Frei-Laubersheim in Rheinhessen

Die historischen Häuser der Gemeinde Frei-Laubersheim und ihre Bewohner

 Fronpforte 3

Steht unter Denkmalschutz

Das Haus ist ein wunderschönes Barockhaus. Es wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut.

Die Ökonomiegebäude sind nach der Bauart einem späteren Zeitraum zuzuordnen.

Das Wohnhaus wurde mit größter Wahrscheinlichkeit von einem Johann Franz Fasig und seiner Ehefrau Agnesia, geb. Waller, Tochter von Lorentz Waller und Catharina, geb. Waldbott, erbaut. Von dieser Hofreite aus soll vor der Säkularisation 120 Morgen (30 ha) Land bewirtschaftet worden sein.

Das Haus ist schon für die damalige Zeit repräsentativ erbaut. Das Erdgeschoß aus Feldsteinen, das Obergeschoß ist Fachwerk. Die Fenster auf der Rückseite (Garten-seite) waren mit Eisenstäben versehen.

Anfang des 19. Jahrhundert hat ein Mattern eine Fasig geheiratet. In der Fam. Mattern blieb das Haus, bis es nach dem Tod von Amalie Mattern, geb. Breitenbach, 2004 an die Familie Striefler verkauft wurde.

 

Philipp-Wehr-Str. 4

Die Erbauer dieses Hauses waren Niclas Waller und seine Ehefrau Agnesia, geb. Waldbott. Welchen Beruf Niclas Waller ausübte, ist nicht bekannt. Er fungierte als einer der Zeugen beim notariellen Protestschreiben an den Kaiser Leopold I wegen der Kirchenbesetzung. Es drehte sich hierbei um die gewaltsame Kirchenbesetzung durch den konvertierten Landschreiber Quadt, die er mittels Soldaten ausübte. Gleichzeitig wurde ein Altar der Katholiken in die reformierte Kirche gesetzt. Hierdurch wurde das Simultaneum erzwungen.

Er war auch zu dieser Zeit ein Mann des Gerichts zu Frei-Laubersheim. Das Ehepaar waren die Urgroßeltern von Agnesia Waller, verheiratete Fasig. Es war Agnesias Elternhaus.

Das Holz für die Fachwerkbalken wurde im Frühjahr 1702 geschlagen; dies hat der heutige Besitzer Karl-Heinz Fröhlich festgestellt. Es ist ein Haus, das im ausgehenden Renaissancestil erbaut ist. Das Erdgeschoß ist mit Feldsteinen gemauert. Das Fachwerk im Obergeschoß war, als K.H. Fröhlich den Verputz entfernte, mit einem grauen, gebrannten Stein gemauert, hingegen nicht mit Weiden oder Stroh ausgefüllt, wie es sonst üblich war. Es ist ein großes Haus.

Die heute dazugehörigen Ökonomiegebäude wurden nach und nach gebaut. Die Ställe haben als Decken die Preußische Tonne. Decken dieser Art wurden erst ab ca.1865 gebaut.

Die große Scheune, welche die Rückseite des Hofes abschließt, ist wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet worden. Wahrscheinlich wurde diese von der Fam. Wehr erbaut, die das Anwesen ca. 1830 kaufte. Bevor die Wehrs den Hof kauften, wohnten sie in der Ecke gegenüber dem Rathaus. Heute gehört es Leander Machemer.

Die Familie Wehr hatte einen der sechs Erbhöfe im so genannten Dritten Reich.

 

 

In der Denkmalschutzzone:

 

Rathausstr. 10 ( Eck )

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte es der Familie Wehr. Ein Angehöriger der Familie Wehr heiratete in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Angehörige der Familie Bernhard. Herr Wehr stammte aus Sprendlingen. Ca 1832 veräußerten sie das Haus und kauften das Anwesen in der Philipp-Wehr–Str. 2. Auch dieses Haus hat im ersten Stock Fachwerk. Heute bewohnt es Leander Machemer.

 

Rathausstr. 12

Das Haus gehörte im 18. Jahrhundert einer Familie Stemper. Einen Niclas Stemper gab es auf der „Huldigungsliste“ (Steuerliste) von 1707. Eine Rosina Stemper hat 1770 einen Johann-Peter Waller geheiratet. Eine Familie Huppert kaufte es Anfang des 20. Jahrhunderts.

 

Rathausstr. 14

Das Erdgeschoß des Hauses ist auch mit Feldsteinen erbaut. Das erste Stockwerk besteht aus einer Fachwerkkonstruktion. Die Scheune in dem heutigen Ausmaß hat Wilhelm Mattern, der Vater von Frau Machemer erbaut. Sie bewohnt auch heute noch das Haus. Direkt nach der Straßenseite (Eck) befindet sich der Probierraum von Sohn Bernd. Er hat ein kleines altes Häuschen, welches vor 1900 nicht zum Anwesen gehörte, hierzu umgebaut. Vor 1900 gehörte dieses Häuschen einer anderen Familie, bis es die Familie Mattern/Lahr kaufte. Anfang des 18. Jahrhunderts wird erwähnt, dass ein Martin Baußmann das Haus besaß. Im 18. Jahrhundert wohnte in dem Haus die Familie Heinrich Faßig (Fasig) und Maria Elisabetha, geb. Waller, die 1753 heirateten. Sie sind direkte Vorfahren von Frau Machemer.

 

Fronpforte 7

Steht unter Denkmalschutz

Dieses Haus gehörte der Familie Baußmann bis in die 60er Jahre des 20. Jahr-hunderts. Familie Baußmann hat das Haus Anfang des 20ten Jahrhunderts gekauft. Vorher bewohnte ein alter Mann alleine das Haus. Leider konnten mir sowohl Herr Adolf Bernhard, der mir von diesem Mann erzählte, wie auch andere ältere Mitbürger keinen Namen nennen. Die Witwe Baußmann starb vor 1960. Ihr einziger Sohn ist im Krieg vermisst. Die Erbin veräußerte das Haus. Die Familie nannte man Metzgers Baußmanns, da sie immer eine Metzgerei hatten. Das ehemalige Schlachthaus war bis vor einigen Jahren zu sehen. Karl Baußmann war ein Bruder von dem Baußmann, dem das Gasthaus Drehscheibe gehörte.

