Rheingauer Heimatforschung

Die Dampf-Straßenbahn von Eltville nach Schlangenbad

Fortsetzung und Schluß (Heinz Söhnlein)


Güterwagen

Bis zum Jahre 1904 wurde ein teilweiser Verkauf von Güterwagen und dann wieder die gleiche Neubeschaffung vollzogen. Warum?? Ein gedeckter Güterwagen davon ging 1903 an die Nassauische Kleinbahn, Nastätten im Taunus. Er wurde wieder durch ein neues, gleiches Fahrzeug ersetzt. Dann verblieb es bis zur Stillegung wie folgt:

3 offene Vierachser, Nr. 12, 13 und 14. Je Güterwagen zwei Dreh­gestelle, Länge über Puffer 9,58m, ohne Puffer 8,58m. Breite über alles 1,86m. Drehzapfenabstand 4,50m. Achsabstand in den Drehgestellen je 1,00m. Breite der beiden seitlichen Türen 1,50m, Tragfähigkeit 10 t.

2 gedeckte Vierachser, Maße wie vor, Tragfähigkeit 10 t.

1 gedeckter Zweiachser, Länge ohne Puffer 4,55m, Radstand 2,20 m, Türbreite 1,20 m. Weitere Angaben hierzu fehlen.

1 Spezialwagen, näheres unbekannt.

Einnahmen und Ausgaben

Auch hier fehlen manche Zahlen. Es waren nur jene von 1906 bis 1915 zu ermitteln:


Im Kriegsjahr 1915 fand eine interne Verschiebung im Bereiche der Betriebsführung der Bahn statt. Die Allgemeine Deutsche Kleinbahn-Gesellschaft übertrug die Betriebsführung ihrer Betriebsführungsgesellschaft. Diese firmierte: „Allgemeine Deutsche Eisenbahnbetriebs-G.m.b.H."

Das Interesse der Allgemeinen Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft an der Eltville-Schlangenbader Bahn wurde verständlicherweise immer geringer. Die Gesellschaft wechselte die Betriebsleiter laufend aus. Es kamen solche von den verschiedensten Konzern-Bahnen, wie die Westpreußischen Kleinbahnen, Kleinbahn Aschersleben-Nienhagen und anderen Bahnen kurzfristig nach Eltville. Die Bahnleiter hatten kaum Zeit gehabt, mit dem Personal nähe­ren Kontakt zu bekommen und die speziellen Verhältnisse der Bahn kennenzulernen, da wurden sie schon wieder zu einer anderen Bahn versetzt. Warum? Das konnte nicht ermittelt wer­den.

Nach Übernahme der Bahn durch die Stadt Eltville Anfang April 1927 bis zur Betriebseinstellung im Frühjahr 1933 waren, während dieser immerhin sechs Jahre, die betrieblichen Verhältnisse ge­ordnet.

Daß die Bahn zum Erliegen kommen mußte, ist verständlich. Der Personenkraftwagen und auch der Omnibus traten ihren Sieges­zug an. Schon im Jahre 1910 wurde in Wiesbaden die damalige „Wiesbadener Autoverkehrs-Gesellschaft" gegründet, später „Blaue Kurautobusse". Sie befuhr mit ihren Bussen - zwar noch primitiv mit Klappverdeck und Vollgummireifen ausgerüstet - eine Ausflugslinie von Wiesbaden über Chausseehaus - Georgenborn nach Schlangenbad über Eltville nach Wiesbaden zurück. Nach der Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg wurde dieser Omnibusverkehr mit ständig moderneren Fahrzeugen fortgeführt. Aber er kam dann Jahre später auch zum Erliegen, als nach dem zweiten Weltkrieg der Personenkraftwagen Allgemeingut gewor­den war!

Rückschau

Die Streckenführung der Bahn war - so kann man sagen - durchaus romantisch. Kaum hatte das Gleis das sympathische Örtchen Eltville verlassen, so erblickte man in der laufenden Steigung rechts und links große, schöne Weinbergsanlagen. Von der Höhe von Neudorf herab grüßt am Bergeshang ein verträum­tes Schlößchen. Die Durchfahrt durch die enge Hauptstraße von Neudorf war immer ein besonderes Ereignis, wenn der Schaffner mit einer roten Fahne und der Warnschelle bewaffnet, strammen Schrittes vor dem Zügle voranmarschierte. "Auf daß Niemandem ein Leid zustoße!"

War dann Neudorf durchfahren, öffnete sich dem Besucher das herrliche Tal von Schlangenbad mit seinen Wiesen und dem klei­nen Bächlein in der Mitte. Jetzt mußte sich die Kastenlok schon anstrengen, denn es ging stets und ständig bergauf. Die Wälder mit ihrem alten Baumbestand traten dichter an die Fahrstrecke heran, vorbei an einigen Mühlen im Tal. Laut erscholl das Echo des Auspuffschlages der kleinen, aber leistungsfähigen Lok von den Anhöhen ins Tal zurück. Dann horchten die Bewohner und Gäste von Schlagenbad auf. Denn das war für sie das untrügliche Zeichen: Jetzt kommt gleich „unser Bähnchen"! Oh ja, sie entbehrte nicht des Reizes und der Gemütlichkeit, so eine Fahrt mit der kleinen Bahn!

