Görgeshausen im Westerwald

Strom, Wasser, Gas und Entsorgung in Görgeshausen

0.1.Wasserversorgung

0.1.1.Brunnen

Die Gemeinde plante im Jahr 1872, einen neuen Brunnen anzulegen. Die Quelle befand sich aber auf dem Eigentum des Peter Speier. Es handelte sich um eine Wiese, auf der einige Zwetschgenbäume standen. Das Areal war 14 Ruthen und 41 Schuh groß. Als die Gemeinde das Grundstück kaufen wollte, verlangte Peter 10 Taler pro Ruthe. Da der Gemeinde das zu teuer erschien, äußerte sie den Wunsch, die Wiese durch das Feldgericht abtaxieren zu lassen. Damit war Peter Speier aber nicht einverstanden. Die Gemeinde wandte sich an das Amt Wallmerod und Peter Speier wurde vorgeladen. Wie der Streit ausgegangen ist, wird leider nicht überliefert.[Anm. 1]
Der Gemeindebrunnen in der Nähe der Schule wird 1879 und 1888 in der Schulchronik erwähnt. Als im heißen Sommer 1920 der Brunnen versiegte, beschloß die Gemeinde 1921 eine Wasserleitung zu bauen. Die Kosten wurden auf 600.000 Mark veranschlagt. Es folgte eine Zeit des Diskussion, der Kämpfe, des für und wieder. So konnte man erst 1924 zusammen mit der Gemeinde Nentershausen den Bau beginnen. Im August 1925 wurde die neue Wasserleitung in Betrieb genommen. Die beiden Dorfbrunnen liefen aber weiter. Ein brunnen ist heute noch im Betrieb, der andere liegt heute unter dem Rathausplatz.
Neben den großen Dorfbrunnen gab es noch einige Straßenbrunnen (Pitz) und diverse Hausbrunnen. Ein Straßenbrunnen befand sich im Erbacher Weg. Er war lange Zeit mit einem Deckel verschlossen, erst beim Autobahnbau 1927 wurde er wieder reaktiviert, da die Bauarbeiter Wasser benötigten. Früher war eine Schwengelpumpe vorhanden, mit der man das Wasser zutage fördern konnte. Die Quelle dieses Brunnen befindet sich heute unter der Autobahn. In einigen Häusern befand en sich auch Hausbrunnen.
Neben dem Gemeindebrunnen befand sich die Bleichwiese. Die Frauen kochten und wuschen die Wäsche zu Hause und wuschen sie am Brunnen noch einmal gründlich dann. Dann wurden sie auf der Bleichwiese getrocknet.

0.1.2.Chronik der Wasserversorgung

Die Nachrichten zum Zweckverband Görgeshjausen/Nentershausen wurden von Dieter Herz zusammengestellt und den Beschlussbüchern der Gemeinde von 1949-1974 entnommen. Seit dem 16.08.1963 wurde auch das Beschlussbuch des Wasserzweckverbandes (WZB) hinzugezogen.

06.09.1949
Im Beschlussbuch der Gemeinde erscheint ein Beschluss von den Bürgermeistern Ortseifen und Bendel: Wasserleitungsbau - Angebot Fa. Nink 4.329,75 DM und Fa. Weidenfeller 4.250 DM. Die Fa. Weidenfeller erhielt den Zuschlag.

03.12.1950
Die Gemeinde Nentershausen verlangte einen Pumpenwart aus ihrem Ort. Dies wurde abgelehnt. Da Görgeshausen Sitz und Träger der Wasserleitung ist. Der Wasserleitungsanschluss am Neubau von Polizeidiener Johann Reusch wird von der Gemeinde getragen

1953
Die Wasserleitung »Auf der Bitz« wird erweitert.

5.7.1953
Die Quellenfassung »In der Fischbach« wird erneuert. Wegen des Wassermangels werden Wasseruhren angeschafft. Zum Lager (Alter Sportplatz) wird eine Wasserleitung verlegt (Tanklager)

8.5.1954
Den Zuschlag für die Grundarbeiten der Leitung zur neuen Quelle (Käpchen in Nentershausen) erhält die Fa. P. Schwickert (Özingen). Ihr Angebot belief sich auf 4.390 DM. 27.3.

