Kaiserslautern in der Pfalz

0.Zur Geschichte der Barbarossastadt Kaiserslautern und der Pfalz

0.1.Vorgeschichtliche Zeit

Frühgeschichtliche Ereignisse können in der Regel nur in den seltesten Fällen genau datiert werden. Dennoch deuten zwei archäologische Funde aus der Nähe von Enkenbach und Erzenhausen darauf hin, dass sich bereits vor etwa 12.000 Jahren paläolithische Jäger und Sammler in der Pfalz aufgehalten haben könnten. Weitaus sichere Belege gibt erst im Hinblick auf das Jungsteinzeitalter (3500 - 1800 v. Chr.), in der eine Abkehr vom traditionellen Nomadentum erfolgte und eine zunehmende Sesshaftigkeit einsetzte. In diesem Zusammenhang wurden in der Umgebung von Otterberg sowie in der Landstuhler Senke differenziert bearbeitete Menhire und Keramikteile gefunden, die belegen, dass vermutlich mehrere prähistorische Kulturformen zur gleichen Zeit in der Pfalz lebten. Weitere Funde in der Vorderpfalz und in Rheinhessen unterstreichen diese These und verdeutlichen zugleich, dass es zu einer verstärkten Gründung von frühzeitlichen Dorf- und Siedlungsgemeinschaften kam. Bei zusätzlichen Ausgrabungen, in der näheren Umgebung von Kaiserslautern, wurden zudem Bandkeramikteile und Bruchstücke einer Schleifwanne gefunden.

Der Rückgang an validen Zeugnissen für die darauffolgende Bronzezeit (1800 - 1250 v. Chr.) spricht für einen frühen Exodus der rudimentären Siedlungsstrukturen. Eine genaue Erklärung hierfür exisitiert nicht, dennoch kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass klimatische Ursachen den Wegzug erzwangen. Allgemeine Fundarmut herrscht auch im Hinblick auf die ältere Eisenzeit (1250 - 450 v. Chr.), in der die europäische Urnenfelderkultur einsetzte und geschmiedete Werkzeuge die Lebensweise der Menschen auf fundamentale Art und Weise veränderte. Für die jüngere Eisenzeit (450 - 50 v. Chr.) lässt sich hingegen eine deutliche Verbesserung der Quellenbestände erkennen. In dieser Zeit setzte erstmals eine Hierarchisierung der sozialen Gruppen mit der aufkommenden Hallstattkultur ein, die in Verbindung mit den keltischen Grabhügelfeldern in ganz Mitteleuropa auftrat. Die noch heute vorhandenen Gräberfelder lassen die Schlussfolgerung zu, dass sich die Siedlungsdichte in der Kaiserslauterner Senke im Zuge der Keltenwanderung erneut vergrößerte.

0.2.Die Pfalz in der Römerzeit (50 – 450 n. Chr.)

Die augusteischen Feldzüge ab dem Jahr 13 v. Chr. markierten den Beginn der römischen Besatzungszeit in der Pfalz und können anhand von verschiedenen Zeugnissen der damaligen Heerführer relativ genau datiert werden. Gleichwohl die Region aufgrund ihrer bedrohlichen Lage zu den feindlichen Stämmen der Germanen zunächst militärisch verwaltet wurde, bewirkte der römische Einfluss zwischen dem Landstuhler Bruch und der Kaiserslauterner Senke eine Erweiterung der bisherigen Siedlungsstruktur. In diesem Zusammenhang entwickelte sich die Pfalz in der Folgezeit zu einer größeren Handelsregion, in der weitaus weniger Kämpfe stattfanden als am Rhein. Diesen günstigen Umstand ist es zu verdanken, dass eine erste kulturelle Blüte in diesem Zusammenhang relativ zügig einsetzte. Archäologische Funde belegen zudem, dass durch das heutige Stadtgebiet einst mehrere gut befestigte Römerstraßen von überregionaler Größe verliefen und sich der zivilisatorische Stand in der Region deutlich erhöhte.

