Hoppstädten in der Pfalz

Hoppstädten

0.1.Allgemeine Angaben

Am oberen Perlebach

Ortsgemeinde  Hoppstädten, Verbandsgemeinde Lauterecken

Einwohner: (2000) ca. 400, davon ca. 80% evangelisch, 15 % röm. kath.

Einwohner: (2007) 326

Einwohner (2010): 313

Gemarkung: 624 ha, davon ca. 4 ha Siedlungsfläche und 210 ha Wald


0.2.Lage

Der Ort liegt in etwa 300 Metern ü. NN in dem Quellbereich des Perlebachs, der sich von hier aus zunächst nach Süden wendet bis zum Perleberg, diesen umfließt, sich dann nach Osten wendet und bei Kappeln in den Jeckenbach mündet. Die Erhebungen rings um den Ort erreichen im nördlichsten Zipfel der Gemarkung eine Höhe von 423 Metern ü. NN  nahe bei dem Welchrötherhof, der schon in der Gemarkung des Nachbarortes Otzweiler im Landkreis Bad Kreuznach liegt. Nicht ganz so hoch sind die Berge in direkter Ortsnähe und im südlichen Bereich der Gemarkung (Mannenberg 356 m, Perleberg 377 m). Weitere Nachbarorte sind Sien (Landkreis Birkenfeld) im Westen, Schweinschied im Osten (Landkreis Bad Kreuznach), Kappeln im Südwesten, Langweiler und Merzweiler im Süden.

 

0.3.Siedlung und Wohnung

Es handelte sich ursprünglich um ein Haufendorf, dessen Häuser und Straßen rings um die Kirche angelegt waren. Erweiterungen in neuerer Zeit erfolgten hauptsächlich an der Durchgangsstraße, die von Sien nach Merzweiler führt und das Dorf in Nord-Südrichtung durchläuft. Dadurch gewinnt der Ort mehr die Form eines Straßendorfes. Der Perlebach teilte den Ort früher in zwei Teile, doch durch die Bachverrohrung von 1859/60 ist diese ursprüngliche Zweiteilung kaum noch zu erkennen. Hervorstechende ältere Gebäude sind die Kirche, die ehemalige Schule, das ehemalige Rathaus, unter den Wohnhäusern noch viele Bauernhäuser, von denen die meisten nicht mehr für die Landwirtschaft genutzt werden. 1957 entstand ein neues Schulhaus, 1993 ein Bürgerhaus. Der Friedhof liegt an einem Seitenweg der Straße, die nach Schweinschied führt. Im Südosten des Ortes erstreckt sich eine großzügig angelegte Sportanlage mit Fußballplatz, Tennisplatz, Schießanlage, Clubhäusern und Grillhütte. Das ehemalige Schwimmbad im nördlichen Ortsbereich befindet sich heute in Privatbesitz.

0.4.Wüstungen

Der Wiedenhof im Wald Breinert innerhalb der Gemarkung von Hoppstädten wurde  noch in einer Urkunde von 1515 genannt und ist wahrscheinlich während des 30-jährigen Krieges untergegangen.

 

0.5.Name

1325 erscheint der Ort unter dem Namen Hobstetten erstmalig in einer Urkunde der Sammlung Rhingravica II von Schott. Vor allem in veldenzischen Urkunden des ausgehenden 14. Jahrhunderts kommen folgende Namensformen vor: Hoesteden (1388) und Hoestede  (1389), Hobesteden (1392). Schon 1408 wird auch Hobsteden genannt. Weitere frühere Bezeichnungen sind: Hoffsteden (1411),  Hoibsteden (1426). Die Form Hoppstädten erscheint erst 1820. Zur Unterscheidung von mehreren anderen Dörfern gleichen Namens war zeitweise die Bezeichnung Sien-Hoppstädten üblich. Nach den Deutungen u. a. von Dolch und Greule geht der Name auf das mittelhochdeutsche Wort hovestat zurück, was einfach Gutshof bedeutet. Somit dürfte der Ort aus einem Hofgut hervorgegangen sein.  

0.6.Wappen

Das Wappen wird halbiert in zwei goldene Flächen, von denen eine mit roten Querbalken durchzogen ist, während die andere den wild- und rheingräflichen roten Löwen und unter diesem eine blaue Muschel zeigt. Die roten Querbalken auf Gold entsprechen dem Wappen der Herren von Rieneck, die zeitweise im Besitz von Hoppstädten waren. Der rote Löwe ist dem Wappen der Wild- und Rheingrafen entnommen. Die blaue Muschel bezieht sich auf den Einsiedler Jodokus, der Patron der Kirche von Hoppstädten war. Das Wappen wurde 1987 durch die Bezirksregierung von Rheinhessen-Pfalz genehmigt.

