Zur Geschichte von Oppenheim
Eine Siedlung in Oppenheim wird Anfang des 6. Jahrhunderts von einem fränkischen Edeling namens Obbo gegründet. Etwa zur gleichen Zeit entstand neben der Siedlung ein königliches Hofgut.
Der zunehmende Druck der wandernden germanischen Stämme und die innere Schwäche des Römischen Reiches führten Mitte des 5. Jahrhunderts zum Zusammenbruch der römischen Verwaltung. Nachdem die Römer das Land verlassen hatten, strömten allmählich verschiedene germanische Volksstämme in das frei gewordene Land ein. Schließlich setzten sich die Franken als bestimmende Kraft durch. Die fränkischen Könige wurden damit Erben des umfangreichen römischen Staatsbesitzes. Sie fassten den hiesigen Raum zu einem einheitlichen politischen Gebilde zusammen und ermöglichten dadurch die Bildung ländlicher Siedlungen.
Vielleicht auf einer römischen Siedlung gründend, entstand Oppenheim zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Man nimmt an, dass dies auf Initiative eines fränkischen Edlen namens Obbo geschah, der sich mit seinen Leuten an dieser Stelle niederließ. Das Heim dieses Obbo sowie die anderen Häuser des Weilers wurden Obbenheim genannt. Viele der damals gegründeten Siedlungen führten die Endung -heim in ihrem Siedlungsnamen.
Wohl gleichzeitig mit dem Dorf entstand ein fränkisches Krongut (villa) und eine erste Kirche, die vielleicht dem hl. Martin geweiht war. Es bestanden also zwei Rechsbezirke, das Dorf der freien Bauern und das Reichsgut, auf dem die Eigenleute des Königs und seine Ministerialen wirtschafteten. Die bebaute Fläche des Ortes war anfangs recht klein und wuchs erst infolge der Rodungen des 7. und 8. Jahrhunderts. Die wachsende Bedeutung des Ortes führte am 20. Juli 765 zur ersten urkundlichen Erwähnung. Zwei offensichtlich nicht in Oppenheim ansässige Vollfreie, Folrad und Bertricus, stifteten dem neu gegründeten Kloster Lorsch je einen Weinberg in der Oppenheimer Gemarkung.
Entwicklung unter der Vorherrschaft des Klosters Lorsch (774-1147)
Karl der Große schenkt im Jahr 774 das königliche Hofgut in Oppenheim dem Kloster Lorsch. Der Ort gedieh: Kurz nach der Jahrtausendwende richtete das Kloster einen Wochenmarkt ein. Oppenheim wurde häufig von den deutschen Königen besucht. Anfang des 12. Jahrhunderts wird eine erste Burganlage (präsidium) errichtet, die aber 1118 vom Mainzer Erzbischof zerstört wurde. Weite Teile der Stadt, auch die 865 (neu) gegründete Sebastianskirche, wurden damals zerstört. In Anbetracht einer ernsten wirtschaftlichen Krise musste das Kloster Lorsch seinen Oppenheimer Besitz im Jahr 1147 dem König zurückverkaufen.
Im Jahr 774 vermachte Karl der Große das königliche Hofgut dem gerade zum Reichskloster aufgestiegenen Kloster Lorsch. Dieser Besitzwechsel des Königsgutes wirkte sich für das Dorf günstig aus, obwohl der Ort selbst nicht zur Schenkungsmasse gehörte. Abt Thiodroch (864-876) ließ 865 die alte Kirche beim Königshof von Grund auf neu bauen und weihte sie jetzt dem hl. Sebastian.
Aufgrund der Rodungen war die Gemarkung im 9. Jahrhundert immer weiter angewachsen. Dank der zusätzlichen Ackerflächen, Wiesen und Weinberge, ließen sich immer mehr Menschen ernähren. Die steigende Einwohnerzahl trug zum wirtschaftlichen Aufschwung Oppenheims bei. Abt Poppo erwirkte 1008 von König Heinrich II. die Erlaubnis, einen Wochenmarkt abzuhalten und Zoll zu erheben. In dem königlichen Marktprivileg wird Oppenheim als in der Grafschaft des Gaugrafen Zeizolf gelegen bezeichnet.
Königliche Residenz
Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage, an der Kreuzung der Straßen Basel - Köln - Niederlande und Paris - Metz - Prag bzw. Thüringen war Oppenheim im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts bevorzugter Aufenthaltsort der Könige. Zwischen 1073 und 1076 sind mehrere Aufenthalte des Herrschers bezeugt.
Um die Interessen des Reiches am Ort gegen benachbarte Konkurrenten, vor allem die Mainzer Erzbischöfe zu sichern, ließ der König vielleicht Anfang des 12. Jahrhunderts eine Burg (praesidium) durch seinen Statthalter Herzog Friedrich II. von Schwaben errichten und mit einer Besatzung versehen. Wie hoch die politische Bedeutung der Befestigung einzuschätzen, zeigt die Reaktion des Mainzer Erzbischof Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken (1111-1137). Adalbert betrachtete sich als Kirchenherr im Ort und plante, die erzstiftische Machtstellung um Mainz herum mit der Einflusssphäre seines Bruders Bruno, zu dieser Zeit Bischof in Speyer, und mit der Machtstellung seiner Brüder in der Burg Saarbrücken zu vereinigen.