1958
Seit April 1958 beträgt das Wassergeld 1 DM pro Haushalt Grundgebühr und 50 Pfennig pro verbrauchten Kubikmeter.

26.4.1960
Der Pumpenwart Georg Burkhard erhält für seinen Dienst ab sofort monatlich 160 DM. Ein Wünschelrutengänger der Pallotiner soll eine neue Quelle suchen. 2

2.11.1961
Erste Gemeinschaftssitzung der Gemeinden Görgeshausen und Nentershausen. Anwesend waren die Bürgermeister Ortseifen und Bendel sowie 18 Ratsmitglieder. Man wollte einen Wasserleitungsplan erstellen. Wünschelrutengänger Bruder Tenbrock (Pallotiner) sollte den Bohrpunkt für die neue Quelle festlegen (Hinterwiesen).

12.01.1962
Gemeinschaftssitzung der Gemeinden Görgeshausen und Nentershausen. Anwesend waren die Bürgermeister Ortseifen und Bendel, 20 Ratsmitglieder sowie Herr Bernhard vom Wasserwirtschaftsamt. Das Amt sollte die Ausschreibung für die neue Bohrung vornehmen.

25.9.1962
Gemeinschaftssitzung der Gemeinden Görgeshausen und Nentershausen. Anwesend waren die Bürgermeister Ortseifen und Bendel sowie 18 Ratsmitglieder. Ein neuer Hochbehälter sollte gebaut werden und zwar auf dem »Dicken Stein« in Nentershausen.

21.03.1963
Die beiden Gemeinden beschließen laut der Vorlage aus dem Landratsamt Montabaur eine neue Satzung für den Wasserzweckverband. Nentershausen hatte 5 Stimmen, Görgeshausen 3 Stimmen im neuen Verbandsrat.

11.06.1963
Der Verbandsvorsitzende Georg Bendel erhält 40 DM, der Kassenwart 25 DM pro Monat (Kasse Gemeinde Nentershausen). Hermann Koch aus Nentershausen wird vorübergehend mit als Pumpenwart angestellt.

1963
Im neuen Baugelände »Im Strichen« (Görgeshausen) verlegt die Fa. Fein (Langenhahn) für 95.281,50 DM die Rohre. Der Wassergeldheber Johann Höhn aus Nentershausen erhält 5 % von der vereinnahmten Summe des Wassergeldes, das alle zwei Monate fällig ist. Die Gemeinde Görgeshausen nimmt 50.000 DM bei der Nassauischen Sparkasse (NASPA) auf (später auf 100.000 DM erhöht). Neuer Kassenleiter wird Albert Rörig aus Görgeshausen.

1964
Die von der Fa. Buderus gelieferten 150-Zoll-Rohre werden von der Fa. Robert Schmidt (Bahnhof Hattert) vom Hochbehälter nach Nentershausen neu verlegt. Der Vorsitzende des WZB Georg Bendel erhält monatlich 50 DM, der Kassenleiter Albert Rörig 30 DM. Die Fa. A. Eichmann erhält den Auftrag für Arbeiten in der Limburger Straße/B 49 (22,361,60 DM).

1965
Ein neuer Hochbehälter »Kurzer Issel« (Issel) soll gebaut werden. Dafür wird Gelände (67 Ruten Wald) von der Gemeinde Eppenrod angekauft (100 DM pro Rute). Als Wassermeister Hermann Koch kündigt, übernimmt Wilhelm Heck seine Stelle. Er erhält ab dem 1.9.1965 monatlich 220 DM. Die Fa. Chr. Fein (Langenhahn) erhält den Auftrag zum Bau des neuen Hochbehälters (143.671,80 DM). Der Vorsitzende des WZB Georg Bendel erhält ab dem 1.11.1965 monatlich 85 DM.

1966
Die Fa. Willibald Lotz (Heisterbach) erhält den Zuschlag für die Plättung des Behälters (21.642,50 DM). Das Wassergeld wird ab dem 1.7.1966 auf 80 Pfennig pro Kubikmeter festgelegt. Als Schriftführer erscheint erstmals Christian Engelhardt.

1967
Für das Pumpwerk Görgeshausen (Diezer Straße) wird eine neue Kreiselpumpe angeschafft. Die Wasserleitung (Autobahnbrücke/B49) muss im Zuge der Brückenverbreiterung verlegt werde,. Es gibt neue Anschlussgebühren: 5 DM je Meter der Grundstücksfront, 20 Pfennig pro Quadratmeter Grundfläche.

1968
Rohrmeister Heck erhält monatlich 250 DM. Dafür muss er u.a. den Hochbehälter jährlich dreimal, die Tiefbehälter zweimal reinigen. Die Filter müssen einmal im Jahr gewechselt werden. Neue Wassergeldheberin wird Irma Reusch aus Nentershausen. Sie erhält 3 % des erhobenen Wassergeldes.

