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Butterbrot, -schmier oder -stück? – Der erste Happen aus unserer Online-Umfrage

von Simone Busley

Als Frühstücks-, Pausen- oder Abendbrot oder einfach als Happen für zwischendurch ist das Butterbrot eine beliebte Mahlzeit. Doch die Brotscheibe muss – der Bezeichnung zum Trotz – nicht immer (nur) mit Butter bestrichen sein. Ob Käse, Wurst oder Schmalz, Marmelade oder Honig: Aufs Butterbrot darf alles, was schmeckt. So vielfältig wie die Zubereitungsmöglichkeiten sind auch die regionalen Bezeichnungen für den typisch deutschen Imbiss. In Rheinland-Pfalz und im Saarland begegnet man neben dem Butterbrot z.B. auch der Schmier oder dem Stück.

Datenerhebung und -auswertung

In unserer Online-Umfrage wurde die ortstypische Bezeichnung für das Butterbrot mithilfe einer Abbildung erfragt. 341 Antworten bezogen sich eindeutig auf den zu benennenden Gegenstand und wurden in die folgenden Auswertungen einbezogen. Vom  Institut für luxemburgische Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Luxemburg wurden uns außerdem ergänzende luxemburgische Sprachdaten (864 Belege) zur Verfügung gestellt, die mit der Spracherhebungs-App Schnëssen erhoben wurden. Bei der Auswertung wurden zusammengehörige Varianten eines Typs zusammengefasst, z.B. Bodderstick und Stöck zu (Butter-)Stück, wobei nicht nach Dialekt, regionaler Umgangssprache und Standarddeutsch unterschieden wurde.


Ergebnisse

Die Karte fokussiert Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg. Hier kommen die Typen (Butter-)Schmier und Butterbrot am häufigsten vor. Butterbrot ist dabei besonders im Südosten von Rheinland-Pfalz die gebräuchlichste Bezeichnung, deren Verbreitung sich auch im angrenzenden Hessen und Baden-Württemberg fortsetzt.

Die Grenze zu (Butter-)Schmier verläuft dabei etwa auf einer gedachten Linie zwischen Saarbrücken und Bacharach (und damit etwas südlicher als die sog. Hunsrück-Schranke), wobei Butterbrot auch darüber hinaus rheinabwärts ein paar Streubelege aufweist. In der Westpfalz und im Osten des Saarlandes mischt sich außerdem (Butter-)Schmier unter die Butterbrot-Belege.

Die Verbreitung von (Butter-)Schmier herrscht nördlich des Butterbrot-Vorkommens nicht nur im Saarland und im linksrheinischen Rheinland-Pfalz vor, sondern ist auch im Luxemburgischen die gebräuchlichste Variante. Schmier war im Dialekt ursprünglich ein Oberbegriff für alles, was aufs Brot gestrichen wird, z.B. Schmalz, Pflaumenmus, weichen Käse, aber auch Butter. Diese Bezeichnung wurde dann auf die ganze zubereitete Brotscheibe übertragen, die also gar nicht „beschmiert“ sein muss, sondern auch belegt sein kann, z.B. mit Käse oder Wurst.

Neben drei Belegen für Kuuscht ‘Brotscheibe’ (auch ‘Endstück des Brotes; Brotkruste’, in ähnlichen Varianten auch in Deutschland verbreitet) findet sich in Luxemburg besonders im Norden auch die Variante Bottesch, die möglicherweise eine Kürzung von Butterschmier ist. Als Buttersch ragte sie auch bis in die Eifel, wie eine Karte aus dem Rheinischen Wörterbuch (Band 8, Sp. 905; Daten aus den 1930er Jahren) belegt. Aus der Eifel liefert uns die hier vorliegende Umfrage zu wenige Daten, um Aussagen zur Verbreitung treffen zu können.

Die Karte aus dem Rheinischen Wörterbuch zeigt auch, wie sich Butterramm von Norden kommend den Rhein entlang bis etwa nach Koblenz ausbreitet. Diese Variante leitet sich aus dem niederländischen boterham ‘Butterbrot; Brotscheibe’ ab und drang von den Niederlanden ausgehend besonders in den Nordwesten Deutschlands vor. Aus der aktuellen Umfrage liegen uns nur drei Butterramm-Belege aus der Westeifel vor. Vielmehr scheint von Süden kommendes Butterbrot – wahrscheinlich dadurch gestärkt, dass es auch überregional im Standdarddeutschen verbreitet ist – nun andere Varianten zu verdrängen (s.o.). Zu diesen gehört z.B. (Butter-)Stück, das heute inbesondere im Westerwald und in Rheinhessen, aber auch in der Westeifel mit Butterbrot konkurriert.

Im äußersten Nordosten von Rheinland-Pfalz sowie im angrenzenden Nordrhein-Westfalen und Hessen isst man stattdessen eine Dung. Die Bezeichnung ist mit Dunk ‘Hügel’ verwandt (vgl. Nachträge zum Rheinischen Wörterbuch, Band 9, Sp. 1130) und bezog sich wohl auf die Form des Gebäcks.

Wenige TeilnehmerInnen unserer Umfrage bereiten sich lieber eine Stulle zu. Dass die Belege so verstreut sind, ist kein Wunder: Stulle (sprachlich mit Stollen verwandt) ist eine typisch niederdeutsche Bezeichnung und in dem von uns fokussierten Gebiet ursprünglich gar nicht heimisch.

Nachweise

Verfasserin: Simone Busley

Literatur:

  • Rheinisches Wörterbuch. Bearb. und hrsg. von Josef Müller, ab Bd. 7 von Karl Meisen, Heinrich Dittmaier und Matthias Zender. 9 Bände. Bonn, Berlin (1928–1971).

Erstellt am: 10.09.2020