Ober-Hilbersheim in Rheinhessen

Die Ober-Hilbersheimer Ortsbefestigung

Luftbild Ober-Hilbersheim.[Bild: Alfons Rath]

Die Bannzäune trennten den inneren Dorfbereich von der Dorfflur ab und markierten so den engeren Dorffriedensbereich. Hinter dem Bannzaun verlief der Graben, der zusätzlich Schutz gegen das Eindringen von 'Strauchdieben' und Tieren bot. Die Tore, meist lediglich Fallgatter, befanden sich im Gemeindebesitz und wurden von den Anwohnern oder von den Verwaltern der Hofgüter instand gehalten. Die darin wachsenden Gräser und Bäume konnten vond er Dorfgemeinschaft genutzt werden. Mehrere dieser Hofgüter lagen unmittelbar bei einem Tor: Das Koppengut ist in der Nähe der Mönchpforte, die Beunde bei der Stiftspforte zu finden.
In Ober-Hilbersheim ist 1326 zum ersten Mal ein "pomerium" erwähnt. Ein Pomerium war der Wortbedeutung nach ein Maueranger, ein freigelassener Raum zu beiden Seiten einer Stadtmauer. Im Ort scheint damit eine Dorfbefestigung, einen Etter, Wall oder Graben gemeint zu sein, da in der genannten Urkunde auch "greben und graben acker" als Flurbezeichnung vorkommen. Ein Zeichen für die intensive Einflussnahme der Herrschaft und die Bedeutung, die der Ortsbefestigung zukam, ist eine Bestimmung aus dem Jahr 1355. Es heißt, dass Gräben, Zäune, Wege und Stege nur mit Zustimmung des Amtmannes erneuert bzw. neu angelegt werden durften. In den Jahren 1357 und 1384 wird der Hilbersheimer Graben ausdrücklich erwähnt. Im Jahr 1370 ist zum ersten Mal eine Mainzer Pforte in einer Urkunde des Stiftes St. Maria im Felde genannt. Ob hier ein Tor nach Osten gemeint ist, lässt sich nicht sagen. Wahrscheinlich war aber die Mainzer Pforte mit der Mönchpforte identisch, die nach Norden aus dem Ort herausführte. Die Schmittpforte führte nach Süden in Richtung Wörrstadt; die Neupforte öffnete den Weg nach Südwesten auf den Kreuznacher Weg (heute Obergasse). Die Stiftspforte wird 1831 und 1881 genannt, vielleicht ist damit auch die 1617 erwähnte Pforte am Aspisheimer Weg gemeint, der vom Tor aus in westlicher Richtung vom Dorf weg führte. 1740 tauchte im Pfarrbuch das "Sprendlinger Tor" auf, das wohl mit der Neupforte identisch war. Wegen der relativ schwachen Befestigung Ober-Hilbersheims musste die Gemeinde einen Ausweg suchen, um in Zeiten einer akuten Gefahr den Schutz von Leben und Hab und Gut seiner Bewohner zu sichern. Deshalb suchte die Gemeinde, in einem größeren Ort der Umgebung diesen Schutz zu erlangen. Es vereinbarte mit der Stadt Bingen ein Schutzbündnis, das den Bürgern Ober-Hilbersheims eine nahe Schutzmöglichkeit bot. Dafür mussten sie sich verpflichteten, bestimmte Erker, Wickhäuser und Türme der Binger Stadtbefestigung in Bau zu halten, im Fall der Fehde zu besetzen und der Stadt auf Anforderung zu Hilfe zu kommen. Bis ins 18. Jh. war Ober-Hilbersheim mit einem Wallgraben versehen, doch in dieser Zeit hatte er seinen fortifikatorischen Wert schon lange verloren. Er diente wohl in erster Linie der Aufzucht junger Bäume, die hier prächtig gediehen. Bäume bedeuteten im waldarmen Rheinhessen eine willkommene Einnahmequelle für die Gemeinde. Bereits 1715 ist der Verkauf einer Effe belegt und auch im Jahr 1740 wurden mehrere Bäume veräußert. Sie waren so begehrt, daß im selben Jahr etliche Jugenheimer Burschen einen Baum aus dem Dorfgraben stahlen. Sie wurden dingfest gemacht und vom Oberschultheißen Zilles mit einer Geldstrafe belegt. Am 30.10.1793 wurden das Holz und zwar "daß ober holtz an den beymen und daß unter holtz in dem gemeinden dorf graben" versteigert davon ausgenommen waren lediglich die jungen Bäume, die der weiteren Aufzucht vorbehalten blieben. Zwischen den Wohnstätten und dem Wallgraben war ein durchschnittlicher Abstand von 30 Metern, die sog. Grabenstücke. Dieser Streifen zog sich innen hinter dem Graben um das ganze Dorf herum. In diesem Bereich waren auch die Dorfpforten integriert, die also ein gutes Stück hinter dem eigentlichen Dorfgraben zu finden waren. Diese Grabenstücke wurden Anfang des 19. Jh. zum Teil eingeebnet und als Baugelände benutzt. Auf den älteren Flurkarten ist der freie Geländestreifen aber noch deutlich zu erkennen.

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff

Verwendete Literatur:

  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.1: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2007.
  • Stefan Grathoff: Ober-Hilbersheim. Geschichte eines rheinhessischen Dorfes vom 8. bis ins 20. Jahrhundert. Ingelheim 1995.

Aktualisiert am: 24.10.2014