Bibliothek

Rezension: „Wesalia Superior“

Eine erstaunliche Publikation! Mit einem solchen Manuskript kann man Deutschland Magister artium werden! Nach 71 Seiten einer nicht immer fehlerfreien Zusammenfassung der Literatur zur Geschichte von Oberwesel als Einleitung wird auf 33 Seiten das eigentliche Thema abgehandelt. Danach Quellen-, Literatur-, Abkürzungs- und Abbildungsverzeichnis, ein paar Tafeln und unnötige Bilder, aber kein Index.

Der Titel stimmt weder mit der Geschichte überein (erst im 15. Jahrhundert kam allmählich die Bezeichnung "superior" zum Unterschied von Wesel am Niederrhein auf), noch mit dem Inhalt. Denn die Amtsträger müssten ja nicht nur aufgelistet (noch dazu ganz und gar unvollständig, die mittelrheinischen Regesten von Görz sind z. B. nicht ausgewertet, wohl aber im Literaturverzeichnis genannt), sondern in ihrem Zusammenhang als "Elite" gezeigt werden. Dazu gehören prosopographische und vor allem genealogische Untersuchungen. So ein Schöffe oder Kanoniker wird oft schon genannt, bevor er in Amt und Würden kam, man kann seinen Haus- und Grundbesitz eruieren und vor allem seine Verwandtschaft kennenlernen. Denn für Oberwesel ist die Quellenlage zumindest nach 1200 ausgesprochen günstig, für das 14. Jahrhundert allein schätze ich die Zahl der Urkunden auf über 300.

Nur die Personen gleichen Nachnamens zusammenzustellen, führt zu Irrtümern. "vom Hane" sind die Einwohner einer Wüstung "Hane, Hagen", nicht Mitglieder einer Familie. Die Frey (von Pfaffenau) erscheinen 1307 mit einem Edelknecht Hermann gen Fryhe, Vizeschultheiß, der dann als Schultheiß Hermann Liber genannt wird. Die de Garlandia erscheinen nicht nur im 13. Jahrhundert (stellten da aber schon nicht erwähnte Schöffen, u. a. 2 Siegfriede, Ritter) und dann angeblich erst wieder 1404 mit einem Schöffen Martin Garlandes (ich vermute, ein illegitimer Nachkomme). Außerdem sind die Brand/Brendelin von Werlau wohl eines Stammes mit ihnen und Töchternachkommen der Milewalt, daher ihre Kanoniker, die auch übergangen sind.

Am meisten vermisst man einen Namen: den des Lehrstuhlinhabers, der eine solche unfruchtbare Arbeit durchgehen ließ. Man muss ihm freilich zugutehalten, dass er das fruchtbare Thema stellte.

Nachweise

Verfasser: Josef Heinzelmann

Rezensiert wurde: Isabelle Haßler, „Wesalia Superior“ – Funktionseliten der Stadt Oberwesel im Mittelalter (Magisterarbeit Saarbrücken), Grin Verlag für akademische Texte 2007

Erstellt: April 2008

Geändert: 20.07.2012