 

0.7.Abriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Frühgeschichte

In einem ausgedehnten keltischen Gräberfeld in der Flur Breinert wurden Waffenreste aus der Eisenzeit gefunden. Die Annahme, dass diese Gräber innerhalb eines keltischen Ringwalles lagen, wird von der archäologischen Forschung nicht bestätigt. Eine alte Straße, die ebenfalls über den Breinert führt, wird traditionell als Römerstraße bezeichnet.

0.7.2.Mittelalter

Der Ort wurde, der Namensform entsprechend, verhältnismäßig spät gegründet, wobei es nicht möglich ist, einen exakten Zeitpunkt festzustellen. Hoppstädten gehörte ursprünglich zum Nahegau, lag innerhalb des Hochgerichts auf der Heide und war dort mit der Herrschaft Sien eng verbunden. Diese Herrschaft Sien war als Grundherrschaft schon früh im Besitz des Erzstiftes Mainz und wurde von den Erzbischöfen an Vögte übergeben, im besonderen Falle über die Kirche Sankt Alban in Mainz. Urkundlich nachzuweisen ist, dass Erzbischof Ruthard 1108 eine Hufe der Herrschaft Sien dem Kloster Disibodenberg vermachte, als dieses mit Benediktinermönchen neu besetzt wurde. Vögte, die mit der Herrschaft Sien bereits im 11. Jahrhundert belehnt wurden, waren die Grafen von Loon, die selbst wieder mit den Grafen von Rieneck eng verwandt waren.

Gesichert ist, dass Graf Dietrich von Loon und Chiny 1325 den Ritter Kindel von Sien "mit dem Hause Sien, dem Zehnten daselbst, dem Dorf Hobstetten, dem Zehnten zu Schweinschied, Selbach [Wüstung], Ober-Hachenbach [Wüstung], Reidenbach und Wieselbach, mit dem Gericht des halben Dorfes und dem Kirchensatz zu Sien" belehnte. (Fabricius S. 148) Nur wenige Jahre später, 1334, nahm Graf Ludwig von Loon und Chiny dieses Lehen zurück und vergab es an die Wild- und Rheingrafen. Damit wurde auch Hoppstädten Wild- und Rheingräfliches Lehen, wobei zu beachten ist, dass die Erzbischöfe von Mainz Oberlehnsherren geblieben waren.

Durch Weiterverleihungen der Wild- und Rheingrafen blieb die Geschichte des Hauses Sien und insbesondere des Dorfes Hoppstädten weiterhin wechselhaft. Die Wild- und Rheingrafen gaben die Hälfte ihrer Rechte an Hoppstädten 1368 an die Kurfürsten von der Pfalz weiter, und diese verliehen sie an die Grafen von Veldenz. So ist aus einer Urkunde von 1388 zu ersehen, dass ein Ritter Heinrich Bube von Ulmen (Nieder-Olm) von den Grafen von Veldenz einen Hof  in „Hostede“ erhalten hatte. Einen weiteren Hof zu Hoppstädten erhielt 1389 Wepeling Giesebrecht von Simmern ebenfalls von den Veldenzern. Die Beziehungen zwischen Veldenz und Simmern über das Dorf Hoppstädten werden dann in einer Urkunde von 1424 bestätigt. Die Grafen von Veldenz übergaben 1392 dem Burgmannen Philipp von Dhaun ein Viertel des Zehnten von Dhaun und Hoppstädten. Später ging dieser Besitz an die Braun von der Schmidtburg über. Nach dem Tod Friedrichs von Sien 1430 war die Linie Sien erloschen, und die rheingräfliche Hälfte der Herrschaft wurde über dessen Erbtochter Schonette weitergegeben. Diese war in erster Ehe mit Hermann Boos von Waldeck und in zweiter Ehe mit Reinhard von Sickingen verheiratet. Beim Tod des ersten Mannes (um 1439) blieb die Herrschaft Sien im Besitz von Schonette. Nach Überwindung einiger Schwierigkeiten konnte sie 1483 an Schwicker von Sickingen vererbt werden, den Vater des Franz von Sickingen. Doch es handelte sich nur um die Hälfte des Ortes. Die andere Hälfte war nach wie vor ein veldenzisches Lehen der Herren von der Schmidtburg bei Kirn. Danach ergaben sich Streitigkeiten über die Rechteverteilung in dieser Herrschaft zwischen den Sickingen und den Rheingrafen.

