Selzen in Rheinhessen

Die Selzener Ortsbefestigung

Luftbildaufnahme von Selzen.[Bild: Alfons Rath]

Im Jahre 1200 verpflichteten sich die Einwohner Selzens, zur Unterhaltung der Mauern und Gräben der Stadt Mainz beizutragen. Im Gegenzug durften sie in Kriegszeiten dort Schutz suchen. Damals war in Selzen wohl nur der rund um die evangelischen Kirche gelegene Friedhof befestigt. In seiner Südmauer befindet sich noch heute eine Schießscharte. An der Nordseite steht ein romanischer Turm ohne Geschossgliederung. Dann erhielt das ganze Dorf eine geschlossene Befestigungsanlage aus einem ulmenbestandenen Wall (,,Gebück") und Wassergräben, dazu Torbauten über den Straßendurchlässen, von denen die Mainzer Pforte (im Norden), die Oppenheimer Pforte (im Osten) und die Wormser Pforte (im Süden) noch namentlich bekannt sind. An der Westseite übernahm die Selz den Schutz des Ortes; hier befand sich für den Fußpfad nach Undenheim eine kleinere Pforte, zu welcher ein steinerner Steg über die Selz mit der Jahreszahl 1617 gehörte. Den militärischen Schutz der Selzer Ortsbefestigung stellte die Besatzung des ,,Domhofs", des festen Zehnthofs des Wormser Domstifts in der Nordwestecke des Dorfes (heute Weingut Kessel-Eibach). Während das Wohnhaus des Domhofs um 1890 und die Stallungen im Jahre 1904 nach dem ehemaligen Graben zu erweitert wurden, bezeichnet die Nordwand der spätgotischen Scheune, die in ihrem unteren Teil drei Schießscharten aufweist, noch die alte Bauflucht. Der- nach der letzten Selzregulierung funktionslos im Trockenen stehende - steinerne Steg über die Selz, einst Bestandteil einer Fußgängerpforte in der westlichen Ortsbefestigung, ist inschriftlich 1611 datiert. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts dürfte auch der Abbruch der Tore und die Schleifung der Ortsbefestigung erfolgt sein. Den Verlauf des Walls und des Grabens im Norden kennzeichnet die Grenze der Gemarkung ,,Hinter der Hecke"; hier sind noch vier Feldkeller erhalten, die im 17.Jahrhundert vom Ort her in den Wall eingebaut wurden. Der Graben ist als durchgehende Bodenvertiefung zu verfolgen, die an einer Stelle fast einen Meter, zumeist aber nur noch 20 bis 30 cm tief ist. An der Stelle des nassen Grabens im Süden befindet sich heute die Friedhofsstraße.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff

Verwendete Literatur:

  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.3: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2011.
  • Webseite der Gemeinde

Aktualisiert am: 14.11.2014