Zerstörung 1118
Deshalb zerstörte er im Februar des Jahres 1118 zusammen mit der sächsischen Königsopposition das kaisertreue Oppenheim. Seine Aktion richtete sich vor allem gegen das Präsidium und die Sebastianskirche. Beide wurden verwüstet. Wenn man der Überlieferung des Klosters Lorsch Glauben schenken will, kamen bei der Eroberung zahlreiche Menschen, die das Kirchweihfest besucht hatten, 2.000 Menschen zu Tode. Während das Präsidium Ruine blieb, wurde die Sebastianskirche bald wieder aufgebaut.
Im 12. Jahrhundert geriet das Kloster Lorsch in finanzielle Schwierigkeiten. Gegen den Erlass einer Zahlungsverpflichtung übertrug Abt Folcnand im Jahr 1147 die drei Höfe Oppenheim, Giengen an der Geislinger Steige und Wieblingen am Neckar an den staufischen König Konrad III. Einige Rechte und Einkünfte, die an Kloster- und Dienstleute verlehnt waren, blieben von der Tauschmasse ausgenommen, ebenso die Besitzanteile, die für den Dienst der Propsteien, die Ämter des Küsters und Pförtners sowie das Gäste- oder Krankenhaus bestimmt waren. Mit der Übergabe des Hofes begann auch für Oppenheim selbst die eigentliche Reichsgeschichte. Während Oppenheim bald wieder ganz in den Besitz des Reiches überging, verschwand die alte Königspfalz Trebur auf der anderen Rheinseite aus der Geschichte. Die Aufgaben der Reichsverwaltung, die bis dahin Trebur wahrgenommen hatte, wuchsen Oppenheim zu.
Die Reichsstadt (1147/1225-1315)
Die Staufer erkannten die strategisch wichtige Lage des Reichsortes Oppenheim und förderten die Entwicklung der Siedlung. Im Jahr 1225 wird der Ort zur Reichsstadt erhoben, ein neuer Wochenmarkt, eine eigene Münze errichtet und mit dem Bau der Katharinenkirche begonnen. Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt wird die Reichsburg Oppenheim errichtet; Der König rekrutierte adlige Burgmannen und siedelte sie in der unmittelbaren Umgebung an. Doch Widerstände des Oppenheimer Kirchenherrn, des Mainzer Erzbischofs, und zunehmender stetiger Streit zwischen den Bürgern und den adligen Burgmannen auf der Reichsburg hemmen die wirtschaftliche Entwicklung. Die Auseinandersetzung eskaliert, 1254 trat die Stadt dem rheinischen Städtebund bei und 1257 zerstörten die Bürger die ungeliebte Reichsburg. Als Rudolf von Habsburg 1273 König wurde, bestätigte er der Bürgerschaft ihre Rechte im Stadtregiment, ließ aber gleichzeitig die Reichsburg wieder aufbauen.
Das Reich verfügte um Oppenheim über ausgedehnte Besitzungen und suchte diese zu sichern und auszubauen. Ein Motiv war sicherlich die strategisch und verkehrstechnisch günstige Lage des Ortes am Rhein und am Schnittpunkt wichtiger Handelswege. Die Region war vor allem gegen den Zugriff des mächtigen Mainzer Erzbischof zu schützen. Zum Schutz des umliegenden Reichsgutes in Nierstein, Dexheim, Schwabsburg bauten die Staufer zunächst die 1118 zerstörte Burg wieder auf. Als Burgmannen gewann sie Familien aus der näheren und weiteren Umgebung. Die Familie von Oppenheim, die Reichsministerialen von Bolanden, die Kämmerer von Mainz, die Bolander und die Rheingrafen wurden zur Verteidigung der Reichsburg hinzugezogen. Die Mehrzahl der Oppenheimer Burgleute gehörte um 1200 zum Lehenhof der Herren von Bolanden und der Rheingrafen.
Oppenheim wird Reichsstadt
Kaiser Friedrich II. gab 1218 dem Marktflecken Oppenheim die eigenständige Gerichtsbarkeit und erhob die Gemeinde im Jahr 1225 zur Reichsstadt.
Reichsstädte waren direkt dem König unterstellt, ohne dass ein andere Territorialherr in der Umgebung etwasin ihren Mauern zu bestimmen hatte. Eine Stadt unterschied sich von anderen Siedlungen durch ihre besondere rechtliche Stellung und Privilegien (Markt, Münze, Recht der Ummauerung).
