Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein

Tätigkeitsbericht der „Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein“ für die Zeit vom 1. Juli 2016 bis zum 30. Juni 2017

Bei der Wahl des Schwerpunktthemas für unser neues Heimatjahrbuch fiel uns die Auswahl nicht allzu schwer. Da stand natürlich das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahre im Blickpunkt. In Kontinuität zum 200. Geburtstag
von Rheinhessen haben wir den 500. Jahrestag der Reformation und seine Auswirkungen für unsere Region betrachtet und dabei auch die kirchliche Entwicklung und Neuordnung, die diesem Ereignis folgte. Und hieran anschließend wollen wir im neuen Jahrbuch der weiteren kirchlichen Entwicklung und dem Leben in Rheinhessen im 19. Jahrhundert unser besonderes Augenmerk schenken.
Wir laden Sie, liebe Leser, ein mit uns einen Streifzug durch diese Geschichtsepoche zu machen, die alles andere als bloße Romantik war. So ist es auch mit unserer Jahresarbeit, die immer wieder neu belebt werden muss, nicht nur im Heimatjahrbuch sondern auch bei unseren Veranstaltungen, die im Berichtsjahr weitere Höhepunkte aufzuweisen hatte. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass die alte Binsenweisheit: Ohne Fleiß, kein Preis, nach
wie vor uneingeschränkt Gültigkeit hat. Wir haben mit Fleiß und Einsatzbereitschaft unsere Aufgaben angepackt, sodass uns auch im letzten Berichtsjahr beim Blick auf die Arbeit unserer kulturhistorische Vereinigung Freude ob des Erreichten erfüllt, es war ein gutes Jahr. Ein besonderes Wort des Dankes möchten wir unserer Redaktionsleiterin für das Heimatjahrbuch Pia Steinbauer zollen. Sie hat auch dem neuen Heimatjahrbuch nicht nur Form und Format, Inhalt und Wertigkeit gegeben hat, mit viel Gespür und Ideenreichtum für die Themenschwerpunkte. Bei unserem Verlag „publicum“ aus Selzen fanden ihre Ideen große Resonanz, sodass wir auch die erhöhte Auflage beibehalten konnten.
Unser Kulturbeauftragnter Michael Roth beweist  in seiner neuen Aufgabe großes Interesse, Umsicht und Einfühlungsvermögen. Die Zusammenarbeit lief reibunslos. Aber neben dem Heimatjahrbuch gibt es noch mehr zu berichten. Für unsere Vereinsorgane, Vorstand und Redaktionsausschuss, geben wir Rechenschaft.

Exkursionen
Mommenheim feierte den 1250. Jahrestag seiner ersten urkundlichen Erwähnung im berühmten Lorscher Codex. Mit vielfältigen Events von April bis Oktober 2016 wurde dieser besondere Geburtstag gefeiert. Grund für uns diese aufstrebende und dynamische Ortsgemeinde im Rahmen der Herbstexkursion zu erkunden.  rtsbürgermeister Hans-Peter Brook hieß die stattliche Besuchergruppe willkommen, ehe Heimatfreund Ludwig Kranz, Mitbegründer und Vorstandsmitglied der „Historia“ Mommenheim, einen Überblick über die Besiedlungsgeschichte gab, ein Ort, der sich aus einem landwirtschaftlich geprägten Dorf mit gut 1000  Einwohnern zu einer begehrten Wohngemeinde mit z.Zt. 3200 Einwohnern bestens entwickelt hat. Der historische Friedhof wurde besucht, die evangelische Kirche aus dem Jahr 1472 mit verschiedensten Stilepochen bewundert, ebenso die katholische barocke Saalkirche von 1719. Im Ortsrundgang durch den historisch interessanten Kern wurden noch gut erhaltene Fachwerkbauten besichtigt. Eine Mitgliederversammlung im „Storchennest“ schloss sich an und mit einem gemütlichen Beisammensein klang ein eindrucksvoller Tag aus.


Die Frühjahrsexkursion führte nicht ohne Grund in die „Karolingerstadt“ Lorsch, auch als „Das Tor zur Bergstraße“ beworben. In den zurückliegenden Jahren bis in diese Tage haben viele Gemeinden in Rheinhessen runde Jubiläen gefeiert. Hierbei taucht immer wieder der berühmte Lorscher Codex auf, die vollständige Abschrift des verloren gegangenen umfangreichen Archivs von 764 bis 1232 der berühmten Reichsabtei Lorsch, die seit 25 Jahren UNESCO-Welterbe ist. Zum Karlsjahr 2014 haben sich viele Veränderungen ergeben, Umbau und Erweiterungsmaßnahmen wurden abgeschlossen, sodass der Besuch des Klosters Lorsch großes Interesse fand. Damit jeder dabei sein konnte, hatte man sogar auf einen Gelenkbus zurückgegriffen. In zwei Gruppen ging es unter fachkundiger Führung durch das Klostergelände, wobei die Königshalle, die Zehntscheune und der  mittelalterliche Kräutergarten Bewunderung fanden. Ein Besuch des Museums rundete den informativen Teil des Besuches ab. Nach einer erholsamen Mittagspause ging es zurück über den Rhein nach Worms. Hier standen natürlich Luther und die Reformation ganz im Mittelpunkt. Luther selbst verbrachte gerade 10 Tage in Worms,
Tage, die die Welt grundlegend veränderten. Neben einer Führung zu den ganz besonderen historischen Orten war auch alternativ angeboten, eine einmalige Ausstellung zu besuchen. Und zu einer kleinen Rast im Wein- oder Biergarten reichte es auch noch, ehe man nach einem erfüllten Tag die Heimfahrt antrat.

