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(Nero Claudius) Drusus

von Wolfgang Stumme

Büste des Nero Claudius Drusus[Bild: Wikipedia]
Drususdenkmal in Mainz[Bild: Elmar Rettinger/IGL]

(* 14. Januar 38 v. Chr. in Rom, + 14. September 9 v. Chr. irgendwo zwischen der Saale und dem Rhein; beigesetzt wurde er in Rom)

Drusus hatte einen um vier Jahre älteren Bruder, den späteren Kaiser Tiberius. Beide waren die Söhne von Tiberius Claudius Nero und Livia Drusilla. Während der zweiten Schwangerschaft zwang Kaiser Augustus die Eltern zur Scheidung, weil er selbst Livia Drusilla heiraten wollte. Drei Monate nach der Hochzeit kam dann Drusus zur Welt. Der Stiefvater der Beiden, Kaiser Augustus, bevorzugte Drusus. Dennoch erhielten beide die beste Ausbildung, die man sich denken kann. Schon in jungen Jahren übernahmen sie wichtige politische und militärische Aufgaben.
Im Jahr 15 v. Chr. unterwarfen Tiberius und Drusus als Befehlshaber römischer Legionen erfolgreich die schwer zu erschließenden Alpen und das Alpenvorland bis zur Donau. Durch ihren Erfolg erhielt das Römische Reich eine neue Provinz, die sie ‚Rätien‘ nannten.
Schon zwei Jahre später wurde Drusus Statthalter der drei gallischen Provinzen. Damit war er für ein sehr großes Gebiet, das das heutige Frankreich, Belgien, die Niederlande und das linksrheinische Deutschland umfasste, zuständig. Sein Amtssitz war Lyon.
Kaiser Augustus wollte zunächst den nordöstlichen Abschnitt der Grenze des römischen Reiches sichern und die rechtsrheinischen Gebiete bis hin zur Elbe militärisch und politisch kontrollieren. Umgehend ordnete Drusus den Bau eines Kanals zwischen dem Rhein und der Zuiderzee an, damit die am Rhein stationierte römische Flotte schneller die Nordsee erreichen konnte. Mit gerade einmal 25 Jahren ließ er ab dem Jahre 13 v. Chr. das linke Rheinufer mit 50 Kastellen befestigen. Besonderen Wert legte er auf die Legionslager in Mainz und Xanten.
In Mainz ließ er ein großes Lager für zwei Legionen errichten. Neben den 12.000 Legionären musste das Lager auch noch Hilfstruppen aufnehmen können. Besonders geeignet erschien ihm die Anhöhe gegenüber der Mainmündung. Das Lager nannte er nach dem keltischen Gott Mogon Mogantiacum.
Um keine Zeit zu verlieren, wurde hinter einem Graben ein Erdwall aufgeschüttet und mit Palisaden versehen. Dieser Wall umfasste das Gebiet der heutigen Universitätskliniken bis hin zur heutigen Kupferbergterrasse. Die Unterkünfte waren zunächst sehr einfach; der Bau steinerner Kasernen musste warten. Aber Lazarett, Magazine, Stallungen für die Pferde, Werkstätten und Verwaltungsgebäude ließ Drusus von Anfang an aus Stein errichten. Unterhalb des Lagers bildeten sich schnell kleine Siedlungen – sog. Canabae legionis – mit Geschäften, Werkstätten und Tavernen. Neben Händlern und Handwerkern zogen in diese Siedlung auch einige Familien der Legionäre. Hier drückte Drusus ein Auge zu, weil die Legionäre offiziell ledig bleiben mussten.

In den folgenden Jahren führte Drusus insgesamt drei Feldzüge gegen die Germanen; zunächst gegen die aufständischen Friesen und im Jahr darauf gegen die an der Lippe siedelnden Sugambrer und andere Stämme. Bei diesem Feldzug stießen seine Legionen bis zur Weser vor. Im Spätherbst mussten sie sich allerdings wieder zurückziehen – jedoch nicht wegen der Cherusker, in deren Gebiet sie sich befanden, sondern aufgrund ernsthafter Versorgungsprobleme. Seine ca. 30.000 Legionäre und eine noch größere Anzahl von Hilfstruppen waren auf den Nachschub von der linken Rheinseite angewiesen. Die Römer sahen ihre militärische Überlegenheit gefährdet, da sie offensichtlich nicht in der Lage waren, während des Feldzuges jederzeit Verpflegung, Waffen und Kleidung für eine so große Armee zu beschaffen.
Also ordnete Drusus an, dass in Germanien schnellstens befestigte Lager errichtet werden sollten, in denen Proviant gespeichert werden konnte. So wurden z. B. in dem römischen Lager in Rödgen in der Wetterau große Lagerhäuser errichtet, in denen mehr als 60.000 Zentner Getreide gespeichert werden konnten.
Im Jahre 10 v. Chr. reiste Drusus nach Rom, um dort zum Konsul ernannt zu werden. Übrigens: Das Reisen auf den gut ausgebauten Straßen im römischen Reich war recht angenehm.
Als er nach Mainz zurückkam, waren die Vorbereitungen für den dritten Germanien-Feldzug bereits abgeschlossen. Bei diesem Feldzug erreichten die Römer unter Drusus die Elbe. Die Nachschublager in der Etappe hatten sich bestens bewährt. Aber beim Rückmarsch scheute das Pferd und warf Drusus ab. Bei dem Sturz wurde er so stark verletzt, dass er auf einer Trage transportiert werden musste. Die Ärzte konnten die Entzündung seines gebrochenen Beines nicht heilen. Auf dem Weg nach Mogontiacum erlag er am 14. September 9 v. Chr. seinen Verletzungen.
Sein Bruder Tiberius eilte, als er von dem Tod seines Bruders erfuhr, sofort nach Mainz und leitete einen imposanten Trauerzug bis Pavia. Von dort begleitete Kaiser Augustus selbst den Trauerzug bis Rom. Beigesetzt wurde Drusus mit allen Ehren im Mausoleum des Kaisers.

In Mainz haben die Legionen ihrem beliebten Feldherrn ein Denkmal errichtet – den Drususstein. [Anm. 1] Die Reste dieses gewaltigen Turmes kann man heute noch in der Zitadelle sehen. Am Drususstein haben sich in den folgenden Jahrhunderten – einmal im Jahr zum Gedenken an Drusus – Abordnungen der in Gallien und Germanien stationierten Legionen getroffen. Für diese Gedenkfeiern wurde in Mainz das größte Bühnentheater nördlich der Alpen errichtet.

Verfasser: Wolfgang Stumme

Redaktionelle Bearbeitung: Sarah Traub und Jasmin Gröninger

Verwendete Literatur:

  • Panter, Andreas: Der Drususstein in Mainz und dessen Einordnung in die römische Grabarchitektur seiner Erbauungszeit. Mainz 2007.

Aktualisiert am: 22.07.2016

Anmerkungen:

  1. Beim Drususstein handelt es sich um ein Kenotaph (leeres Grab), das zur Erinnerung an Drusus errichtet wurde.  Zum aktuellen Forschungsstand vgl.: Panter, Andreas: Der Drususstein in Mainz und dessen Einordnung in die römische Grabarchitektur seiner Erbauungszeit. Mainz 2007. Zurück