1969
Die Aufwandsentschädigung für den Vorsitzenden Bendel wird auf 90 DM, die des neuen Kassenwarts Christian Engelhardt auf 55 DM festgesetzt. Ein Vertrag über den Wasserverbrauch mit der Fa. Mogat-Werke wird abgeschlossen. Beschluss der Baumaßnahme B 49 in Nentershausen vom 26.9.1969: Zur Finanzierung werden die beiden Bürgermeister Bändel und Ortseifen beauftragt, den fehlenden Geldbetrag im öffentlichen Geldmarkt zu beschaffen. Zum ersten Mal erhalten die Beschäftigten Weihnachtsgeld: Der Vorsitzende un der Rechner 50 % vom Bruttoverdienst, Rohrmeister Heck 100 DM, Wasserableserin Reusch 100 DM, der Arbeiter Stefan Weimar, zuständig für Rohrbruch, Neuanschlüsse usw., 100 DM.

1970
Das Wassergeld wird ab dem 1.7.1970 von 80 Pfennig auf 1 DM erhöht.

1971
Der Tiefbrunnen wird von der Fa. Bechthold (Salzbach) für 4.604,28 DM entsandet. Ab dem 1.4.1971 übernimmt Dieter Herz den Vorsitz für Herrn Bendel, der an den Folgen eines Unfalls litt. Nach der neuen Satzung fällt bei den Anschlussgebühren die Frontmeterlänge weg, bei der Quadratmetergrundstücksfläche werden jetzt 80 Pfennig berechnet.

1972
Die Fa. Nink - Kurt Holl legt sich eine provisorische Wasserleitung auf ihr Baugrundstück. Die Fa. Weil erhält den Zuschlag für die Eppenröder Waldstraße in Nentershausen. Eine neue Brunnenbohrung am Südhang vom Löwenstein wird beschlossen. Vom Hochbehälter wird von der Fa. A. Eichmann eine Leitung nach Görgeshausen zum Preis von 43.471,60 DM verlegt. Die Rohre lieferte die Fa. Gebr. Becher aus Mudersbach (ca. 34.554 DM).

1973
Am 1.2.1973 wird Vors. Georg Bendel und Josef Ortseifen verabschiedet. Als zweiter Pumpenwart wird Wolfgang Metz eingestellt (150 DM mtl. Plus PKW-Aufwandsentschädigung). Zur Verabschiedung erhält der Kassenwart Christian Engelhardt 200 DM. Die Kasse wird der Verbandsgemeinde übergeben. Im Sommer 1973 herrscht große Wassernot. Die Fa. Stefan Kuhn Inheiden erhält den Auftrag zu einer Tiefenbohrung in der Nähe des Löwensteins. Mit den Gemeinden Eppenrod bzw. Niedererbach soll über Wasserlieferungen gesprochen werden. Ein zweiter Bohrpunkt oberhalb von Nentershausen und der Autobahn wird festgelegt, doch beide Bohrungen bleiben erfolglos. Ein dritter Bohrpunkt in der Nähe des Hochbehälters (Gemeindewald Eppenrod) wird vom Geologischen Landesamt Mainz festgelegt. Gebohrt wird jedoch später unterhalb des Hochbehälters, auf dem Gebiet der heutigen Fa. Müllerland, die die Quelle auch später übernahm. Rohrmeister Heck wird am 31.12.1973 verabschiedet, ihm folgt Wolfgang Metz nach.

1974
Der Vorsitzende des Wasserzweckverbandes Dieter Herz erhält ab Juni 200 DM mtl. Die Versuchsbohrung (heute Müllerland) liegt z. Zt. Bei 70 m und bringt pro Sekunde 4,05 l Wasser. Es wird bis auf eine Tiefe von 90 m weitergebohrt und ausgebaut. Die Herren Arnold und Weyand aus Nentershausen erhalten für eine erfolglose Bohrung auf ihrem Grundstück eine Entschädigung. Der Grundstückseigentümer Oppermann aus Eppenrrod (Bohrung zum Issel) erhält 16.000 DM. Das Verbundsmitglied Engelbert Perne aus Nentershausen verunglückt tödlich.

