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Rudolf Herzog

Ein biographischer Kurzabriss

Der Dichter Rudolf Herzog während des 1. Weltkrieges.[Bild: Thomas Napp]

Rudolf Herzog wurde am 6. Dezember 1869 als Sohn des Buchdruckereibesitzers und Fabrikaten Albert Anton Herzog und dessen Ehefrau Maria Lisette Bellwitt in Barmen, einem heutigen Stadtbezirk von Wuppertal, geboren. Seine Mutter verstarb 33-jährig im Januar 1875 an einem Schwächeanfall, im Jahr, indem Herzog 6 Jahre alt wurde.[Anm. 1]

Nach der Beschreibung in Herzogs Eigenbiographie „Wilde Jugend“ von 1929 kam er durch die beruflichen Kontakte seines Vaters schon früh in seiner Kindheit mit verschiedenen Literaten in Berührung. Nach dem Besuch der Vorschule und dem Realgymnasium hegte Herzog den Wunsch Maler oder Leutnant beim Militär zu werden. Diesen Berufswünschen widersprach jedoch Herzog Großmutter, die laut Herzogs Biographie das unangetastete Familienoberhaupt war. Erst auf Druck des Vaters begann er 1883 eine Ausbildung als Farbentechniker, um später das familiäre Geschäft übernehmen zu können. Diese Ausbildung absolvierte er wohl als Gehilfe in der Apotheke von Friedrich Talpke in Düsseldorf, wo er auch seine ersten Gedichte im Kulturclub der Balduren schrieb.[Anm. 2]

Mit 17 Jahren veröffentlichte er 1886 zusammen mit seinem Bruder Albert Herzog, Arthur Strauß und Walter Bloem das Gedichtbändchen „Jungwuppertal“, das eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt war. Herzogs literarische Tätigkeit steigerte sich ab diesem Zeitpunkt immer weiter, sodass er es sich bald leisten konnte, als freier Schriftsteller und Journalist zu arbeiten. Seinen ersten Roman veröffentlichte Herzog 1892 mit „Frau Kunst“, den nach biographischen Aussagen Herzog zu anfangs keine Zeitung drucken wollte. 1893 veröffentlichte er sein erstes Drama „Protection“ und den Roman „Nur eine Schauspielerin“, durch den er erste Bekanntheit erfuhr. Ein Jahr später wurde er Feuilletonredakteur der Darmstädter Monatsschrift „Schwarz-Rot“, 1897 Chefredakteur der „Hamburger Neuesten Nachrichten“ und 1899 Leiter des Feuilletons der „Berliner Neuesten Nachrichten“. Während seiner wechselnden Tätigkeiten als Redakteur und Korrespondent unter anderem bei der I.G Farbenindustrie, schrieb er allerlei Heimatgedichte, Dramen und Romane wie „Die vom Niederrhein“ (1903) oder „Die Wiskottens“(1905), „Hanseaten“ (1909) oder „Die Burgkinder“ (1911), die in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg Millionenauflagen erreichen sollten und ihn zu einem Liebling im bürgerlich-nationalistischen Lesepublikum machten.[Anm. 3]

Durch seine hohe Auflagenzahl und seinem Schreibstil, wurde Kaiser Wilhelm II. auf ihn aufmerksam, dessen persönliche Freundschaft das restliche Leben von Herzog prägen sollte. Seine Liebe zu Kaiser und Vaterland fand seinen Höhepunkt 1913 in dem Buch „Preußens Geschichte“, in welchem er die Verdienste Kaiser Wilhelms II. in die Reihe der herausragenden Leistungen der preußisch-deutschen Geschichte stellt.

1907 kaufte er sich durch die Buchtantiemen einen burgähnlichen Wohnsitz in Rheinbreitbach, in dem er ein „familiäres Nest“ für sich und seine Frau, die Opernsängerin Minna Seiler, einrichtete. Im September 1911 unternahm er eine Amerikareise zur Germanistic Society of America, auf welcher er das Ehrenband der Columbia University of New York verliehen bekam. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete er seinem 1915 erschienen Buch „Das große Heimweh“, in welchem er am Beispiel der deutschstämmigen Amerikaner dazu aufrief, sich der Pionierrolle des Deutschtums auf der ganzen Welt bewusst zu sein.[Anm. 4]

