Boppard am Mittelrhein

Bronzezeitlicher Grabhügel

Boppard-Buchholz, Rhein-Hunsrück-Kreis

Zu besichtigen: Die größtenteils abgetragene Hügelgräbernekropole liegt innerhalb einer umzäunten Industriefläche


Das Mittelrheingebiet war wegen seiner günstigen Bedingungen schon seit frühesten Zeiten relativ intensiv besiedelt. Die Hauptwohngebiete der damaligen Bevölkerung befanden sich jedoch weniger in der Enge des Rheintales, als vielmehr auf den weiten Talniederungen der benachbarten Höhenzüge des Hunsrücks und des Taunus. In den letzen Jahrhunderten vor Christi Geburt war diese Region am Mittelrhein geprägt von der Hunsrück-Eifel- und der Laténekultur, jener hochentwickelten Zivilisation der Kelten. Nur vereinzelt bestanden schon in vorrömischer Zeit kleinere Ansiedlungen unmittelbar an den Ufern des Rheines. Darauf weisen archäologische Funde und auch der für Boppard überlieferte keltische Name Baudobriga hin.

Schon im 19. Jahrhundert wurden aus 2 Grabhügeln des Bopparder Waldes zwei Grabinventare geborgen. Einem Grab der Mittelbronzezeit werden ein Griffplattenschwert und eine Nadel zugerechnet. Das andere Grab barg ein Messer und zwei Nadel der Spätbronze- bzw. Frühurnenfelderzeit. Nördlich dieser Grabhügel befand sich eine weitere Grabhügelgruppe im Distrikt „Hellerwald“. Entlang eines prähistorischen Höhenweges über dem Rheintal gruppierten sich 12 Grabhügel. Während der Erweiterungsarbeiten einer Gewerbefläche wurden einige Grabhügel untersucht.

Hügel 11 der Grabhügelgruppe wies einen Dm von 18 m und eine Höhe von 1,4 m auf. Unmittelbar auf dem Verwitterungshorizont der Hochfläche lag die Hügelschüttung. Vor der Aufschüttung des Grabhügels war der alte Oberboden entfernt worden. Steine wurden dem anstehendem Boden entnommen bzw. im Umfeld aufgesammelt und zu einem Steinkreis rund um den Begräbnisplatz aufgeschichtet. Der Steinkreis hatte einen Dm von 18 m und war etwa 0.6 m breit, in regelmäßigen Abständen waren Schieferplatten senkrecht aufgestellt worden. Im Zentrum der durch den Steinkreis eingefassten Fläche wurde auf dem freigelegten Verwitterungsboden aus Steinen eine Grabkammer von 2 m Breite und 2,5 m Länge errichtet. Das Zentralgrab wies in seiner Ausrichtung noch leicht nach Nordost und barg eine nicht mehr erhaltene Körperbestattung. Am südöstlichen Rand der Steinsetzung lag eine bronzene Gewandnadel mit konischem Kopf und geschwollenem Hals vom Typ Reckerode sowie die Teile eines bronzenen Dolches. Einige wenige Fragmente eines Keramikgefäßes barg der westliche Teil der Grabkammer.

Die Beigabenausstattung des Grabhügels 11 im „Hellerwald“ zeigt enge Parallelen zu den zeitgleichen Bestattungen in Osthessen und Thüringen der entwickelten Hügelgräberbronzezeit (Bz C). Der große bronzezeitliche Grabhügel war Ausgangspunkt für spätere Grabhügel der Eisenzeit an dieser Stelle.

M. Thoma

Literatur:

A. von Berg, H.-E. Joachim, Boppard-Bucholz, Rhein-Hunsrück-Kreis. Bronzezeitlicher Grabhügel. In: J. Kunow, H.-H. Wegner (Hrsg.). Urgeschichte im Rheinland (Köln 2006) 314-315.

H.-H. Wegner, Zum Grabhügelfeld Hellerwald bei Boppard-Buchholz, Rhein-Hunsrück-Kreis. In: A. Haffner/A. Miron (Hrsg.), Studien zur Eisenzeit im Hunsrück-Nahe-Raum. Symposium Birkenfeld 1987. Trierer Zeitschr. Beih. 13 (Trier 1991) 141-149; Ber. Arch. Mittel­rhein u. Mosel 3 = Trierer Zeitschr. Beih. 14 (Trier 1992) 409 mit Abb. 23 a-b; B.C. Oesterwind/K. Verlaeckt, Be­merkungen zu einem urnenfelderzeitlichen Schwert­grab von Boppard, Rhein-Hunsrück-Kreis. Pellenz Mus. 6, 1994, 29 mit Anm. 40 u. Abb. 7.