Schmittweiler in der Pfalz

Schmittweiler

0.1.Allgemeine Angaben

Am Klingbach und am Mieselbach

Ortsteil der Ortsgemeinde Schönenberg-Kübelberg in der Verbandsgemeinde Schönenberg-Kübelberg 

Einwohner 573 (1961)

Die Gemarkung gehört heute zur Gemarkung der Ortsgemeinde Schönenberg-Kübelberg 

0.2.Lage

Der Ort liegt am Klingbach und an dessen Nebenbach, dem Mieselbach, ca. einen Kilometer weit westlich von Kübelberg, ca. 265 Meter über NN. Der Klingbach mündet nördlich von Schönenberg-Kübelberg in den Kohlbach. Das Gelände steigt vor allem nach Westen hin in Richtung Dunzweiler stark an bis auf Höhen von ca. 350 Metern. Vornehmlich dieser westliche Bereich der Gemarkung ist bewaldet, während sich die landwirtschaftlichen Nutzflächen hauptsächlich nach Süden hin in Richtung Waldmohr erstrecken. Die Gemarkung des früher selbstständigen Ortes grenzt im Osten an die Gemarkung von Schönenberg-Kübelberg, im Süden an die Gemarkung von Waldmohr, im Westen an die Gemarkung von Dunzweiler, im Norden an die Gemarkungen von Dittweiler und Brücken. 

0.3.Siedlung und Wohnung

Noch im frühen 19. Jahrhundert erstreckte sich der kleine Ort lediglich am Abhang auf dem linken Mieselbachufer (Höcherbergstraße). Die Erweiterungen erfolgten parallel zu diesem Bereich (Eichenstraße im Norden und Brunnenstraße im Süden), und zum Klingbachtal hin mit einer weiteren Bebauungsverdichtung. Hier steht, an der Einmündung der Höcherbergstraße in die Lindenstraße, das ehemalige Schulhaus, das heute als Bürgerhaus genutzt wird. Die ältere Bebauung lässt deutlich erkennen, dass Schmittweiler ein reines Bauerndorf war. Auch einige markante Westricher Bauernhäuser (Einfirsthäuser) kennzeichnen das Ortsbild. Die neuere Bebauung erfolgt weitgehend in der Fortführung der älteren Ortsstraßen, auch parallel zur Lindenstraße in der Straße "Am Klingbach".  

Dorfstraße im Tal des Klingbachs

0.4.Name

Möglicherweise entstand der Ort ursprünglich bei einer Schmiede. Ältere Namensformen sind u. a.: Schmidwilr (Ersterwähnung 1438), Smydewilr (1456), Smidwiler (1475). Die heutige Namensform erscheint zuerst um 1600. (Vgl. Dolch/Greule 1991 S. 523)

0.5.Wappen

Heute gilt das Wappen der Ortsgemeinde Schönenberg-Kübelberg (s. d.) Schmittweiler selbst führte auch früher kein eigenes Wappen.

0.6.Geschichte

0.6.1.Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit

Im Bereich Schmittweiler selbst sind keine vorgeschichtliche Funde nachzuweisen, wohl aber bestehen jenseits der Gemarkungsgrenze auf der Gemarkung von Dittweiler zwei Hügelgräber, deren Entstehung bislang nicht bestimmt wurde. Während zahlreiche Funde aus der gallorömischen Epoche in den Nachbarorten nachgewiesen werden, sind für den Bereich Schmittweiler bisher keine römerzeitlichen Funde bekannt geworden.

0.6.2.Mittelalter

Da Schmittweiler in einem Sponheimer Gültbuch erst im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt wird, dürfte es sich um eine verhältnismäßig spät gegründete Siedlung handeln, wobei der tatsächliche Zeitpunkt der Ortsgründung nicht mehr festzustellen ist. Der Ort lag in dem Gericht Kübelberg, das ursprünglich ein Teil des freien Reichslandes um Stadt und Burg Kaiserslautern war, ab 1312 durch das Reich an unterschiedliche Herrschaften verpfändet wurde, zuletzt an die Grafen von Sponheim, unter deren Herrschaft es 1437 an die Kurpfalz fiel. (Vgl. Zenglein 2003) Innerhalb der Kurpfalz lag nun das Unteramt Kübelberg mit Schmittweiler in dem Oberamt Kaiserslautern. Ein Weistum von 1456 legte die Rechte und Pflichten der Bewohner der Orte Schmittweiler und Kübelberg fest gegenüber den Herren von Mauchenheim.