Das Haus ist ein schönes Barockhaus. Das Erdgeschoß ist mit Feldsteinen gemauert. Das gesamte Obergeschoß ist in Fachwerk konstruiert. An der, der Straßenseite zugewandten Hauswand ist das Obergeschoß besonders schön mit wertvollem Fachwerk ausgestattet. Man kann viermal den „Wilden Mann“ erkennen, eine besondere Gestaltung des Fachwerkes. Im Fachwerk ist die Jahreszahl 1729 zu sehen.

Das Haus soll 1724 errichtet worden sein, so verrät uns die Zahl über der Eingangstür. Heute gehört es Prof. Renner, der im Keller einen Stein mit der Datierung von 1571 entdeckt hat. Auch in anderen Anwesen hat man Steine mit älteren Datierungen gefunden. Man kann davon ausgehen, dass diese Häuser nach dem 30jährigen Krieg oder dem Pfälzer Erbfolgekrieg zerstört waren und basierend auf den Mauerresten wieder errichtet wurden.

 

Das Aussehen des Hauses, wie wir es heute noch sehen können, entspricht der Bauweise Anfang des 18. Jahrhunderts. Nur der Anbau, den man von der Straße aus rechts des Hauses sehen kann, wurde von der Fam. Baußmann als Laden für ihre Metzgerei erbaut.

 

Rathausstraße 19, Haus auf der linken Bildseite; Haus rechts: Ravengiersburg 1

Rathausstr. 19

Steht unter Denkmalschutz

Heutige Besitzerin ist Frau K., geb. V., die es von ihrer angeheirateten Tante Margarethe B., geb. Enk geerbt hat. Die Familie Enk war nicht Erbauer des Hauses, sie kam erst Ende des 18. Jahrhunderts als Lehrer nach Frei-Laubersheim.

Auf dem Sturz der zweiflügeligen Kellertür war eine Jahreszahl um 1720 eingraviert, die aber heute leider nicht mehr zu erkennen ist. Ebenso ist heute der Anfangsbuschstabe „W“ des Nachnamens des Erbauers nicht mehr zu erkennen. Dieses "W" stand für "Waldbott" - zum Teil auch "Walpot" geschrieben.

Einst war dieses Gehöft das Gasthaus „Zum Römer“. Der Saal war durch eine Außentreppe, die vom Hof hinaufführt, zu erreichen. Von Außen sind drei Fenster des Saales zu sehen. Das gesamte Anwesen ist eine barocke Hofanlage. Das Haus ist nicht unterkellert. Wie fast alle Fachwerkhäuser im Dorf ist das untere Stockwerk aus Feldstein ( Porphyr ) gemauert, das obere besteht aus Fachwerk. Rechts neben dem Tor auf der Straße waren ein großer Stein und Ringe in die Mauer eingelassen. Auf diesen großen Stein wurde das Futter für die Pferde gestellt, wenn der Fuhrmann an der Gaststätte eine Pause machte. Die Straße hieß bis nach dem Zweiten Weltkrieg „Am Römersberg“ (Remersberch).

Bis in die 50er Jahre, als die alte Frau Enk verstorben war, befand sich in dem Haus linke Seite vom Flur Richtung Hof ein Alkoven. Als Schwiegersohn Heinrich Baußmann 1952 Bürgermeister wurde, nutzte er ein großes Zimmer dieses Hauses für ein paar Jahre als Amtszimmer, da sich in den Amtsräumen des Rathauses noch Flüchtlinge aufhielten. Danach war das Haus vermietet.

Kirchenpforte 4

Das Haus ist nach dem Aussehen der oberen Etage im Barockstil erbaut. Auf dem Sturz an der Eingangstür steht die Jahreszahl 1734. Es ist aber anzunehmen, dass das Kellergeschoß, das von der Straßenseite in Raumhöhe zu sehen ist, älter ist.

Wahrscheinlich wurde das Haus im Pfälzer Erbfolgekrieg zerstört. Auch das Aussehen des Hauses ist eher der Zeit nach 1700 zuzuordnen. Der heutige Besitzer, Herr Zeiler, hat auf einem eingebauten Eichenbalken die Inschrift gefunden" Iohannis Valentinus Lamprecht [es folgt das Unendlichzeichen für verheiratet mit..] Margaretha Elisabetha Anno 166[?] " . Das Haus war Wohnstätte des „Simmerischen Inspektors“. Ein Mattheiß Linckentein wird 1684 als Schäffer = Verwalter (Schäffer bedeutet: Er schafft & befehlt)in der Huldigungsliste erwähnt.

Zu dem Haus gehört neben anderen Ökonomiegebäuden auch ein großer Keller, der laut Mathes als Zehntkeller gedient haben soll. Dieser Keller ist irgendwann wahrscheinlich bei einer Erbteilung geteilt worden, da ein Teil zum Haus Zeiler gehört, der andere Teil zu Fam. Mathes/ Fröhlich.

Er kaufte es von der Familie Mathes, die man die „Schwonewirts“, also die „Schwanenwirte“ nannte. Das Gasthaus „Zum Schwanen“ war das Haus Rathausstraße 22, heute Weingut Vogel-Friess. Die Familie Mathes war dort der Erbbeständer, d.h., sie hatte das Recht, den Hof in Pacht von Generation zu Generation zu behalten.

Rathausstraße 22 erstes Haus auf der linken Bildseite anno 1939; ehem. Hofgut des Ravengiersberger Klosters.
Anno 2011 aufgenommen aus der entgegengesetzten Richtung

Rathausstr. 22

Der Hof ist eine große fränkische Hofreite mit Torhaus. Aufgrund einiger Renovierungen ist von dem ursprünglichen Aussehen des Hauses nichts mehr erhalten.

