Remagen am Mittelrhein

Friedensmuseum Brücke von Remagen

von Kurt Kleemann

Die Geschichte der Brücke

Die Brücke von Remagen wurde während des Ersten Weltkrieges auf Drängen der deutschen Generalität erbaut, um mehr Truppen und Kriegsmaterial an die Westfront bringen zu können.
Die Eisenbahnbrücke wurde geplant von dem Architekten Karl Wiener aus Mannheim. Sie war 325 m lang, ihre lichte Höhe über dem normalen Wasserstand des Rheines betrug 14,80 m und der höchste Punkt des Bogens betrug 29,25 m.  Die Brücke trug zwei Eisenbahngleise und einen Fußgängersteg. Sie galt als eine der schönsten Stahlbrücken über den Rhein.

Die Eroberung der Brücke

Am 7. März 1945 gelang es einer kleinen Vorhut der 9. US-Panzerdivision unter Führung des deutsch-stämmigen Leutnants Karl H. Timmermann, die Brücke zu erobern, nachdem den deutschen Verteidigern zwei Sprengversuche fehlgeschlagen waren. Diese Eroberung ging als das "Wunder von Remagen" in die Annalen der Kriegsgeschichte ein.  General Eisenhower soll ausgerufen haben: "Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert".

Die deutsche Heeresleitung versuchte verzweifelt, in den folgenden Tagen die Brücke durch Bombenangriffe und Kampfschwimmer zum Einsturz zu bringen. 
Hitler setzte in ohnmächtigem Zorn ein Schnellgericht ein, das fünf Offiziere zum Tode verurteilte und vier von ihnen im Westerwald erschießen ließ.
Am 17. März stürzte die schwer beschädigte Brücke ein und riss 28 amerikanische Soldaten in den Tod.

Die Brücke in den Medien

Das nach wie vor bedeutendste Werk veröffentlichte 1957 der Politikprofessor und spätere Abgeordnete Ken Hechler unter dem Titel "The Bridge at Remagen" (7. überarbeitete Auflage 2004).  Ken Hechler hatte als US-Armeehistoriker Gelegenheit, viele der Beteiligten schon wenige Tage nach dem Geschehen zu interviewen.  Leider wurde dieses Buch nicht ins Deutsche übersetzt.
Das deutsche Gegenstück verfassten 1993 Lothar Brüne und Jakob Weiler mit ihrer detailreichen Untersuchung "Remagen im März 1945".
David L. Wolper produzierte 1968 den amerikanischen Spielfilm "Die Brücke von Remagen". Dieser Film zeigt zwar den realen geschichtlichen Hintergrund, ist aber ansonsten frei gestaltet.  Seine Handlung hat mit dem tatsächlichen Geschehen wenig zu tun. Näher an den tatsächlichen Ereignissen ist der Roman von Rolf Palm "Die Brücke von Remagen" (1985). Darüberhinaus gab es und gibt es eine Fülle von Veröffentlichungen über die Brücke von Remagen in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften.

Die Idee zur Gedenkstätte

Die Idee zu Errichtung einer Gedenkstätte hatte den Remagener Bürgermeister Hans Peter Kürten seit langem beschäftigt.  
Allein sieben Jahre dauerten die Verhandlungen mit der Bundesbahn, bis das ehemalige Eisenbahngelände erworben werden konnte.  Hinweise an offizielle Stellen, die Brücke als Mahnmal zu erhalten und eine Gedenkstätte für den Frieden einzurichten, fanden keine Beachtung.
Als dann im Sommer 1976 die Brückenpfeiler aus dem Rhein entfernt wurden, ließ sich der Bürgermeister deren Steine an das Remagener Ufer bringen, denn er hatte eine gute Idee: nämlich den Verkauf von kleinen Brocken dieser Brückensteine, eingeschlossen in Gießharz und mit Echtheitszertifikat.  Am 7. März 1978 trat er mit dieser Idee an die Öffentlichkeit, hatte damit unerwartet großen Erfolg und trug so mehr als 100.000 DM an Verkaufserlös zusammen.