Im Zuge der Stadterhebung 1225, der gleichzeitigen Eröffnung eines neuen Wochenmarktes, der Einrichtung einer eigenen Münze und des Baubeginns an der Katharinenkirche, legte sich die Stadt ein prunkvolles Stadtsiegel zu.
Das älteste unbeschädigte Stadtsiegel hängt an einer Urkunde des Schultheißen Herbord und wurde 1229 für das Kloster Eberbach ausgestellt. Das Siegelbild zeigt den Kopf Kaiser Friedrichs II. , des Spenders der städtischen Freiheit Oppenheims. Wegen seiner künstlerisch gelungenen Ausgestaltung gilt es als das bedeutendste Stadtsiegel Deutschlands dieser Epoche. Das nächstjüngste Stadtsiegel zeigt König Richard von Cornwall und stammt aus dem Jahr 1266. 1292 zeigt das Oppenheimer Stadtsiegel einen Kopf mit offener, dreizackiger Krone. Ein weiteres Siegel der Stadt weist 1433 auf gerautetem Untergrund, in jeder Raute befindet sich ein Stern, einen Kopf auf, der eine dreigezackte Krone trägt. Daneben besaß die Stadt noch ein kleines Sekretsiegel, dass einen schwarzen Adler mit ausgebreiteten Schwingen auf goldenem Untergrund zeigt, typische Attribute eines Reichsstadtsiegels. Ein Abbild dieses Wappens ist im mittelalterlichen Wappenfenster der Katharinenkirche erhalten.
Im Jahr darauf (1226) befreite der Kaiser die Oppenheimer Bürger für 10 Jahre, die Ritter auf der Burg für alle Zeiten von steuerlichen Abgaben. Außerdem bestätigte ihnen der Kaiser die Bannmeile, den Geltungsbereich des städtischen Rechtes, und erlaubte der Stadt zwei Messen abzuhalten, eine an Martini, die andere an Ostern (Urkunde von 1236).
Stadtmauer
Ausgestattet mit Stadt- und Marktrechten und dank einer gesicherten Finanzierung der Stadtmauer - die Steuerbefreiung von 1226 sollte vornehmlich dem Ausbau der schon seit 1182 im Bau befindlichen Umwehrung dienen - stand Oppenheim als fertig ausgebildete Stadt da.
Anfang des 12. Jahrhunderts war der Oppenheim lediglich von einem Wall, sowie von Zäunen und Gräben geschützt. In den 80er Jahren des 12. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der steinernen Stadtmauer begonnen. In einer Urkunde Werners II. von Bolanden von 1182, mit der dieser dem Kloster Rodenkirchen einen halben Hof schenkte, werden die Mauern der Stadt (infra muros urbis) erstmals genannt.
Bau der Katharinenkirche
Kurz nach der Stadterhebung wurde auch mit dem Bau der Katharinenkirche begonnen. 1255 erteilte König Wilhelm den Oppenheimern das Recht, Münzen in ihrer Stadt zu schlagen. Sie sollten den selben Wert wie die Münzen aus Hall (Heller) besitzen sollten, durften sich aber in der Form unterscheiden. Die Münze wurde auf 10 Jahre verliehen, der Verwendungsbereich des Oppenheimer Geldes wurde allerdings auf die Stadt beschränkt.
Das heutige Rathaus war vor 1621 das Münzhaus. Es überstand den Brand von 1621. Seit 1436 werden keine Münzen mehr in Oppenheim geschlagen. Das Münzhaus diente nach der Schließung der Münze als Wechselstube.
Auch als der Stadt 1234 die gleichen Rechte wie der Stadt Frankfurt gewährt wurden, blieb ihr ein ähnlicher Aufstieg wie der Mainmetropole verwehrt. Dies lag zum u.a. an der Politik des Oppenheimer Kirchenherrn, des Mainzer Erzbischofs, der den Zuzug von Mainzern in die Stadt förderte. Zwar setzte sich König Heinrich (VII.) 1226 mit einem Verbot des Zuzuges von Bürgern und Rittern aus Mainz zur Wehr, doch der Erzbischof versuchte gleichzeitig, seine Kirchenherrschaft über die ganze Gemeinde auszudehnen.
Die Stadt wurde in viele Fehden verstrickt und hielt stets treu zu den Kaisern. Dank der Tatkraft ihres Schultheißen Marquard von Wunnenberg wurde Oppenheim mit den Städten Mainz und Worms 1254 in das "Ewige Bündnis" aufgenommen. Dieses Bündnis wurde zur Keimzelle des großen Rheinischen Städtebundes, der sich wenig später zusammenfand.