Heimatjahrbuch 2017
Eine gute Mischung historischer Beiträgen und aktuellen Themen findet sich im neuen Jahrbuch des Landkreises, für dessen redaktionelle Arbeit die Vereinigung der Heimatfreunde am Mittelrhein verantwortlich zeichnet. In der jetzt präsentierten 61. Ausgabe haben sich 70 ehrenamtliche Autoren in gut 90 Artikeln mit historischen und aktuellen Themen auseinandergesetzt, neue Forschungsergebnisse ins Licht gehoben, neue Erkenntnisse gewonnen, einzigartige Geschichten zur Geschichte und zu den Landschaften zusammengetragen.
Abgerundet wird das 368 Seiten starke Buch durch kleine aber feine Gedichte, die regionale Themen pointieren. So stellte Redaktionsleiterin Pia Steinbauer das neue Buch vor.
Das Sonderthema Reformation ist der eine Schwerpunkt der Publikation, die „Zukunftsschmiede“ im Landkreis der andere. Unter dieser Rubrik berichten junge Autoren über Schulprojekte, Erfahrungen mit Freiwilligendiensten oder Jugend-forscht-Projekte. Runde Geburtstage werden natürlich auch im neuen Band wieder gefeiert, und zwar nicht nur von Persönlichkeiten und Vereinen, sondern auch von Kommunen.
Und genau diese Mischung macht das Buch aus, wie Adam J. Schmitt, Vorsitzender der Heimatfreunde in seinem Grußwort feststellte. Der Betrachter finde das Buch farbig, jung und frisch und gerade deshalb ist das Heimatjahrbuch das beste Sachbuch der Region für Heimatgeschichte, Brauchtum und Heimatpflege,
kurz gesagt eine Visitenkarte für den Landkreis, ein Vademekum für Mainz-Bingen.
Viele Heimatfreunde, Vereinsmitglieder, Autoren und Gäste, konnte Landrat Claus Schick zur Buchpräsentation in der Mensa des Ingelheimer Sebastian Münster-Gymnasiums begrüßen. Er zollte Worte des Dankes an die
Heimatfreunde, besonders an die Redaktionsleiterin Pia Steinbauer, den Vorstand und Redaktionsausschuss,
lobte die Gestaltung und die neuen Inhalte des Buches. Die Autoren seien die Stützen dieses Buches und die Agentur „publicum“ mit Natalie Geerts sorge mit ihren Mitarbeitern für eine ansprechende und fachgerechte Ausstattung. „Sie dürfen sich auf ein ebenso lehrreiches wie spannendes Buch freuen“, animierte der Landrat zur Lektüre. Die Feier wurde durch beeindruckende Hochleistungsakrobatik einer Turnriege der TG Nieder-Ingelheim etwas anders als üblich gestaltet.

Heimat am Mittelrhein
Durch hohen persönlichen Einsatz der Verantwortlichen konnten im Berichtszeitraum wiederum 6 Ausgaben der Monatsblätter für Kultur- und Heimatpflege, zusammen mit der Allgemeinen Zeitung in Bingen / Ingelheim, herausgegeben werden. Unserem Redaktionsteam unter Günter F. Hattemer gilt unser besonderer Dank, ebenso allen, die Beiträge kostenfrei zur Verfügung stellen, damit wir diese einzigartige Beilage der AZ sicherstellen können. Allen Mitgliedern überlassen wir diese Beilagen mit der Jahrespost, die ebenso wie die Beilagen zum Amtsblatt der Verbandsgemeinde Gau-Algesheim, Dank der freundlichen Unterstützung von Bürgermeister Dieter Linck und Herrn Stefan Petry für unsere Mitglieder aufbereitet werden.

