Hachenburg im Westerwald

Burg und Schloss Hachenburg

Die Grafen von Sayn wohnten zunächst auf der Löwenburg im Siebengebirge bzw. in ihrem Stadthaus in Köln. Gerne benutzten sie auch Burg Blankenberg an der Sieg, später auch die Freusburg an der Sieg.

Die Burg in Hachenburg entstand um 1180. Die Burg selbst wird indirekt 1246 (in einem im 16. Jahrhundert geschriebenen Schriftstück) und 1247 in einer zeitgenössischen Urkunde zusammen mit der Stadt ausdrücklich genannt (castrum et oppidum Hachinberg). Die Burg diente den Ortsherren von Hachenburg, den Grafen von Sayn, von Sayn-Wittgenstein und später den Burggrafen von Kirchberg als zeitweilige, zwischen 1652-1799 dann als ständige Residenz. 

Von der alten Burg hat sich kaum etwas erhalten. Zur ältesten Anlage gehört noch der Kern des späteren Sommerbaus. An seiner Südostseite stand ein kleiner Treppenturm, der später in den Durchgang zum oberen Burghof eingefügt wurde. Durch diesen Torweg führte schon im Spätmittelalter über eine Zugbrücke der Weg ins Innere der Burg. Damals bestand die Burg aus einem zweiflügeligen Wohn- und Verwaltungstrakt. Die Umfassungsmauer hatte drei feste Rundtürme. Ein Eckrundturm ist als Ruine im Nordwesten (beim Parkhaus) noch erhalten. Ein weiterer starker Rundturm befand sich auf der Ecke am Markplatz gegenüber der Stadtkirche. Von ihm sind noch Fundamentreste im barocken Eckpavillion (der alten gräflichen Kanzlei) erhalten. Dieser Turm stand noch bis 1741 aufrecht. Ein dritter Eckturm ist im Südosten an der Stelle des südlichen Eckbaus der ehemaligen »Menagerie« zu vermuten. Am 13. Oktober 1654 brannten beim großen Stadtbrand auch Teile der alten Burg nieder.[Anm. 1] 

1717 beauftragte Graf Georg Friedrich (1715-1749) Baudirektor Julius Ludwig Rothweil (+ 1749) mit dem Neubau des Schlosses. Dieser begann zunächst den Ausbau des Schlossgartens mit Jagdzeughaus, Gartenhaus, Orangerie und Steinfiguren. Das 1730-31 von Schlossermeister Friedrich geschmiedete prächtige zweiflügelige Parktor ist noch vorhanden. Ab 1719 plante Rothweil Umbau und Erweiterung des Hauptschlosses zu heutiger Größe. Der Neuwieder Flügel sowie eine Nord- und Südflügel wurden an die beiden älteren Flügel angefügt. Es entstand ein Anlage aus fünf Gebäudeflügeln, die in der Form eines Hufeisens einen Innenhof umschließen. Die Bauarbeiten waren 1726 abgeschlossen, lediglich Stuckarbeiten wurden noch bis 1732 vollendet.[Anm. 2]

1905-1932 und 1948-1950 waren in den Schlossgebäuden eine Forst-, dann eine Waldarbeiterschule sowie weitere Behörden und Wohnungen untergebracht. Alexander Graf von Hachenburg, aus der Linie Sayn-Wittgenstein zu Berleburg, der mit Hachenburg eng verbunden war, lebte zeitweise, bis zu seinem Tod 1940 auf dem Schloss.

1946 kam das Schloss in den Besitz des neu gegründeten Bundeslands Rheinland-Pfalz und verfiel zusehends. So war man froh, als das Schloss 1971 Eigentum der »Schloß Hachenburg GmbH.« wurde. Der neue Besitzer ließ den gesamten Komplex 1971-1973 als Hotel (Sommerbau, Neuwieder- und Nordflügel) und als Eigentumsappartements (Tor- und Südflügel) umbauen. Das Innere wurde teilweise unverantwortlich verändert. Die Bestände des Heimatmuseums, das sich im Schloss befand, wurden veräußert und unwiederbringlich auseinandergerissen. Als die GmbH in Konkurs ging, wurde das Schloss seit 1974 Ausbildungsstätte und Fachhochschule der Deutschen Bundesbank. Zwischen 1971-1972 und 1978-1980 erfolgten deshalb eingreifende Baumaßnahmen im Inneren und Anbau neuer Gebäudeflügel an das Wohnschloss (nach Süden) und an die Vorburg (nach Osten).[Anm. 3]

Redaktionelle Bearbeitung:

Alexander Wißmann M.A.

Verwendete Literatur:

  • Grathoff, Stefan: Geschichte der Stadt Hachenburg, Hachenburg 2011.

Erstellt am: 

03.08.2018.

Anmerkungen:

  1. Siehe Grathoff 2011, S. 466. Zurück
  2. Siehe a.a.O., S. 467f. Zurück
  3. Siehe a.a.O., S. 471f. Zurück