0.6.3.Neuzeit

Die Menschen auch der weiteren Umgebung bewegte im späten 16. Jahrhundert eine Wundergeschichte aus Schmittweiler, nach der ein Mädchen des Ortes sieben Jahre lang schlaflos im Bett gelegen und nichts gegessen und getrunken hatte. (Vgl. Bauer 1988). Schmittweiler erscheint 1564 mit zehn Gebäuden in den Landkarten des Tileman Stella, und der Gemeindebann wird um 1600 in der "Gerichtsbeforchung" von Vellmann genau umschrieben. Wie alle Orte der Umgebung hatte auch Schmittweiler unter den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Verheerende Krankheiten rafften die Menschen dahin, viele starben während der Kriegshandlungen. Andere flohen in ruhigere Gegenden, die meisten kehrten nie wieder in die Heimat zurück. Die Kriegsnot wiederholte sich während der Eroberungskriege des französischen Königs Ludwig XIV.. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungzahl  wieder an.  Nachdem Schmittweiler innerhalb des Kübelberger Gerichts fast 350 Jahre lang zur Kurpfalz gehört hatte, kam es im Jahr 1779 zu einer territorialen Neuordnung zwischen dem Kurfürsten Karl Theodor und dem Pfalzgrafen (Herzog) Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken. Zweibrücken erhielt das Gericht Kübelberg im Tausch gegen die bis dahin zweibrückischen Orte Duchroth und Oberhausen und einen Teil des Dorfes Niederkirchen im Odenbachtal. Damit begann für Schmittweiler wie für die anderen Orte des Amtes Kübelberg 10 Jahre vor dem Ausbruch der Französischen Revolution noch ein kurzes Zwischenspiel innerhalb des zweibrückischen Oberamtes Homburg. 1793 erschienen die ersten Revolutionstruppen in unserer Heimat, 1801 annektierte Frankreich das linksrheinische Deutschland. Während der kurzen französischen Zeit bis 1814 war Schmittweiler nun ein Dorf innerhalb der Mairie Kübelberg, die wiederum zum Canton Waldmohr, zum Arrondissement Saarbrücken und zum Saardepartement gehörte.

0.6.4.Neueste Zeit

1814 verließen  die Franzosen auch das linksrheinische Deutschland. Nach einer Übergangszeit kam es 1816 zur Gründung des Baierischen Rheinkreises, der späteren Rheinpfalz im Königreich Bayern. Die inzwischen entstandenen Verwaltungseinheiten wurden den neuen Bedürfnissen angepasst. Schmittweiler gehörte nun zur Bürgermeisterei Schönenberg im Kanton Waldmohr des Landkommissariats Homburg. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Kreis Homburg dem autonomen Saargebiet angeschlossen, zurück blieb bei dem neu formierten Freistaat Bayern und damit beim Deutschen Reich der Kanton Waldmohr. Er gehörte mit einer Außenstelle der Verwaltung zu dem Bezirksamt (Kreis) Kusel, die bis 1940 bestehen blieb. Seit 1940 wird auch der ehemalige Kanton Waldmohr direkt von Kusel aus verwaltet. 1969 schlossen sich die Gemeinden Schönenberg, Kübelberg, Sand und Schmittweiler zu einer neuen Ortsgemeinde mit dem Namen Schönenberg-Kübelberg zusammen. Die zuvor selbstständigen Gemeinden gelten seitdem als deren Ortsteile. Im Zuge der Verwaltungs- und Territorialreform von 1968 wurde Schönenberg-Kübelberg 1972 Sitz der Verbandsgemeinde.

Wahlergebnisse liegen nur für die gesamte Ortsgemeinde vor.