0.7.3.Neuzeit

Aus einem Weistum von 1515 ist zu ersehen, dass die niedere Gerichtsbarkeit wenigstens in einem Teil von Hoppstädten bei den Sickingen verblieben ist. Die andere Hälfte kam in den Besitz der Wildgrafen von Kyrburg. Beiden Herrschaften, Sickingen und Kyrburg, stand nur die niedere Gerichtsbarkeit zu, die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den Rheingrafen, die nach wie vor für das gesamte Hochgericht auf der Heide zuständig waren. 1575 gelang es den Herren von Sickingen, den Schmidtburgern die andere Hälfte des Dorfes abzukaufen. Nachdem 1746 die vormalige Herrschaft Sien durch den Fürsten Dominik von Salm-Kyrburg aufgekauft wurde, kam Hoppstädten in den Besitz der Rheingrafen von Grumbach. An diesen Herrschaftsverhältnissen änderte sich nichts mehr bis hin zur Auflösung der alten feudalen Herrschaftsstrukturen im Zuge der Französischen Revolution. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort zerstört, das Dorf entvölkerte sich durch die Kriegsereignisse und durch Krankheiten.

0.7.4.Neueste Zeit

Während der Zeit der Französischen Revolution und der anschließenden Zeit des Kaisers Napoléon wurde das linksrheinische Deutschland von Frankreich annektiert. Durch die neuen Grenzziehungen kam Hoppstädten nun als ein Ort der Mairie Sien zum Canton Grumbach. Dieser Canton gehörte zum Arrondissement Birkenfeld innerhalb des Départements de la Sarre (Saar). Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurden durch den Wiener Kongress wiederum neue Grenzen gezogen. Die Verbindung zwischen Hoppstädten und dem alten Herrschaftssitz Sien, die viele Jahrhunderte lang bestanden hatte, nahm jetzt ein Ende. Es entstanden zwischen Glan und Nahe das Fürstentum Lichtenberg, das zu Sachsen Coburg gehörte, und das Oberamt Meisenheim des Fürstentums Hessen-Homburg. Hoppstädten lag innerhalb des Meisenheimer Gebietes von Hessen-Homburg, Sien wurde durch einen Austausch dem Fürstentum Lichtenberg zugeordnet. Sachsen-Coburg verkaufte seine linksrheinische Besitzung Lichtenberg bereits 1834 an Preußen, während das gesamte Fürstentum Hessen-Homburg 1866 nach dem Tod des letzten Fürsten an Preußen fiel. Das bisherige Oberamt firmierte nun innerhalb der preußischen Rheinprovinz als der Landkreis Meisenheim, der 1939 im Landkreis Bad Kreuznach aufging. Becherbach war in dieser Zeit Sitz des zuständigen Bürgermeisteramtes. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr das Dorf mancherlei Veränderungen, so durch den Bau einer Schule im Jahre 1840 und den Bau eines Rathauses 1848. In den Jahren 1859 und 1860 wurde der Perlebach in Rohre verlegt. Durch Waldrodungen entstanden bereits um 1850 neue landwirtschaftliche Nutzflächen. Damit sollte die Versorgung der noch weitgehend landwirtschaftlichen Bevölkerung verbessert werden. Dennoch verließen viele Menschen das Dorf. Allein zwischen 1840 und 1865 wanderten etwa 20 Familien nach Amerika aus. Vor dem Ersten Weltkrieg breitete sich im Land eine Typhusepidemie aus, auch in Hoppstädten erkrankten eine Reihe von Bewohnern, die jedoch alle überlebten. Damals bemühte sich die preußische Regierung durch die Herstellung besserer hygienischer Verhältnisse die Ursachen für derartige Seuchen zu beseitigen. Vielerorts wurden schon damals Wasserleitungen gebaut. In Hoppstädten beließ man es bei der Sanierung der vielen örtlichen Brunnen, aus denen sich die Bevölkerung mit Wasser versorgte. Die örtliche Wasserleitung entstand 1921, und der Kanalbau wurde erst spät vollendet in den Jahren zwischen 1994  und 1998. Ein Schwimmbad wurde 1936 gebaut und 1968 geschlossen, weil die Sicherheitsvoraussetzungen und die Ansprüche an die Wasserqualität nicht mehr erfüllt waren. Auch weitere territoriale Veränderungen ergaben sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Hoppstädten lag zunächst weiterhin im Kreis Bad Kreuznach innerhalb des Regierungsbezirks Koblenz und des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Durch die Regional- und Verwaltungsreform von 1968 wurde der Ort aus dem Landkreis Bad Kreuznach ausgegliedert, kam zum Landkreis Kusel und 1972 zur Verbandsgemeinde Lauterecken, gleichzeitig vom Regierungsbezirk Koblenz in den damals neu gegründeten Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz.

