Nierstein in Rheinhessen

Die Niersteiner Schwabsburg

Welcher König die Reichsburg Schwabsburg errichtete, ist unbekannt. Die Buckelquader des zentralen Bergfrieds, typisch für die staufische Epoche (1125-1245/50), machen es wahrscheinlich, dass die Schwabsburg im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Burg in Oppenheim nach 1118 entstand.

Die Schwabsburg von oben[Bild: Alfons Rath]

Die Schwabsburg lag an einer nach Mommenheim führenden römischen Heerstraße und diente im Zusammenspiel mit der Burg Oppenheim (die spätere Burg Landskrone) dem Schutz des Reichsgutes und dem Ausbau der Machtstellung der Staufer in und um Nierstein und Oppenheim. Gegenüber der mächtigen Burg in Oppenheim, die an exponierter Stelle am Rhein lag, nahm sich die Schwabsburg eher bescheiden aus. Während der Bergfried mit seinen Buckelquadern noch fast in ganzer Höhe erhalten ist, sind keine Reste von weiteren Gebäuden vorhanden. Lediglich in schriftlichen Quellen ist von einem Speisesaal und einem Fischteich die Rede. Auf der Ansicht von Matthias Merian aus dem 17. Jahrhundert sind der Turm, die Umfassungsmauer mit den Wohngebäuden und eine steinerne Brücke zu erkennen. Die Ringmauer, die früher den Bergfried im Quadrat umstand sowie die angefügten Wohn- und Wirtschaftsbauten verschwanden, als die Burg 1799 auf Abbruch verkauft wurde.

Die Besitzer der Schwabsburg

Die Könige übertrugen die Verwaltung der Burg einem Geschlecht, das sich nach der Burg benannte und 1246 erwähnt wird. Die Burg selbst wird zuerst 1257 genannt, als König Richard von Cornwall den Rheingrafen Werner mit der Schwabsburg und dem Ort Groß-Winternheim belehnte. Lange währte das Lehensverhältnis nicht, denn bereits 1274 und 1276 stellte Philipp d.Ä. von Hohenfels Urkunden auf der Schwabsburg aus Im Jahr 1315 verpfändete König Ludwig die Reichstädte Oppenheim und Odernheim samt ihren Burgen, Nierstein, Nieder- und Ober-Ingelheim und auch die Schwabsburg an den Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt. Im Jahr 1353 gab Erzbischof Gerlach die Schwabsburg und die anderen Pfandorte zwar zurück, aber drei Jahre später verpfändet Kaiser Karl IV. die Anlagen erneut an Mainz. Im Jahr 1367 verpfändete König Wenzel die Orte an Pfalzgraf Ruprecht I. Dem Königtum gelang es nie mehr, die Güter auszulösen. Die Schwabsburg blieb mit den übrigen Orten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Verfügungsgewalt der Pfalzgrafen.

Die Schwabsburg im 17. Jahrhundert

Im 30jährigen Krieg (1618-1648) wurde die Schwabsburg 1620 von den Spaniern zerstört. Nach Brilmayer sank die Feste erst im Zuge der Besetzung der Pfalz durch die Franzosen gleichzeitig mit der Burg Landskrone in Oppenheim am 31. Mai 1689 in Schutt und Asche.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff

Verwendete Literatur:

  • Brilmayer, Karl Johann: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Neudruck. Würzburg 1985.
  • Emmerling, Ernst: Nierstein am Rhein. Neuss 1979. 8Rheinische Kunststätten 222)
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.3: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2011.

Aktualisiert am: 24.10.2014