Nachdem die Sicherung des Territoriums gewährleistet werden konnte, erfolgte in den Jahren 83/84 n. Chr. eine umfassende Verwaltungsreform. Die Pfalz wurde hierdurch ein Teil der neugeschaffenen Provinz „Germania Superior“, in der vorwiegend germanische Stämme angesiedelt wurden. Der scheinbaren Friedensphase folgte im 3. Jh. n. Chr. schließlich eine erneute Krisenzeit, in der sich die Handlungsschwäche des Römischen Reiches im Hinblick auf dessen Größe endgültig offenbarte. Die einfallenden Franken und Alemannen verwüsteten nicht nur die gesamte Verwaltungs- und Handelsstruktur der Region, sondern auch etliche Siedlungen und Städte, woraufhin sich die Römer im Jahr 356 n. Chr. zunächst nach Norden zurückziehen mussten. Mit der Aufgabe Mogontiacums (des heutigen Mainz) im Jahr 450 n. Chr. zeichnete sich schließlich das unwiderrufliche Ende der römischen Besatzungszeit am Rhein und in der Pfalz ab.

0.3.Die strukturelle Besiedlung der Pfalz unter den Merowingern und Karolingern (5. – 10. Jh.)

Nach dem Abzug der Römer begannen sich eine Reihe von germanischen Stämmen in der Pfalz anzusiedeln. Die Herrschaftszeit dieser keltischen Volksgruppen war geprägt von einer intensiven Abholzung der dichten Waldbestände, die im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Kultivierung des Gebiets durchgeführt wurde und eine gewisse Eingrenzung der weitläufigen Region erstmals ermöglichte. Einen eminenten Faktor für den Warenverkehr und die weitere Erschließung spielte weiterhin die alte Römerstraße von Metz nach Worms, an dessen Kreuzungen die Merowinger ab dem 6. Jahrhundert nachweislich eine Reihe von Königshöfen errichteten. In diesem Zusammenhang wurde die Pfalz in der Folgezeit als Sicherungs- und Versorgungsgebiet genutzt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde in dieser Zeit auch der Königshof „Lutra“ am Ufer der Lauter gegründet. Obwohl erst für das Jahr 830 eine entsprechende Urkunde den Königshof als „villa Luthra“ hervorhebt, geht die Forschung heute davon aus, dass der Königshof schon seit dem 6. Jh. bestand. Eine gesicherte These lässt sich hierzu jedoch nicht herleiten. Feststeht hingegen, dass sich um den Adelssitz in der Folgezeit eine dörfliche Siedlungsstruktur entwickelte, in der anfangs zunächst nur wenige hundert Menschen lebten. Neben dem Klerus und den lokalen Handwerk, nahm in der Folgezeit vor allem der herrschaftliche Einfluss der Karolinger eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung ein, so dass die Einwohnerzahl kontinuierlich stieg und die Siedlung bald darauf ein Sammelplatz für landwirtschaftliche und handwerkliche Erzeugnisse wurde. Die Schaffung eines lokalen Marktes mit einem entsprechenden Zollrecht kann als Beleg hierfür angesehen werden.

Obwohl die Pfalz sowohl unter den Merowingern als auch unter den Karolingern noch nicht den herrschaftlichen Stellenwert einnahm wie in der Zeit der Salier und Staufer, begann vor allem das wirtschaftliche und kirchliche Leben in der Region aufzublühen. Einen ersten Bruch erlebte das bislang geschlossene Herrschaftsgefüge nach dem Tode Kaiser Ludwigs des Frommen im Jahr 840, woraufhin seine drei Brüder im Vertrag von Verdun (843) die Aufteilung des Franken Reiches beschlossen. In diesem Zusammenhang fiel die Pfalz zunächst unter Kaiser Lothar, bevor es im Jahr 870 an dessen Bruder Ludwig (dem Deutschen) überging, der vom Rhein bis hin zur Elbe über die östlichen Territorien herrschte. Eine Schenkung Kaiser Ottos III. führte schließlich dazu, dass die Salier unter Herzog Otto von Kärnten im Jahre 985 die regionale Herrschaft über die Pfalz und den Königshof Lautern übernahmen. In diese Zeit fielen die erwähnte Gründung eines Marktes sowie der Erwerb des Zollrechts, was einen erneuten Aufschwung für den Ort und die Region bedeutete.