Das Anwesen gehört heute der Familie Vogel-Frieß. Nach Pfarrer Mathes war es ehemals die Hofreite des Hofguts, das dem Kloster Ravengiersburg gehörte. Fam. Mathes waren die Erbbeständer. Da das Anwesen schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verkauft wurde, muss es Fam. Mathes vermutlich gekauft haben. Da diese Familie dann hier eine Gastwirtschaft betrieb, das Gasthaus hieß „Zum Schwanen“, wurden sie auch „Schwonewirts“ genannt (siehe auch oben die Ausführungen zur „Kirchenpforte 4“). 1807 wird Heinrich Mathes als Gastwirt erwähnt.

Die Familie war auch noch in diesem Hause, als sich hier Ende des 18. Jahrhunderts der „Schinderhannes“ bei einer Tanzveranstaltung unerkannt vergnügte, bis eine Polizeistreife kam, um ihn festzunehmen. Er soll mit einem Sprung aus dem Saalfenster entkommen sein (der Saal befand sich in der 1. Etage).

Über dem Türsturz im Hof ist die Jahreszahl …-1712 – M eingemeißelt und über einer Kellertür im Sturz …-1734 –M. Vor den Jahreszahlen kann man den Buchstaben nicht erkennen. Somit ist davon auszugehen, dass das Hofgut schon Anfang des 18. Jahrhunderts von der Familie Matthes gekauft war und wahrscheinlich das Haus neu aufgebaut wurde.

In welchem Jahr es dann die Familie Vogel kaufte, ist mir nicht bekannt. Später wurde es an die Familie Sponheimer verkauft, nachdem Margaretha Vogel, geb. Waller, 1853 verstorben war. Danach gelangte es durch Heirat an die  Familie Eppelmann. Peter Eppelmann (1858 - 1916) hatte 1886 Katharina Sponheimer (1863 - 1920) geheiratet.

Es gab im 19. Jahrhundert ca 20- 30 Jahre lang ein Gesetz, in dem bestimmt wurde, dass das Vermögen des verstorbenen Elternteils für die Kinder sichergestellt werden musste, wenn von der verstorbenen Person Geld in eine Immobilie oder ein Grundstück eingeflossen ist. So ist nur der Verkauf zu erklären. Ein Sohn des Ehepaares hat, als er erwachsen war, sofort ein Anwesen gekauft und ein neues Haus erbaut.

Ein Nachkomme des Ehepaares Vogel-Waller hat dann Anfang des 20ten Jahrhunderts eine geb. Eppelmann geheiratet, so dass es heute wieder in Besitz der Fam. Vogel ist, die das Haus mit ihren Nachfahren auch bewohnen.

 

Kirchenpforte 3

Das Haus war das ehemalige Wohnhaus der katholischen Lehrer. Auch die Unterrichtung der katholischen Kinder fand in diesem Gebäude bis zum Neubau der Schule 1884 statt. Das Haus war im Eigentum der zivilen Gemeinde. In einer alten Schrift aus der Gegenreformation heißt es „in weiser Voraussicht hat die Gemeinde schon für eine Wohnung für einen Katholischen Lehrer gesorgt“. (Es war die Zeit der Gegenreformation Mitte des 18. Jahrhunderts; sonst hätte man sie gezwungen, das Haus des ev. Lehrers abzugeben.)

 

Kirchenpforte 5

Steht unter Denkmalschutz

Das Haus soll das ehemalige Kaplaneihaus des Kloster Tholeys sein. Es ist ein eingeschossiger barocker Mansardenbau, der Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut wurde.

Das Kloster Tholey führte in der Zeit der Gegenreformation einen Mönch als Probst (Pfarrer) hier ein und entsandte auch einen Kaplan. Im Verhältnis zur Größe der katholischen Glaubensgemeinschaft war dies ein großer Aufwand, den sich das Kloster Tholey leistete, da nur vier Einwohner der Gemeinde und sechs Beisassen (Knechte und Mägde) katholischen Glaubens waren.

Da aber Tholey einige Jahrzehnte später den Kaplan wieder abzog, kam das Haus vermutlich in den Besitz der Gemeinde, denn es war bereits Mitte des 18. Jahrhunderts das Haus des evangelischen Lehrers zu Frei-Laubersheim. Auch die Schule der evangelischen Kinder des Dorfes befand sich in diesem Haus. Der Schulsaal befand sich linker Hand der Eingangstür, heute sind dies 2 Zimmer. Nach dem Bau des neuen Schulgebäudes 1880 in der Nikolausgasse, heute Schulstraße, war es bis 1962 bewohnt. Heute gehört es der Familie Mildenberger.

 

Kirchenpforte 7

Ehemaliger katholischer Pfarrhof

Das heute noch in seinem ursprünglichen Aussehen erhaltende Haus wurde als barockes Wohnhaus erbaut. Das alte Pfarrhaus, das seit der Reformation den Reformierten gehörte und bei der Gegenreformation mit Zwang der reformierten Gemeinde entwendet wurde, hatte man abgerissen und ein Neues, wahrscheinlich an gleicher Stelle erbaut.

Die Kurfürsten Johann Wilhelm und Johann Philipp, die aus der konvertierten Neuburger Linie der Wittelsbacher stammten, hatten mit Hilfe von französischen Soldaten die Gegenreformation in der Kurpfalz durchführen wollen. Zu der Hofanlage gehörte eine Scheune, kleinere Viehställe und ein großer Garten, der mit einer hohen Steinmauer vom Kirchhof abgetrennt war.

Über der Eingangstür des Wohnhauses ist ein Wappen zu sehen. Das Wappen ist unterteilt in vier Felder. In zwei Feldern befindet sich jeweils ein Rabe, in den beiden anderen zwei Lilien (der Bourbonenlilie gleich). Dieses Wappen führte auch das Kloster Tholey. Ein französischer Historiker hat mir gesagt, wenn in einem Wappen die Bourbonenlilie zu sehen wäre, so wäre die Person ein Verwandter des französischen Königshauses gewesen. Der damalige Abt von Tholey zur Zeit des Baus hieß de Roussell.

