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Rezension: St. Oswald zu Manubach

Die kleinste der vier Pfarrkirchen des Viertäler-Gebiets hat hier als erste eine umfangreiche Monographie erhalten, die in vielen Einzelheiten gründliche Quellenforschung verrät. Der aus dem Patrozinium ermittelte Baubeginn in der Amtszeit des welfischen Pfalzgrafen Heinrich (also wohl 1195 bis 1214) wird mit stilistischen Vergleichen untermauert und dürfte fortan als gesichert gelten. Auch für die Restaurierungs- und Glockengeschichte und die Gestühle werden die Angaben der Verfasserin nicht zu umgehen sein. Es ist kein Fehler, dass die apodiktische Sprache angeblich wissenschaftlicher Denkmalpflege vermieden wird. Dem auch für einfache Pfarrkinder zugänglichen Stil entsprechen die gute Bebilderung und Exkurse wie etwa die nacherzählend näher gebrachte Vita des heiligen Oswald und die Biographie einiger Pfarrer, insbesondere Wilhelm Oertels (1798–1867), der als Schriftsteller W. O. von Horn hervorgetreten ist.

Leider wirkt alles ein wenig unübersichtlich und in Einzelheiten flüchtig. Wie bei manchen Kunsthistorikern sind die allgemeingeschichtlichen Ausführungen nicht ganz ernst zu nehmen. Da wird z. B. der auf dem Marktportal des Mainzer Doms 1135 als Zeuge genannte „comes Cozwinus de Staelechae“ als „Graf der Burg“ bezeichnet. Goswin war Graf, aber in Franken, auf der Stahleck saß er als Kölner Vogt. Sicher geht der Text auf dem Portal auf eine verlorene Urkunde von 1119 bis 1122 zurück, aber kaum als buchstabengetreue Abschrift. Ob Goswin damals schon mit den selben Beinamen bezeichnet wurde, ist keineswegs sicher.

Hätte dem Buch auch ein kundiges Lektorat gutgetan, es ist ein Gewinn für das Geschichtsbewusstsein in einem Ort, der in den letzten Jahrzehnten eine gewaltige Veränderung erfuhr, wie man an den brachgefallenen Weinbergen ersieht. In den schönen alten Häusern wohnen jetzt meist Pendler. Oder zugezogene Ruheständler…

Nachweise

Verfasser: Josef Heinzelmann

Rezensiert wurde: Dagmar Aversano-Schreiber, St. Oswald zu Manubach. Eine Kirche im Wandel der Zeiten. Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler e. V. 2008

Erstellt: 27.12.2008

Geändert: 20.07.2012