Zweibrücken in der Pfalz

Landgestüt

Landgestüt Zweibrücken - Außenansicht Hengststall[Bild: SecretDisc]

Unter der Herrschaft von Herzog Christian IV. wurde im Jahr 1755 das Landgestüt Zweibrücken gegründet. Nicht nur durch die lange Tradition, auch durch die zentrale Lage in der Stadtmitte wurde das Gestüt wie auch der benachbarte Rosengarten zum Wahrzeichen der Stadt. Mit der Gründung des Landgestüts durch Herzog Christian begann auch die gezielte Züchtung des „Zweibrücker Pferdes“. Die Zweibrücker galten über Jahrhunderte als gelungene Züchtung und waren sogar bei Frankreichs Kaiser Napoleon gefragt. Zu bayrischen Zeiten waren die Zweibrücker Pferde vor allem für den Ausbau der Landwirtschaft von Bedeutung. Heutzutage ist das Gestüt eine Anlaufstelle für Reit- und Fahrsport. So gibt es zahlreiche Veranstaltungen, wie etwa die Pferderennen auf der Rennwiese, Pferdetage oder Hengstparade. [Anm. 1]

1755 sandte Herzog Christian IV. erstmals Hengste seines Marstalls in andere Hengststationen seines Herzogtums aus, was als Beginn einer gezielten Pferdezucht und des Landgestüts gilt. Ursprünglich waren die Pferde des Gestüts in Zweibrücken wohl im „Ritterhaus“, der Kaserne der berittenen Garde (am Standort des heutigen Zweibrücker Busbahnhofs), untergebracht. 1771-1774 wurden dann nach Plänen des Hofarchitekten Johann Christian Ludwig Hautt am Bleicherbach (hinter selbiger Kaserne, in etwa dort, wo sich heute das Helmholtz-Gymnasium befindet) Stallungen und eine Reithalle errichtet. Dort waren bereits über 100 Gestütspferde untergebracht. Und die Zweibrücker Pferde waren begehrt: Sogar Friedrich der Große von Preußen erwarb 1783 für den Ausbau seines Gestüts in Trakehnen 150 Zweibrücker Hengste. Unter Herzog Karl II. August erhöhte sich der Pferdebestand des Gestüts an verschiedenen Standorten auf über 1000. Im Jahr 1793 wurde das Landgestüt allerdings von französischen Revolutionstruppen geplündert. [Anm. 2]

Nachdem das Gestüt 1793-1806 darnieder lag, war es Kaiser Napoleon persönlich, der selbst jahrelang ein Zweibrücker Pferd ritt, der die Wiedereinrichtung des Zweibrücker Gestüts anordnete. Der Architekt des Departements fertigte Pläne für einen kaiserlichen Marstall an: Auf dem Gelände des heutigen Gestüts, wo sich das 1793 zerstörte Schlösschen der Gräfin von Forbach und das ehemalige Hoftheater befanden, wurde das „Haras Premier Class“ (Gestüt erster Klasse) eingerichtet. Zweibrücken wurde zu einem von sechs französischen Hauptgestüten und blieb bis zum Ende der französischen Herrschaft 1814 das zentrale Hengstdepot für das gesamte linksrheinische, deutschsprachige Gebiet. In der Folge war das Gestüt, nachdem die Pfalz als achter Landkreis an Bayern angegliedert worden war, bis 1890 eine Einrichtung des Kreises Rheinpfalz. Im Anschluss wurde das Gestüt zu einer staatlichen Einrichtung des Königreichs Bayern. Als mit dem Zweiten Weltkrieg auch die Zugehörigkeit der Pfalz zu Bayern endete, wurde das Landgestüt eine Einrichtung des neu gegründeten Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Es hatte jedoch nur ein einziger Hengststall den Krieg überstanden. Alle anderen Gebäude (unter anderem eine große und eine kleine Reithalle) wurden im Laufe der Zeit neu errichtet. Im Jahr 2007 übertrug das Land Rheinland-Pfalz das Gestüt an die „Stiftung Landgestüt Zweibrücken“. Das Besondere am Zweibrücker Gestüt und der angrenzenden Rennwiese ist seit dem 19. Jahrhundert bis heute die zentrale Lage mitten in der Stadt. [Anm. 3]

Nachweise

Verfasser: Felix Schmidt

Erstellungsdatum: 22.08.2014

 

Verwendete Literatur:

 

  • Festschrift 240 Jahre Landgestüt Zweibrücken. 240 Jahre Pferdezucht in Rheinland-Pfalz-Saar, Zweibrücken 1995.
  • Frase, Walter: Zweibrücken – Eine Heimat der Pferde. Die Stadt und ihr Gestüt, in: Zweibrücken 600 Jahre Stadt 1352-1952, Festschrift zur 600-Jahrfeier, hrsg. von Historischer Verein Zweibrücken, Zweibrücken 1952, S. 294-298.
  • Nebe, Hans-Dieter: Das Zweibrücker Pferd, in: Zweibrücken 1793 bis 1918: Ein langes Jahrhundert. 25 Autorinnen und Autoren zu 125 Jahren Stadtgeschichte, hrsg. von Charlotte Glück-Christmann, Blieskastel 2002, S. 669-693.
  • Nebe, Hans-Dieter: Zweibrücker Pferde – Rückgrat wirtschaftlicher Entwicklung, in: Die Wiege der Könige. 600 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, hrsg. von Charlotte Glück-Christmann, Zweibrücken 2010, S. 223-227.

Anmerkungen:

  1. Vgl. Festschrift 240 Jahre Landgestüt Zweibrücken. 240 Jahre Pferdezucht in Rheinland-Pfalz-Saar, Zweibrücken 1995, S. 7f. und S. 13.  Zurück
  2. Vgl. Nebe, Hans-Dieter: Das Zweibrücker Pferd, in: Zweibrücken 1793 bis 1918: Ein langes Jahrhundert. 25 Autorinnen und Autoren zu 125 Jahren Stadtgeschichte, hrsg. von Charlotte Glück-Christmann, Blieskastel 2002, S. 669f..  Zurück
  3. Vgl. Frase, Walter: Zweibrücken – Eine Heimat der Pferde. Die Stadt und ihr Gestüt, in: Zweibrücken 600 Jahre Stadt 1352-1952, Festschrift zur 600-Jahrfeier, hrsg. von Historischer Verein Zweibrücken, Zweibrücken 1952, S. 294f. und Nebe, Hans-Dieter: Zweibrücker Pferde – Rückgrat wirtschaftlicher Entwicklung, in: Die Wiege der Könige. 600 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, hrsg. von Charlotte Glück-Christmann, Zweibrücken 2010, S. 224.  Zurück