Bibliothek

Bernhard Adelung

Sozialdemokratischer Politiker und hessischer Staatspräsident, geb. 1876, gest. 1943.

Bernhard Adelung wurde 1876 in Bremen geboren. Nach einer Lehre als Schriftsetzer ging er "auf die Walz". 1897 kam er dabei nach Mainz, wo er seine spätere Frau Johanna Groß, die Tochter des Inhabers der Mainzer Schiffahrtsgesellschaft "Mainkette", kennenlernte. Er blieb in der Stadt am Rhein und wurde rasch zu einem der führenden Köpfe der Mainzer Arbeiterbewegung . 1902 wurde ihm die Redaktion des SPD-Organs "Mainzer Volkszeitung" übertragen. Kritische Artikel über Kaiser Wilhelm II. brachten ihm noch im gleichen Jahr eine dreimonatige Gefängnisstrafe wegen Majestätsbeleidigung ein, die er in Butzbach absitzen musste. Schon im darauffolgenden Jahr wurde er als jüngster Parlamentarier in die Zweite Kammer des Hessischen Landtags gewählt, ein Jahr später errang er auch einen Sitz in der Mainzer Stadtverordneten-Versammlung.
Bei Ausbruch der Novemberrevolution wurde Adelung zum Vorsitzenden des Mainzer Arbeiter- und Soldatenrates gewählt und rief am 10. November 1918 vor der Stadthalle die Republik aus. Er wurde zum hauptamtlichen Beigeordneten der Stadt Mainz (mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister) gewählt und übernahm die Ressorts Soziales, Jugend und Schulen. Durch sein gemäßigtes Auftreten in der Politik als Gegner jeder Gewalt genoss Adelung hohes Ansehen. Während der Zeit des Separatistenputsches von 1923 und des passiven Widerstands geriet er jedoch in Konflikt mit der französischen Militärverwaltung, wurde nach Darmstadt ausgewiesen und durfte erst 1924 nach Mainz zurückkehren.
Bis 1928 übte Adelung das Amt des Beigeordneten aus. Seit 1919 war er außerdem Präsident des hessischen Landtags. 1928 wurde er zum Staatspräsidenten des Volksstaates Hessen gewählt. Im März 1933 wurde Adelung von den Nationalsozialisten abgesetzt. Er verbrachte seinen Lebensabend isoliert unter der Observierung durch die Gestapo in Darmstadt. Während dieser Zeit schrieb er seine Memoiren, die posthum unter dem Titel "Sein und Werden. Vom Buchdrucker in Bremen zum Staatspräsidenten in Hessen" 1952 erschienen.

Nachweise

Verfasser: Hedwig Brüchert

Quelle: 2000 Jahre Mainz - Geschichte der Stadt digital