntag auf Trinitates 1847; Paten u.a.: Marianne Friederike Winter Frau des Pfarrers J. F. A. Winter zu Niedertiefenbach, wohnhaft zu Singhofen, Heinrich August Friedrich Winter zu Singhofen, Herr Johann Philipp Rudolph, Arzt zu Hachenburg.

Johann Karl Ludwig Winter, geboren 28.Oktober 1834, Taufe 18.Nov.1834, konfirmiert 18.Juni 1848, Paten: Herr …pfarrer zu Niedertiefenbach, Jgfr. Charlotte Rudolph.

Wilhelmina Henrietta Emma Winter, geboren 10.März 1841, Taufe 6. April 1841, konfirmiert 28.May 1855; Paten u.a.: Wilhelm Kunz Medizinalassistent zu Hachenburg, Heinrich Winter forstkandidat von dem Eichelbacher Hof; Wilhelmine Rudolph von Schaumburg.

Frau Winter, geb. Melser, starb am 25.September und wurde am 27.September 1872 in Hachenburg beerdigt, wobei vermerkt wurde: … war verheiratet mit Kaufmann Karl Winter, welchen sie mit drei Kindern hinterläßt.

Die Heirat von Johann Karl Ludwig Winter und Ida Wißmann am 11.3.1873 in Marienberg wurde am 9. 16. und 23. Februar 1873 zu Hachenburg proclamiert und die Bescheinigung an das Pfarramt zu Marienberg ertheilt.

Karl Theodor Johann Winter wurde am 20.Jan. 1874 in Hachenburg getauft. Paten waren: Karl Wilhelm Winter sen. zu Hachenburg, Franz August Theodor Wißmann Landrath zu Marienberg und Johanna Philippina Rosina Wißmann geb. Meyer zu Marienberg.

Daraus ergibt sich folgende Auflistung von Vater zu Sohn:

  1. Carl Wilhelm Winter *28.Sept. 1805 in Niedertiefenbach, +nach 1874
  2. Johann Carl Ludwig Winter *28.Okt. 1834 in Hachenburg, +9.1.1925 in Hachenburg, „Stadtältester“
  3. Karl Theodor Johann Winter * 20.Dez. 1873 in Hachenburg, +14. Nov. 1916 in Hachenburg

.3.Studium und beruflicher Werdegang des Franz August Theodor Wißmann

1837 – 1840 Studium des Rechts- und Staatswesen, Georg-August Universität Göttingen

1837 Mitglied des Corps Nassovia Göttingen

1840 Eintritt in den kommunalen Verwaltungsdienst des Herzogtums Nassau

1853 Herzoglich Nassauischer Kreisamtssekretär im Kreisamt Hachenburg

1860 Landesoberschultheißerei - Verwalter in Marienberg

1862 Amtmann des Amtes Marienberg

1863 Beteiligung bei Gründung, Vorsitzender des Vorschuss- und Creditvereins Marienberg

1867 Landrat des Oberwesterwaldkreises

Seit 1866 war Theodor Wißmann Mitglied der zweiten Kammer der Landesstände des Herzogtums Nassau und von 1879-1882 Abgeordneter im Wahlkreis Wiesbaden 10 (Dillkreis, Oberwesterwaldkreis) im Preußischen Abgeordnetenhaus. Er gehörte der Fraktion der Freikonservativen Partei an. Dazu verfasste und veröffentlichte er zwischen 1853 und 1876 drei schriftliche Arbeiten. [Anm. 5]

.4.Die Zeit als Landrat

Es folgen einige informative Texte aus verschiedenen Quellen:

… Man musste sich erst an den zwar korrekten, aber kargen preußischen Amtsstil und auch an den Ton der Beamten, die ihn vorexerzierten und dabei ihren ehemals nassauischen Kollegen mit einem gewissen Mißtrauen begegneten, in dem doch mit einer behäbigeren Verwaltung bisher beglückten Land gewöhnen. Der erste preußische Regierungspräsident von Wiesbaden fand anerkennende Worte für die nassauischen Beamten, obwohl er sich sonst sehr kritisch über die Führung des ehemaligen Herzogtums geäußert hatte. Wohl deshalb auch blieb der Beamtenstand des ehemaligen Nassau in der preußischen Verwaltung weitgehend erhalten.

