Wallertheim in Rheinhessen

Das Schulwesen in Wallertheim

Das Schulwesen in Wallertheim

Wann genau Wallertheim zum ersten Male ein eigenes Schulhaus besaß, ist nicht bekannt. Bildung war in früheren Zeiten in der Regel nur Geistlichen und Adeligen zugänglich. Ein organisiertes Schulwesen kam erst mit der Renaissance auf.

Geeignete Jungen aus dem niederen Adel wurden im Mittelalter nicht selten zur Erziehung an ein Kloster geschickt oder von Mönchen vor Ort „privat“ unterrichtet. Dafür dürfte im Falle von Wallertheim das Kloster Eberbach zuständig gewesen sein, welches hier und in der Umgebung auch etliche Besitzungen vorweisen konnte. Manche Wallertheimer Knaben gingen wohl auch als Novizen nach Eberbach, und einige von ihnen scheinen dort auch „Karriere“ gemacht zu haben, so sind in den Eberbacher Wirtschaftsbüchern Mönche in leitender Funktion schriftlich verbürgt, die jeweils den Namenszusatz „von Wallertheim“ tragen.

Eine Schule – im Sinne eines eigenen Schulgebäudes mit einem „Schulmeister“ - war in Wallertheim jedenfalls bereits im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts vorhanden (Primärquelle leider verschollen). Einer der Wallertheimer Schulmeister tat sich sogar als Schriftsteller hervor, dies war Theodor Koester, dessen Wirken vom Heimatdichter Lauckhardt beschrieben wird.

Das Schulhaus in Wallertheim wurde vor 250 Jahren gebaut. Es beinhaltete drei Säle und eine Wohnung für die Schulverwaltung sowie eine Lehrerwohnung. Das 1727 entstandene Gebäude war nicht unterkellert, kalt und feucht. Zwei Säle lagen nach Norden an einer relativ verkehrsreichen Straße, während der dritte Saal nach Süden zeigte.

 

Bereits vor 70 Jahren war ein Schulhausneubau in Sicht. Damals besuchten 200 Schüler die Schule. Die drei vorhandenen Klassen hatten fünf Stunden Handarbeit, die dem Lehrer mit 175 Mark extra honoriert wunden. Außerdem war eine Fortbildungsklasse zu unterrichten. 32 Schüler hatten sechs Stunden wöchentlich zur Verfügung.

Die Dienstwohnung in dem angeführten Schulhaus entsprach bereits zur Jahrhundertwende nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Der erste Lehrer erhielt 150 Mark für Miete und wohnte im eigenen Hause. Zur ersten Wohnung gehörten eine Scheuer und Ställe. Der frühere Hausgarten war für einen Turnplatz verwendet worden, was dem ersten Lehrer zehn Mark Entschädigung einbrachte. Die zweite Dienstwohnurıg befand sich in einem besonderen Gebäude neben dem Schulhaus. Dieses war 1884 erbaut worden. Der Raum war etwas beschränkt, aber trocken. Es verfügte über eine Wasserleitung und 90 Quadratmeter Garten am Schulhaus. Im Jahre 1900 hatte Wallertheim 1221 Einwohner, von denen 217 katholisch, 887 evangelisch und 68 jüdisch waren, also noch 49 mit anderer Religionszugehörigkeit. Heute hat die Gemeinde 1156 Bürger, wovon 534 Männer sind. Es gibt auch noch eine Grundschule mit vier Klassen, die 100 Schüler hat, von denen 42 Mädchen sind. Den Unterricht gestalten vier Lehrer, die hauptamtlich hier tätig sind. Träger ist die Verbandsgemeinde Wörrstadt.

Immer noch liegt die Gemeinde, wie schon vor 70 Jahren beschrieben, am Fuße des mit Reben. bepflanzten Wissberges, in einer sehr gesunden Lage. Auch eine Bahnstation an der Linie von Alzey nach Bingen gab es in dem Ort. In die Apotheke und zum Arzt mussten die Bewohner nach Wörrstadt (6 km). Aber eine Postagentur, eine Krankenschwester, ein Notar und die evangelische Pfarrei waren in Wallertheim. Die Bürger lebten in der Hauptsache vom Frucht- und Weinbau. Aber auch die vorhandene Ziegelei und die drei Mühlen sorgten für einen breiten, wohlhabenden Wallertheimer Mittelstand.

Das Schulgut bestand für die evangelische Lehrerstelle und umfasste 94 a Äcker und 31,5 a Wiesen, auch der Organisationsdienst war für einen evangelischen und katholischen Lehrer Quelle für eine Nebeneinnahme, genauso wie das Leichensingen. Hier lag der evangelische Lehrer mit 150 Mark jährlich über seinem katholischen Kollegen, der 64 Mark jährlich erhielt.

 

Die Schulgebäude

Die Wallertheimer Schulhäuser

Die Grafen von Leiningen, zu deren Territorium Wallertheim als Exklave lange Zeit bis zur „Franzosenzeit“ gehörte, gelten als Förderer der Bildung. Vermutlich haben sie auch das Schulwesen in unserem Ort gefördert. Das erste Schulhaus, von dem wir wissen, war ein Gebäude am Kirchplatz. Am 16. April 1709 wurde der Grundstein zu dem Haus gelegt. 148 Jahre lang gingen die Wallertheimer Kinder dort zur Schule. Zwei Schulsäle und zwei Lehrerwohnungen gab es in dem Haus.

Als eine neue, größere Schule gebraucht wurde, erwarb die Gemeinde die sog. „Dhaun‘sche Verwalterei“, das Haus, vor dem Sie gerade stehen. Dies war das Anwesen, in welchem die Wild- und Rheingrafen Dhauner Linie in den Zeiten vor Napoleon I. ihren Verwalter wohnen hatten. Es bestand aus einem großen Wohnhaus und Nebengebäuden, insbesondere einer außerordentlich großen Scheune. Napoleon ließ die vielen rheinhessischen Kleinstterritorien und „Minibesitztümer“ auflösen und dem Kaiserreich angliedern. So erging es auch dem Besitz der Dhauner in Wallertheim: Das Gut ging auf bürgerliche Besitzer über. Das große Verwaltungsgebäude wurde 1857 der evangelischen Gemeinde für 4000 Gulden als Schulhaus verkauft. Nach seiner Renovierung zogen die beiden Lehrer Loos und Bormann ein. In dieses Schulhaus in der Wassergasse gingen die Kinder bis April 1955. Denn am 1. Mai 1955 wurde die neue Schule in der Schulstraße eingeweiht

Das alte Schulhaus am Kirchplatz wurde anderweitig verkauft und diente bis in den zweiten Weltkrieg hinein als Metzgerei.

 

zu Zeiten des Pfarrers Johann Heinrich Köster

Dieses Bild zeigt das Haus der Familie Herrmann auf dem Kirchplatz. In diesem Gebäude war in der Zeit von 1709 bis 1857 die erste Wallertheimer Schule untergebracht.

 

Eine Schulklasse beim Unterricht
(Bild ca. 1960)

Einweihung der Volksschule Wallertheim im Jahre 1955