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Ludwig Christian Christoph Freiherr von Lichtenberg (1784-1845)

Das rheinhessische Jubiläum 2016 ist in besonderer Weise mit dem Namen Lichtenberg verbunden. Kaum ein Politiker hat die Geschicke Rheinhessens nach der Auflösung der deutschen Fürstentümer derart geprägt und geleitet wie Freiherr von Lichtenberg. Ludwig Christian Christoph von Lichtenberg wurde am 27. Februar 1784 als Sohn des späteren hessischen Staatsministers Freiherr Friedrich August von Lichtenberg (1755–1819) und Johannette Rosine Küster (1757–1839) in Darmstadt geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung studierte er Rechtswissenschaften in Gießen (1800) und Göttingen (1802–1804). Mit dem Ende seines Studiums wurde er 1806 Assessor an der Provinzialregierung in Darmstadt und 1810 Regierungsrat. 1811 ging er als freiwilliger Attaché nach Paris und wurde schließlich Legationsrat an der dortigen Botschaft des Großherzogtums Hessen. [Anm. 1] Während seines Aufenthalts in Paris lernte er Marguerite Rigollet (1790–1826) kennen, die er 1812 heiratete. Im selben Jahr wurde der erste Sohn August Bernhard von Lichtenberg (1812–1836) geboren, der Oberleutnant in Österreich wurde und in Spanien während der Karlistenkriege auf dem Schlachtfeld fiel. Im darauffolgenden Jahr wurde Luise von Lichtenberg (1813– 1887) geboren, die den königlich-preußischen Major Clemens Freiherr von Lilien (1806–1871) heiratete. Friedrich (1817–1877) wurde Konsul und Gutsbesitzer. Zwei Söhne, Ernst (1820–1849) und Ludwig von Lichtenberg (1824–1852), wanderten nach Texas aus. Wilhelm (1821–1859) und Georg (1825–1860) schlugen eine militärische Laufbahn ein. Nach dem Tod seiner Ehefrau heiratete Ludwig Christian Christoph seine zweite Ehefrau Johanna von Aachen (1789–1851) mit der er allerdings keine Kinder mehr hatte.[Anm. 2]

1814 kehrte Lichtenberg mit seiner Familie nach Darmstadt zurück, wo er unter der unmittelbaren Leitung seines Vaters für das hessische Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten arbeitete. Die bis dato zur französischen Republik und zum Departement Donnersberg gehörige Provinz Rheinhessen wurde am 12. Juli 1816 mit dem Großherzogtum Hessen vereint. Ludwig Freiherr von Lichtenberg wurde zur Generalkommission berufen, da er sich mit den geltenden französischen Institutionen in Paris sehr gut vertraut gemacht hatte.[Anm. 3] Mit der ersten großherzoglich-hessischen Generalkommission organisierte er 1816 die Provinz Rheinhessen und wurde deren oberster Verwalter. In einem staatlichen Akt wurde im Erthaler Hof in Mainz vom hessischen Geheimrat Franz Werner Freiherr von Leykam (1814–1883) die Besitzergreifungsurkunde verlesen. Die Kommission wurde zunächst von Herrn Geheimrat Freiherr von Leykam geleitet. Mitglieder wurden die Oberapellationsgerichtsräte Baron Gruben und Johann August Konrad Hofmann (1776–1841) sowie der Legations- und Regierungsrat Baron von Lichtenberg.[Anm. 4] Am 1. Januar 1817 wurde die Regierungskommission einberufen und Freiherr von Lichtenberg zum Präsidenten derselben ernannt. 1818 hatte sich die Kommission etabliert und wiederum Lichtenberg zum Leiter derselben ernannt. Lichtenberg übernahm das Präsidium der neuerrichteten Behörde, die 1832 in Provinzialdirektion umgenannt wurde. 1835 erhielt er zwei Titel Provinzialkommissar und Kreisrat. Rheinhessen wurde in 5 Kreisämter eingeteilt: Alzey, Bingen, Mainz, Oppenheim und Worms. An der Spitze jedes Kreises stand der Kreisrat, dem ein oder mehrere Kreisamtmänner beigegeben wurden. Der Kreisrat von Mainz war der oberste Beamte der gesamten Provinz und führte den Titel Provinzialkommissar.[Anm. 5] Freiherr von Lichtenberg war also Kreisrat von Mainz und Provinzialkommissar Rheinhessens. Er stand 28 Jahre an der Spitze der Provinzialverwaltung. Seine erfolgreiche Tätigkeit legte den Grundstein für den wirtschaftlichen Aufstieg Rheinhessens. Die Verwaltung Lichtenbergs wurde von Zeitgenossen durchaus positiv gewertet. Es wird geschrieben, dass Freiherr von Lichtenberg sehr beliebt war.[Anm. 6] Er verhalf in vielen Anliegen der Bevölkerung zu ihrem Recht. So wurde z. B. 1817 auf Anfrage des Bischofs Joseph Ludwig Colmar (1760–1818; Amtszeit: 1802–1818) die seit 24 Jahren nicht mehr öffentlich abgehaltene katholische Fronleichnamsprozession in Mainz wieder gestattet.[Anm. 7] Zu seinem 25jährigen Jubiläum bekam Lichtenberg vom Mainzer Stadtrat und Stadtvorstand eine Medaille in der Größe der Gutenberg-Medaille überreicht, was eine hohe Auszeichnung der Stadt Mainz war.[Anm. 8] Die Mainzer Bürger ehrten ihren Regierungsrat bei seiner Ernennung zum Präsidenten des rheinhessischen landwirtschaftlichen Vereins mit Fackelzügen. Von seinen Zeitgenossen wird er sehr positiv beschrieben und seine Popularität und Beliebtheit in Mainz und Umgebung betont.[Anm. 9] Ludwig Christoph Christian von Lichtenberg verstarb am 29. Juli 1845 in Mainz.[Anm. 10]

 

Nachweise

Verfasser: Alexander Wißmann M.A.

Erstellt am: 28.11.2016.

Verwendete Literatur:

  • Brilmayer, Karl Johann: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung, Gießen 1905.
  • Conversations=Lexikon der Gegenwart, Band 3, K bis O, Leipzig 1840.
  • May, Georg: Das Recht des Gottesdienstes in der Diözese Mainz zur Zeit von Bischof Joseph Colmar (1802–1818), Band 2, Amsterdam 1987.
  • Reitzel, Adam Michael: Mainz – 150 Jahre Provinzialhauptstadt 1816–1966, Mainz 1966.
  • Weber, Otto (Hrsg.): Lichtenberg. Spuren einer Familie (Ausstellung vom 27. Juni bis 16. August 1992 in der Stadthalle Ober-Ramstadt), Reinheim 1992.

Anmerkungen:

  1. Siehe Conversations=Lexikon 1840, S. 307. Zurück
  2. Siehe Hessische Biografie (http://www.lagis-hessen.de/pnd/128768452; zuletzt geprüft am 28.11.2016). Zurück
  3. Siehe Conversations=Lexikon 1840, S. 308. Zurück
  4. Siehe Reitzel 1966, S.20f. Zurück
  5. Siehe Brilmayer 1905, S. 5. Zurück
  6. Siehe Conversations=Lexikon 1840, S. 308. Zurück
  7. Siehe May 1987, S. 304. Zurück
  8. Siehe Weber 1992, S. 261. Zurück
  9. Siehe Conversations=Lexikon 1840, S. 308. Zurück
  10. Siehe Hessische Biografie (http://www.lagis-hessen.de/pnd/128768452; zuletzt geprüft am 28.11.2016). Zurück