In den preußischen Provinzen wurde der Landrat in der Regel aus den adeligen Gutsbesitzern des Kreises gewählt, wenngleich es auch hier Ausnahmen gab. So war auch der letzte nassauische Amtmann aus Marienberg, Theodor Wißmann, von 1866 bis zu seinem Tode im Jahre 1884 erster preußischer Landrat.

Die Landräte erledigten ihre Dienstgeschäfte von ihrem Privatwohnsitz aus, blieben daher in ihrem angestammten Besitz. Für die neuerworbenen Provinzen konnte diese Regel nicht gelten. In den bereits 1815 preußisch gewordenen rheinischen Landesteilen führte dies dazu, daß freie Schlösser oder Herrensitze von den Landräten angekauft wurden … [Anm. 6]

… Der erste Landrat des Oberwesterwaldkreises war Landrat Theodor Wißmann. Er amtierte vom 29. Juni 1867 bis 11. Jan. 1884. Die damalige Kreisversammlung setzte sich zusammen aus den Bezirksräten der Ämter Marienberg, Hachenburg und Rennerod, sowie den Vertretern der königlichen Domäne, der Gräfin Leiningen=Westerburg als Inhaberin der Standesoberschaft Westerburgs. Zum Kommunallandtag entsandte der Kreis zwei Mitglieder. Als Beamte waren beim Landratsamt tätig je ein Kreissekretär, Hilfsarbeiter und Kreisbote. Diese Kräfte wurden später noch ergänzt durch die Anstellung je eines Kreiskommunal- und Sparkassenrendanten und Amtsboten. In dem jetzigen Amtsgebäude befanden sich im Vorderbau die Wohnung des Landrats und die Amtsräume des Landratsamts, im Mittelbau die Geschäftsräume des Amtes Marienberg und im hinteren Teil das Amtsgericht …

Landrat Wißmann war als dem ersten Landrat des neugebildeten Kreises nach der Abtretung des Herzogtums Nassau an das Königreich Preußen auch die Aufgabe zugefallen, die Bewohner desselben an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen. Das mag bei dem konservativen Sinn und dem Festhalten am Althergebrachten und Überlieferten der damaligen Westerwälder nicht leicht gewesen sein. Noch heute gibt es alte Westerwälder, die, wenn auch inzwischen gut preußisch geworden, die Treue zu ihrem angestammten Herzog Adolf von Nassau im Herzen bewahrt haben. Trotz der annähernd 17-jährigen Amtszeit des Landrats Wißmann als Verwalter des Kreises wissen wir nichts bemerkenswertes über seine Tätigkeit als solcher zu berichten, da uns kein Verwaltungsbericht darüber Auskunft gibt ... [Anm. 7]

… 1784 begann man mit dem Bau des Amtshauses in der Wilhelmstraße, das 1786 bezogen werden konnte. Im Erdgeschoss waren außer der Wohnung für den Amtmann, eine Amtsstube und eine „Ansprachstube“ eingerichtet. Im Obergeschoss befanden sich Verwaltungsraum, „Fourageraum“, drei Fremdenzimmer, eine Kammer für die Magd und ein „Abtritt“. Pferde-, Kuh- und Schweinestall waren angebaut. Im Hof gab es noch einen weiteren „Abtritt“. Nach 1867 waren im Amtsgebäude die Wohnung des Landrats, die Amtsräume …

An die Stelle des baufällig gewordenen ortsbildprägenden historischen Gebäudes, ist, wie Phönix aus der Asche, das stattliche Gästehaus des Europa – Hauses entstanden. 1909 wurde eine neue Dienstwohnung, die „Landratsvilla“ in der Büchtingstraße errichtet … [Anm. 8]

Die Urkunde zur Ernennung/Bestätigung zum Landrat lautete:

Wir Wilhelm von Gottes Gnaden

König von Preußen

… weiterer Text

Bestallungsurkunde als Landrat

für den vorherigen Amtmann

Theodor Wißmann zu Marienberg

vom 23. Mai 1868

.5.Zu Landwirtschaft, Handel, Industrie und Verkehr

… Die Sorge um die Landwirtschaft: Während der Amtszeit von Landrat Wißmann gab es auf dem Bürgermeisterposten zwei Wechsel. 1868 folgte auf Ernst Kolb dessen Sohn Wilhelm. Sein Nachfolger wurde 1880 Rudolf Keßler. Notwendigerweise musste in einem so kleinen Ort wie Marienberg damals das Wirken des Bürgermeisters im Schatten dessen stehen, was im Landratsamt geschah. Zudem gehörte Landrat Wißmann zu den Menschen, die durch ihre Ideen und durch ihren Fleiß die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen.

