Nierstein in Rheinhessen

Historische Stadtbefestigung Nierstein

Luftbildaufnahme von Nierstein.[Bild: Alfons Rath]

Im Norden bildeten die hinter den Hofanlagen ansteigenden Hänge eine natürliche Begrenzung der örtlichen Befestigung.

Eine Wall-Graben-Anlage mit dichtem Strauch- und Buschwerk, ein sogenanntes Gebück, zog sich außerdem südlich vom Flügelsbach hoch bis östlich zum Rhein, dann nördlich vorbei an der Flur "Hinter Saal" bis sie im Westen von Nierstein am Hang Richtung Schwabsburg endete.

Außerdem hatte Nierstein rund um den historischen Ortskern mindestens 5 Tore, auch Pforten genannt, aus dem Mittelalter vorzuweisen: 

  • Saalpforte oder auch Saalpförtchen in Richtung "Hinter Saal" und zum Marktplatz zu.
  • Weedpforte oder Weethpforte in der Langgasse am Mühlbach, etwa bei der Abzweigung der Keltergasse gelegen.
  • Obere Pforte in der Nähe der Oberdorfstraße. Dazu gibt es unter gleichen Namen eine Straße in Richtung Westen.
  • Mainzer Pforte oder Messer Pforte in der Karolingerstrasse / Ecke "Hinter Saal" am Abzweig zur Bergkirche in Hauptrichtung Ortsausgang Mainz.
  • Schmiedpforte in der Schmiedegasse, vermutlich in der Nähe des Flügelbachs.

St. Martin in Nierstein.[Bild: Georg Dahlhoff]

Über gemauerte und verschließbare Tore hinaus gab es keine einer Stadtmauer vergleichbare Befestigung. Deshalb besitzt Nierstein auch eine Wehrkirche, die Martinskirche nur wenige Meter vom Marktplatz entfernt. Das Gotteshaus aus dem 12. Jahrhundert ist mit einer hohen Mauer inklusive mehrerer sich darin befindlichen Schießscharten umgeben.

Ein Bestandteil der Niersteiner Stadtbefestigung war ebenfalls der gut 11 m hohe sogenannte "Wartturm", vermutlich aus dem 14. Jahrhundert auf einer Anhöhe nordwestlich des Ortes platziert. Von diesem Turm aus konnten herannahende Feinde frühzeitig entdeckt werden.

Wahrscheinlich gab es im Mittelalter eine Art Signalsystem, das mit der rund zwei Kilometer entfernten Schwabsburg und der Burg "Landskron" in Oppenheim in Sichtverbindung stand.

Nachweise

Verfasser: Wolfgang Höpp

Verwendete Literatur:

  • Glatz, Joachim: Nierstein und seine Kulturdenkmäler. In: Friess-Reimann / Schmitt  (Hrsg): Beiträge zur Geschichte und Gegenwart eines alten Reichsdorfes, Alzey 1992, S. 135-158. Darin befindet sich auch ein Ortsplan aus dem Jahre 1721 von Weinheimer, in dem auch noch die Dorfpforten zu sehen sind.