0.7.Zeittafel

Vorgeschichte Gräberfeld von Dittweiler dicht bei der Gemarkungsgrenze Schmittweiler
Ab 1312 Das Amt Kübelberg wird an unterschiedliche Herrschaften verpfändet, zuletzt an die Grafen von Sponheim. Zu dieser Zeit könnte Schmittweiler entstanden sein.
1437 Das Gericht Kübelberg kommt an die Kurpfalz und wird Unteramt im Oberamt Kaiserslautern
1600 “Beforchung des gesamten Gerichts Kübelberg" durch Philipp Vellmann
1618-1648 Dreißigjähriger Krieg, Schmittweiler entvölkert
1688-1697 Eroberungskriege Ludwigs XIV. in Deutschland
1779 Das Gericht Kübelberg mit Sand kommt an Pfalz-Zweibrücken im Oberamt Homburg
1801 Schmittweiler in der Mairie Kübelberg des Kantons Waldmohr, des Arrondissements Saarbrücken und des Saardepartements
1816 Schmittweiler in der Bürgermeisterei Schönenberg des Kantons Waldmohr und des Landkommissariats (Kreises) Homburg im bayerischen Rheinkreis
1919 Homburg im autonomen Saargebiet, der Kanton Waldmohr weiterhin im Reich und gehört mit eigener Verwaltung zum Bezirksamt Kusel
1940 Auch der Kanton Waldmohr wird von Kusel aus verwaltet
1969 Gründung der neuen Ortsgemeinde Schönenberg-Kübelberg mit den weiteren Ortsteilen Sand und Schmittweiler
1972 Gründung der Verbandsgemeinde Schönenberg-Kübelberg

0.8.Religion

Die Geschichte der christlichen Bewohner von Schmittweiler ist eng mit der Kirchengeschichte des Nachbarortes Kübelberg verbunden. Kübelberg war das ganze Mittelalter hindurch der zuständige Pfarrort. In der Reformationszeit wendeten sich die Kurfürsten von der Pfalz der Reformation nach Martin Luther zu, und nach dem damals geltenden Grundsatz "cuius regio eius religio" mussten in religiösen Fragen alle Untertanen die Entscheidungen der Fürsten nachvollziehen. Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges gewährten die Fürsten wieder größere Religionsfreiheit. Schon bei der Neubesiedlung des Landes nach den Verwüstungen durch die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. wurden katholische Neusiedler bevorzugt (Peuplierungspolitik), doch auch die Kurfürsten von der Pfalz förderten während des 18. Jahrhunderts wieder die römisch-katholische Konfession. Die letzten Jahre vor der Französischen Revolution änderten an dieser Entwicklung nichts mehr. Für Schmittweiler bedeutet dies, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts zwei Drittel der Bewohner der katholischen Konfession angehörten, wobei sich der verhältnismäßige Anteil bis heute deutlich vergrößert hat (heute 80% Katholiken). Seit 1970 besitzt die katholische Gemeinde eine eigene Kirche in der Nähe des Friedhofs. Die katholischen Bewohner gehören zu der Kirchengemeinde Kübelberg im katholischen Dekanat Homburg, die evangelischen zur Kirchengemeinde Schönenberg im evangelischen Dekanat Homburg.

0.9.Bevölkerung

Das Gasthaus "Am Klingbach"

Der Charakter eines Bauerndorfes blieb Schmittweiler bis heute erhalten, wenn auch der Großteil der Bevölkerung den Lebenserwerb in anderen Berufen und außerhalb des Ortes selbst findet. Arbeit bieten Industriebetriebe im Saarland, in der Stadt Kaiserslautern, in kleineren Zentren wie Waldmohr, Landstuhl und Schönenberg Kübelberg selbst. Weitere Arbeitsplätze bieten der Militärflughafen in Ramstein und das US-Militärdepot Miesau (Miesau Army Depot). 