0.8.Wahlergebnisse in Prozent, Bundestag Zweitstimmen

CDU SPD Linke* FDP Grüne Sonstige
Landtag 1947 29,1 45,3 --- 11,6 1,2 12,8
Landtag 2006 33,5 45,9 1,1 13,0 1,1 5,4
Landtag 2011 35,4 47,2 2,8 4,5 5,1 5.0
Bundestag 2002 39,1 45,2 --- 6,6 4,1 5,1
Bundestag 2005 43,5 32,5 5 13,0 3,0 5,5
Bundestag 2009 32,3 36,0 11,2 10,6 4,3 5,6
Bundestag 2013 39,6 37,3 7,1 4,7 4,7 6,6
* 1947 KPD

0.9.Zeittafel

Vorgeschichte um 500 v. Chr. Funde aus der Eisenzeit
Römerzeit Eine Römerstraße führte an Hoppstädten vorüber
um 1000 Wahrscheinliche Gründung des Dorfes
1325 Graf Dietrich von Loon wird mit Hobstetten belehnt.
1334 Graf Ludwig von Loon belehnt die Wild- und Rheingrafen mit Hoppstädten
1368 Die Wild- und Rheingrafen geben die Hälfte ihrer Rechte an Hoppstädten an die Kurfürsten von der Pfalz
1388 Ritter Heinrich Bube von Ulmen (Nieder-Olm) erhält einen Hof von den Grafen von Veldenz .
1389 Einen Hof aus Wepeling erhält Giesebrecht von Simmern von Veldenz
1392 Burgmann Philipp von Dhaun erhält ein Viertel des Zehnten von Dhaun und Hoppstädten. Dieser Besitz geht später die Braun von der Schmidtburg über.
1430 Tod Friedrichs von Sien. Über die Erbtochter Schonette kommt Hoppstädten an Reinhard von Sickingen.
1483 Schwicker von Sickingen erbt die Herrschaft Sien und auch Hoppstädten
1515 Die niedere Gerichtsbarkeit in Hoppstädten verbleibt je zur Hälfte bei den Herren von Sickingen und bei den Wildgrafen von Kyrburg. Die hohe Gerichtsbarkeit obliegt den Rheingrafen.
1575 Vereinigung der beiden Ortsteile unter den Herren von Sickingen
1748 Hoppstädten kommt zur Rheingrafschaft Grumbach
1798 -1815 Französischen Revolution und Zeit Napoleons. Hoppstädten gehört zur Mairie Sien im Canton Grumbach im Arrondissement Birkenfeld und im Département Saar.
1818 Hoppstädten gehört zu Hessen - Homburg, Sien zu Sachsen - Coburg
1866 Hessen Homburg fällt an Preußen. H. liegt in der preußischen Rheinprovinz im Landkreis Meisenheim
1921 Bau einer Wasserleitung
1936 Bau des Schwimmbades
1939 Der Landkreis Meisenheim wird aufgelöst und kommt zum Kreis Bad Kreuznach
1957 Bau eines neuen Schulhauses
1972 Hoppstädten kommt zur Verbandsgemeinde Lauterecken im Landkreis Landkreis Kusel und im Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz.
1970 Erschließung des Neubaugebietes in der Schulstraße
1976-1978 Neuanlage eines Friedhofs
ab 1983 Erschließung des Sportgeländes
1992 Anlage eines Feuchtbiotops
1993 Bau des Bürgerhauses
1994-1998 Kanalbau

0.10.Religiöse Verhältnisse

Kirche und Schule[Bild: Ernst Schworm]