Die Gedenkstätte

Schon am 7. März 1980 konnte die Gedenkstätte eröffnet werden.  Kürten war es gelungen, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme vom Arbeitsamt bewilligt zu bekommen.  Die Türme wurden entrümpelt, mit Türen und Fenstern versehen, das Innere wurde gestrichen und Licht gelegt.
In den Türmen erzählt eine Ausstellung die Geschichte der Brücke.  Ein Dokumentarvideo der englischen Militärakademie in Sandhurst zeigt das Geschehen um den 7. März 1945 in Wochenschauaufnahmen und Zeitzeugeninterviews.
Die Ausstellung erinnert an den Bau, die Eroberung und an die schweren Kämpfe im Brückenkopf, an denen deutsche, amerikanische, belgische und englische Soldaten beteiligt waren, erweitert um eine umfangreiche Dokumentation der mehr als 200 Kriege seit 1945.
Seit dem 9. Dezember 2002 besteht eine komplett neue Dauerausstellung.
Über 637.000 Besucher haben das Friedensmuseum seit 1980 besichtigt.

Nachweise

Verfasser: Kurt Kleemann

Bearbeiter: Rebecca Mellone

Erstellt am: 02.12.2009

Geändert am: 25.02.2010

Literatur:

  • Bratge, Willi [u.a]: So war es wirklich im Brückenkopf Remagen. Köln [o.J.].
  • Cavanagh, William C. C.: "Dauntless". A History of the 99th Infantry Division. Dallas 1994.
  • Combat Journal. The Story Of The Timberwolf Regiment Of The 78th Lightning Division in World War II 1944-1945. Fulda 1945.
  • Fowle, Barry W.: The 51st Again! An Engineer Combat Battalion in World War II. Shippensburg 1992.
  • Gückelhorn, Wolfgang: 7. März 1945. Das Wunder von Remagen. Aachen 2008.
  • Hechler, Ken: The Bridge at Remagen. New York 1957.
  • Hechler, Ken: Hero of The Rhine. The Karl Timmermann Story. Missoula 2004.
  • Humphrey, Robert E.: Once Upon a Time in War. The 99th Division in World War II. Norman 2008.
  • Kemp, Ian: Remagen Bridge. Hersham 2006.
  • Lauer, Walter: Battle Babies. The Story of the 99th Infantry Division in WWII. Nashville 1950.  
  • Lightninig. The History of The 78th Infantry Division. [o.O.] 1947.
  • MacDonald, Charles B.: The Last Offensive. United States Army in World War II. The European Theater of Operations. Washington 1973.
  • Michler, Mannfred: Die verhexte Brücke. Die Wahrheit über den Brückenkopf Remagen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament" XVIII/55 vom 4. Mai 1955.
  • Miller, C. Windsor: A Tanker's View of World War II. Gettysburg 2004.
  • Moffat, Charles H. [u.a.] Maverick Public Servant. Charleston 1987.
  • Niedermayer, Walter: Remagen and other Rhine Crossings. Indiana 1993.
  • Philipps, Henry Gerard: Remagen. Springboard to Victory. 9th U.S. Infantry Division Widens the Bridgehead, 8-24 March '45. Setting the Stage for the European War's final Push. Penn Valley 1995.
  • Rawson, Andrew: Remagen Bridge. 9th Armored Division. Barnsley 2004.
  • Reichelt, Walter E.: Phantom Nine. The 9th Armored (Remagen) Division, 1942-1945. Austin 1987.
  • Roberts, Cecil E.: A Soldier From Texas. [o.O.] 1978.
  • Swanson, Vernon E.: Upfront with Charly Company. A Combat History of Company C, 395 Infantry Regiment 99th Infantry Division. Deerfield 1997.
  • Thomas, Larry Ford: Lest I Forget. My Life As A Boy, Soldier, FBI Agent. Columbia 2001.
  • Zaloga, Stephen: Remagen 1945. Endgame against the Third Reich. New York 2006.
  • Zarish, Joseph M.: The Collapse of the Remagen Bridge. New York 1967.
  • 78th Infantry Division. Paducah 1987.