Das Kreuz links neben dem Tor wurde 1814 erbaut.

Das heutige schöne Treppenhaus wurde erst später an dieser Stelle errichtet. Vorher war eine einfache Treppe neben der Küche vorhanden, die ins erste Stockwerk führte. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Pfarrhof verkauft. Eine Familie Hannemann aus dem niedersächsischen Nienburg erwarb das Anwesen. Später kaufte es der jetzige Besitzer Herr Herrmann.

 

Philipp-Wehr-Str. 3

Steht unter Denkmalschutz

Das spätbarocke Fachwerkhaus ist im unteren Stockwerk aus Steinen erbaut, die erste Etage aus Fachwerk. Die Jahreszahl 1763 steht auf einem Fachwerkbalken nach der Straßenseite zu. Wahrscheinlich ist das auch das Baujahr des Hauses. Es gehört heute einer Familie Berg. Ein Herr Berg, der nicht aus unserem Dorf stammte, hatte die Tochter des Hauses, eine geborene Paulus, geheiratet. Herr Paulus war ein angesehener Schreinermeister. Vermutlich war dieses Hauses schon immer ein Handwerkerhaus und kein bäuerliches Anwesen gewesen, da die Ökonomiegebäude fehlen.

 

Philipp-Wehr-Str. 5

 

Das Haus wurde im Stil der Gründerzeit 1904 errichtet. Möglich ist, dass es ein so genanntes Blendsteinhaus ist, das heißt, es wurde aus Feldsteinen errichtet und dann wurde die Fassade mit Backsteinen verkleidet. Die Fensterrahmen und Verzierungen sind sehr kunstvoll ausgestaltet. Das Haus gehörte einem Fräulein Baußmann. Fräulein Baußmann war mit Bürgermeister Baußmann und Familie Sponheimer verwandt. Es waren keine größeren Ökonomiegebäude vorhanden, sondern nur eine kleine Scheune. Auf diesem Grundstück soll vorher der Leyengarten gewesen sein. Der Begriff „Leyengarten“ kennzeichnet, dass dieses Grundstück vorher einer Familie Leyen aus Kreuznach gehört hatte.

 

Philipp-Wehr-Str. 22

Steht unter Denkmalschutz

Auch dieses Haus wurde im spätbarocken Stil Ende des 18. Jahrhunderts errichtet. Auf der Toranlage steht 1774.

Das untere Stockwerk besteht aus Feldstein, das obere Stockwerk aus Fachwerk. Vermutlich hat es eine Familie Fasig erbaut. Nachkommen der Familie Fasig in diesem Haus waren durch Heirat Familie Gilbert und später ebenfalls durch Heirat die Familie Matthes. Die Familien waren Landwirte und Winzer. Die zwei Töchter der Fam. Mathes heirateten in die Familie Sponheimer. Die Nachkommen der Familien veräußerten den Hof Mitte des 20zigsten Jahrhunderts. Von den alten Ökonomiegebäuden steht heute nichts mehr.

 

Philipp-Wehr-Str. 29

Steht unter Denkmalschutz

Das Haus ist ein einfaches Barockhaus um 1700 am Ende einer kurzen Sackgasse erbaut. Heute ist das Haus sehr heruntergekommen. Adam Breitenbach, dessen Haus gegenüber steht, kaufte es von einer Familie Wagner. Er hatte dann das Anwesen mit einem Tor abgegrenzt. Rechts Breitenbach, ehemals links Wagner. Das Haus ist, seit es in den Besitz des Adam Breitenbach gewechselt ist, nicht mehr bewohnt. Die untere Etage wurde zeitweise als Futterküche genutzt.

 

Rathausstr. 2

Steht unter Denkmalschutz

Es ist ein barockes Fachwerkhaus, das Ende des 17. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Das Torhaus kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dazu. In der Zeit hatte die Landwirtschaft einen großen Aufschwung, so dass viele Torhäuser neu gebaut wurden. Bis 1906 gehörte das Anwesen einem Herrn Breitenbach, der 1906 ledig verstarb. Die Familie Breitenbach aus der Backhauspforte erbte es.

Die Familie Breitenbach verkaufte es später an einen Herrn Vogel, der mit Breitenbachs verwandt war. Heute gehört es Herrn Kühlken, der es von der Familie Vogel kaufte. Seit fast hundert Jahren ist es der erste Besitzer, der selbst in dem Haus wohnt.

Herr Kühlken kommt aus Norddeutschland und hat in liebevoller Detailarbeit das Haus renoviert. Auch farblich hat er es auf die lichthellen Farben des Nordens abgestimmt.

Rathausstr. 6

Steht unter Denkmalschutz

Auch dieses Haus ist ein barockes Fachwerkhaus, jedoch ohne Hofreite, da die Erbauer Handwerker waren. Das Wappen über der Eingangstür zeigt das Zeichen der Küfer. 1728 ließ es ein Angehöriger der Familie Baußmann errichten. Die dazugehörige Scheune dieser Familie soll aber im Eck bei der Hofreite von Valentin und Anna Baußmann gestanden haben. Es gehörte bis in die 60iger Jahre des 20. Jahrhunderts Mitgliedern dieser Familie. Heute gehört es einer Familie Schmidt, die aus Nordrhein-Westfalen stammt.

Es ist anzunehmen, dass die Erbauerfamilie mit den Baußmanns im gegenüber liegenden Eck (Stichstraße) verwandt waren, da das Eck unterhalb des Rathauses zur Hälfte den Baußmanns aus diesem Haus gehörte, die andere Hälfte den Baußmanns aus dem Eck.

Nach der Flurbereinigung im 4./ 5. Jahrzehnt des 20ten Jahrhundert ist diese Stichstraße der Gemeinde zugeteilt worden.