0.4.Von der Siedlung zur Stadt: Kaiserslautern im Hochmittelalter (11. - 13. Jh.)

Die weitere Entwicklung des Königshofes Lautern wurde ab dem 11./12. Jh. vor allem durch den Machtantritt der Staufer unter Konrad III. maßgeblich geprägt. Die strategische Reichspolitik des schwäbischen Adelsgeschlechts war darauf angelegt die eigene königliche Macht zu verfestigen und das Territorium zugleich in straffer Art und Weise zu erweitern. Diese Politik führte zu einem intensiven Burgen- und Befestigungsbau im gesamten Reich, bevorzugt jedoch in der Pfalz entlang der Grenze zum fränkischen Nachbarn. In diesem Zusammenhang errichtete Friedrich I. Barbarossa im Jahr 1158 auf einem felsigen Plateau die wohl mächtigste Festung im Reich, die Kaiserpfalz. Zwischen 1158 und 1408 diente das imposante Bauwerk den deutschen Kaisern und Königen mehrfach sowohl als Reisequartier als auch zentrale herrschaftliche Residenz, um militärische Aufmarschpläne und politische Reichsangelegenheiten zu beschließen. Hinzu kam die Schaffung eines mächtigen Ministerialstandes mit Sitz in der Kaiserpfalz, der die Reichspolitik leitete und ein effizientes Herrschaftsgefüge errichtete.

Während der infrastrukturelle Ausbau und die erhöhte militärische Präsenz dafür sorgte, dass zahlreiche wirtschaftliche Impulse gesetzt werden konnten, erreichte der Landausbau um die Wende des 12./13. Jh. seinen vorläufigen Höhepunkt. Der Königshof Lautern entwickelte sich in dieser Zeit zum wirtschaftlichen und militärischen Zentrum der Region. Indizien in den Stadturkunden sprechen dafür, dass der Ort in dieser Zeit erstmals die Größe einer Stadt erlangte. In diesem Zusammenhang wird im Jahr 1215 erstmals der Namenszusatz „burgus“ in der Ortserwähnung als typischer Namenszusatz für eine mittelalterliche Stadt verwendet. Der heutige Stadtname entstand hingegen erst im Jahr 1322 mit der Pfändung der Region an Johann von Böhmen. In der entsprechenden Pfändungsurkunde taucht erstmals der Name „Keyserslutern" auf, von dem sich die heutige Bezeichnung folglich ableitete. Die Kaiserpfalz stellte das Machtzentrum der mittelalterlichen Stadt dar und wurde in der Regel mit einer starken Mauer gesichert. Während die Dienstmannen auf dem benachbarten Rittersberg ihre Wohnanlagen errichteten, erstreckte sich das Zentrum der Stadt vom Altenhof entlang der Marktstraße und dem Kloster bis zur Furt der Lauter und anschließend zur Oberstadt. Das Gautor markierte dabei den Abschluss des nördlichen Teils der Stadt und bildete zugleich die Ausgangspforte nach Mainz und Worms. In der Folgezeit entwickelte sich die Stadt Kaiserlautern nicht nur zu einem militärischen Machtzentrum, sondern auch zu einem wichtigen Herrschaftssitz der Staufer innerhalb des Deutschen Reiches.

0.5.Die Folgen des Interregnums und die wachsende Macht der Pfälzer Reichsfürsten im Spätmittelalter (13./14. Jh.)