Sachbuchpreis Decimus Magnus Ausonius 2016
Der Historische Sachbuchpreis Mittelrhein, als „Sachbuchpreis Decimus Magnus Ausonius“ in der Region ein fester Begriff geworden, wurde im 14. Jahr seit seiner Stiftung erneut ausgelobt. 6 Autoren hatten sich mit insgesamt 9 Beiträgen für den Wettbewerb um historische und kulturhistorische Sachbücher beworben. Die Jury aus Historikern, Kunsthistorikern, Redakteuren und heimatgeschichtlichen Literaten hatte es in der Tat nicht leicht. Die Feierstunde zur Preisübergabe fand im Oktober 2016 im Rathaus in Ockenheim statt. Ortsbürgermeister Arnold Müller entbot namens Gemeinde einen herzlichen Willkommensgruß, in einem ansprechenden Veranstaltungsrahmen, für die Feier gut vorbereitet. Die junge Pianistin Johanna Zimmermann, eine Schülerin des Musikpädagogen Christian Wohlfahrt, gestaltet mit klassischen und modernen Beiträgen die Feier stilvoll.
Siegerin des Wettbewerbs des mit 500 Euro dotierten Preises wurde Barbara Jordans aus Ockenheim mit ihrem Werk „200 Jahre Rheinhessen im Spiegel eines Weinguts. Das Weingut Merz in Ockenheim“. Die Jury würdigte damit ein Werk, das sich der regionalen Geschichte widmet und ein abwechslungsreiches und authentisches Bild des ganz alltäglichen Lebens der Menschen in Rheinhessen zeigt. Es zeichnet sich durch nahezu ausschließliche Verwendung von Primärquellen, umfangreiche Recherchen und der besonderen Darstellung regionaler Sozialgeschichte aus, so die Laudatorin Pia Steinbauer. Mit dem zweiten Preis (250 Euro)
wurde Reiner Letzner für sein Werk „Sebastian Münster und das vermessene alte Ingelheim“ bedacht. Dr. Tobias Schmuck stellte das enorme Fachwissen des Autors in den Mittelpunkt seiner Laudatio, die in Inhalt und Sprache zum Ausdruck komme. Wettbewerbskoordinator Joachim Junker präsentierte die Drittplatzierten (150 Euro), den Männergesangverein „Liederkranz“ 1886 Weiler und sein eingereichtes Sachbuch „In Freud und Leid zum Lied bereit“. Es liefere nicht nur ausführliche Informationen über den Verein und seine Geschichte, sondern auch über das allgemeine Zeitgeschehen mit recht originellen Beiträgen , so der Laudator.
In den bewährten Händen von Joachim Junker lag auch der gesamte organisatorische Part der Wettbewerbskoordination und -organisation.
Mit einem 4. Platz bedacht wurden die Beiträge von Wigbert Faber über „Die katholische Kirchengemeinde von Dienheim“ und „Dienheim und seine Herrscher – Kurpfalz und Fulda. Wer hatte das Sagen?“ aus der Reihe Dienheimer Geschichte, ferner Michael Dietz mit „Goethe - 200 Jahre in Bingen am Rhein 1814 - 2014“ und einem „Who ist Who“ - der wichtigsten Bauwerke in Bingen am Rhein“. Ausgezeichnet wurde auch Dr. Gerhard Hanke für „Das alte Waldalgesheim in Bildern“, eine Fotoreise und „Multa – Zukunftsgeschichten“. Gruß- und Dankesworte leiteten zu einem unterhaltsamen Informationsaustausch von Autoren,
Juroren und interessierten Zuhörern über.

Von und über unsere Mitglieder
Eine Reihe unserer Mitglieder durften besondere Geburtstage feiern, hierzu haben wir unsere Glückwünsche übermittelt. Eine Reihe von Heimatfreunden wurden mit Staatlichen Ehrungen, Verdienstorden und kommunalen Auszeichnungen bedacht, von Verbänden und Organisationen geehrt. Ihnen und allen Geehrten gelten unsere allerherzlichsten Glückwünsche.
Zahlreiche Schriften und Bildbände mit heimatgeschichtlichen Inhalten sind im vergangenen Jahr herausgegeben worden. Sie geben Zeugnis für ein engagiertes Wirken von Menschen, die in Text und Bild ihre tiefe Verbundenheit zu unserer Heimat bekunden. Wir dürfen ihnen allen unsere Anerkennung hierfür aussprechen.
Im letzten Jahr haben uns wieder Persönlichkeiten verlassen, die für unsere Vereinigung beispielhaft gewirkt und das kulturelle Leben im Kreis belebt haben. Sie haben Zeichen gesetzt, Spuren durch ihr Wirken und Schaffen hinterlassen, die Arbeit unserer Vereinigung geprägt und auch bereichert. Wir sind ihnen tiefen Dank schuldig und werden ihr Andenken in Ehren halten.

Danke
Viele engagierte Heimatfreunde haben im Berichtszeitraum für unsere Vereinsziele gewirkt und gearbeitet, oftmals ohne im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank, den Mitgliedern des Vorstandes, dem Redaktionsausschuss für deren aktive Mitarbeit und nicht zuletzt allen Mitgliedern, die unsere gemeinsame Arbeit mittragen und begleiten. Es war ein erfülltes Jahr, das uns viel abverlangt hat und an dessen Ende wir mit dankbar und zufrieden auf das Geleistete zurückblicken dürfen. (Adam J. Schmitt)