Fürfeld in Rheinhessen

Geschichte des Hof Iben in Fürfeld

Die ehemalige Wasserburg des Templerordens im Appelbachtal wird im Jahr 1258 erstmals erwähnt. Dass die ursprünglichen Besitzer kreuzfahrende Templer waren, zeigt sich unter anderem auch im Namen. Es ist möglich, dass die Bezeichnung "Iben" auf den Namen der strategisch wichtigen Kreuzfahrerburg "Ibelin", lat. Ibenium im heiligen Land zurückgeht.

Dass die Templer gerade hier eine Komturei errichteten, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass sich in unmittelbarer Nähe zwei Fernwege kreuzten. Auf der Website der Gemeinde Fürfeld in einem historischen Beitrag zum Hof Iben wird dieser Frage ausführlicher nachgegangen.

Neben der Bewirtschaftung der Güter dienten Komtureien der Templer auch der Versorgung ihres Einsatzes im Heiligen Land sowie der Anwerbung neuer Ordensmitglieder.

Der Laienorden war personell nicht besonders stark, worauf auch bauliche Spuren hinweisen. So war der Zelebrantensitz an der Südwand lediglich für zwei Personen konzipiert.

Nach der Auflösung des Templerordens durch Papst Clemens V. im Jahr 1312 befand sich die Burg im Besitz verschiedener Adelsfamilien (Raugrafen von Altenbaumburg, Marschälle von Waldeck). 1481 wird die Burg in einer Urkunde als Lehen des Erzstiftes Trier geführt. Die Reste der Anlage werden heute von einem Bauerngehöft umschlossen und befinden sich in Privatbesitz, die Kapelle untersteht allerdings heute der GDKE (Generaldirektion kulturelles Erbe - Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer).

Burg- und Templerkirche

Chor der Templerkapelle im Hof Iben.[Bild: Gemeinfrei]

Der Bau einer Kapelle in einer Burganlage ist nicht weiter verwunderlich, zumal die Templer als geistlicher Ritterorden auch religiösen Pflichten nachzukommen hatten. Ihre Errichtung wird allgemein um 1240-1250 angenommen, womit sie zu den ältesten gotischen Kirchenbauten in Deutschland gehört. Kunsthistoriker haben außerdem eine stilistische Nähe verschiedener Archiktur- und Ausstattungselemente zu den Werke des sog. "Naumburger Meisters", der unter anderem auch den Westlettner im Mainzer Dom schuf, festgestellt. Dies lässt vermuten, dass derselbe persönlich bzw. ein Schüler oder Mitarbeiter an der Kapelle gewirkt hat.

Das romanische Langhaus der Kirche wurde 1832 abgerissen, so dass heute nur noch der gotische Chor erhalten ist. 1870 erwarb der Großherzog von Hessen(-Darmstadt) die Kapelle und ließ sie 1876 erstmals renovieren. Weiter Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten folgten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und zwischen den Jahren 1957-1974. Ab 1949 unterstand das Gebäude der staatlichen Schlösserverwaltung, von 1998-2007 den Burgen, Schlösser, Altertümer unter dem Dach des Landesamtes für Denkmalpflege, welches heute Teil der GDKE Rheinland-Pfalz (siehe oben) ist.

Nachweise

Verfasser: Dominik Kasper; Richard Ulrich

Literatur:

Erstellt: 25.10.2010