Wallertheim in Rheinhessen

Wallertheim und die Eisenbahn

STATION 14

1844, neun Jahre nach der ersten Fahrt des „Adlers“, kam es zur Gründung einer Eisenbahngesellschaft in Alzey auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters. Aber erst Ende Dezember 1866 fuhr der erste Güterzug in den Bahnhof Alzey ein. Und der Anschluss Wallertheims an das Streckennetz ließ bis 1870 auf sich warten.

Wallertheimer Bahnhof, vermutlich anfangs der 60er Jahre.

Im Jahr 1845 betrug die Streckenlänge des deutschen Schienennetzes bereits 2300 km. Für die damals großherzoglich-hessische Provinz Rheinhessen setzte man aber zunächst auf den Rhein als international bedeutenden Transportweg sowie auf das wachsende Straßennetz. Rivalitäten mit den benachbarten preußischen und bayrischen Administrationen verhinderten außerdem einen raschen Bahnanschluss.

Plan der o.g. Eisenbahngesellschaft war die Einrichtung einer Bahnstrecke Mainz-Alzey-Kaiserslautern, folgend der alten Kaiserstraße. Somit wäre ein Anschluss an die beiden internationalen Linien Ludwigshafen-Saarbrücken-Paris und Köln-Bingen-Mainz möglich gewesen. Die Hessische Regierung stimmte nicht zu. Dagegen wurde der Plan einer Linie Mainz-Oppenheim-Worms-Ludwigshafen vorangetrieben. Diese Strecke entlang des Rheins war wesentlich einfacher zu realisieren als eine durch das rheinhessische Hügelland. 1853 erfolgte die Inbetriebnahme dieser Strecke.

1859 wurde Bingen aus dem preußischen Rheinland angefahren, aber erst am 29. Juni 1870 wurde die Strecke Bingen-Alzey eingeweiht und am 17. Dezember 1871 erklang ein letztes Mal das Thurn-und-Taxis’sche Posthorn auf der Strecke Mainz-Alzey.  

Rheinhessen erhielt in den Folgejahren ein recht feingliedriges Schienennetz. Betriebe wie die Wallertheimer Ziegelei nutzten die Bahn und weiteten ihr Vertriebsnetz aus. Pendler fuhren zur Arbeit in die größeren Orte: Schüler, Lehrlinge, Berufstätige, auch Nachtschwärmer (der letzte Zug hieß „Lumpensammler“). 1945 war kaum ein Ort Rheinhessens weiter als 5 km vom nächsten Bahnhof entfernt. Bahnanlagen lagen oft weit vor den Dörfern oder gar zwischen ihnen! Bei den Bahnhöfen und zwischen Bahnhof und Dorf gab dies Veranlassung zu neuen Ansiedlungen, v.a. von Industrie und Gastronomie.

Die zunehmende Individualisierung des Personenverkehrs durch das Auto und die Flexibilität des LKW-Einsatzes auf dem ständig weiter ausgebauten Straßennetz brachten nach und nach das Aus für die meisten der rheinhessischen Bahnstrecken.