Zu seinen Hauptanliegen zählte nach wie vor die Förderung der Landwirtschaft. So ist es nicht verwunderlich, daß er als Präsident an der Spitze des Westerwälder Tierschutzvereins stand und auch im „Verein für Züchtung und Veredlung der Westerwälder Rindviehrasse“ den Vorsitz übernommen hatte. Um die Beschäftigungslage zu verbessern, gab er immer wieder Anweisungen, die Vicinalwege und andere geeignete Flächen mit Bäumen zu bepflanzen und an den Bachläufen Korbweiden als Rohstoffbasis zu züchten. Dem Flachsanbau galt ebenfalls sein Augenmerk. Amtliche Bekanntmachungen wie die folgende, versehen mit der Handschrift des Landrates, gab es viele: „Bekanntmachung, Flachsbereitung betr.: Dem Publikum diene wiederholt zur Nachricht, daß Herr Müller L. Sahm auf der Neumühle bei Marienberg die dem Staat eigentümlich gehörige Brech- und Schwingmaschine zum eigenen Gebrauch wieder in Gang gesetzt hat. Der Preisansatz vom geschwungenen Dreißig ist 50 Pfennig. Der Staat stellt die Maschine unentgeltlich. Marienberg, den 7.Sept. 1882. Der Königliche Landrat Wißmann.“ ( ) 

… Als Landrat wirkte er erfolgreich für den Zusammenschluß der Handwerker auf Kreisebene zu Innungen. Die meisten Innungen entstanden in den Jahren 1878 und 1879. Darunter war auch die Innung der Schiefer- und Strohdecker.

Die Verkehrserschließung seines Kreisgebietes lag ihm ebenfalls am Herzen. So brachte er immer wieder den Bau der Oberwesterwald-Eisenbahn zwischen Westerburg und Altenkirchen ins Gespräch. Da er inzwischen zum Mitglied des preußischen Landtages gewählt worden war, machte er auch hier seinen Einfluß für den Bau geltend. Stolz telegraphierte er am 11. Februar 1881 von Berlin, dem Sitz des Landtages, nach Marienberg:  „Eisenbahn im Hause (der preußischen Staatsregierung, der Verfasser) genehmigt. Wißmann.“ [Anm. 9]

.6.Der Vorschuss- und Creditverein Marienberg

… Auf dem Gebiet des Kreditwesens gab es ebenfalls wesentliche Verbesserungen. 1840 war in Wiesbaden die Nassauische Landesbank gegründet worden, die 1848 in Marienberg eine Agentur eröffnete.

Einen ganz wichtigen Fortschritt in dieser Richtung bedeutete für Marienberg die Gründung eines Vorschußvereins am 29. Mai 1863. Sein Fond bestand aus: 

a) dem Eintrittsgeld der Mitglieder, das auf einen Gulden festgelegt war,

b) den zu 5% verzinsten freiwilligen Einzahlungen der Mitglieder,

c) den bei Dritten aufgenommenen Darlehen.

Der §1 der Statuten des Vorschußvereins nannte den Zweck des Zusammenschlusses. Er lautete:

„Der Verein bezweckt durch den gemeinschaftlichen Kredit seiner Mitglieder, die zum Betrieb der Gewerbe und der Landwirtschaft erforderlichen Geldmittel zu beschaffen.“

Unter Vorsitz des damaligen Amtmannes des Amtes Marienberg, Theodor Wißmann hatte die Mitgliederversammlung am 23. Januar 1863 die Statuten angenommen. Neben Amtmann Wißmann als Vorsitzenden gehörten dem ersten Vorstand an:

H. von Saint-George als Kontrolleur; Ludwig Schmidt als Kassierer; als Beisitzer: G. Musset, L. Diehl und Chr. Ferger. (wie 8)    - müsste A. Musset heißen – Text zu 1863

Westerwälder Volksbank e.G.m.b.H. / Marienberg

– Geschäftsstelle in Westerburg - 

Die Westerwälder Volksbank wurde im Jahre 1863 von Gewerbetreibenden und Landwirten unter Mitwirkung von Herrn Amtmann Wißmann gegründet. Dem ersten Ausschuß gehörten die Herren Amtmann Wißmann, H. v. Saint-George, Ludwig Schmidt, A. Musset, L. Diehl und Ch. Ferger an.