0.10.Bevölkerungsentwicklung

1825 1835 1871 1905 1939 1961 1987
gesamt 250 275 336 460 524 573 588
katholisch 169 466
evangelisch 81 106

0.11.Schule, Kultur, Vereine

0.11.1.Schule

Über das Schulwesen in Schmittweiler zur kurpfälzischen Zeit wissen wir wenig. Wahrscheinlich besuchten die Kinder des Dorfes die Schule in Kübelberg. Während der zweibrückischen Epoche bestand ein Schulsprengel für katholische Schüler, der die Orte Schmittweiler, Kübelberg, Schönenberg und Sand umfasste. In Kübelberg gab es zwar eine katholische, aber keine evangelische Schule. So mussten die evangelischen Schüler aus Schmittweiler den Unterricht in Schönenberg besuchen.  (Kramer 1915 S. 263 ff.) 1822 entstand für den Ort ein eigenes Schulhaus mit Glockenturm. Ein weiteres Schulhaus ließ die Gemeinde 1878 erbauen, als die Räumlichkeiten des alten Schulhauses für den Schulbetrieb nicht mehr ausreichten. Später musste auch im alten Schulhaus zeitweise wieder unterrichtet werden. Das Schulhaus von 1822 wurde 1958 abgerissen, an seiner Stelle entstanden ein neuer Klassenraum und zwei Lehrerdienstwohnungen, wobei der Klassenraum 1987 wiederum erneuert wurde. Das Schulhaus von 1878, in dem seit 1975 nicht mehr unterrichtet wurde, ließ die Gemeinde zu einem Dorfgemeinschaftshaus ausbauen. Die Einweihung erfolgte 1988. (Vgl. Bauer 1988 und LA Speyer H 38 N3. 312/313). Heute besuchen die Grundschüler den Unterricht im Schulgebäude in der Pestalozzistraße von Kübelberg, die Hauptschüler den Unterricht im Schulzentrum Süd der Verbandsgemeinde Schönenberg-Kübelberg. In diesem Schulzentrum ist auch eine Realschule untergebracht. Nächst gelegenes Gymnasium ist das im saarländischen Homburg. Sonderschulen bestehen in Kusel und in Brücken, Berufsbildende Schulen ebenfalls in Kusel. Die nächsten Universitätsstädte sind Kaiserslautern, Homburg und Trier.

0.11.2.Brauchtum und Vereinswesen

Schmittweiler feiert die Kirchweih am dritten Wochenende im September. Weiteres Brauchtum und auch das Vereinswesen entsprechen den benachbarten Ortsteilen Schönenberg und Kübelberg.

0.12.Gesundheitswesen und Sozialwesen

Ärzte und Apotheken können in den Ortsteilen Schönenberg und Kübelberg aufgesucht werden.  Als Sozialstation ist für die Alten- und Behindertenpflege u. a. die von Brücken für den Ort zuständig. Nächste Krankenhäuser sind die Universitätsklinik in Homburg, das Krankenhaus in Landstuhl und die Westpfalzkliniken in Kusel und in Kaiserslautern. 

0.12.1.Wirtschaft und Verkehr

Wenn auch die Landwirtschaft heute für den Ort noch immer von Bedeutung ist, so gilt er insgesamt doch heute als ein Wohnort für Menschen der unterschiedlichsten Berufe, die zum großen Teil außerhalb des Ortes selbst der Arbeit nachgehen. 

Schmittweiler liegt an der Kreisstraße 4, die nur etwa einen Kilometer weit entfernt in Kübelberg von der B 423 abweicht und den Ort mit Dunzweiler verbindet. Zu den Autobahnauffahrten 11 und 12 der A 6 bei Miesau und bei Waldmohr sind es jeweils nur ca. sechs  Kilometer. Der Bahnhof der Stadt Homburg ist in einer Entfernung von ca. 10 Kilometern zu erreichen.

0.13.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Bauer, Stefan: 550 Jahre Schmittweiler (1438-1988), Festschrift zur Einweihung des Bürgerhauses, Schönenberg-Kübelberg 1988.
  • Zenglein, Dieter: Von der Reichsburg Kübelberg, dem Ritter Gerin von Kebelnberg, von Dorfadel und „festen Häusern“ im früheren Gericht Kübelberg, in: Westricher Heimatblätter Jg. 34 (2003), S. 4-33.