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Johannes Bückler (Schinderhannes)

Johannes Bückler (Gemälde von K.H. Ernst)

Räuberhauptmann, geb. 1779/80, gest. 1803.

Johannes Bückler wurde 1779 oder 1780 in Miehlen geboren. Der Räuberhauptmann Schinderhannes ist eine schillernde Figur, um die sich in Mainz und Umgebung diverse Sagen und Geschichten ranken. Noch heute wird Schinderhannes als Robin Hood Rheinhessens, der Pfalz und des Hunsrücks dargestellt. Inwieweit Johannes Bückler, alias Schinderhannes, aber tatsächlich als Verteidiger der Armen fungierte, ist unsicher. Den ihm selbst verhassten Beinamen Schinderhannes erhielt Bückler auf Grund des Berufs seines Vaters, der in seinem Heimatdorf Miehlen als Abdecker - oder Schinder - tätig war. Aus Angst vor der Bestrafung nach einem Diebstahl floh die Familie aus Miehlen und hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Bereits die Jugend Bücklers wurde von der Wanderschaft geprägt.
Seine Lehre zum Abdecker trat Bückler in Bärenbach an, wo er nach einem Diebstahl verhältnismäßig hart bestraft wurde. Auf diese Kränkung hin entschloss sich Bückler für die Laufbahn des gesellschaftsfeindlichen Verbrechers, lebte vor allem in Wäldern, die ihm weitgehend Schutz vor Verfolgung bieten konnten, und wurde bald zum Anführer Gleichgesinnter. Berühmtheit erlangte der Räuberhauptmann insbesondere durch seine mehrmalige Flucht aus Gefangenschaften, aber auch durch seine Charaktereigenschaften, zu denen Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit gezählt haben sollen.
Um 1800 lernte Schinderhannes Juliane Blasius kennen, die ihn bis zu seinem Tod - zum Teil auch in Männerkleidung - begleitete und ihm zwei Kinder gebar. Im Sommer 1802 wurde Bückler in der Nähe von Wolfenhausen gefangen genommen und gegen seine ausdrückliche Bitte an die Franzosen ausgeliefert. Bis zu seiner Aburteilung vor dem eigens eingerichteten Spezialgerichtshof im Kurfürstlichen Schloss wurde Bückler im Mainzer Holzturm eingekerkert. Der Prozess gegen Schinderhannes sorgte für derartiges Aufsehen, dass Eintrittskarten verkauft werden mussten, um den Zuschauerandrang bewältigen zu können. Das Urteil erging am 20.11.1803 und lautete auf Todesstrafe, die am nächsten Tag im heutigen Volkspark vollstreckt wurde. Mit Schinderhannes wurden 19 weitere Räuber guillotiniert. An den Leichen der Hingerichteten führte die medizinische Gesellschaft galvanische Versuche durch.

Schinderhannes - der Robin Hood des Hünsrücks?

von Elmar Rettinger

Am 21. November 1803 wurde Johannes Bückler, genannt "Schinderhannes" in Mainz durch das Fallbeil hingerichtet. Der 200. Jahrestag dieses Ereignisses war Anlass, dass sich auch die 4. Mainzer Buchmesse 2003 mit "Schinderhannes" beschäftigte.

Bei seiner Hinrichtung im Jahre 1803 war eine große Menschenmenge dabei, denn "Schinderhannes" war trotz seiner jungen Jahre berühmt und schon zu Lebzeiten rankten sich Legenden um seine Person. Seine kriminelle Bilanz war beachtlich: Seiner vor allem im Hunrückraum agierenden Bande wurden zwischen 1796 und 1802 211 Straftaten nachgewiesen – vom einfachen Diebstahl über Raub und Erpressung bis hin zum Mord.

Johannes Bückler war der Sohn eines Abdeckers. Abdecker gehörten zu den am wenigsten geachteten Berufen, sie waren für die Entsorgung verendeter Tiere zuständig. Sie wurden im Volksmund auch als "Schinder" bezeichnet, da sie den Tieren die Haut abzogen ("schinden" = veraltet für "abdecken" bzw. "abhäuten"). Der junge Hannes wurde selbst Schinderknecht und geriet rasch auf die schiefe Bahn, indem er seinen Lehrmeister bestahl. 1796 - also als etwa 16-jähriger - erstmals verhaftet und eingesperrt, fand er nach seiner Flucht Kontakt zu Angehörigen krimineller Kreise. Schinderhannes wurde mehrfach verhaftet und immer wieder gelang ihm die Flucht, was ihm eine gewisse Berühmtheit einbrachte.

War er auch nicht der verkannte, mutige Sozialrebell, als den ihn später viele sahen, so steht hinter seinem Leben doch mehr als die bloße Abfolge einfacher Diebstähle oder primitiver Überfälle. Das soziale Umfeld sowie die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse haben das Leben des "Schinderhannes" entscheidend beeinflusst. Zu seinen Lebzeiten regierten Hunger und bittere Armut. Das Räuberunwesen war damals weit verbreitet und hat auch nach dem Tod des "Schinderhannes" keineswegs aufgehört.

Losgelöst von der historischen Figur des Johannes Bückler entstand im 19. Jahrhundert der Mythos vom edlen Räuber, der ausschließlich die Reichen bestahl und die Beute an die Armen verteilte, des Freiheitskämpfers, der sich damals gegen die Willkür der französischen Fremdherrschaft auflehnte.

Nachweise

Verfasser: Sonja Glaab

Quelle: 2000 Jahre Mainz - Geschichte der Stadt digital