Wallertheim in Rheinhessen

Die Reformation unter den Leiningern

Die Reformation in Wallertheim

(Nach der Wallertheimer Heimatzeitung 1926 (10) S. 37ff., gekürzt)

 

Nach dem Reichstag zu Speyer, 1526, stand es den Landesfürsten frei, die Reformation in ihren Territorien einzuführen. Landgraf Philipp von Hessen z.B. machte dies 1526 so.

Vorher gab es übrigens auch in Mainz eine starke reformatorische Bewegung. Ihr Exponent war der Domprediger Capito, der großen Einfluss auf den damaligen Erzbischof, Albrecht von Brandenburg, ausübte, der der evangelischen Bewegung deshalb lange Zeit duldend gegenüber stand. Ja, es kam zu einer starken Zunahme der „Evangelischen“ und es wurde in Mainz von 1520 bis 1523 sogar von allen Kanzeln ununterbrochen evangelisch gepredigt! Grund war, dass Albrecht, dem Humanismus zugeneigt, offenbar eine allgemeine Reform der Kirche anstrebte, um eine Spaltung zu vermeiden. Auch Martin Luther setzte Hoffnungen auf ihn.

1523 kam es beim Erzbischof allerdings zu einem Sinneswandel, da sich kein Kompromiss zwischen Katholischen und Evangelischen abzeichnete. Er bekannte sich nunmehr zur katholischen Seite, was Capito und andere Unterstützer der evangelischen Sache dazu brachte, Mainz zu verlassen. Evangelische Bewegungen gab es übrigens außer in Mainz auch in Worms, Gau-Algesheim und Bingen, sowie in den kurpfälzischen Orten Oppenheim, Gau-Odernheim und Alzey.

Der zweite Speyrer Reichstag, abgehalten 1529, zog einige der beschlossenen Freiheiten für die Reformierten sogar wieder zurück, was die Reformation ins Stocken brachte. Erst 1532 konnte mit der Durchsetzung der Reformation fortgefahren werden.

Entschieden voran kam die Reformation vor allem ab 1545, denn in diesem Jahr wurde sie im Kurfürstentum Pfalz eingeführt und z.B. auch in Köngernheim, das den Sickingern gehörte. 1559 gab es nur noch wenige Pfälzer Pfarreien ohne lutherischem Pfarrer. Nach 1552 kam es zur Einführung der Reformation in der Wild- und Rheingrafschaft, in den Grafschaften Leiningen-Westerburg, Leiningen-Dagsburg-Hartenburg und Leiningen-Dagsburg-Falkenburg. Graf Emich X. von Leiningen-Dagsburg-Falkenburg zögerte lange mit der Einführung der Reformation in Wallertheim, wohl weil das Kloster Eberbach, das ja das Patronat für Wallertheim besaß, hier stark verankert war, wohl auch mit Grundbesitz. Erst 1576 wies Emich den Eberbacher Mönch, der in Wallertheim die Pfarrei versah, an, fortan sich nach der Augsburger Konfession zu richten und evangelische Gottesdienste durchzuführen. Seine katholische Konfession verteidigend, beschwerte sich dieser bei seinem Kloster und dieses sich beim Mainzer Erzbischof, was einen anderthalbjährigen Streit nach sich zog. 1578 endlich wurde dem Mönch zu Ostern die Kanzel verboten und am 6. Sonntag nach Ostern (Exaudi) hielt der Gau-Weinheimer Pfarrer die erste lutherische Predigt in der Wallertheimer Kirche. Am 7. Juli 1578 schließlich wurde Wallertheims erster evangelischer Pfarrer, Martinus Ernestus, in sein Amt eingeführt.

Der Schriftwechsel zwischen Graf Emich X. und dem Erzbischof ist teilweise erhalten und wurde auch in der Wallertheimer Heimatzeitung abgedruckt (1931 (11) S. 41 ff.).

Im Jahre 1597 kam es zu einem Schriftwechsel zwischen Leiningischem Graf sowie Wallertheimer Gemeinde auf der einen und dem Kloster Eberbach auf der anderen Seite (abgedruckt in der Wallertheimer Heimatzeitung 1931 (10) S. 38 f.). Anlass war die starke Baufälligkeit der Kirche und die Suche nach einer Instanz, die die Renovierung bezahlen sollte. Dass die Mönche in Eberbach eine Finanzierung ablehnten, war nach dem o.g. Verlauf der Reformation absehbar.