Rathausstr. 16

Steht unter Denkmalschutz

Es ist der ehemalige Hof des Altmünsterklosters zu Mainz, ein spätgotischer Massivbau, gezeichnet auf einen Fenstersims 1604 und auch 1753. Das Nonnenkloster Altmünster war im 16. Jahrhundert der größte Grundbesitzer im heutigen Rheinhessen. Besonders hervorzuheben ist, dass dieses Haus das einzige Haus in Frei-Laubersheim war, das im dreißigjährigen Krieg nicht zerstört wurde.

Im 19. Jahrhundert wurde es baulich verändert. Das Haus ist ein Steinhaus und zu diesem gehört auch ein Torhaus. Die Familie Sponheimer sollen Erbpächter auf diesem Hof gewesen sein. 1782 wurde der Altmünsterer Hof versteigert, die Familie Sponheimer kaufte es. Auch heute bewohnt die Familie noch das Anwesen.

 

Rathausstr. 19

Laut Pfarrer Matthes soll das älteste Haus in Frei-Laubersheim im oberen Rathauseck stehen. Es wurde 1602 zweistöckig erbaut. Das Erdgeschoß ist auch mit Feldsteinen gemauert, das obere Stockwerk ist in Fachwerk erstellt, das verputzt wurde. Auf einen Erlass der Obrigkeit in der Kurfürstenzeit mussten alle Fachwerkhäuser wegen Brandgefahr verputzt werden. Es gehört heute der Familie Steinmetz. Herr Steinmetz kommt aus Eckelsheim und heiratete die Tochter von Heinrich Waller. Die Familie Waller besaß das Anwesen seit den letzten Jahrzehnten des 18.ten Jahrhunderts. Die heutigen Ökonomiegebäude sind jüngeren Datums. Am Balken über dem Scheunentor steht 1802. Pfarrer Mathes schreibt in seinem Buch von diesem Haus, das Haus des Schultheißen Waller.

Als Valentin Waller, der Vater von Heinrich, einen Keller erbaute, fand er einen unterirdischen Gang, der nach der einen Seite Richtung Hammergaß (heute Rheingrafenstraße) führte, nach der andern Seite Richtung Johannisgarten. Valentin war nach jeder Richtung gelaufen. Es könnte möglich sein, dass der Gang ehemals zur Dorfbefestigung gehörte. Denn in der unbeglaubigten Überlieferung heißt es, Frei-Laubersheim soll eine Mauer gehabt haben. Häufig wurden zusätzlich zur Mauer unterirdische Fluchtgänge nach außen angelegt.

Heinrich Waller hatte in den Jahren 1935 bis 1945 einen der sechs Erbhöfe hier im Dorf. Der Hof hieß Heinrich-Margaretha-Hof.

 

Ravengiersberg 1

Das Haus ist ein typisches Haus, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Rheinhessen erbaut worden ist. Solcherart Häuser stehen hier in der Rheinhessischen Schweiz sehr viele, oftmals auch größere, aber meistens ist das Dachgesims und die Sandsteinfrieße einfacher ausgestattet. Original waren die Fensterrahmen an diesen Häusern immer weiß gestrichen, die Fensterläden ebenso.

Paul Waller hatte das Haus sowie die Stallungen erbaut. Er zog 1877 mit seiner frisch angetrauten Frau ein. 1914 wurden dann der Weinkeller und die Scheune errichtet. Das Haus ist aus Porphyrsteinen gemauert. Die der Straße zugewandte Seite ist aus gehauenen Steinen gemauert. Die Fenster- und Haustürumrandungen sind aus Sandsteinen. Die Straßenseite ist mit Sandsteinfriesen verschönert. Das Dachgesims ist nicht einfach verbrettert, sondern das Holz ist fein ausgezackt. Das Haus ist nicht unterkellert. Es steht auf einem Felsen. Der Speicherboden war mit dicken grauen Platten belegt. Der Erbauer selbst war ein Nachkomme des Niclas Waller, der das Haus Philipp-Wehr-Str. 4 erbaute. Sein Sohn Wilhelm hatte einen der sechs Erbhöfe in der Zeit von 1935 bis 1945. Er hieß Wilhelm-Philippina-Hof. Eine Urenkelin verkaufte das Haus 1970. Ca 20 Jahre später hat es Peter Frey gekauft, der auch heute noch der Besitzer ist.

 

Kirchenpforte 2

Ein Cousin von Paul Waller, Herr Heinrich Vogel, errichtete 1872 das Haus Kirchenpforte 2. Der Erbauer nahm 1870/71 am deutsch-französischen Krieg teil. Das Haus ist ähnlich gebaut wie „Am Ravengiersberg 1“. Auch hier sind die Sandstein- und Holzarbeiten sehr schön ausgeführt. Der Urenkel des Erbauers Klaus Rheinstädtler bewohnt es heute noch. Bevor Herr Vogel hier sein Haus baute, hatte eine Familie Matthes auf dem Gelände ein Haus stehen. Sie waren von Beruf Schmied, weswegen sie im Dorf „Schmittjaabs“ genannt wurden. (Jaab = Jacob). Um 1800 war Philipp Matthes Schmiedemeister in Frei-laubersheim.

Die Esse (der Abzug) der Schmiede wäre noch zu sehen, so hat mir die Enkelin des Erbauers Frau Rheinstädtler erzählt.

 

Kirchenpforte 1

Das Haus Kirchenpforte 1 ist das ehemalige Tholey´sche Hofhaus. Es ist ein mächtiges Steinhaus, das nur teilweise unterkellert ist. Im 7. Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts hat es wahrscheinlich das Bankhaus Sailer-Schneegans aus Kreuznach von Tholey gekauft. Wie es in den Annalen heißt, wäre es 1772 verkauft worden. Die Familie Sailer-Schneegans veräußerte es 1826 an Johann Wilhelm Waller, der es für seinen erstgeborenen Sohn Valentin kaufte. Valentin und seine Frau, eine geborene Baußmann, erbauten den sehr schönen Kreuzgewölbestall, der mit Porphyrsteinen hochgemauert ist. Die Kreuzgewölbeställe, ein Baustil, den es nur hier in Rheinhessen und den angrenzenden Gebieten der Pfalz gibt, wurden alle zwischen 1832-68 erbaut. Der Großherzog aus Darmstadt hatte einem Maurermeister aus Kirchheim-Bolanden den Auftrag gegeben, Ställe zu entwickeln, die für ein gesundes Klima der Tiere sorgen sollten.