Seit dem Mittelalter war die Kirchengemeinde Hoppstädten eine Filialgemeinde von Sien. Dennoch entstand in Hoppstädten zu Anfang des 16. Jahrhunderts eine kleine Kirche, die von den Gläubigen dem Heiligen Jodokus (auch Jost, Jobst, Josse) geweiht wurde. Jodokus wurde um 600 in der Bretagne geboren, er hilft bei vielen Krankheiten und sorgt für reiche Ernten. Ein Angebot, Herrscher der Bretagne zu werden, schlug er zurück und lebte nach einer Wallfahrt nach Rom in einer Einsiedelei. Ein Kult um ihn ist weit verbreitet, in Deutschland vor allem in Niederbayern (Landshut) und in der Eifel. (Walberg bei Bonn). In der Reformationszeit wandten sich die Gläubigen der Lehre Martin Luthers zu. Mutterkirche war jetzt Hundsbach, später Kappeln, ab 1800 wieder Hundsbach, 1921 erneut Kappeln. 1973 erfolgte die Angliederung an die Kirchengemeinde Grumbach. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es nach und nach wieder katholische Christen im Ort. Sie blieben eine Minderheit. Von den rund 400 heutigen Einwohnern sind etwa 300 evangelisch und etwa 60 katholisch. Mehr als 30 Bewohner bekennen sich zu anderen Glaubensrichtungen oder gehören keiner Konfession an. Die alte Jodokuskapelle wurde wegen Baufälligkeit im 19. Jahrhundert abgerissen und 1886 durch eine neue Kirche ersetzt. Es handelt sich um eine Hallenkirche mit Holzdecke, rippengewölbtem Chor und einem dreigeschossigen Turm, dessen Dach sich von einem Oktogon her zu einer hohen Dachspitze verjüngt. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1750, wurde um 1800 in die Jakoduskapelle eingebaut und kam später in die heutige Kirche.

0.11.Bewohner

Das Dorf blieb bis heute ländlich strukturiert. Der Großteil der Bevölkerung arbeitete bis vor wenigen Jahrzehnten hauptsächlich in der Landwirtschaft. Neben den Bauern gab es auch Land- und Waldarbeiter und Handwerker. Die Landwirtschaft beschäftigt heute nur noch wenige Menschen. Die Erwerbstätigen sind gezwungen, auswärts dem Broterwerb nachzugehen. Ein gravierender Rückgang der Bevölkerungszahlen ist zu erkennen.

0.12.Einwohnerzahlen (Quelle: Gödtel)

1803 1849 1930 1950 1989 199 1993 1995 1996 1997 1998
192 451 442 427 391 401 403 400 400 401 407

0.13.Schulen, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schulen

Aus der Zeit vor 1800 liegen keine Nachrichten über das Schulwesen in Hoppstädten vor. Es ist aber anzunehmen, dass schon im 17. Jahrhunderts die Durchführung eines regelmäßigen Unterrichts angestrebt wurde. Aus alten Schulakten ist zu erfahren, dass 1814 der Schuldiener (Lehrer) Friedrich Karl Diehlmann vor Ort in einem Schulhaus unterrichtete, was zu dieser Zeit keineswegs selbstverständlich war. Von 1825 bis ca. 1845 unterrichtete ein Lehrer Vollrath. Zu seiner Zeit wurde das Schulgeld, das jedes Kind zu zahlen hatte, von 30 auf 35 Kreuzer angehoben. Unter Vollraths Nachfolger Ullrich musste der Unterricht im Winter wiederholt ausfallen, weil nicht genügend Holz zum Beheizen des Schulraums vorhanden war. 1840 ließ die Gemeinde ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung erbauen. Das bisherige Schulhaus wurde zum Preis von 150 Gulden verkauft und um 1930 abgerissen. Auf Lehrer Ullrich folgte ein Lehrer Ott, dessen Gehalt 1874 von 150 Reichsthalern auf 250 Reichsthaler erhöht wurde. Ott hatte eine elfköpfige Familie zu versorgen, und er musste 100 Schüler unterrichten. 1893 standen dem damaligen Lehrer Schneider eine Wohnung mit vier Zimmern, Küche und Keller, dazu Ökonomiegebäude und Grundstücke für einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb zur Verfügung. Für die Haltung von zwei Schweinen wurden 120 Mark angenommen. Hinzu kam eine Besoldung von 913 Mark. Außerdem verdiente er zusätzlich als Organist 8 Mark, als Kantor 36 Mark und als Gemeindeschreiber 62 Mark. Insgesamt hatte das Einkommen einen Wert von 1276 Mark. Ab 1933 wurde eine zweite Lehrerstelle eingerichtet, nachdem diese zuvor mehrmals von der Gemeinde abgelehnt worden war. 1957 beschloss die Gemeinde, ein neues Schulhaus zu bauen. Dieses wurde 1960 eingeweiht. Durch die Neuordnung des Schulwesens um 1968 wurde die Oberklasse in Hoppstädten aufgelöst, und die Hauptschüler müssen seitdem zum Unterricht nach Lauterecken befördert werden. Anschließend wurden in Hoppstädten nur noch Grundschüler unterrichtet, auch aus benachbarten Dörfern. 1970 erfolgte ein Zusammenschluss mit der Grundschule Grumbach zur Grundschule Grumbach-Hoppstädten. Diese Schule wurde 2010 geschlossen, und so besuchen auch die Grunschüler die Schule in Lauterecken. Für Besucher höherer Schulen besteht die Möglichkeit, die Gymnasien in Lauterecken oder in Meisenheim zu besuchen.

