Hochborn in Rheinhessen

Ortsbefestigung Hochborn

Luftbildaufnahme der Gemeinde Hochborn[Bild: Alfons Rath]

Wie die Nachbargemeinden verfügte auch der Ort Hochborn, der im Mittelalter anno 1304 noch "Blidensheim" hieß, über einen sogenannten - das ganze Dorf umsäumenden - "Bandtzaun",  auch "Bannzaun" genannt. Er begrenzte die Siedlung gegen die umliegenden Äcker und bot außerdem Schutz nach außen, zum Beispiel zur Abwehr von Wildschweinen und sonstigen Wildtieren. Das genau Alter der Umgrenzung ist nicht bekannt.
Die unmittelbaren Anrainer des Bannzaunes waren für dessen Instandhaltung zuständig und es war gegen Strafe streng verboten, an dem Zaun irgendwelche Änderungen vorzunehmen. Außerdem war es nur direkten Anrainern erlaubt, die dazu gehörenden Pfade zu betreten.
Teile des Bannzaunes sind bis heute erhalten geblieben in der Hintergasse oder als Weg im Westen und Norden der Gemeinde.
Im Osten endete der Zaun nach Ansicht der Ortschronistin Dr. Mathilde Grünewald in der Bellengasse.

Der "Bandtzaun" bestand aus Baumbewuchs (Effen) sowie aus undurchdringlichen Hecken (Gebück) und ein (Spitz)graben, zog sich - nach dem "Weistum von Blödesheim" aus dem späten 16. Jahrhundert - zum Schutz der Gemeinde in kriegerischen Zeiten durch den Ort bis zum "Kleinbach". Weitere Gräben, die untereinander wohl eng verbunden waren, befanden sich außerdem in der näheren Umgebung so wie die von Hangen-Weisheim und Monzernheim.

Ferner gab es an den wichtigsten Ortseingängen als zusätzliche Ergänzung der örtlichen Befestigung zwei Pforten oder auch Tore:

  • Die "Obere Pforte" (obere pfort, Obernport), auch "Schneiderpforte" oder "Alzeyer Pforte" genannt. Diese Pforte lag wohl an der Ausfallstraße in Richtung Alzey in westlicher Richtung.
  • Die "Backhauspforte" hingegen befand sich vorne an der Nordseite der Langgasse, der zentralen Straße in Hochborn.

Seit wann es diese beiden Tore gab und wann sie entfernt wurden, ist unbekannt.
Vermutlich waren sie weder überbaut und noch bewohnt. Anstelle von Torwächtern, sogenannten "Torknechten", gab es nach dem bereits erwähnten "Weistum von Blödesheim" die Aufforderung an die Einwohner zum wechselweisen Wachdienst:
"Abwechselnd muss fast jeder einen Tag auf das Dorf aufpassen und einmal Nachtwächter sein".

Die Ortsbürgermeisterin von Hochborn, Ute Balz spannt den Bogen der Geschichte von der Vergangenheit bis zum Heute, vom Mittelalter bis in die Gegenwart:
"Der Gedanke dieser Aufforderung von damals ist zum Teil bis heute geblieben.

Besonderheiten, Schäden oder Veränderungen im Dorf werden in Hochborn weitergegeben, untereinander ausgetauscht oder behoben.
Gemeinsame Aktionen tragen zum gegenseitigen Kennenlernen und zum guten "Wir-Gefühl" bei, um auch weiterhin gut auf "unser" Hochborn aufzupassen!".

Nachweise

Verfasser: Wolfgang Höpp

Verwendete Literatur:

  • Grünewald, Mathilde: Geschichte und Geschichten von Hochborn in Rheinhessen. Chronik von Hochborn bis Blödesheim. Hochborn 2019.

    Erstellt am: 11.02.2022