Rückschauend auf die Bahn Eltville-Schlangenbad darf man heute nach 80 Jahren doch nicht vergessen, daß sie in den Jahren ihrer Existenz gern gesehen war und der Bevölkerung von Schlangen­bad und den umliegenden Gemeinden wirkliche Erleichterungen und Vorteile brachte. Man denke doch einmal darüber nach, wie beschwerlich es einstens war, z. B. von Schlagenbad aus nach dem 8 km entfernt liegenden Eltville mit seinen Behörden und seinem Staatsbahnhof zu gelangen! Und dann wieder zurück. Ein Fußmarsch von zweimal 2 Stunden! Noch schwieriger war es für die Bewohner der Höhengemeinden, wie Neudorf, Kiedrich, Rauenthal, Hausen v.d.H. und andere mehr! Zu leicht sind heute diese Tatsachen im Zeitalter des Autos, des Telefons, des Rundfunks usw. vergessen. Deshalb sollte man trotz manchem Unerfreu­lichen der ehemaligen Dampf- und Straßenbahn Eltville-Schlan­genbad ein freundliches Gedenken bewahren!

                              Kleinbahn's Ende!

                             
Unsre Kleinbahn, ach die Gute,
                              Pfeift bald auf der letzten Tute;
                              Altersschwach wird ihr Gebein, 
                              Und in Kürze geht sie ein!


                              Jahr um Jahr fuhr sie entlang,
                              Mit viel Gestank den Schienenstrang;
                              Sehr zum Ärger vieler Leute,
                              Die sie zu arg mit Qual betreute!


                              Bergwärts fuhr sie mit viel Schnaufen,
                              Talwärts könnt' sie besser laufen,
                              Sauste über Stock und Stein,
                              Einmal brach sie gar ein Bein!


                              Während der Inflatio-Zeiten,
                              Ihr die Ruh' tat Freud' bereiten;
                              Bis ein großer Mann - oh Graus,
                              Holt sie aus dem Stall heraus!

                              Reinigte ihr faul' Gedärme,
                              Brachte untern Kessel Wärme;
                              Jagte sie nach Schlangenbad,"
                              Trotz - sie war noch sehr malad!

                             
                              Tag für Tag ging das so weiter,
                              Ob der Himmel trüb, ob heiter,

                              Schleppte Menschen hin und her,
                              Bis sie sprach: „Ich kann nicht mehr!"


                              Ach, nun kommt das bitt're Ende,
                              Aller Dinge Schicksalswende;
                              Heut' kommt nun die letzte Fahrt,
                              Mit Dampf und Qualm, nach alter Art!


                              Tränen fließen, Tücher schwenken, 
                              Einen letzten Blick sie schenken;
                              Uns'rer „teuren" Eisenbahn,
                              Die brav ihren Dienst getan!

                         hcm

Auszug aus dem Buch: DE STOOMLOCOMOTIEVEN DER NE-DERLANDSE TRAMWEGEN von Ir. S. Overbosch, Antwerpen, Aus­gabe 1966.

In Kapitel 9 auf Seite 61/62 heißt es unter „De Locomotieven van Henschel" wie folgt:

CLS 7, Henschel, Fabr. Nr. 4304, gebaut 1895, in Betrieb genom­men 1919.

Diese Maschine war wesentlich schwerer als die bisher beschrie­benen Lokomotiven von Henschel. Sie war eine der drei ge­lieferten Stück für die Eisenbahn-Linie Eltville-Schlangenbad von der Allgemeinen Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft in Berlin. Die Nummern waren 1 - 3, Fabriknummern 4302 - 4304, diese Serie wurde dann 1899 erweitert auf Nummer 4 und 5, Fabrik­nummern 5118 und 5119. Da diese Linie aus dem Rheintal her die Höhe nach Bad Schlangenbad erklomm, waren solche schwe­ren Maschinen notwendig.

Die CLS kaufte diese Maschine 1919 über Orenstein & Koppel von den Westdeutschen Sprengstoffwerken. Sie erhielt 1921 bei dem Übergang von CLS in die LTM (Limburgse Tramvaartmaatschappij) die Nummer 7. Seit ungefähr 1930 stand die Maschine außer Betrieb auf dem Werksgelände der LTM in Roermond. Sie wurde 1935 auseinandergenommen - in Teile zerlegt - und verschrottet.

 


als  .pdf-Datei anzeigen                   zurück zur Auswahl