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Henry Tureman Allen

Amerikanischer General und Kommandant der Besatzungstruppen in Deutschland 1919-1923, geb. 1859, gest. 1930

General Henry T. Allen verlieh der Besatzungszeit eine ganz eigene Prägung. Geboren am 13. April 1859 in Sharpsburg, Kentucky, begann er seine militärische Karriere bereits in jungen Jahren, unter anderem an der US Military Academy in West Point und 1885 während seiner legendären Expedition nach Alaska. Im Jahr 1887 heiratete er Dora Johnston, mit der er drei Kinder hatte.

Seine ersten Erfahrungen mit Deutschland und den Deutschen hatte Allen bereits 1897–98 während seiner Zeit als Militärattaché in Berlin gesammelt. 1898 nahm er am Spanisch-Amerikanischen Krieg teil und wurde im darauffolgenden Jahr auf den annektierten Philippinen eingesetzt. Dort zeichnete er sich durch eine effektive Organisation der amerikanischen Militärbesatzung aus. Diese Erfahrungen konnte er später auch an Rhein und Mosel nutzen. Im April 1917 übernahm Allen das Kommando der 90th Infantry Division, mit der er ab Juni 1918 an den amerikanischen Offensiven in Frankreich und ab Dezember an der Rheinlandbesetzung beteiligt war. Er pfl egte eine enge, lebenslange Freundschaft zu General Pershing, der ihm am 8. Juli 1919 das Kommando über die neu formierten American Forces in Germany übertrug.

In dem 1923 auch in deutscher Übersetzung erschienenen „Rheinland-Tagebuch“ beschreibt Allen seine Tätigkeit während des Weltkrieges und der Besatzungszeit.

Allen stand für einen friedlichen und ausgleichenden Umgang mit der Zivilbevölkerung sowie für einen kooperativen Stil mit den deutschen Behörden. Er setzte sich persönlich mit großem Geschick und letztlich Erfolg für den Erhalt der Festung Ehrenbreitstein als Kulturdenkmal ein, die nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages hätte entfestigt werden müssen. Allen sah das Auftreten seiner Männer im Rheinland als ein Aushängeschild der Amerikaner in der Welt. Von seiner Truppe forderte er eiserne Disziplin ein. Als Mitglied der Interalliierten Rheinlandkommission pflegte er regelmäßig Kontakte zu Vertretern der anderen Alliierten. Mit Blick auf die internationale Politik bedauerte er, dass die USA sich nach und nach aus Europa zurückzogen, anstatt dort mit ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Kraft eine aktivere Rolle in der Lösung der Probleme und beim Aufbau einer neuen, demokratischen Gesellschaft einzunehmen.

Die Kinder im Rheinland, die stark unter der kriegsbedingten Lebensmittelknappheit zu leiden hatten, lagen Allen besonders am Herzen. Nach seiner Rückkehr in die USA 1923 gehörte er zu den Mitbegründern des American Committee for Relief of German Children, einer humanitären Hilfsorganisation für bedürftige deutsche Kinder. Diese Organisation, in der Allen selbst den Vorsitz übernahm, sammelte bis 1924 mehrere Millionen Dollar an Spendengeldern und finanzierte Lebensmittel und Sachleistungen für bis zu eine Million bedürftige Kinder, schwangere Frauen sowie junge Mütter. 1925 stiftete Allen den General Henry T. Allen Fund, aus dem bis zum heutigen Tag über die Jugendämter Koblenz und Mayen jährlich Gelder in geringem Umfang an hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche ausgezahlt werden.