Als Kredit- und Sparkassengenossenschaft nach dem Vorbild des Altmeisters der Genossenschaften, Schulze-Delitzsch, befasst sich die Westerwälder Volksbank seit ihrer Gründung mit der Beschaffung der für die Gewerbe und Landwirtschaft nötigen Geldmittel und pflegt das Sparkassengeschäft. Jede spekulative Beteiligung widerspricht dem Genossenschaftsgedanken und ist ausgeschlossen …  80 Jahre Westerwälder Zeitung 1848-1928, Jubiläumsausgabe Presse, Handwerk, Industrie, Handel, Marienberg und Hachenburg, Seite 66 - Text von 1928 -

Es begann 1863: Am Standort Bad Marienberg reicht die Geschichte der Westerwald Bank zurück bis in das Jahr 1863. Für dieses Jahr weist die Bankchronik die dortige Gründung eines Vorschussvereines aus. 1921 erfolgte ein Namenswechsel: Der bisherige Marienberger Vorschussverein nannte sich nunmehr Westerwälder Volksbank. Eine Zweigstelle eröffnete in Westerburg 1928. 1968/69 beschlossen die Mitglieder den Zusammenschluß mit der damaligen Westerwald Bank in Hachenburg. [Anm. 10]- Text von 2016 -

.7.Die letzten Dienstjahre

… Recht modern mutet die Botschaft des Landrates an die Kreisbevölkerung zum Weihnachtsfest des Jahres 1881 an. In ihr heißt es:

„... gerade in unserer Zeit, wo der Hang nach Oberflächlichkeit und das Trachten nach Reichtum und irdischen Gütern so sehr ausgebildet ist, sollte man in dem Weihnachtsfeste mit seiner Verherrlichung der christlichen Nächstenliebe ein flammendes Wahrzeichen dafür erblicken, daß es noch etwas Höheres gibt als irdische Güter und irdischen Genuß.“

… 1883 mußte der Landrat wegen Krankheit längere Zeit vom Amtmann des Amtes Hachenburg vertreten werden. Am 28. September gab er bekannt:

„Nachdem von schwerer Krankheit meine Gesundung vollständig hergestellt ist, werde ich am 1. Oktober meine Dienstfunktion als Königlicher Landrat im Geiste der Förderung öffentlicher Wohlfahrt unter Mitversehung des Verwaltungsamtes Marienberg im vollen Umfange wieder antreten. Wißmann. Königlicher Landrat.“

Die Gesundung des Landrates hielt nicht lange an. Er starb bereits im Januar des folgenden Jahres und wurde auf dem Friedhof in Marienberg beigesetzt. Seine Witwe veröffentlichte die nachstehende Danksagung:

„Danksagung. Allen denjenigen, welche meinen teuren Gatten, dem nunmehr in Gott ruhenden Königlichen Landrate

Theodor Wißmann

am Begräbnistag das Ehrengeleit gegeben und mir und meiner Familie so innige Teilnahme bewiesen haben, spreche ich hiermit herzlichen Dank aus.

Marienberg, den 17. Januar 1884.               Johanna Wißmann.“ [Anm. 11]

.8.Zu Beerdigung und Grabstein

Im Abschnitt „Die letzten Dienstjahre“ heißt es: … auf dem Friedhof in Marienberg beigesetzt.“ Der Sterbeeintrag des Standesamtes, Personenstandsregister, aus Bad Marienberg liegt in Kopie vor, allerdings wurde nach Durchsicht der Kirchenbücher in Bad Marienberg kein Eintrag der Beerdigung gefunden. Nach Auskunft der evangelischen Kirchen in Hachenburg und Altstadt gab es dort ebenfalls keine Einträge für eine kirchliche Bestattung. Vielleicht ergeben sich dazu in Zukunft weitere Erkenntnisse.