Stimmten die Bewohner der Stadt und die Burgmannen auf der Reichsburg bei außenpolitischen Fragen noch größtenteils überein, so gingen die Interessen innerhalb der Stadt oft weit auseinander. Die Stadt, vornehmlich an ihrer wirtschaftliche Entwicklung und an einer freien Entfaltung des Stadtlebens interessiert, genoss zwar den Schutz der Stadtburg, setzte aber den Versuchen der Burgmannschaft, Einfluss auf die innerstädtischen Verhältnisse zu nehmen, energischen Widerstand entgegen. Die adligen Burgmannen, durch Steuervorteile ohnehin begünstigt, dominierten die städtische Verwaltung, da sie nicht nur den Schultheißen, sondern zunächst auch die Schöffen und Ratsherren in der Gemeinde stellten. Um den Adelseinfluss zu brechen und eine städtische Selbstverwaltung durchzusetzen, erstürmten die Bürger im Jahr 1257 die Burg. Ihr Sieg hatte zur Folge, dass die Bürger seit 1259 gleichrangig an der Stadtverwaltung beteiligt wurden.
Damals bestand Oppenheim aus zwei Teilen. Die ummauerten Altstadt lag im Wormsgau, die Burg im Nahegau. Im Raum dazwischen bildete sich den letzten Jahrzehnten des 12. bzw. in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts eine Vorstadt, die Neustadt. Sie wird 1226 in einer Eberbacher Urkunde erstmals erwähnt. 1226 wurde die von Reichsvikar Engelbert von Köln festgelegten Stadtgrenzen vom Kaiser bestätigt. 1258 ließ König Richard die Diözesangrenze zwischen dem Bistum Worms und dem Erzbistum Mainz mitten durch die Stadt ziehen. Der alte südliche Teil mit der romanischen Pfarrkirche St. Sebastian fiel an das Bistum, die höher gelegene Neustadt mit der Katharinenkirche an das Erzbistum. Dies war zweifellos eine Konzession an den Mainzer Erzbischof, der jetzt über seine geistliche Gerichtsbarkeit Einfluss über einen Teil der Stauferstadt gewann.Im 14. Jahrhundert wurden die Vororte im Norden (Seilergasse) und Westen (Antoniter-Kloster) in denBefestigungsgürtel der Stadt mit einbezogen. Das Frauenkloster Mariacron (im Norden) und das Leprosenhaus (im Süden) blieben vor den Toren.
Die neue Machtverteilung scheint jedoch nicht reibungslos funktioniert zu haben, denn 1275 sahen sich die Bürger erneut genötigt, die Burg zu erstürmen. König Rudolf von Habsburg bestätigte 1287 im Rahmen seiner Städtepolitik den städtischen Privilegien, die sich die Bürger 1259 erstritten hatten. Jetzt bildeten Ritter und Bürger mit der gleichen Anzahl von Vertretern den Rat und das Schöffenkollegium. Die zerstörte Burg mussten die Oppenheimer auf eigene Kosten wieder aufbauen.
Das Pfandobjekt (1315-1375)
Das Ende Oppenheims als Reichsstadt vollzog sich nicht in einer spektakulären Eroberung, sondern ganz undramatisch durch eine Verpfändung. Da der König für seine Reichspolitik Bargeld benötigte, wurde Oppenheim im Laufe des 14. Jahrhunderts mehrfach verpfändet. Immer wieder mussten sich die Bürger der Stadt auf einen neuen Ortsherren einstellen, dem während der Laufzeit des Pfandvertrages wichtige Rechte in der Stadt zustanden. Zu den Pfandherren gehörten die Grafen von Katzenelnbogen (1298), der Mainzer Erzbischof (1315-1353), die Stadt Mainz (1356/1360/1366), einige andere Herren und seit 1375 die Pfalzgrafen bei Rhein.
Eine erste nicht zustande gekommene Verpfändung an den Mainzer Erzbischof, die beachtliche Summe von 2.000 Mark war im Gespräch, wurde 1252 in Verhandlungen zwischen Erzbischof Gerhard und König Wilhelm von Holland zwar geplant aber wohl nie vollzogen. Eine zweite Verpfändung nahm Adolf von Nassau vor, als er sich vom Grafen Eberhard von Katzenelnbogen 3.500 Mark lieh und ihm dafür am 11.3.1298 einen Teil der königlichen Einkünfte in Oppenheim überließ. Hier war nicht die Stadt sondern nur eine Einkommensquelle Gegenstand der Verpfändung. Mit der Rückzahlung des Geldes, die zu einem nicht bekannten Zeitpunkt auch erfolgte, erloschen die Ansprüche der Katzenelnbogener Grafen.
Bei der 1314 eingeleiteten Verpfändung an den Mainzer Erzbischof war dann die gesamte Stadt betroffen.
Als Gegenleistung für eine geliehene Geldsumme standen dem Pfandnehmer (fast) sämtliche Rechte (Vorsitz im Gericht, das Recht, Ämter zu besetzen u.ä.) und Einkünfte (Steuern, Zoll-, Markt,- Geleitsgelder u.ä.) im Pfandort zu. Der Pfandgeber konnte sein Pfand gegen Rückzahlung des geliehenen Geldes wieder auslösen. Da die klammen Schuldner häufig weitere Geldsummenbeim Pfandnehmer liehen und diese auf die bereits bestehende Pfandsumme schlugen, nahmen die Verpfändungsgelder schnell solche Höhen an, dass es dem Pfandgeber unmöglich war, diese Gelder jemals zurückzuzahlen. Auf diese Weise gingen viele Städte, Dörfer, Burgen und sonstiger Besitz den Eigentümern für immer verloren.