Nach seiner Rückkehr in die „Obere Burg“ von Rheinbreitbach, erlebte Herzog dort den Ausbruch des 1. Weltkrieges, welchen er mit Begeisterung aufnahm. Im August 1914 spendete er dem örtlichen Roten Kreuz 1000 Mark (heute etwa 4700 Euro) und bot sein Haus als Lazarett mit kompletter Verpflegung an. Die ersten Kriegshandlungen erfuhr Herzog auf dem westlichen Kriegsschauplatz im Hauptquartier der III. Armee. Dort wurde er jedoch recht bald im Oktober 1914 bei Rethel an der Aisne am Bein verwundet. Im November 1914 wurde ihm dafür das Eiserne Kreuz (vermutlich 2. Klasse) verliehen. Die Verwundung konnte jedoch nicht so schwer gewesen sein, da er schon im Dezember 1914 wieder einen „patriotischen Abend“ im eroberten Stadttheater von Sedan gab.[Anm. 5]

Nachdem 1914 nach wenigen Monaten bereits der Stellungskrieg im Westen begann, nahm Herzog als Pressekorrespondent mit an der Erstürmung der Festung Kowno und Wilna unter General Karl Litzmann teil. Herzog hatte Litzmann, der im Herbst das Kommando einer Gardeeinheit im Ostfeldzug gegen Russland übertragen bekommen hatte, als Etappeninspekteur der III. Armee zu Beginn des 1. Weltkrieges kennen gelernt. Litzmann wurde nachher als der „Löwe von Breziny“ für das Durchbrechen einer russischen Einkesselung, die Einnahme der als uneinnehmbar geltenden Festung Kowno und nach dem Krieg als NSDAP-Abgeordneter bekannt. Inspiriert von den mit Litzmann gemachten Erfahrungen veröffentlichte Herzog neben seinem Romanen „Das große Heimweh“ (1915), „Die Stoltenkamps und ihre Frauen“ (1917) und „Jungbrunnen“ (1918) in der Kriegszeit zwei Gedichtbände „Ritter, Tod und Teufel“ (1915) und „Vom Stürmen, Sterben Auferstehen“ (1916). Daneben erfolgten mehrere Aufrufe an die Frauen und Kinder der Heimatfront, tapfer und stolz für Deutschland „auf die Äcker zu ziehen“ und „Brot zu schaffen“.[Anm. 6]

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches durch die Novemberrevolution 1918 und dem Waffenstillstandsabkommen übernahm Herzog nach dem 1. Weltkrieg die Leitung des Arbeiter- und Soldatenrates in Rheinbreitbach und unterstützte diesen auch finanziell. Er stellte sogar seinen Wohnsitz, die Obere Burg, als Wachlokal zur Verfügung und lagerte dort Waffen und Munition.[Anm. 7]

Nach dessen Auflösung im Sommer 1919, warb er mit einem pathetischen Aufruf in der Honnefer Volkszeitung für die Aufstellung eines Kriegerdenkmals für die Gefallenen in Rheinbreitbach. Im selben Jahr feierte er seinen 50. Geburtstag, zu dessen Ehren ihm Felix Leo Göckeritz ein 80-seitiges Lebensbildnis widmete. Literarisch versuchte er mit seinen Autobiographien wie „Wilde Jugend“ (1929) und „Mann im Sattel“ (1935) sein Lebenswerk zu vermarkten. Politisch engagierte er sich nach Walter Schmähling zufolge im Rheinischen Heimatbund, einer Vorläuferorganisation des „Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz“. Ebenso engagierte er sich 1921 literarisch bei der Verteidigung Oberschlesiens gegen aufrührerische Polen, wofür er den Schlesischen Adlerorden verliehen bekam.[Anm. 8]

1923 verstarb Herzogs Frau Minna Seiler, die Mutter seiner drei Söhne und Tochter Tui. Drei Jahre später heiratete er sein Kinderfräulein Emma Elisabeth Lux, mit der er bis zu seinem Tod verheiratet blieb. Während der Weimarer Zeit pflegte er allerlei alte und neue Kontakte zu Musikern, Literaten und hohen Persönlichkeiten wie der Pianistin Elly Ney oder dem im Exil lebenden deutschen Kaiser.[Anm. 9]