Mitte des 13. Jh. begann sich ein vorläufiger Rückgang der herausragenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Stellung der Pfalz innerhalb des Heiligen Römischen Reiches abzuzeichnen. Ein wesentlicher Grund hierfür lag zum einen in der tendenziellen Verlagerung der kaiserlichen Macht in Richtung Osten und Südosten, was zu einer tiefgreifenden Umgestaltung des Herrschaftsgefüges im Zentrum des Deutschen Reichs führte. Zum anderen sorgte die Absetzung von Kaiser Friedrich II. durch Papst Innozenz IV. im Jahr 1245 für eine generelle Veränderung des herrschaftlichen Gefüges. Die Enthebung markierte das Ende der universalen Machtstellung des Kaisers und den Beginn des sogenannten Interregnums (lat.: "Zwischenzeit"). Die bis circa 1273 andauernde Zeitspanne war geprägt vom substanziellen Verfall der zentralen kaiserlichen Stellung innerhalb des Reichsgefüges und einem zunehmenden Partikularismus der einzelnen Fürstentümer. Ein weiteres Ergebnis des Interregnums war die Schaffung eines Kurfürstenkollegs, welches fortan die Wahl der römisch-deutschen Könige vornahm und dadurch einen größeren Einfluss auf die Reichspolitik einnahm. Die Landesfürsten traten diesbezüglich als Träger einer neuen staatlichen Ordnung auf, in dessen Verlauf sich neue Bündnisse, wie der Rheinbund oder die Hanse formierten.

Für Kaiserslautern glichen die mächtepolitischen Veränderung einer ambivalenten Zäsur, die nunmehr am Ende der langjährigen Stauferzeit einsetzte. Gleichwohl die zentrale Bedeutung der Region innerhalb des Heiligen Römischen Reiches zunächst durch das Interregnum schwand, sorgte die neugewonne kurfürstliche Machtstellung dennoch dafür, dass eine zunehmend eigenständigere Entwicklung der Stadt in der Folge einsetzte. Die Ernennung Kaiserslauterns zur „Freien Reichsstadt“ durch den neuen römisch-deutschen König Rudolph von Habsburg und die damit erlangte Reichsunmittelbarkeit im Jahr 1276 war nur ein Zeichen für einen gewissen eigenständigen Status. Die Ernennung brachte in der Praxis eine Vielzahl neuer Privilegien mit sich, die zu einer Aufwertung der Stadt führten. Bedeutsame Einrichtungen, wie die hochgotische Stiftskirche oder die St. Martinskirche, wurden in der damaligen Zeit errichtet und vermitteln einen guten Eindruck in Bezug auf die herrschaftlichen Veränderungen im Spätmittelalter. Die verstärkte Eingliederung der kleineren Vororte und Landstriche bewirkte zudem eine räumliche Ausdehnung, in dessen Zusammenhang sich die Stadt ab dem 14. Jh. kontinuierlich vergrößerte.

Nach dem Interregnum bemühte sich der neu gewählte römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg zunächst um eine Rückgewinnung der entfremdeten Reichsgüter. Nach dessen Tod wurde diese Politik jedoch nicht weitergeführt, da die Bedeutung des alten Reichsgutbezirks im Zuge der aufstrebenden Territorialgewalten nicht mehr vorhanden war. Die Nachfolger stützen sich fortan bevorzugt auf ihre eigene Hausmacht als auf das Reichsgut, was anhand der unzähligen Verpfändungen des Gebietes um die ehemalige Königspfalz speziell im 14. Jh. sehr präzise veranschaulicht wird. Kaiserslautern selbst verlor daraufhin seine zentrale Position innerhalb des Heiligen Römischen Reiches und wechselte, speziell unter der Herrschaft Ludwigs des Bayern (1314 - 1347) und Karls IV. (1346-1378), mehrmals den Besitzer. In diesem Zusammenhang belegen Pfändungsurkunden, dass die Stadt im Jahr 1322 an König Johann von Böhmen versetzt wurde, und nur ein Jahr später wiederum in die Hände des Erzbischofs von Trier fiel. In diesen zum Teil unklaren territorialpolitischen Verhältnissen setzte eine verstärkte Erwerbspolitik ein, die dazu führte, dass sich die Pfalzgrafen bei Rhein zunehmende Gebietsrechte aneigneten. Im Laufe der Zeit wurden somit die Grundlagen für den Ausbau einer pfälzischen Landesherrschaft in Teilen der heutigen Pfalz geschaffen.

0.6.Kaiserslautern in der Frühneuzeit (16. Jh. - 18. Jh.)

