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Burgwall

Wallanlage vor der (äußeren) Burgmauer

Das Aussehen der Burgwälle ist je nach Entstehungszeit und Landschaft verschieden Die Anlagen waren unterschiedlich groß und konnten rechteckige, ovale, trapezförmige oder kreisförmige Grundrisse haben.

Karolingische Großburgen konnten eine Fläche von bis zu 80.000 qm bedecken. Sie lagen nicht in der Talsohle, sondern in Höhen zwischen 15 und 150 Metern. Die Wälle der Fluchtburgen umschlossen eine Freifläche, die so bemessen war, dass die gesamte Bevölkerung dort Zuflucht finden konnte.

Gewöhnlich waren die Anlagen von Wällen, Palisadenzäunen und Grabensystemen (Sohl- selten Spitzgräben) umgeben. Die Wälle, meist mörtellos geschichtete Bruchsteine (Trockenmauer), wurden durch Holzbalken und -verankerungen sowie durch Erdaufschüttungen an der Innenseite stabilisiert. Hin und wieder verwendete man auch Lehm- oder Kalkmörtel.

Bestand der Wall aus einem Gerüst von Zweigen und Baumstämmen, wurden die Zwischenräume mit kleineren Steinen und Erde ausgefüllt (Holz-Erde-Konstruktion) und auf diese Weise verstärkt. Wälle und Steinmauern hatten etwa eine Höhe von 4-5 Metern und waren 1,5 - 3 Meter dick; auf ihrer Krone verlief meist ein Holzwehrgang.Die Palisaden bestanden aus einem möglichst starren Geflecht von Ästen und Holzpfosten, die senkrecht in den Boden gerammt wurden. Querbalken und andere Verstrebungen erhöhten die Festigkeit. Form und Aufbau der Palisaden waren äußerst vielgestaltig und hingen ganz vom Standort und den örtlichen Gegebenheiten ab. Gräben spielten im frühmittelalterlichen Burgenbau eine besondere Rolle, waren sie doch bei der damaligen Belagerungstechnik und den dafür zur Verfügung stehenden Waffen ein schwer zu überwindendes Hindernis. Zwischen Wall und Außengraben wurde meist ein flacher Erdstreifen belassen, die sog. Berme, um das Abrutschen des Walles in den Graben zu verhindern. Über den äußeren Graben hinweg, konnte man die Anlage meist von mehreren Seiten durch verschiedene Tore betreten. An der Innenseite des Walls befand sich ein weiterer Graben, über den mehrere Erdbrücken in den Burgbereich führten und den Verteidigern einen schnellen Zugang zu allen Stellen des Walls ermöglichen sollten. Im Innenraum standen einige, meist kleine (3x5 Meter), eingeschossige Holzhäuser, in denen die Menschen für die Dauer der Bedrohung wohnen und ihr Hab und Gut unterbringen konnten.

Form und Anzahl der Tore variierte je nach Bedarf und örtlichen Gegebenheiten. Sie waren überwiegend von einfachster Bauart, meist in Form von Flügeltüren. Die Ausgrabungen zeigen, dass viele Anlagen über sog. Zangentore bzw. Trichtertore verfügten. Bei diesen Torarten wurde die Wallmauer durchbrochen und auf beiden Seiten so in den Innenraum hinein verlängert, dass eine Torgasse entstand. Diese Gasse sicherte man durch ein Holztor. Vereinzelt wurden die Wälle bzw. die Tore bereits im 8. Jahrhundert von Türmen flankiert (Büraberg/Fritzlar, Christenberg/Marburg und Rennenburg/Siegburg). Besonders dann, wenn Tortürme über der Torgasse erbaut wurden, kam es zur Ausbildung von sog. Kammertoranlagen. Zwei hintereinander liegende Tore bedeuteten einen wirksamen Schutz auf engstem Raum. Neben dem in die Mauer integrierten Torturm sind in der späten Merowinger- und frühen Karolingerzeit (im 8. Jahrhundert) auch die Anfänge eines frei stehenden Turms in der Burg zu finden.

(Text: Stefan Grathoff)

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