Eine der Töchter von Valentin Waller mit dem Namen Annemarie hatte den Lehrer Becht aus Gundersblum geheiratet, der hier zeitweise seinen Beruf ausübte. In diese Zeit um 1870 ist das Haus mit größter Wahrscheinlichkeit im zweiten klassizistischen Stil renoviert worden. Auf einer alten Photographie konnte man die Details der Renovierung erkennen. Leider ist der klassizistische Baustil an dem Gebäude nicht mehr zu erkennen. Die nachfolgenden Renovierungen gaben dem Gebäude ein anderes Erscheinungsbild.

Der Enkel Valentin Wallers, Johann Waller war mit einer geborenen Lahr verheiratet und vererbte den Hof an die Verwandten seiner Frau, Familie Görtz. Die Familie bewohnt heute noch das Haus. Johann Waller hatte zwischen 1935 und 1945 einen der sechs Erbhöfe besessen. Dieser Erbhof hieß „Johann Karolinenhof“.

 

Rathausstraße 1, im Vordergrund der Röhrenbrunnen
Rathausstraße 1 in Blickrichtung Haus Kirchenpforte 2

Rathausstr. 1

Das Haus ist ein sehr schönes barockes Wohnhaus, das 1782 erbaut wurde. Die Ökonomiegebäude sind der Anordnung nach zu urteilen, nach und nach hinzugekommen. Bis Mitte der fünfziger Jahre des 20ten Jahrhundert war links vor dem Torgebäude der Kuhstall. Dort, wo sich heute der Platz vor dem Bürgerhaus befindet, befand sich ein kleiner Garten, der mit einem weißgestrichenen Lattenzaun zur Straße hin abgegrenzt war. An der Stelle, wo man heute das vor ca. 15 Jahren neu erbaute Bürgerhaus sehen kann, stand ehemals die alte Zehntscheune. Familie Baußmann, denen das schöne Barockhaus gehörte, kaufte die Zehntscheune und baute sie höher. Auf der linken Seite des Hoftores befand sich bis Mitte der 1960iger Jahre der Kuhstall, also vor (!) dem Wohnhaus, was nicht üblich war. Dieser Stall hatte eine Kreuzgewölbedecke. Ställe mit einer solchen Decke wurden erst ab 1833 errichtet.  (Siehe dazu auch die Erläuterungen zur Hofreithe Kirchenpforte1). Um 1955 wurde dann der Kuhstall als Wohnzimmer ausgebaut. Heinrich Baußmann der letzte Eigentümer aus der Familie war von 1952-1970 Bürgermeister der Gemeinde. Seine Frau war eine geborene Enk aus dem Haus Rathausstr. 19, früher „Gasthaus zum Römer“. Seine Mutter war eine geborene Baußmann aus dem Haus Backhauspforte 13, „Meyersch“ genannt und mit den Baußmanns vom Plan verwandt. Eine Cousine Heinrichs und Nichte seiner Frau erbte das Anwesen. Heinrich und seine Frau hatten keine Kinder. Der Bruder seines Vaters hatte nach Fürfeld geheiratet. Sowohl der Großvater, als auch der Urgroßvater waren auch beide Bürgermeister der Gemeinde, so dass die Familie im Dorf „Bermeesters“ (Bürgermeisters) genannt wurde.

Die Erben haben das Anwesen an die Ortsgemeinde verkauft. Die Gemeinde veräußerte es an die Familie Libor. Herr Libor war in der siegreichen Olympiamannschaft im Segeln von 1968 und 1972. Frau Libor organisiert Wohltätigkeitsevents für die Childhood Organisation der Königin Silvia von Schweden. Familie Libor renovierte das Haus und baute die Wirtschaftsgebäude zu Wohnräumen um.

Warum man das Haus nicht an die Straße gebaut hat, ist nicht zu ersehen. Das Haus Fasig-Mattern in der Fronpforte 3 hat ein ähnliches Aussehen, was auch dem aus der gleichen Zeit stammenden Baustil zu entnehmen ist. Der Hof ist auch dort vor dem Haus.

Backhauspforte 3

Das Haus ist heute im Besitz der Familie Breitenbach, die es seit 1835 bewohnt. In diesem Jahr kaufte es die Familie Breitenbach von der evangelischen Kirchengemeinde. Es war das Ehepaar Valentin Breitenbach und Philippina Margaretha, geb. Waller. Die heutige Scheune ist um 1900 erbaut worden. Erbauer waren Jakob Breitenbach und Elisabetha Waller.

Wie Gunter Breitenbach erwähnte, kann man anhand der Mauern erkennen, dass das Haus vor 1728 früher einmal mit der Stirnseite nach der Straße hin stand. Man kann vermuten, dass das Ursprungshaus im dreißigjährigen Krieg (1618-1648) oder im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1689-1698) zerstört worden war.

Er hat auch die Jahreszahl (erbaut oder erneuert 1728 gefunden). 1749 hatte die reformierte Gemeinde Frei-Laubersheim es als Pfarrhaus gekauft. Fast alle Bewohner der Gemeinde waren zu dieser Zeit reformiert. Allen Bemühungen seit Anfang der Gegenreformation 1690 zum Trotz ist kein Einwohner von Frei-Laubersheim konvertiert.

Ca. 50 Jahre hatte die reformierte Gemeinde kein Pfarrhaus, da man ihr das alte Pfarrhaus mit Gewalt entrissen hatte. Das Haus ist im Erdgeschoß mit Feldsteinen erbaut und nicht unterkellert. Das erste Stockwerk ist mit Fachwerk errichtet. Die Decken der beiden Räume links und rechts der Eingangstür waren bis in die zweite Hälfte des 20ten Jahrhunderts mit Stuck ausgestattet. Möglich ist, dass das Haus, als es Pfarrhaus wurde, damit verschönert wurde. Es war ja noch die Zeit des ausgehenden Barocks und für „die Pfarrers“ ist auf den Dörfern ja vieles gemacht worden.