Als Ludwig der Bayer König 1314 werden wollte, erkaufte er sich die Unterstützung des Mainzer Erzbischofs Peter von Aspelt. Als er 1315 König war, verpfändete er dem Mainzer am 16.1.1315 die Reichsstadt Oppenheim zusammen mit Nierstein, Dexheim, Schwabsburg, Odernheim sowie Ober- und Nieder-Ingelheim. Die Pfandsumme wurde auf 10.020 Pfund Heller festgelegt. Damit geriet der Ort mit all seinen Einkünften und Rechten in die Verfügungsgewalt des Mainzer Erzbischofs.
Die erste Mainzer Pfandschaft war durch einige Judenprogrome gekennzeichnet, die das sich verändernde soziale Klima in der Stadt widerspiegelten. Am 18.12.1353 kaufte Kaiser Karl IV. (1346-1378) die Pfandschaft von Erzbischof Gerlach von Nassau (1346-1371) zurück und Oppenheim kam für kurze Zeit wieder in Reichsbesitz.
Am 24.12.1356 verpfändete Kaiser Karl IV. eine Hälfte von Oppenheim und die anderen Orte für 33.000 kleine Florentiner Gulden an die freie Reichstadt Mainz. Die Stadt mußte die Städte Worms und Speyer mit in die Pfandschaft eintreten lassen, wenn diese 7.000 Gulden an den Kaiser zahlten. Die andere Hälfte verblieb vorerst dem Reich, doch wenig später musste der Herrscher auch diese Hälfte zu Geld machen. Karl IV. verpfändete kleinere Anteile an verschiedene Herren: Siegfried von Marburg, Ulrich von Helfenstein, Eberhard von Eppstein und auch der Oppenheimer Reichsschultheiß Heinz I. zum Jungen beteiligte sich mit 3.600 kleinen Gulden an der Pfandschaft. Dadurch erhöhte sich die Pfandsumme bis 1367 auf 82.000 Gulden angewachsen. Kaiser Karl IV. beauftragte seinen Sohn König Wenzel von Böhmen und den Mainzer Erzbischof Gerlach, das Geld für die Rücklösung zu bezahlen. Aber der Plan scheiterte, da sich Karl IV. mit Erzbischof Gerlach zerstritt und seine Sohn kein Geld hatte.
Unter Kurpfälzischer Herrschaft (1375 - 1797)
Im Zuge der Bestrebungen Karls IV., seinen Sohn Wenzel von Böhmen auf den deutschen Königsthron zu heben, wurde die Pfandschaft Oppenheim im Jahr 1375 den pfälzischen Kurfürsten überlassen. Damit ging Oppenheim dem Reich für immer verloren. Die Stadt blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts pfälzische Oberamtsstadt.
1375 trat Karl IV., der Mainzer Erzbischof war in dieser Zeit ohne Einfluss auf die Geschehnisse, die Pfandschaft Oppenheim an den pfälzischen Kurfürsten Ruprecht I. (reg. 1353-1390) und seinen Großneffen Ruprecht III. (reg. 1398-1410) ab, um so die pfälzische Kurstimme für die anstehende Königswahl seines Sohnes Wenzels von Böhmen zu erlangen 1378 wurde auch der Vater des jungen Ruprecht, Ruprecht II. von der Pfalz (reg. 1390-1398) in die Pfandschaft mit aufgenommen.
Als 1398 die Kurpfälzer Pfandschaft für erblich erklärt wurde, sich also auf die jeweiligen Söhne übertrug, verlor die Stadt praktisch ihre Reichsunmittelbarkeit. Obwohl das Obereigentum des Reiches an der Stadt theoretisch bestehen blieb, war der Pfalzgraf als Pfandherr unumschränkter Herr in der Stadt und bestimmte die Geschicke der Gemeinde. Kurfürst Friedrich der Siegreiche (reg. 1449-1476) unterteilte das Land in 18 Ämter und Oppenheim wurde Amtsstadt und Verwaltungszentrum für die Reichspfandschaften der Kurpfalz. Damit war Oppenheim eine Reichsstadt in kurpfälzischem Pfandbesitz und gleichzeitig als Amtsstadt Sitz einer kurpfälzischen Regionalverwaltung.
Einführung der Reformation
Bereits unter dem Zeichen der folgenden Religionswirren brach 1552 der Heerführer des "Schmalkaldischen Bundes", Markgraf Albrecht von Brandenburg, im Rheinland ein und befahl die katholische Stadt Oppenheim und ihre Umgebung zu plündern. Kurfürst Ottheinrich (1556-1559) führte die lutherische Reformation ein, Kurfürst Friedrich III. (1559-1576) stand dem Calvinismus nahe. Gegen den erheblichen Widerstand der Oppenheimer Bürger setzte Friedrich III. im Jahr 1565 in der Katharinenkirche die Reformation durch.