In der Betrachtung der europäischen Herrschaftsstruktur war die Neuzeit eine Epoche, die von umfassenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt wurde. Die partikularistischen Bestrebungen seitens der Kurfürsten führten vor allem während der Reformationszeit zu blutigen Auseinandersetzungen, die schließlich zur Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges führte. Im Hinblick auf Kaiserslautern entwickelte sich unter dem barocken Pfalzgrafen Johann Casimir innerhalb des 16. Jahrhunderts eine neue Ämterstruktur, in welcher die Stadt zum zeitweiligen Sitz eines eigenständigen Fürstentums aufstieg. Dennoch blieb diese Entwicklung lediglich eine kurze Episode, denn nach dem Tod Casimirs 1592 fiel das Gebiet wieder an die Kurpfalz, bevor es 1611 an den Pfalzgrafen Ludwig Philipp von Simmern übertragen wurde. Der Dreißigjährige Krieg bewirkte nicht zuletzt einen herben Bevölkerungsschwund, der einher ging mit umfassenden Plünderungen und Zerstörungen durch kaiserliche Truppen ("Kroaten") sowie feindliche Schweden und Spanier. Nachdem die Franzosen zusätzlich noch das Stadtgebiet verwüstet und große Teile der Bevölkerung getötet hatten, erlangte die Kurpfalz im Jahr 1644 ihre herrschaftliche Souveränität zurück. Nach einer kurzen friedlichen Episode bewirkte der Pfälzische und Spanische Erbfolgekrieg zwischen 1688 und 1714 eine erneute Zerstörung des Stadtzentrums und den letztendlichen Abriss der mittelalterlichen Burganlage aus der Stauferzeit. Der Friedenschluss von Rastatt, der die militärischen Auseinandersetzungen bis zur Französischen Revolution beendete, sorgte schließlich dafür, dass eine wirtschaftliche Erholungsphase eintrat und ein erneutes Bevölkerungswachstum einsetzte. Auch auf kultureller und wissenschaftlicher Ebene blühte Kaiserslautern in der anschließenden Regierungszeit unter Kurfürst Carl Theodor auf. So wurde 1768 die „Physikalisch-Ökonomische-Gesellschaft“ gegründet, aus der wichtige Erkenntnisse in Bezug auf das Agrarwesen hervorgingen.

Der Ausbruch der Französischen Revolution 1789 machte sich auch in der Kurpfalz durch gewaltsame Unruhen rasch bemerkbar. Als das französische Revolutionsheer ab 1792 damit begann, die preußischen Truppen über den Rhein zu drängen, wurde die Pfalz abermals stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Zuge der berühmten Kannonade von Valmy mussten sich die desorganisierten Verbündeten zurückziehen, woraufhin franzöische Truppen die linksrheinischen Gebiete zwischen Mainz und Speyer besetzten. Obwohl die vereinigten sächsischen und preußischen Truppen in der Schlacht von Morlautern 1792 die Revolutionstruppen noch einmal besiegen konnten, fiel die Stadt Kaiserslautern knapp vier Jahre später dennoch in die Hände der Franzosen. Es folgten Brandschatzungen, Kriegsdienstlieferungen und eine umfassende Versklavung der Bevölkerung ehe 1814 preußische und russische Truppen die napoleonische Herrschaft in der Pfalz beendeten. Im Zuge des Wiener Kongresses wurde Kaiserslautern schließlich zwei Jahre später dem Königreich Bayern zugesprochen.

0.7.Kaiserslauterns Weg in die Moderne (19./20. Jh.)

