Hunsrück

Neuerscheinung "Die Feldzüge der französischen Armee am Oberrhein in den Jahren 1734 und 1735 während des Polnischen Thronfolgekrieges"

Von Katharina Ücgül

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Die nun von Prof. Heinz Musall ins Deutsche übertragene Denkschrift von 1739 beschreibt den Soldaten-Alltag und die militärischen Operationen im Polnischen Thronfolgekrieg. Der Autor, Antoine de Regemorte, war Begleiter der französischen Armee während der Feldzüge 1734 und 1735, die auch durch das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz führten.

Professor Heinz Musall stellt die Übersetzung und den Kartenteil der historisch-geographischen Quelle des französischen Ingenieurs und Topographen Antoine de Regemorte vor. 
Die Denkschrift von 1739 befindet sich seit 1986 im Besitz der Pfälzischen Landesbibliothek. Der aus einer Familie von Festungsbauunternehmern und Militäringenieuren stammende Autor beschreibt die militärischen Operationen im Polnischen Thronfolgekrieg, die er als Begleiter der französischen Armee während der Feldzüge der Jahre 1734 und 1735 im Raum zwischen der Lauter im Süden und Mainz im Norden sowie in einigen rechts des Rheins durchzogenen Gebieten während der Feldzüge der Jahre 1734 und 1735 am Oberrhein erlebt hat.

Der wissenschaftliche Wert der Denkschrift liegt zum einen in den detaillierten Beschreibungen des von den Truppen durchquerten Geländes und der logistischen Probleme, die bei Truppenbewegungen größeren Umfangs im 18. Jahrhundert zu lösen waren. Diese Schilderungen bieten damit zusätzliche, über die üblichen Operationsjournale hinausgehende Informationen zum Kriegsschauplatz, wo es ein Hauptanliegen der Truppenführung sein musste, so gut wie möglich für die Verpflegung der Truppen und ganz besonders auch für  Futtervorräte für die große Anzahl mitgeführter Pferde usw. in feindlichem Gebiet zu sorgen. Dem Leser werden hier Einzelheiten zum Ablauf des Kriegsgeschehens vor Augen geführt, wie er sie aus anderen Quellen nicht oder nicht aus diesem militärischen Blickwinkel erfahren kann. Zum anderen enthält die Denkschrift 19 handgezeichnete Karten aus dem Operationsgebiet, die mit ihren großen Maßstäben wichtige historisch-geographische Quellen darstellen. Sie weisen eine Fülle an topographischen Details auf, wie sie in früheren militärkartographischen Aufnahmen der französischen Ingenieure von diesem Raum nicht zu finden sind.

Teil I des vorliegendes Bandes enthält den vollständigen Text der Denkschrift einschließlich der darin enthaltenen Karten. In Teil II wird zunächst der Verlauf des Polnischen Thronfolgekrieges (1733–1737/38) geschildert, um die in der Denkschrift erwähnten Ereignisse besser einordnen zu können. Es folgen Ausführungen zur Praxis der damaligen Kriegführung mit den sich dabei bei allen Heeren dieser Zeit ergebenden Problemen und zu den speziellen Tätigkeiten der Militäringenieure. Um die Bedeutung der genauen topographischen Aufnahmen von Regemorte als wichtigem Schritt zur modernen großmaßstäbigen topographischen Karte herauszustellen, werden Beispiele früherer von französischen Militärkartographen hergestellter Karten am Oberrhein bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts zum Vergleich gezeigt.

Zum Autor:
Professor Dr. Heinz Musall (Jg. 1939) vertrat am Studiengang Kartographie und Geomatik der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft über 20 Jahre die Fächer Kartographie und Geographie. Er hat seit 1969 zahlreiche Beiträge zur historischen Kulturlandschaft und zur Geschichte der Kartographie der Oberrheinlande veröffentlicht sowie mehrere Kartenausstellungen mitbetreut: z.B.in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (Die Oberrheinlande in alten Landkarten 1981, Der Neckar in alten Landkarten 1988, IMAGO MUNDI MODERNA - Weltkarten des Zweiten Entdeckungszeitalters 1993) und am Generallandesarchiv Karlsruhe (Landkarten aus vier Jahrhunderten 1986, Kulturland-schaften am Oberrhein in alten und neuen Karten  1997). 1999 Übersetzung und Kommentierung der französischen Denkschrift des Chevalier de Clairac über die Reichsfestung Philippsburg (1736).