Nach den Vorschriften, den Aufgaben - Übergang - Verordnung, wird zum 01.01.1975 der Wasserzweckverband Görgeshausen - Nentershausen aufgelöst und von der Verbandsgemeindeverwaltung Montabaur übernommen. Am 20.12.1974 fand ein Abschiedsessen im Gasthaus Martin in Görgeshausen statt. Der Rehbraten war gestiftet von Edgar Henrich. Die letzten Mitglieder waren: Dieter Herz, Edgar Henrich (+ 1985), Erwin Lummel (+ 1981), Christian Engelhardt (+ 1996). Aus Nentershausen: Helmut Perne, Walter Perne (+), Paul Speier, Alfred Rörig (+) und Robert Kneip.

Quellfassung und Pumpstation Görgeshausen Diezer Straße in Richtung Diez
Die Quellfassung ist ca. 17-18 m tief. Das Gebiet links der Straße ist Quellschutzgebiet. Die quelle bringt täglich 70-80 cbm Wasser.

Quelle Nentershausen »In der Fischbach«
Die Quelle brachte ca. 30-40 cbm täglich, bei Regen mehr, da die Quelle Oberflächenquelle wurde. Die Quelle wurde beim Bau des Autobahnzubringers (A3) um 1980 für 1 Million Mark an den Bund verkauft.

Quelle Nentershausen »Am Köpfchen« (oberhalb Tankstellenneubau Gebiet Fa. A. Steinebach in Richtung Wallmerod.
Die Quelle ist ca. 18-20 m tief, täglich werden 15-20 cbm gefördert. Die Quelle wurde schon in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts stillgelegt, da sie zu unergiebig war.

Quelle Tiefbrunnen 1 Görgeshausen »In der Hinterwiese«
Die Bohrung ist ca. 103 m tief. Täglich werden 90-100 cbm gefördert.

Quelle Tiefbrunnen 2 Görgeshausen »Unter dem Issel«.
Die Bohrung ist ca. 90 m. Täglich werden 70-80 cbm nach oben gepumpt. Der Brunnen wurde 1995/96 an die Fa. Dr. Müller - Müllerland verkauft (Wasserwerk Verbandsgemeinde Montabaur)

Hochbehälter »Zum Issel«
Der Hochbehälter hat ein fassungsvermögen von ca. 500 cbm. Seit 1985 besteht eine Ringleitung zwischen allen Gemeinden der Verbandsgemeinde Montabaur.

0.2.Kanalisation

Görgeshausen besaß schon relativ früh eine Kanalisation. Bereits vor dem 1. Weltkrieg war die damalige Kirchstraße (heute Mittelstraße) kanalisiert.

1934 Die frühere Schulstraße (heute Grabenstraße) wird entwässert.
1949 Kanalisation »Auf der Bitz«
1954 Kanalisation der »Limburger Straße« und der »Diezer Straße«. Die Kanalisation »Im Wingert« und »Die Bach« wird für richtig befunden und genehmigt (17.11.1954)
1955 Die Kanalisation im neuen Baugelände wird beschlossen (3.5.1955)
1956 Kanalisation der »Brunnenstraße« und »Im Wingert«. Der alte Ortskern war somit komplett kanalisiert.
1958 Die Kanalisation an der »Diezer Straße« und »Hochbord« wird verlegt (21.11.1958).
1961 Der Kanal »Auf der Bitz« soll verlegt werden (30.05.1961).

0.3.Klärwerk und Rückhaltebecken

1986 sollte in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium von Rheinland-Pfalz ein Pilotprojekt gestartet werden. Dabei drehte es sich um die Klärung des Abwassers von Ammonium, aus dem eventuell das giftige Ammoniak entsteht. Ammoniak wirkt sich vor allem auf den Fischbestand der Gewässer sehr ungünstig aus.[Anm. 2]

0.4.Elektrizität und Gas

Am 21.8.1922 begann man mit dem Bau einer elektrischen Lichtversorgung. Im Winter 1957/58 wurde das elektrische Ortsnetz umgebaut, damit verlor der alte Transformator seine Bedeutung. Die Trafostation wurde kurz danach abgerissen.
Im Winter 1952/53 wurde die Gasleitung quer durch die Görgeshausener Gemarkung gelegt.

Verfasser: Stefan Grathoff

Veröffentlicht am: 01.06.2017

Verwendete Literatur:

Siehe das Verzeichnis: Quellen und Literatur

Anmerkungen:

  1. HessStAWi, Abt.243 Nr.314 vom 16.9.1872. Zurück
  2. Westerwälder Zeitung Nr.73 vom 27./28.3.1986. Zurück