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Rezension: Grabfeld 71 – Professorengräber auf dem Mainzer Hauptfriedhof seit 1946

Auch wenn mangels Zeitzeugen und fehlender Überlieferung heute nicht mehr genau nachvollzogen werden kann, wie es zur Vereinbarung zwischen der Stadt Mainz (Friedhofsverwaltung) und der Universität kam,[Anm. 1] ein Grabfeld des Hauptfriedhofes für verstorbene Mitarbeiter der Universität zu reservieren, so ist dessen Existenz eine unbestreitbare Tatsache. 64 Gräber von ehemaligen Angehörigen der Universität Mainz und ihren Familienangehörigen sind auf dem Grabfeld 71 zu finden.[Anm. 2] Über die Gründe für die Einrichtung eines speziellen ‚Professorengrabfelds‘ kann allerdings nur spekuliert werden, während die Autoren eine plausible Erklärung für die geringe Zahl der dort beigesetzen Professoren liefern können: Zu Recht wird daraufhin gewiesen, dass die Universität seit der „Wandlung des gesellschaftlichen Ansehens der Hochschullehrer“[Anm. 3] während der 68er-Bewegung das Interesse an einer gezielten ‚Belegungsförderung‘ des Grabfelds verloren hat. Da auch die Stadt „aus verschiedenen Gründen“[Anm. 4] – die leider nicht genannt werden – gegen eine weitere Belegung votiert und nur noch auf ein Laufzeitende der Nutzungsrechte an den Gräber zu warten scheint, wird der Grund für diese Veröffentlichung klar ersichtlich: Der Beitrag liefert wichtige biographische Informationen für die weitere Erforschung der Geschichte der Universität Mainz und trägt zugleich dazu bei, dass personelle Zeugnisse der Universitätsgeschichte nicht in Vergessenheit geraten.

Die „Kurz-Lebensläufe“[Anm. 5] der zwischen 1949 und 2007 auf dem Grabfeld 71 beerdigten Hochschullehrer werden um einen Plan des Hauptfriedhofs und jeweils eine nach Grabreihenfolge und alphabetisch sortierte Liste sinnvoll ergänzt. Die knappe Einleitung schweigt sich allerdings darüber aus, warum die Publikation den Untertitel „Professorengräber auf dem Mainzer Hauptfriedhof seit 1946[Anm. 6] trägt, wo sich doch aus den wenigen Quellen nachweisen lässt, dass die Reservierung eines eigenen Bereich zur Beisetzung von Hochschullehrern auf dem Hauptfriedhof seitens der Universität erst ab 1949 betrieben wurden – so die Einleitung in diesem Band – und nicht in direktem Zusammenhang mit der (Neu-)Gründung der Universität im Jahr 1946 zu stehen scheint.

Die Entscheidung der Autoren, sich bei kurzen Lebensläufen im Wesentlichen um eine Aufzeichnung der akademischen Laufbahnen und den wissenschaftlichen Schwerpunkten der Verstorbene zu bemühen, ist zwar nachvollziehbar, lässt aber einige der Einträge etwas blass erscheinen. Umso erfreulicher dagegen ist die umfangreiche, nach Professorennamen alphabetisch geordnete, biographische Literaturauswahl am Ende des Bandes. Da es sich bei den Titeln zum großen Teil um Internetangebote handelt, ist es dem interessierten Leser schnell und einfach möglich, auf weitere biographischen Informationen der einzelnen Verstorbene zuzugreifen. Für den Einstieg in biographische Studien zu einzelnen Professoren oder gar einer prosopographische Untersuchung der Mainzer Lehrstuhlinhaber ist es zweifellos ein hilfreiches Büchlein. Zur eigentlichen Geschichte des Grabfelds 71 liefert es allerdings mehr Fragen als Antworten und zeigt damit deutlich die Desiderate der Forschung zur Mainzer Universitätsgeschichte auf.

Nachweise

Verfasser: Dominik Kasper

Rezensiert wurde: Giebeler, Marcus/Siggemann, Jürgen/Zibell, Stephanie (Hg.): Grabfeld 71. Professorengräber auf dem Mainzer Hauptfriedhof seit 1946 (Beiträge zur Geschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, N. F. Bd. 9), Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2012.

Erstellt: 20.07.2012

 

Anmerkungen:

  1. Vgl. S. 7. Zurück
  2. In zweien der Gräber (Nr. 23 und 60) ruhen bisher nur die Ehefrauen von noch lebenden Professoren. Der jung verstorbene Christian Brandt (1934-1956) wurde in einem separaten Grab neben seinen Eltern Georg und Rosemarie Brandt (Nr. 63) bestattet und ist im Band nicht aufgenommen. Bei meiner Begehung des Grabfelds 71 am 16. Juli 2012 waren die Grabmäler von Walther Völker (Nr. 32) und Richard Kräuter (Nr. 58) nicht mehr zu finden. Dieser Umstand hängt vermutlich mit einem Auslaufen der Grabnutzungsrechte nach den Recherchearbeiten zu dieser Publikation zusammen und macht umso deutlicher, wie nötig eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme des Grabfelds war. Neben den bereits genannten Ausnahmen, finden sich noch zwei weitere Ruhestätten von Personen auf dem Grabfeld, die keinen ordentlichen Lehrstuhl an der Universität Mainz hatten. Im Grab Nr. 34 ruht der 1990 verstorbene Augenarzt Dr. Reinald Hackelbusch, im zweiten (Doppel-)Grab die Dres. Anneliese (1921–1982) und Thomas (1951–2009) Friedberg. Beide werden in diesem Band nicht erwähnt, obwohl Thomas Friedberg seit 1984 am Institut für Toxikologie der Universitätsklinik Mainz wirkte, wie dem Nachruf von Wolf, Roland/Oesch, Franz: Dr. Thomas Friedberg (January 24, 1951–April 22, 2009), in: Archives of Toxicology, 83 (2009), Nr. 11, S. 959-960, DOI: 10.1007/s00204-009-0468-1 entnommen werden kann.  Zurück
  3. S. 9. Zurück
  4. S. 8. Zurück
  5. S. 118. Zurück
  6. Hervorhebung nicht im Original. Zurück