Bell im Hunsrück

Bell Grabhügelfeld

Bell, Rhein-Hunsrückkreis

 
Zu besichtigen: Hügelgräber entlang eines beschilderten Rundweges

Anfahrt. B327 von Kastellaun in Richtung Kappel. Kurz hinter Kastellaun linker Hand der Beller Bahnhof, hier einbiegen, Parkmöglichkeit und zu Fuß dem Waldweg bzw. der Beschilderung Richtung Hollnich folgen. Nach ca. 200 m rechts Schutthügel Manganerzgrube. Dem ausgebauten Weg weiter folgen, links abbiegen, an der nächsten Kreuzung rechts und links jeweils ein Grabhügel. Hier links in den Weg einbiegen, Schild und Grabhügelfeld auf der Geländekuppe. Rückkehr über den Hinweg.

 

Ostwärts der Hunsrückhöhenstraße liegt auf einer kleinen Kuppe eine kleine Grabhügelgruppe. Die exponierte Lage auf einer Anhöhe ist charakteristisch für die Wahl von Bestattungsplätzen, weithin sichtbar sollten die Hügel sein. Archäologische Ausgrabungen haben hier bisher nicht stattgefunden. Die Grabhügelgruppe gehört vermutlich zu den im Hunsrück weit verbreitenden Hügelgräbern der Hunsrück-Eifel Kultur.

Der Grabhügel ist die typische Bestattungsform der Hunsrück-Eifelkultur; es mag daneben auch gelegentlich Gräber ohne oberirdische Kennzeichnung gegeben haben; sie fallen gegen­über der Menge der Hügel aber kaum ins Gewicht. Fast allgemein hat sich die unverbrannte Bestattung des Toten durchgesetzt. Die gestreckt beigesetzte Leiche ruht auf einem Holzbrett oder gar in einem aus Brettern zusammengesetzten Holz­sarg; auch der aus einem ausgehöhlten Baum hergestellte Baumsarg kommt vor.

Die Ausstattung der Toten ist bescheiden und ziemlich gleichförmig: Die Männer haben ihre Lanze mit eiserner Spitze bei sich, die Frauen sind mit Ringschmuck ver­schiedener Art versehen. Außerdem gehört zur Totenausstattung ein Satz von Gefäßen, der in der Art der Zusammenstellung — großes Gefäß, darin gern ein kleiner Becher und eine Schale —die alte Urnenfeldertradition fortführt. Das gilt in gleicher Weise für die Form und die nicht sehr abwechslungsreiche Verzierung der Gefäße.

Etwas Neues stellen die Metallbeigaben dar. Wie im Hallstattkreis hat sich das Eisen nun für Waffen und Gerät durchgesetzt; die Lanze ist für den späten süddeutschen Hallstattkreis ganz besonders typisch. Noch mehr erinnert der Frauenschmuck an späthallstättische Bräuche. Einfache rundstabige Halsringe aus Bronze, Manschetten aus einfachen strichverzierten Ringen an den Unter­armen, bisweilen auch Oberarmschmuck oder Knöchelringe, manch­mal ein Ringschmuck auf der Brust. Nadeln sind kaum üblich, sie sind gelegentlich aus Eisen und deuten auf die Kostbarkeit dieses neuen Werkstoffes hin. Sehr selten taucht eine Fibel auf, die im Hallstattkreis zum üblichen Bestandteil weiblicher Tracht zählt.

M. Thoma