Mittelrhein

Historiker schreiben Geschichte

Kategorie: Hauptportal, Mittelrheinportal

Förderung von Geschichtsforschung und –bewusstsein im Welterbegebiet - von Josef Heinzelmann

Das „Forum Mittelrheintal“ hatte auf Antrag von Josef Heinzelmann in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichtliche Landeskunde (IGL) an der Universität Mainz zur Stärkung des Wir-Gefühls und des Geschichtsbewusstseins im Welterbegebiet die zuständigen Archive, Institutionen, lokalen und überregionalen Vereine zu einem ersten Round-Table-Gespräch eingeladen. Es ging um eine Bestandsaufnahme und um Vorschläge, ob und wie die Geschichtsforschung und das Geschichtsbewusstsein gefördert werden können.
In großer Zahl kam man im Bacharacher Ratssaal zusammen, wobei die „professionellen“ Institutionen (u. a. Universitäten, Staatsarchive, Bibliotheken, Museen) durch höchstrangige Vertreter ihre Bereitschaft zur Mitarbeit deutlich bekundeten. Unterstrichen wurde die Bedeutung der Zusammenkunft durch die einleitenden Worte des Landesbeauftragten für das Welterbe, Staatssekretär Prof. Dr. Hofmann-Göttig, der sogar finanzielle Förderung aus seinem Etat in Aussicht stellte.
In der anschließenden Diskussion wurden viele Defizite aufgezeigt. Schließlich ist das Obere Mittelrheintal seit dem Mittelalter territorial zersplittert. Die kleinen Einheiten saßen meist quer über den Rhein verteilt (z. B. Niederheimbach-Lorch, Bacharach-Kaub, St. Goar-St. Goarshausen, Boppard-Kestert usw.). Seit 1798 wurde der Rhein Grenze: Die Einheiten wurden dadurch getrennt und das Wir-Gefühl weiter zersplittert. Die Länder-, Regierungsbezirks- und Kreisgrenzen der Nachkriegszeit haben zusätzlich dazu beigetragen, dass sich in dem naturräumlich, ursprünglich auch historisch einheitlichen Welterbegebiet keine regionale Identität entwickelte. Dementsprechend sind alle historischen (weitgehend auch kunst-, sozial- usw. -geschicht­li­chen) Forschungen und Publikationen in fataler Weise atomisiert oder zentrifugal organisiert.  Zuständig sind z. B. drei große Archive: Landeshauptarchiv Koblenz, Landesarchiv Speyer, Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. Erfreulicher als die Bestandsaufnahme waren die zahlreichen Wünsche und Vorschläge aus dem Teilnehmerkreis, von denen hier nur einige der bald zu realisierenden aufgezählt seien. So versprach Dr. Elmar Rettinger vom IGL, die allseits gelobte Internetplattform www.regionalgeschichte.net noch weiter auszugestalten, schon bald werden das Digitale Flurnamenlexikon und die Datenbank „Inschriften Mittelrhein-Hunsrück" online sein. Dr. Rönneper vom Forum Mittelrheintal wird nach den Ferien die lokalen Geschichtsvereine einladen, um deren Aktivitäten besser zu vernetzen (wohl mit der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft). Das Europäische Burgeninstitut plant, sein Portal BurgDirekt vom Rhein-Lahn-Kreis auf das Gebiet des Welterbe Mittelrheintal auszuweiten und schon im nächsten Jahr soll ein erstes „Mittelrhein-Colloquium“ abgehalten werden. Dafür wünscht man das besonders ortsübergreifende und sich aktuell oft problematisch auswirkende Thema „Das Mittelrheingebiet als historische Verkehrslandschaft“ näher zu beleuchten. Im Vordergrund soll die Beschäftigung mit Straßen, Schifffahrt, Bahn, Fähren und dem  Fremdenverkehr - damals und heute- im Vordergrund stehen. Ein Vorschlag war,  hierzu auch einen regionalen Schülerwettbewerb zu veranstalten, nach dem Vorbild des bundesweiten der Körber-Stiftung. Außerdem wird unter Federführung der evangelischen Archivstelle in Boppard ein Archivführer erarbeitet, für eine Region, in der selbst die geschichtsträchtigen Städte (z. B. Bingen, Boppard, St. Goar, Oberwesel) auf eigene Archive in kommunaler Trägerschaft  (sei es Stadt, Verbandsgemeinde oder Kreis) verzichten. Diese Pflichtaufgabe könnte bei der notwendigen Novellierung des Landesarchivgesetzes festgeschrieben werden, weil ab 2008 die Standesämter die beiden Serien der Zivilstandsregister und Personenstandsbücher des 19. Jahrhunderts den zuständigen, aber hier noch gar nicht existierenden Archiven übergeben. Wenn alle diese Projekte Wirklichkeit würden, hätten die Geschichtsforscher für den Mittelrhein Geschichte geschrieben. Josef Heinzelmann