0.13.2.Feste und Brauchtum

Die Kirchweih wird am letzten Wochenende im Oktober gefeiert. Noch heute pflegt die Straußjugend das alte Kerwebrauchtum. Über früheres Volks- und Brauchtum in Hoppstädten liegen umfangreiche Aufzeichnungen des Lehrers Adolf Borger vor, die in den Westricher Heimatblättern veröffentlicht wurden. (Borger 2000)

0.13.3.Vereine

Zur Zeit bestehen in Hoppstädten sechs Vereine, der Gesangverein Hoppstädten von 1892, der Turn- und Sportverein Eintracht Hoppstädten von 1911, der Schützenverein Perlenkopf Hoppstädten von 1957, der SPD Ortsverein Hoppstädten von 1968, der Tennisclub von 1979, der FCK Fanclub "Perlebachdeiwel" Hoppstädten von 1998. Hinzu kommen die Fördervereine Vereinsgemeinschaft Hoppstädten von 1993 und die Freiwillige Feuerwehr Hoppstädten von 1967.

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Am Ort selbst gibt es keine Ärzte und keine Apotheke. Allgemeinärzte, Zahnärzte und Apotheken  können in den größeren Nachbarorten aufgesucht werden. Folgende Krankenhäuser liegen in erreichbarer Entfernung: Idar-Oberstein, Kirn, Meisenheim, Kusel. Zuständige Sozialstation ist Lauterecken.

 

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Seit jeher lebten die Menschen des Dorfes hauptsächlich von der Landwirtschaft, und das ist bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts so geblieben. Es gab Steinbrüche, Sandgruben und Ziegelproduktion, seit 1921 auch eine Diamantschleiferei, daneben alle üblichen Handwerksbetriebe. Inzwischen wurden fast alle landwirtschaftlichen Betriebe stillgelegt, und immer mehr Erwerbstätige müssen außerhalb des Ortes ihrer Arbeit nachgehen. Heute besteht noch ein Gasthaus im Dorf, aber die früher üblichen Handwerksbetriebe sind weitgehend verschwunden. Dafür haben sich neue Geschäftsbetriebe niedergelassen, die den Erfordernissen einer neuen Entwicklungsstruktur gerecht werden.

Der Ort liegt etwa zwei Kilometer weit östlich der B 270 an den Kreisstraßen K 68 und K 67. Entfernungen zu wichtigen Orten in der Umgebung: Sien 2 km, Lauterecken 11 km, Meisenheim 11 km, Kirn 20 km, Idar-Oberstein 22 km, Kusel 30 km. Weniger günstig ist die Lage zu den Autobahnen. (Autobahnauffahrt Kusel ca. 40 km, Kaiserslautern 45 km, Wöllstein 50 km). 

0.15.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Borger, Adolf: Geburt und Tod in Sitte und Brauchtum meines Heimatdorfes Hoppstädten, in: Westricher Heimatblätter Jg. 31, Kusel 2000, S. 54-71.
  • Fabricius, Wilhelm: Das Hochgericht auf der Heide - Die Wildgrafschaft zwischen Oberstein, Meisenheim, Lauterecken und Kusel, in: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst Jg. 24, Trier 1905.
  • Gödtel, Hermann: 675 Jahre Hoppstädten - im Jahre 2000, Hoppstädten 1999.
  • Pöhlmann, Carl: Regesten der Lehensurkunden der Grafen von Veldenz, Speyer 1928.
  • Schneider, Carl: Geschichte des Wild- und Rheingräflichen Hauses, Volkes und Landes auf dem Hundsrücken, Kreuznach 1854.