Der Dreißigjährige Krieg in Oppenheim
Oppenheim wurde von den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) hart getroffen. Immer wieder wurde die Stadt angegriffen, lagerten Truppen des Kaisers, der Spanier, der Schweden, der Franzosen, der Bayern und Weimaraner in ihren Mauern. Die Kämpfe und die hohen Tributforderungen der Besatzer bluteten die Stadt aus, viele Oppenheimer verließen die Stadt.
Die Wahl des Kurfürsten Friedrich V. (1610-1632), des Führers der protestantischen Union, zum böhmischen König (Winterkönig) hatte für Oppenheim verheerende Folgen. Nach dem Scheitern Friedrichs und seiner Vertreibung aus der Pfalz drangen Truppen der katholischen Liga und die Spanier in der Pfalz ein, und das "reformatorische" Oppenheim wurde mit einer katholischen spanischen Besatzung belegt.
Am 14.9.1620 zog der spanische Feldherr Don Ambrosio Spinola kampflos in Oppenheim ein. Die Stadt blieb für 11 Jahre unter spanische Besatzung. Lutheraner und Calvinisten und auch die erst 10 Jahre zuvor gekommenen Bewohner des Welschdorfes wurden genötigt, die Stadt zu verlassen. Am 17. Juli 1621 wurde von plündernden spanischen Soldaten eine verheerende Brandkatastrophe ausgelöst. Über 100 Häuser und Gebäude, darunter die Gasthäuser "Zur Kanne" und "Zur Krone" fielen den Flammen zum Opfer. 1625 vertrieben die Spanier die letzten nichtkatholischen Pfarrer.
Im Dezember 1631 erschien Gustav Adolf vor der Stadt, die vom spanische Gouverneur der Unterpfalz Don Philippo des Sylva verteidigt wurde. Nachdem die Schweden drei Tage lang die Sternschanze auf der anderen Rheinseite berannt hatten, setzte das Heer über den Rheinstrom und nach schwerem Kampf fielen am 19. Dezember 1631 Oppenheim und Schwabsburg in schwedische Hände. Von diesem Ereignis kündigte die damals vom Sieger aufgestellte "Schwedensäule". Es folgten wechselnde Besatzungen der kaiserlichen, spanischen, schwedischen, bayerischen, weimarischen und französischen Truppen, die erst nach dem Westfälischen Frieden (1648) beim Regierungsantritt des neuen Kurfürsten Karl Ludwig (reg. 1649-1680) endgültig vertrieben wurden.
Die Wirren des 30jährigen Krieges, die wechselnden Besatzungen und die ständigen hohen Kontributionsforderungen hatten viele Oppenheimer dazu veranlasst, der Stadt den Rücken zu kehren. Lebten zu Beginn des Krieges 1618 noch 800 Bürger in der Stadt, waren es 1648 nur noch 20 Bürger. Ziel der Politik des Calvinisten Karl Ludwig musste es folglich sein, neue Bürger in der Stadt anzusiedeln. Deshalb durften die Reformierten in der Katharinenkirche und die Lutheraner in der Sebastianskirche Gottesdienst feiern; die Katholiken vorerst nur als Untertanen geduldet. Kurfürst Philipp Wilhelm (1685-1690) aus der katholischen Linie Pfalz-Neuburg gab dann allen drei Konfessionen gleiche Rechte. Mit der Rückkehr der Franziskaner in ihr Kloster zu Beginn des Jahres 1686 war die katholische Seelsorge endgültig gesichert.
Die Katastrophe des Jahres 1689
Die Heirat der Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig, Liselotte von der Pfalz, mit einem Bruder des Sonnenkönigs Ludwig XIV. (reg. 1643-1715) wirkte sich für die Pfalz und das Rheinland verheerend aus. Als 1665 die Simmerische Linie der Pfalzgrafen ausstarb und Kurfürst Philipp Wilhelm aus der Linie Pfalz-Neuburg die Leitung der Pfalzgrafschaft übernahm (reg. 1685-1690), erhob der Sonnenkönig zugunsten seiner Schwägerin Liselotte Ansprüche auf das Eigengut des Hauses Simmern. Als die Pfalzgrafen sich weigerten, marschierten französische Truppen im Rheinland ein. Im Verlauf des sog. Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688-1797) wurden weite Teil der Pfalz in Schutt und Asche gelegt.
