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burgus

Bewohnter Wachtturm

Die Römer führten die wichtigste Bauform ihres traditionellen Befestigungswesens, den Turm, in Germanien ein. Sie kannten zwei Arten von Türmen: den einfachen Wacht- und Wehrturm (turris speculatoria) und den bewohnten Wachtturm (burgus). Der turris speculatoria hatte im Allgemeinen einen quadratischen Grundriß (ca. 5 x 5 Meter). Er diente als Beobachtungsposten und in Germanien besonders zum Schutz des Limes. Mit burgus bezeichneten die Römer ursprünglich einen festen Turm, aber auch einen befestigten Palast oder ein militärisches Lager. Seit dem 2. Jahrhundert n.Chr. verengte sich der Begriff und bezog sich vorwiegend auf den steinernen Wehr- und Wohnturm (kleines Kastell). Dieser war ein quadratischer, anfangs nur aus Holz errichteter, bewohnbarer Turm mit einer Grundfläche von ca. 10 x 10 Metern. Er konnte aus mehreren Etagen bestehen und besaß weder Wälle noch Gräben. Die an strategisch wichtigen Punkten erbauten burgi gewährleisteten den Schutz der Imperiumsgrenzen sowie der Handels- und Verkehrswege.

Während es in den Provinzen Afrika und Arabia teilweise hoch entwickelte Wohntürme gab, entstanden die burgi in Germanien in größerer Zahl wohl erst, als die Alemannen im Jahr 260 n. Chr. den Limes überrannten und die Römer sich auf die Rheingrenze zurückzogen. Beispiele hierfür sind der burgus Eisenberg bei Grünstadt/Pfalz aus dem 4. Jahrhundert und der Turm von Stielings (römische Illerstraße). Von den burgi sagt man, daß sie den germanischen Wehrbau beeinflusst hätten. Der Begriff machte aber einen Bedeutungswandel durch. Seit dem 9. Jahrhundert meinte er die unbefestigte Vorstadt bei einer Siedlung. Vom 12. Jahrhundert an kann im deutschen Sprachraum vereinzelt auch der Markt mit burgus bezeichnet werden

(Text: Stefan Grathoff)

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