Bis 1962 gehörte ein Garten dazu. Auf diesem Grund wurde ein Wirtschaftsgebäude errichtet. Bis der Garten bei späteren Umbauten ganz verschwand.

 

Backhauspforte 1

Das Haus ist in der Gründerzeit erbaut und hat dementsprechend hohe Wohnräume. Es ist ein so genanntes Blendsteinhaus; das heißt, es wurde mit Bruchsteinen gemauert und mit Klinker (Blendsteinen) besetzt.

Die Familie Baußmann errichtete das Haus. Im Dorf wurde diese Familie Baußmann, aufgrund des häufigen Vorkommens dieses Nachnamen nach ihrem Beruf „Bäcker-Wilhelms“ genannt. Sie waren mit der Familie Gerlach verwandt, denen das Haus, das dort vorher stand gehörte.

Rechts von dem Tor befindet sich über einem Keller ein großer Raum, daneben rechts ist eine Stichstraße von der Rathausstraße. Der Raum wurde in den 50iger Jahren des 20igsten Jahrhunderts teilweise als Getreidespeicher genutzt. Im vorderen Teil haben wir Kinder manchmal gespielt. Gretchen und Minchen Baußmann, die beiden Tanten von Reta Baußmann, sagten zu diesem Raum nur „das Backes“ oder „der Bau“. Über der Eingangstür steht die Jahreszahl 1822 und die Anfangsbuchstaben des Namens V.G. (Valentin Gerlach).

Es war das Backhaus der Gemeinde und, wie erzählt wurde, auch die Spinnstube. Der Treffpunkt an den Winterabenden der Einwohner des Ortes. 1776 war ein Johan Peter Gerlach der Gemeinde Bäcker. Er kam 1760 als Bäckermeister aus Hahnheim und heiratete Anna Margarethe Waller.

 

Fronpforte 2

Schräg gegenüber von der Backhauspforte 1 steht ein barockes Bauernhaus mit einer fränkischen Hofreite, noch ziemlich im Original erhalten. Vermutlich wurde das Haus im 17. Jahrhundert erbaut oder wiederaufgebaut. Nach einem Krieg, ob es der dreißigjährige (1618-1648) oder der Pfälzer Erbfolgekrieg (1689-1698) war, ist nicht bekannt, war das alte Haus so zerstört, so dass ein „Hollerbusch“ (Holunderbusch) in einem Raum gewachsen war.

Wie die heutige Besitzerin, Frau Schneider, mir sagte, wäre eine Haustür dort gewesen, wo heute das mittlere Fenster ist. Außerdem ginge auch eine Tür an der Stirnseite hinaus. Heute steht das Nachbarhaus Rathausstraße 26 auf dieser Seite. Die Familie Ciosz hat dieses Haus von einer Familie Machemer erworben. Die Besitzer der Fronpforte 2 hießen schon im 19. Jahrhundert Machemer. Die heutige Besitzerin, Frau Schneider, teilte mit, dass auf der Seite, die heute dem Nachbarhaus Ciosz zugewendet ist, die Küche gewesen wäre.

Aus alten Erzählungen weiß auch ich, dass die Küche auf der Straßenseite gelegen war und die Dorfjugend hatte, nachdem ein Schwein geschlachtet worden war und die Wurst auf dem Spülstein zum Abkühlen lag, sich Würste vom Spülstein durch eine Öffnung zur Straßenseite geholt. Diese Öffnung war größer als der heutige Wasserabfluss eines Spülsteines.

Das Hoftor hatte ein Rundbogen, wie es in der Barockzeit zu Beginn des 18. Jahrhunderts üblich war. Nach Erzählungen von Frau Schneider hätte man diesen Bogen abgerissen und das Hoftor verbreitert, da man mit dem Erntewagen nicht so gut um die Kurve gekommen wäre. Über der Toranlage auf einem Schlußstein wäre ein Wappen gewesen. Der Stein mit dem Wappen wäre rechts von dem Tor mit dem Wappen nach innen eingemauert.

 

Fronpforte 4

Direkt daneben steht ein altes Bauernhaus, das ehedem einer Familie Baußmann gehörte. Es ist auch eine original fränkische Hofreite. Das Haus selbst dürfte älter sein als das Nachbarhaus der Frau Schneider; es wurde wahrscheinlich vor dem dreißigjährigen Krieg (1618-1648) errichtet. Am Schweinestall kann man die Jahreszahl 1556 finden. Der Stein wurde an einer Mauer entdeckt und 1949 am Schweinestall eingemauert. Wo dieser Stein herkommt ist Frau Fröhlich nicht bekannt. Er muss einem früheren Gebäude zugeordnet werden, das auf dem Grundstück stand.

Die heutige Besitzerin Frau Fröhlich, geb. Mathes, ist der Ansicht, dass der Jahresstein ursprünglich an einem anderen Ort eingemauert war. Vermutlich hat sich der Standort des Jahressteines durch Kriegswirren und Zerstörungen verändert. Oftmals wurden die Gebäude nach solchen Ereignissen schnellst möglichst wieder aufgebaut, ohne Ursprungsformen oder ästhetische Belange hinreichend berücksichtigen zu können.

Über dem Kellertor auf einem Sandstein ist folgende Inschrift eingehauen:

„J.P 1754 B.“

Die gleichen Annalen sind auch auf dem Balken, der das Scheunentor begrenzt, erhalten. Hier ist die Jahreszahl 1759. Es ist anzunehmen, dass der Erbauer dieser Scheune und des Kellers ein Johann Peter Baußmann war. Die Vorfahren von Frau Fröhlich hießen Baußmann und waren die Besitzer dieser Hofreite.