Am 1.10.1688 eroberte und besetzte der französische Marschall Breteuil Oppenheim. Am Pfingstdienstag, dem 31. Mai 1689, wurden Oppenheim, Worms und Speyer auf Befehl des französischen Ministers Louvois durch General Melac in Brand gesteckt. Die Katharinenkirche, die Bartholomäuskirche, die Stadtmauer und die Burg wurden zerstört. Was vom Feuer verschont blieb wurde niedergerissen, nur wenige Häuser überstanden das Inferno. Die Einwohner flohen aus den Trümmern, wanderten für immer ab, nur 60 Bürger blieben in der verbrannten Stadt. Einige ließen sich auf der anderen Rheinseite nieder und gründeten dort den Ort Neu-Oppenheim, der noch 1696 genannt wird. Oppenheim selbst erholte sich nur langsam von der Katastrophe.
Oppenheim im 18. Jahrhundert
Die Kriege des 18. Jahrhunderts, allen voran die Erbfolgekriege, der spanische (1701-1714), der polnische (1733-1735) und der österreichische (1740-1748) und nicht zuletzt der Siebenjährige Krieg (1756-1763) brachten Oppenheim das Leid aller Kriege: Plünderungen, Gewalt, Kontributionsforderungen, Fouragelieferungen und Einquartierungen der verschiedenen durch das Land ziehenden Soldaten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein blieben viele der in den Kriegen zerstörten Gebäude Ruinen. Erst im Laufe des 19. Jahrhundert konnten die Schäden an den Gebäuden weitgehend behoben werden.
Oppenheim unter französischer Herrschaft
Die französische Revolution überrollte auch Oppenheim. Am 18.10.1792 wurde die Stadt besetzt und als französische Kantonsstadt eingerichtet. Das Ende der französischen Regentschaft kam 1814, als die Stadt von russischen Soldaten besetzt, und nach deren Abzug in das Großherzogtum Hessen eingegliedert wurde.
Die kurpfälzische Regierung versuchte zwar, sich gegen die Einwirkungen der Französischen Revolution mit Pressezensur und Ausweisungen von Sympathisanten der Revolution zu erwehren, aber die Revolution Umwälzung verschonte auch den hiesigen Raum nicht. Französische Truppen drangen 1792 vor und am 18.10.1792 zog der französische General Custine in Oppenheim ein.
Der Friede von Campo Formio 1797 bedeutete das Ende von Kurpfalz. Die linksrheinischen deutschen Lande wurden in den französischen Herrschaftsbereich einbezogen. Seit dem 9.12.1797 stand Oppenheim unter französischer Herrschaft. Der Verkehr über den Rhein wurde dauerhaft unterbunden. Oppenheim war jetzt Grenzstadt, behielt aber seine Stellung als Verwaltungsmittelpunkt. Aus der kurpfälzischen Amtsstadt wurde der Kantonsbezirk Oppenheim, der neben der Stadt und den Ort Nierstein und Schwabsburg 11 Mairien mit 20 Gemeinden umfasste. In Oppenheim befanden sich ein Friedensgericht, drei Notare, eine Einnehmerei, eine Gendarmeriestation, eine Posthalterei, eine Etappenkommission und ein Bürgerhospital.
Im Jahr 1804 zogen Kaiser Napoleon (reg. 1799-1814/1815) und seine Gemahlin mit großem Gefolge durch die Stadt.
Beim großen Rückzug der Franzosen aus Russland im Jahr 1813 starben allein mehr als 600 Soldaten auf den Straßen der Stadt. Am Stadtgraben am Sackträger legt man einen besonderen Friedhof an, der lange Zeit den Namen "Franzosenkirchhof" trug. Am 4./5.1.1814 zogen russische Truppen unter General Langeron in Oppenheim ein. Keine angenehme Zeit für die Oppenheimer, denn die Eroberer betrachteten die linksrheinischen Gebiete nicht als zurückgewonnene deutsche, sondern als eroberte französische. Große Teile der Bevölkerung wären durchaus bereit gewesen, weiterhin unter französischer Verwaltung und der fortschrittlichen französischen Rechtsprechung zu leben.
Oppenheim im Großherzogtum Hessen
Im Jahr 1814 entstand der Kreis Alzey, zu dem auch der Kanton Oppenheim gehörte, Im April des Jahres 1816 wurde Oppenheim nach dem Wiener Kongress in das Großherzogtum Hessen-Darmstadt eingegliedert. Es folgten ruhige Zeiten, die Oppenheim einen bescheidenen Wiederaufstieg als Stadt ermöglichten. Vereine entstanden, Casino-Gesellschaft (1835), Männergesangverein (1845), Bürgerverein, Turnverein (1846), Demokratischer Verein (1848) und Carnevalsverein (1873). Nachdem Oppenheim 1852 Kreisstadt mit 53 zugehörigen Gemeinden geworden war, ging es wirtschaftlich weiter aufwärts. 1853 wurde die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen, 1888 das Wasserwerk gebaut, 1892 der Winterhafen, 1897 die Schiffslandebrücke und 1897 der Park mit der Landskronhalle errichtet. Im Jahr 1899 wurde die elektrische Beleuchtung, ein Jahr später der Fernsprechverkehr eingeführt.
