Kalender

Landau Peace Lecture: Geschichtspolitik als Kulturkampf – Extrem rechte Aneignung von Geschichte

Beschreibung: 

// via Zoom, Anmeldung über friedensakademie-rlp@uni-landau.de 

In den Argumentationsmustern extrem rechter Strömungen spielt  „Geschichte“ eine zentrale Rolle. Entweder, um eine angeblich bessere Vergangenheit zu verklären, oder, um eine gemeinsame „exklusive“ Identität zu beschwören. Viele der Mythen auf die sich extrem rechte Aneignung von „Geschichte“ beziehen sind nicht neu. Sie gründen auf einem  Bündel immer wieder beschworener Kampfbegriffe wie „Volk“, „Gemeinschaft“ oder „Nation“. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass sich extrem rechte Akteur*innen auf Orte und historische Ereignisse berufen, die mit demokratisch orientierten politischen Bewegungen in Verbindung gebracht werden – etwa das Hambacher Fest 1832 oder die Friedliche Revolution in der DDR 1989. In deren Rhetorik avancieren Begriffe wie „Demokratie“ und „Bürgerrechte“ zu zentralen Termini – eine Entwicklung die sich offenkundig im Kontext der Proteste gegen die gesundheitspolitischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie verstärkt hat. Dieser Befund stellt eine Herausforderung für eine kritische, demokratisch orientierte politische Bildung dar. Wie könnte eine kritische Beschäftigung mit „Geschichte“ aussehen, die einerseits völkische Mythen dekonstruiert, andererseits tatsächlich demokratische, gesellschaftskritische Perspektiven aufzeigt?

Michael Sturm ist Historiker und pädagogisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschichtsort Villa ten Hompel der Stadt Münster und in der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Münster. Er veröffentlicht zur Polizei- und Protestgeschichte, aktuellem und historischem Rechtsextremismus, Geschichtspolitik und Erinnerungskulturen. Die Landau Peace Lecture mit Michael Sturm wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.