Dieses Haus hat hinter der Scheune einen Garten. Da Frei-Laubersheim ein Runddorf war, waren in dem jeweiligen Kern eines solchen Runddorfes regelmäßig Gärten zur Sicherung des täglichen Bedarfs.

 

Fronpforte 8

Direkt neben dem Haus Fronpforte 4 ist das Haus Fronpforte 8. Dieses Haus gehört der Familie Bernhard. Auch in diesem Haus sind die Wohnräume sehr niedrig.

Nach der niedrigen Etagenhöhe und nach den Fenstergrößen zu urteilen, scheint es auch im 16. Jahrhundert errichtet worden zu sein. An dem Sandsteinsturz, der in den Keller, der direkt neben dem Haus liegt, führt, ist die Jahreszahl 1584 eingemeißelt.

Der Garten dieses Hauses grenzt wiederum an den Garten der Fronpforte 4 (Haus Fröhlich).

 

Erläuterungen zu dem historischen Familien in Frei-Laubersheim

Die Familiennamen, die ich erwähnte, sind Namen, die es schon im 17. Jahrhundert und teilweise früher in Frei-Laubersheim gab.

 

Familie Walpot (Waldbott/Waldboth)

Familie Walpot (Waldbott) kamen 1610 aus den Niederlanden. In den weiblichen Linien sind sie heute in etlichen Familien in Frei-Laubersheim vertreten.

Einige der männlichen Familienmitglieder waren Schultheiße des Dorfes. 1652 wird ein Konrad Walpot als Schöffe erwähnt, der später auch Schultheiß war. Der Name wird ab 1674 als „Waldboth“ geschrieben.

 

Familie Mathes

Eine Frau Mathes (nach Angaben der Quellen wird sie als „Seuerin“ bezeichnet) wird 1692 in der Huldigungsliste (=Steuerliste) erwähnt. Ein Johannes Mathes wird 1673 bis 1674 in der Huldigungsliste erwähnt. Die Familie war ehemals mit vielen Linien in Frei-Laubersheim ansässig. Heute sind nur noch die weiblichen Linien vorhanden. Karl Heinz Mathes ist als letzter Namensträger im Ort 1994 gestorben.

 

Familie Sponheimer

In der Huldigungsliste 1652 ist ein Johannes Sponheimer als Schöffe erwähnt. Die Familie soll aber im 16. Jahrhundert schon hier gewohnt haben. Der Name „Sponheimer“ sei der älteste Name im Dorfe, der auch heute noch in der männlichen Linie existiert.

 

Familie Waller/ Weller

Niclas Waller ist das erste Mal 1670 erwähnt bei der Geburt seines Sohnes Wilhelm. In der Huldigungsliste 1673/1674 ist Niclas Waller erwähnt, 1705 als Gerichtsmann. Der letzte Namensträger in Frei-Laubersheim war Wilhelm Waller . der 1972 mit fast 85 Jahren verstorben ist. Die weibliche Linie besteht im Dorfe weiterhin. Sie sind fast in allen ansässigen alten Familien in Frei-Laubersheim vertreten. Ab 1689 gab es eine weitere Familie Waller. Beide Familien sind nicht miteinander verwandt.

 

Familie Fasig

Ein Petter Fässig (Fasig) ist in der Huldigungsliste 1673/1674 erwähnt. Er ist aber 1670 schon aufgeführt, als sein Sohn Johannes geboren wurde. Der letzte Namensträger Franz Fasig ist 1957 mit 96 Jahren verstorben. Er hatte die weiße Fahne 1945 getragen, als Frei-Laubersheim von den Amerikanern beschossen wurde. Wenn eine weiße Fahne gehisst wird, muss die Kampfhandlung sofort eingestellt werden. Weibliche Linien sind auch heute noch in etlichen Familien in Frei-Laubersheim vorhanden.

 

Familie Breitenbach

Um 1700 gab es einen Breitenbach, der Klöckner in der Gemeinde war. Auf der Huldigungsliste 1673/74 sind ein Paulus und Johannes Breitenbach erwähnt. Der Familiennahme ist heute noch in Frei-Laubersheim vorhanden.

 

Familie Baußmann

Ein Johannes Baußmer und ein Best Baußmer sind auf der Huldigungliste schon 1652 erwähnt. Später wird die Familie als „Baußmann“ geschrieben. Die Familie soll aber schon vor dem dreißigjährigen Krieg in Frei-Laubersheim ansässig gewesen sein. Es soll in Frei-Laubersheim zwei Familien mit diesem Familiennamen gegeben haben, die nicht miteinander verwandt sind. Aus einer Familie lebt noch ein Namensträger. Weibliche Linien bestehen noch in vielen Familien des Ortes.

 

Familie Vogel

Ein Dietrich Vogel wurde 1672 als Pate des zweiten Sohnes von Niclas Waller erwähnt. Er selbst war Bäckermeister & verheiratet mit einer Anna Maria Sponheimer. Eine „Seuerin“ Vogel steht in der Huldigungsliste 1652. Es existieren zwei Familien Vogel in Frei-Laubersheim, die nicht miteinander verwandt sind. In beiden Familien gibt es weiterhin Namensträger.

 

Familie Eppelmann

Ein Jakob Eppelmann steht auf der Huldigungsliste von 1652. Letzter Träger des Namens war Wilhelm Eppelmann, der 1967 verstarb. In den weiblichen Linien gibt es auch heute noch Nachkommen.

 

Familie Wagner

1684 wird ein Hans Simon Wagner erwähnt. Der Name Wagner existiert heute noch im Ort. Da es ein so genannter Berufsname ist, ist nicht anzunehmen, dass es dieselbe Familie ist.

 

Familie Bernhardt

Ein Jakob Bernhardt steht in der Huldigungsliste von 1684. Die Nachkommen dieser Familie leben heute noch im Dorf auch in männlicher Linie. Der Name Bernhardt existiert also weiterhin. Nach Darstellung von Herrn Christian Wilhelm Bernhard soll die Familie aus Brabant oder Wallonien gekommen sein.

 

R. Partenheimer

2011