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Heinrich Vogt

Physiker und Astronom, geb. 1890, gest. 1968.

Heinrich Vogt wurde am 5. Oktober 1890 in Gau-Algesheim als jüngstes Kind des Arbeiters Philipp Vogt III. und dessen Ehefrau Margaretha geb. Sturm geboren und am 9. Oktober 1890 von Pfarrer Kirstein in der neu errichteten Pfarrkirche getauft. Pate war Heinrich Sturm. Philipp Vogt aus Ober-Hilbersheim und Margarete Sturm aus Frei-Laubersheim hatten am 27. Dezember 1880 in Gau-Algesheim geheiratet. Vor ihrem Sohn Heinrich waren ihnen bereits drei Kinder Katharina (*1881), Peter (*1884) und Barbara (*1886) geboren worden.

Max Wolf

Max Wolf 1909 begann Heinrich Vogt an der Universität Heidelberg dasStudium der Astronomie. Nach Unterbrechung durch den Krieg promovierter 1919 bei Max Wolf, dem Gründer und ersten Direktor der BadischenLandessternwarte auf dem Königsstuhl. Seine Antrittsvorlesung alsPrivatdozent 1921 hielt Vogt über "Die Entwicklung der Sterne" undhatte damit das zentrale Thema seiner wissenschaftlichen Arbeitgefunden. 1926 wurde Vogt außerordentlicher Professor an derUniversität und Observator der Sternwarte. Seit dem 1. Februar 1929lehrte und forschte er als Ordinarius und Direktor derUniversitätssternwarte Jena. Bereits vor der nationalsozialistischenMachtübernahme der "Hitler-Bewegung" verbunden, kehrte Heinrich Vogt am1. Oktober 1933 wieder nach Heidelberg zurück, um als Nachfolger seinesLehrers, der am 3. Oktober 1932 gestorben war, die Direktorenstelle ander Sternwarte und das Ordinariat für Astronomie an derRuprecht-Karls-Universität zu übernehmen. 1935 sowie 1936/37 führteVogt als Dekan die Naturwissenschaftlich-Mathematische Fakultät. DieDirektion der Sternwarte musste Vogt 1945 aufgeben. 1957 wurde eremeritiert.## Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen Vogts belegenden Horizont seines Denken und Forschens: "Aufbau und die Entwicklungder Sterne", "Außergalaktische Sternsysteme und die Struktur der Weltim Großen" (1960), "Das astronomische Weltbild der Gegenwart" (1955),"Die Struktur des Kosmos als Ganzes" (1962), "Das Sein in der Sicht desNaturforschers" (1964) oder "Kosmos und Gott" (1951).
In seinengrundlegenden Arbeiten über den Aufbau und die Systeme der Sterne fandHeinrich Vogt den "Eindeutigkeitssatz", der beinhaltet, dass Aufbau undZustandsgröße eines Sternes durch seine Masse und seine chemischeZusammensetzung eindeutig bestimmt sind. Seine astrophysikalischenMessungen der Leuchtkräfte, des Durchmessers oder derOberflächentemperaturen von Sternen haben Vogts theoretischen Satzprinzipiell bestätigt, auch wenn neuere Bewertungen das"Vogt-Russell-Theorem" eher als "Faustregel" einstufen.
Vogtswissenschaftliche Leistungen, durchaus vergleichbar mit den Forschungendes nordamerikanischen Astronomen Henry Norris Russell (1877-1957) unddes Dänen Einar Hertzsprung (1873-1967), haben früh eine verdienteWürdigung erfahren: durch ehrenvolle Rufe an das AstrophysikalischeOberservatorium in Potsdam und die Universitäten München, Hamburg undBerlin, die er ablehnte, und durch die Mitgliedschaft in denwissenschaftlichen Akademien von Heidelberg, Berlin und Halle. Überseine Emeritierung hinaus hat er seine Vorlesungstätigkeit inHeidelberg und an der Technischen Universität Stuttgart fortgeführt.Heinrich Vogt, der als Gast des Volksbildungswerkes auch Vorträge inseiner Geburtsstadt hielt, starb am 23. Januar 1968 in Heidelberg.

Nachweise

Verfasser: Norbert Diehl