Bibliothek

Franz von Sickingen

* 2.3.1481 Ebernburg bei Bad Münster am Stein-Ebernburg

7.5.1523 Burg  Nanstein bei Landstuhl

Portrait des Franz von Sickingen

Einem alten Rittergeschlecht entstammend, kam Franz von Sickingen am 02.03.1481 auf der Ebernburg an der Nahe auf die Welt. Als Adeliger erlernte er recht bald die Jagdkunst und das Verwalten der familiären Besitztümer. Durch den Tod seines Vaters empfing Franz als Alleinerbe ein großes Vermögen sowie weitere Landbesitzungen, darunter die Ebernburg und auch die Burg Nanstein bei Landstuhl [Anm. 1].

Sickingen setzte es sich zum Ziel, das Ansehen des Ritterstandes aufzuwerten. Dessen politischer Einfluss war abgeklungen, die Ritterschaft verarmte und man wehrte sich gegen die Abhängigkeit von den Landesfürsten. Dazu bediente er sich dem Fehderecht ab 1514 [Anm. 2], ungeachtet des Landfriedens von 1495. Wegen seiner ersten Fehde gegen Worms wurde 1515 von Kaiser Maximilian I. über ihn die Reichsacht verhängt [Anm. 3]. Weitere Fehden in den 1510er Jahren gegen Metz, Lothringen, Hessen, und Frankfurt brachten Sickingen mehr politisches Ansehen innerhalb der Ritterschaft und steigerten sein Vermögen.

Bei Sickingens Feldzügen war es für ihn weniger von Bedeutung, auf wessen Seite er kämpfte, vielmehr standen gute Bezahlung und eigene Vorteile im Vordergrund [Anm. 4]. Ungeachtet seiner Ächtung war er an weiteren Ausschreitungen beteiligt. 1516 stellte sich Sickingen in die Dienste des französischen Königs Franz I. und eroberte die Städte Lothringen und Metz für Frankreich. Mangelnde Aufträge und unregelmäßige Zahlungen von französischer Seite veranlasste Sickingen zu einem erneuten Wechsel der Position [Anm. 5]. 1517 sprach Kaiser Maximilian I. ihm die Acht ab und Sickingen trat in seine Dienste, um gegen einen ehemaligen Verbündeten, Herzog Ulrich von Württemberg, zu kämpfen. Nach dem Tode Maximilians I. blieb er nach einigen Unruhen dem kaiserlichen Dienste unter Karl V. treu. Ein gescheiterter Feldzug gegen Frankreich 1521 war Sickingens letzte Aktion für den Kaiser.

 

Franz von Sickingen  - Verfechter der Reformation

Sickingens Wohnstätte, die Ebernburg, diente schon längere Zeit als Zufluchtsort für Personen, die wegen ihrer kritischen Haltung zur katholischen Lehre verfolgt wurden. Während dem Feldzug gegen Herzog Ulrich von Württemberg 1519 lernte Sickingen den Humanisten Ulrich von Hutten kennen, zu dem er eine tiefe Freundschaft entwickelte. Auch von Hutten fand 1520/21 auf der Ebernburg Schutz, wo er Sickingen mit den Schriften Luthers vertraut machte. Sickingen fand an der reformatorischen Idee Gefallen und setzte sich aktiv für die Verbreitung der Schriften Luthers wie auch  die von Huttens ein [Anm. 6]. Von Hutten verfasste 1520 eine Streitschrift, die er Franz von Sickingen  widmete und im Vorwort seine Dankbarkeit gegenüber Sickingen ausdrückte: „Und da mir aus Größe der Jahr die Städt verschlossen geweßt, alsbald deine Häuser, die ich aus der und anderer Ursachen willen Herbergen der Gerechtigkeit nennen mag, aufgethan“. [Anm. 7].

Auf Vermittlung seines Weggefährten von Hutten machte Sickingen auch Martin Luther das Angebot, in seiner Ebernburg Zuflucht finden zu dürfen. Obwohl Luther das Angebot ablehnte, ist trotzdem ein freundschaftlicher Briefwechsel zwischen Luther und Sickingen bekannt [Anm. 8]. Im Laufe der Jahre 1521/22 öffnete die „Herberge der Gerechtigkeit“ jedoch die Türen für viele andere vertriebenen Reformatoren, darunter Kaspar Aquila, Martin Butzer (auch Bucer), Johann Schwebel und Johannes Oekolampad. Die Ebernburg erhielt daher auch die Titulierung „Wartburg des Westens“[Anm. 9]. Dort fand im Juni 1522 der erste evangelische Gottesdienst in deutscher Sprache und mit einem Abendmahl in beiderlei Gestalt statt.[Anm. 10]