In der Weimarer Republik begann Herzog mit den Nationalsozialisten zu sympathisieren, was sich auch in einer zunehmend antidemokratischen Tendenz in seinen Büchern äußerte. 1932 unterschrieb er sogar einen Wahlaufruf im Völkischen Beobachter, unterzeichnete ein Jahr später das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler und veröffentlichte ein Buch über „Die Geschichte des deutschen Volkes und seiner Führer“, in dem er ähnlich wie 1913 Kaiser Wilhelm II. in „Preußens Geschichte“, nun Hitler in die Reihe der großen Männer der preußisch-deutschen Geschichte stellte.[Anm. 10]

Ab 1936 bereiste er die ehemaligen deutschen Kolonien, worauf sein 1937 erschienenes Erlebnisbuch „Ich sehe die Welt“ entstand und für den Kolonialgedanken warb. Sein literarisches Engagement für die nationalsozialistische Bewegung kulminiert 1938 in dem Buch „Elisabeth Welsers Weggenossen“. Jedoch akzeptierte Herzog Hitler lediglich später als Reichskanzler, ganz wie die deutschnationalgesinnten Schriftsteller des ehemaligen Kaiserreiches, die gedacht haben, Hitler würde die Monarchie wieder in Deutschland einführen. Aus diesem Grund ehrte ihn das nationalsozialistische Parteiblatt, die „Rheinische Landeszeitung“, am 6. Dezember 1939 zu seinem 70. Geburtstag lediglich nur par distance. Nichts desto trotz wurde ihm an diesem Tage die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft von Adolf Hitler durch den NSDAP-Kreisleiter Detlef Dern verliehen.

Im Februar 1943, einen Tag nach der Schlacht von Stalingrad, starb Herzog in Rheinbreitbach. Unklar ist, ob die Todesursache ein Blutsturz oder eine Lungenentzündung gewesen ist. Nach Aussage seiner Tochter Tui habe ihn die Kapitulation der 6. Armee bei Stalingrad emotional so sehr mitgenommen, dass er tot in den Armen eines Freundes zusammenklappte.[Anm. 11]

Zusammenfassend kann bezogen auf die Zeitspanne 1914–1918 festgehalten werden, dass Herzog schon durch seine Tätigkeit als Schriftsteller, Dichter und Journalist bereits enormen Erfolg im deutschen Kaiserreich hatte. Ähnlich wie andere Schriftsteller, begrüßte er voller Überschwang den 1. Weltkrieg als ein Ereignis, dass die Deutschen noch enger zusammenrücken lassen und die deutsche Überlegenheit gegenüber den anderen Staaten aufzeigen würde. Er meldete sich freiwillig, wurde an der Westfront verwundet und nahm danach an der Ostfront als Kriegsberichterstatter an der Erstürmung der Festung Kowno und Wilna teil. Herzog veröffentliche während der Kriegszeit drei Romane und zwei Gedichtbändchen. Das Ende und die deutsche Niederlage des 1. Weltkrieges erlebte Herzog wie große Teile des deutschnationalen Deutschlands als einen Schock.

Nachweise

Verfasser: Thomas Napp B.A.

Redaktionelle Bearbeitung: Alexander Wißmann M.A.

 

 

Anmerkungen:

  1. Vgl. Schmähling (1969, S. 741) Zurück
  2. Vgl. Werner (1967, S. 118); Herzog (1929, S. 65ff.); Göckeritz (1919, S. 3ff) Zurück
  3. Vgl. Werner (1967, S.121); Schmähling (1969, S. 741) Zurück
  4. Vgl. Werner (1967, S. 123); Neu (1940, S. 353ff.); Unbekannt (23.01.1915) Zurück
  5. Vgl. Werner (1967, S. 119); Napp (2014, S. 16,17,22); Unbekannt (14.08.1914); Unbekannt (03.10.1914); Unbekannt (19.11.1914); Unbekannt (03.01.1915) Zurück
  6. Vgl. Werner (1967, S. 119), Kraft (1985,S. 715), Göckeritz (1919, S.17), Unbekannt (13.04.1917) Zurück
  7. Vgl. Napp (2014, S. 124 ff.) Zurück
  8. Vgl. Schmähling (1969, S.741); Unbekannt (29.11.1920) Zurück
  9. Vgl. Telegramm (20. Juni 1929); Gästebuch Obere Burg (1920-1930) Zurück
  10. Vgl. Schmähling (1969, S. 741) Zurück
  11. Vgl. Walter (1967, S. 120); Schmähling (1969, S. 741) Zurück