Die weitere Entwicklung Kaiserslauterns im 19. Jahrhundert wurde durch die feudale Herrschaftspolitik des Königreichs Bayern bestimmt. Obwohl die Pfalz eine Vielzahl freiheitlicher Ordnungen, vor allem im Gerichtswesen und in der Verwaltung, in der napoleonischen Besatzungszeit eingeführt hatte, litt die Stadt und mit ihr die gesamte Region an der restaurativen Politik der Wittelsbacher. Die besondere geographische Lage brachte zudem große wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich, von denen insbesondere Kaiserlautern betroffen war. Hinzu kam, dass die Pfälzer eine völlig andere Wesensart hatten als die Bayern und somit von vornherein eine gewisse Ablehnung gegenüber der neuen Obrigkeit zu verspüren war. Dennoch wurde versucht, verstärkt Tagelöhner und Menschen von außerhalb in die Stadt zu locken, um mit größeren Bauprojekten die wirtschaftliche Misere zu beenden. Zu diesem Zeitpunkt besaß Kaiserslautern 6.627 Einwohner und eine steigende Wachstumstendenz, wodurch sich die Stadt zum regionalen Zentrum der Pfalz entwickelte. Zeitgleich wurde mit dem Abriss der letzten mittelalterlichen Befestigungen begonnen und neue Vorstadtsiedlungen geschaffen, wie die Arbeitervorstadt "Kotten", wodurch sich Kaiserslautern erstmals über dessen historische Stadtgrenzen ausdehnte. Die rasche Bevölkerungsentwicklung brachte jedoch auch eine Vielzahl von sozialen und wirtschaftlichen Problemen mit sich, die zunächst im Zuge der Julikrise 1830 und schließlich in größerem Umfang während der Revolution 1848/49 zu einem Aufbegehren der Bevölkerungsschichten führte. Als in diesem Zusammenhang eine pfälzische Revolutionsregierung in Kaiserslautern ausgerufen wurde marschierten preußische Truppen in die Stadt, um den Aufstand gewaltsam niederzuschlagen. Einen pulsierenden Aufschwung brachte danach die Industrialisierung mit sich, in dessen Folge eine intensive Prosperität in der Pfalz einsetzte. Im Großen und Ganzen entwickelte sich die Stadt bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in rasanter Art und Weise voran. Der Anschluss an eine Bahnlinie, der Wegfall der innerdeutschen Zollgrenzen und der letztendliche herrschaftspolitische Zusammenschluss der deutschen Staaten im Jahr 1871 beförderte die positive Entwicklung bis zum Ersten Weltkrieg in großem Umfang.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte schließlich empfindliche Einschnitte mit sich. Nach 1918 wurde die Pfalz erneut von französischen Truppen besetzt, wodurch die weitere Entwicklung von Kaiserlautern stark gebremst wurde und die Bevölkerung von einer Notlage in die andere fiel. Die "Goldenen Zwanzigerjahre" bewirkten nichtsdestotrotz eine deutliche Zunahme der städtischen Bautätigkeit und die Neugründung zahlreicher Unternehmen. Die unbeschwerte Zeit wurde erst nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 gesellschaftlich und politisch erschüttert. Mit der der "Machtergreifung" der Nationalsozialisen 1933 wurden zwar umfangreiche Arbeitsmaßnahmen durchgesetzt, die jedoch nur die stille Kriegsvorbereitung im Zusammenhang mit der Judenverfolgung verdecken sollten. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Kaiserslautern durch alliierte Bombenangriffe so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass die Einwohnerzahl um ein Viertel sank. Außerden wurden etwa 60 Prozent des damaligen Stadtgebietes komplett zerstört. Nach dem Krieg konnte erst mit Hilfe der Besatzungsmächte ein strukturierter Wiederaufbau vorgenommen werden, in dessen Verlauf die Stadt und wichtige Parameter der Wirtschaft neu aufgebaut werden konnten. Heute lebt die Stadt von seiner vielfältigen Industrie, die in den 1950er/60er Jahren einen Teil des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Bundesrepublik Deutschland herbeiführte. Darüber hinaus konnten im Jahr 1970 mit der Gründung der Technischen Universität in Kaiserslautern neue Wege erschlossen werden, um auch in Zukunft die Entwicklung von neuen Technologien in vielerlei Hinsicht zu ermöglichen.

Verfasser: Marco Wachtel

Erstellungsdatum: 29.04.2013

 

Literatur:

 

Geiger, Michael; Preuß, Günter; Rothenberger, Karl-Heinz: Pfälzische Landeskunde. Beiträge zu Geographie, Biologie, Volkskunde und Geschichte, Landau 1981.

 

Reh, Kurt; Wagner, Friedrich L.; Westrich, Klaus P.: Landkreis Kaiserslautern. Heimatführer der deutschen Landkreise, Bonn 1968.