Noch immer setzte sich von Sickingen für den Ritterstand ein. Sein Ziel, an dem er so lange festhielt, sollte ihm jedoch zum Verhängnis werden. Ein letzte Fehde führte er 1522 gegen das Kurfürstentum Trier, mit dem Versuch, dieses zu reformieren. Doch der Zusammenschluss mehrerer Landesfürsten gegen Sickingen war selbst für den ehrgeizigen Reformatoren zu viel. Bald musste er sich auf seine Burg Nanstein bei Landstuhl zurückziehen. Bei einem massiven Beschuss eben dieser erlitt Franz von Sickingen tödliche Verletzungen, denen er am 07.05.1523 erlag.

Sickingen hinterließ bei seinen Zeitgenossen ein positives Andenken. Seine Förderung des Protestantismus und Humanismus zog weite Kreise und wurde auch von seinen Nachkommen unterstützt. Von Marx und Engels wurde Sickingen kritisiert, da er einer untergehenden Klasse angehöre und das Volk von der Adelsherrschaft befreit werde solle. [Anm. 11] Weitaus mehr Anklang fand Sickingen bei den Nationalsozialisten, die seine nationalrevolutionären, kriegerischen Ideen ehrten. [Anm. 12]. Sein umbrüchiges Denken und nationales Vorgehen bringt Sickingen bis in die Gegenwart Respekt ein, den man gerne als „der letzte Ritter“ tituliert, auch wenn er vermutlich nie zum Ritter geschlagen wurde und den Rang nur vererbt bekam. [Anm. 13].

 


Verfasserin: Sarah Griwatz

Erstellt am: 12.03.2015

Literatur:

  •  Hoffbauer, Frank, Franz von Sickingen – Machtgrundlagen und Finanzpolitik, in: Ebernburg-Stiftung (Hg.)Ebernburg-Hefte 16. Folge (1982) (Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde).
  • Polke, Johannes, Neuer Torturm für die alte Herberge der Gerechtigkeit. Reformationsgeschichtliche Forschungsstätte auf der Ebernburg eingeweiht, in: Ebernburg-Stiftung (Hg.)Ebernburg-Hefte 16. Folge (1982) (Blätter für pfälzische Kirchengeschichte und religiöse Volkskunde).
  • Scholzen, Reinhard: Franz von Sickingen. Ein adeliges Leben im Spannungsfeld zwischen Städten und Territorien (Beiträge zur pfälzischen Geschichte, Bd. 9), Kaiserslautern 1996.
  • Stübler/Nestle/Himmighöfer/Schwartz, Zeitbilder aus der protestantischen Kirche in der Pfalz von der Reformation bis in die Gegenwart, Speyer 1999.
  • Thelemann, Otto, Franz von Sickingen, der letzte Ritter. Sein Leben und seine Thaten, Suttgart 1873.

  • Ulmann, Heinrich, "Sickingen, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 151-158 [Onlinefassung]; URL: www.deutsche-biographie.de/sfz31027.html (letzter Zugriff: 19.02.2015).
  • de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Sickingen (letzter Zugriff: 20.02.15).

Anmerkungen:

  1. Vgl. Thelemann, Franz von Sickingen, S.8. Zurück
  2. Vgl. Hoffbauer, Machtgrundlagen, S.196f. Zurück
  3. Einige Quellen sprechen davon, dass sogar zweimal die Reichsacht über ihn verhängt wurde, vgl. Hoffbauer, Machtgrundlagen, S.196. Zurück
  4. Vgl. Hoffbauer, Machtgrundlagen, S. 199. Zurück
  5. Ebd., S.197. Zurück
  6. Vgl. Himmighöfer u.a. Herrschaft, S.16. Zurück
  7. Vgl. Thelemann, Franz von Sickingen, S.57. Zurück
  8. Vgl. Thelemann, Franz von Sickingen, S.61 Zurück
  9. Vgl. Polke, Torturm, S.4. Zurück
  10. http://www.evpfalz.de/bezirke/obermoschel/historischer-kontext/ebernburg/index.html (letzter Zugriff: 06.03.15). Zurück
  11. https://www.dhm.de/lemo/biografie/ferdinand-lassalle (letzter Zugriff: 06.03.15). Zurück
  12. http://www.westfr.de/ns-literatur/nationalsozialismus.htm (letzter Zugriff: 06.03.15).  Zurück
  13. http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Sickingen#.E2.80.9ELetzter_Ritter.E2.80.9C (letzter Zugriff: 06.03.15). Zurück