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Steinburg

Befestigte Burg aus Steinen (im Gegensatz zur Holzburg)

Als um etwa 450 n. Chr. die Franken und Alemannen in die ehemals römischen Gebiete einwanderten, konnten sie mit den aus Stein erbauten römischen Militärlagern, Stadtmauern, Häusern und Gutshöfen nicht viel anfangen.

 

Sie waren es gewohnt, in einer bäuerlich, ländlichen Umgebung zu leben und kamen nicht auf den Gedanken, die römischen Bauten zu Wohnzwecken zu nutzen. Sie errichteten ihre Holzhäuser aber in der Nähe der römischen Ruinen, da sie hier eine erschlossene Kultur- und Wirtschaftslandschaft vorfanden, die sie unter den Pflug nehmen konnten.

 

Schon in der karolingischen Epoche (751-814) wurden die Königspfalzen und etliche Kirchen in Steinbauweise errichtet. Von einigen römischen Bauten einmal abgesehen waren städtische Wohnhäuser aus Stein bis weit in das 12. Jahrhundert hinein eine absolute Rarität. Auch im Befestigungswesen herrschten bis in diese Zeit Holz-Erdkonstruktionen vor. Dies galt sowohl für die alten Ringwälle und Fluchtburgen als auch für die frühen Adelsburgen, die längst nicht alle aus Stein bestanden. Viele der anfänglich in traditioneller Bauweise errichteten Holz-Erde-Anlagen wurden erst im Laufe der Zeit durch Steinbauelemente ergänzt und schließlich ganz durch Steinkonstruktionen ersetzt.

 

Die Entwicklung vom Holz- zum Steinhaus vollzog sich ganz allmählich. Frühe Erwähnungen solcher Steinbauten auf Burgen sind um 960 das steinerne Haus der Burg Michelstadt, um 1000 die steinerne Ringmauer der Burg Hochelten/Niederrhein und um 1125 das steinerne Haus mit Turm der vom Bamberger Bischof Otto errichteten Burg Kronach.

 

Die Entwicklung von der Holz- zur Steinbauweise läßt sich besonders gut am Beispiel der Burganlagen Holtrop bei Bergheim und Husterknupp nachvollziehen.

 

Erst in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts begann sich der Steinburgenbau allgemein durchzusetzen. Doch auch im 13. Jahrhundert waren Holzburgen bzw. Steinburgen mit Wehrbauten aus Holz keine Seltenheit.

(Text: Stefan Grathoff)

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