Das Ehepaar Wißmann hatte in Marienberg eine Amtswohnung, doch Frau Wißmann kehrte nach dem Tod ihres Mannes nach Hachenburg zurück, da sie bei ihrem Tod 1913 als in „Hachenburg wohnhaft“ angegeben wurde.

Der Grabstein des Landrates Wißmann steht bis heute auf dem Friedhof am Steinweg in Hachenburg, was die Vermutung nahelegt, dass er in der Nähe seines Hachenburger Familienzweiges beerdigt wurde.

.9.Quellen und Anmerkungen

Informationen zu einigen Gründungsmitgliedern des Vorschußvereins:

Hotel Ferger, Marienberg:

… Der erste Besitzer des Hauses hieß Schrey. Seine Existenz beruhte auf vielfachen Geschäften, wie das an der Vorderfront des Gebäudes prangende Schild verriet mit der Aufschrift: „Manufakturwaren, Spezerei, Wein und Brot“. Der Nachfolger von Schrey war Christian Ferger. Zu seiner Zeit beherbergte das Gebäude auch die Posthalterei … 1891 übernahm der Neffe Louis Ferger das Haus ...

Aus: 80 Jahre Westerwälder Zeitung 1848-1928, Jubiläumsausgabe Presse, Handwerk, Industrie, Handel, Marienberg und Hachenburg, Seite 69

Heinrich von Saint George, 1822 in Neuenhain geboren, gründete in Marienberg ein Gemischtwarengeschäft. Heinrichs ältester Sohn Karl übernahm durch Heirat in Hachenburg das alteingesessene Rösgensche Geschäft in der Obergasse.

Aus: regionalgeschichte.net: Firmen von A-Z (226) Saint-George, Stefan Grathoff

Der Kaufmann Wilhelm Heinrich Julius von Saint George wurde als Sohn des Pfarrers Carl August Hermann von Saint George am 20.9.1822 in Neuenhain geboren. Sein Sohn, der in Hachenburg heiratete, war Kaufmann Johann Christian Carl Heinrich Wilhelm von Saint George, geboren Juni 1854 in Marienberg, später wohnhaft in Hachenburg.

Adolf Musset … Als nach wiederholten Anträgen auf Errichtung einer Apotheke in Marienberg sich die Regierung zur Genehmigung in 1837 bereitfand und dem Apotheker Steuernagel zu Emmerichenhain die Gründung einer Filialapotheke gestatten wollte, war noch vorher über den Einspruch des Westerburger Apothekenbesitzers Wehsarg zu entscheiden, welcher sich eher berechtigt fühlte. Die Genehmigung wurde jedoch am 3. November 1837 Steuernagel erteilt. Nach seinem Tode ließ seine Witwe von 1841-1850 die beiden Apotheken verwalten, bis sie von Adolf Musset erworben wurden, welcher seine Wohnung nach Marienberg verlegte, wodurch die dortige Apotheke Vollapotheke wurde. Am 1. Oktober erwarb sie der jetzige Besitzer Wilhelm Schimmelfennig.

Aus: Dr. C. Dönges Dillenburg, „Beiträge zur Geschichte der 32 Apotheken in dem ehemaligen Fürstentum Oranien-Nassau“ Deutsche Apotheker-Zeitung Nr. 80, 1935

Verfasserin: Annette Röcher
Redaktionelle Bearbeitung: Alexander Wißmann, Jasmin Gröninger
Erstellt am: 5.12.2018
Nachweise: 

 

Anmerkungen:

  1. Angaben aus: Rudolf Bonnet „Genealogisches Lexikon nassauischer Beamtenfamilien im 19. Jahrhundert“, Nassovica Heft 1, Seite 60-66, 1930. Zurück
  2. Die Mutter Johanna Rosine Philippine Mayer wurde statt „Rosine“ auch als „Sophia“ oder „Luise“ angegeben. Aus der Stammtafel Wißmann geht hervor, dass bereits früh Kontakte nach Hachenburg und zu Theodor Wißmanns Zeiten nach Westerburg bestanden. Ob diese Verbindungen Auswirkungen auf das Leben Theodor Wißmanns hatten oder ob er die zeitgleichen Kontakte nutzte, ist mir nicht bekannt. Philippus Conradus Wißmann Pfarrer zu Lautersheim in der Pfalz heiratete am 14.5.1737 Johannette Auguste Hell, geboren in Bischheim am 18.10.1718, Pfarrerstochter. Ihre Tochter Susanne Wilhelmine, geboren in Lautersheim am 24.1.1741, heiratete 1767 (proclamiert in Hachenburg) Wilhelm Friedrich Magdeburg, geboren am 25.5.1742 in Hachenburg und dort verstorben am 24.1.1780, Amtssekretär. Die Schwester des Vaters von Theodor Wißmann, Johannetta Wißmann, geboren am 15.3.1788 in Gemünden, gestorben am 22.9.1859 in Westerburg, heiratete am 16.7.1820 den Färber Georg Carl Ferger aus Westerburg (*1.8.1794,+23.10.1871). Eine weitere Schwester des Vaters war Regina Sophia Henriette Wißmann, geboren am 20.7.1790 in Gemünden, verstorben am 13.6.1857 in Westerburg, ledig. Der Cousin von Theodor Wißmann war Eduard Wißmann: http://www.gemuenden-ww.de/historie/eduard-wimann---ein-dichter-des-westerwaldes/index.html; Grevenbrück: http://www.lennestadt.de/media/custom/2080_1826_1.PDF?1399287690; Wilhelm Friedrich Martin Hüttenhain, Lederfabrikant in Grevenbrück, Kreis Olpe geb. 19.11.1852. Eltern: Lederfabrikant Wilhelm Hüttenhain und Henriette geb. Zimmermann; cop. Burbach/Westfalen, evangelisch / Pfarrer Romberg; civ. cop. Standesamt Marienberg: http://grevenbrueck.de/blog/2016/12/11/evangelischer-friedhof-auf-der-hardt/. Zurück
  3. Daten aus dem Personenstandsregister Hachenburg und Bad Marienberg Für Ida Winter geb. Wißmann habe ich kein Todesdatum gefunden. Beim Tod von Carl Winter II. 1925 war der „Anzeigende“ des Todes Karl Winter, demnach Karl der IV. Die Tochter Auguste Karolina Emma Winter *1876 in Hachenburg, verheiratet mit Landesbaurat Friedrich Scherer, lebte vermutlich in Idstein. Der Pate „Wilhelm Kunz“ war Dr. Wilhelm Heinrich Kuntz, geboren Mai 1807; wurde 1831 Med.-Accessist zu Herborn, 1835 Med.-Accessist zu Hachenburg und 1845 (-1855) Med.-Rath zu Usingen; https://books.google.de/books/about/Statistik_der_Lebens_u_Gesundheits_Verh.html?id=2uk-AAAAcAAJ&redir_esc=y  Zurück
  4. Die Familie Carl Ermen in Hachenburg, Annette Röcher 2017; „Winter Kolonialwaren“ aus Stefan Grathoff Geschichte der Stadt Hachenburg im Internet unter regionalgeschichte.net.de ;Firmen A-Z (226) Zurück
  5. Theodor Wißmann, Wikipedia. Zurück
  6. Heimatchronik des Westerwaldkreises, Hellmuth Gensicke u.a., Archiv für deutsche Heimatpflege, Köln 1978, Seite 164/165. Zurück
  7. 80 Jahre Westerwälder Zeitung 1848-1928, Jubiläumsausgabe Presse, Handwerk, Industrie, Handel, Marienberg und Hachenburg, Seite 22. Zurück
  8. „Bad Marienberg“, Karl Kessler; veröffentlicht über ArGeWe Westerwald: http://argewe.lima-city.de/wewa2/m-orte/marienberg/ort-ind4.htm Zurück
  9. Bad Marienberg, Die Geschichte von 1866 bis 1939, Bernhard Jeck, Stadtverwaltung Bad Marienberg 1987. Zurück
  10. Ak-Kurier 14.12.2016, „Die Bankfiliale von Grund auf neu definiert.“ Zurück
  11. wie ANM. 9 Zurück