Oppenheim im 20. Jahrhundert
Im Jahr 1925 wurden die Stadtrechte Oppenheims feierlich erneuert. Die letzte Wunde der Pfalzverwüstung von 1689, der zerstörte Westchor der Katharinenkirche, wurde 1937 geschlossen. 1938 löste man den Kreis Oppenheim auf und verschmolz ihn zum Teil mit dem Landkreis Mainz.
Heute ist Oppenheim Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung Nierstein-Oppenheim. Die Verbandsgemeinde umfasst neun Ortschaften mit ca. 23.000 Einwohnern.
Die jüdische Gemeinde in Oppenheim
Anders als in den Städten Worms, Mainz und Speyer, wo schon seit dem 10./11. Jahrhundert Judengemeinden nachweisbar sind, nahmen Juden in Oppenheim erst nach der Verleihung der Stadtrechte 1225 ihren Wohnsitz in der Stadt. Erstmals genannt wurde die kleine Judengemeinde in einem königlichen Steuerverzeichnis von 1241. Von 120 Mark Silber, welche die Stadt aufzubringen hatte, mussten die Oppenheimer Juden 15 Mark zahlen.
1285 ist die Synagoge (in der Schlachthausgasse?) erwähnt. In diesem Jahr wird auch die Judengasse genannt, die Gemeinde lebte also in einer geschlossenen Wohngemeinschaft. Den Schutz der Juden garantierten die adligen Burgmannen. Dafür finanzierten die Juden deren Burglehen.
Auswanderung der Juden nach Palästina
Die jüdische Gemeinde war Ende des 13. Jahrhunderts nicht mehr gewillt, die Finanzierung der Burgmannengelder zu übernehmen. So entschlossen sich die Juden Im Jahr 1286, dem Rabbiner Meir ben Baruch von Rothenburg zu folgen und nach Palästina auszuwandern. Das Unternehmen scheiterte. Meir wurde eingesperrt. Die Flüchtlinge zerstreuten sich in alle Winde und kamen nicht mehr zurück. Ihr Vermögen wurde im Auftrag des Kaisers durch den Mainzer Erzbischof Heinrich II. (1286-1288) und den Grafen Eberhard I. von Katzenelnbogen (1260-1311) eingezogen.
Pogrome im 13. und 14. Jahrhundert
Wie in anderen Städten kam es auch in Oppenheim zu ernsten Angriffen auf die jüdische Glaubensgemeinschaft. Einen ersten Zwischenfall, von dem aber nichts näheres bekannt ist, soll es 1298 im Zusammenhang mit der katzenelnbogischen Pfandschaft gegeben haben. Bei diesem Angriff könnte die Synagoge in Mitleidenschaft gezogen worden sein.
Denn 1324/1325 ist von einem (teilweisen?) Neubau die Rede.Während der 1. Mainzer Pfandschaft (1315-1356) konnten die Burgmannen auf der Landskron den Schutz der Juden offensichtlich nicht mehr garantieren. So kam es in den Jahren 1336, 1349 und 1353 zu weiteren Judenverfolgungen. Die neue Synagoge wurde 1336 beschädigt und 1349 zerstört. Von ihr ist nur ein Fragment eines Türsturzes mit hebräischen Schrift erhalten, der heute im sog. "Gelben Haus" an der Ecke Rathofstraße und Wormser Straße eingemauert ist. Man nimmt an, dass das Gelbe Haus nach der Zerstörung der Synagoge als Notsynagoge gedient hat.
Die Judengemeinde seit dem 15. Jahrhundert
Nach dem Ende der Mainzer Herrschaft in Oppenheim 1353 blühte die Judengemeinde, jetzt erneut unter dem Schutz der Burgmannen, wieder auf. Doch ihre Zahl reichte nicht aus, die Burglehen für die Landskron zu finanzieren. Deshalb versuchte die Regierung in Heidelberg und der Stadtrat zu Beginn des 15. Jahrhunderts, weitere Juden als Stadtbewohner anzuwerben. Da jedoch die Juden neben den Burglehen, Abgaben an das Reich (Goldener Opferpfennig) und Steuern an den Pfalzgrafen zu zahlen hatten, nimmt es nicht Wunder, dass die Judengemeinde immer weiter schrumpfte.
Die in Oppenheim verbleibenden Juden blieben auf den hohen Steuern sitzen und verarmten. Nach dem 30jährigen Krieg war die Judengemeinde bereits sehr klein. 1722 wohnten acht, 1745 neun, 1765 zehn Judenfamilien in der Stadt und im Jahr 1905 wurden 129 Bürger jüdischen Glaubens gezählt. Der Barbarismus des Nationalsozialismus führte zwischen 1937 und 1941 gewaltsam das Ende der Oppenheimer Judengemeinde herbei. An sie erinnert heute nur noch der schon vor 1736 genutzte jüdische Friedhof zwischen der Bahnlinie und der Ernst-Ludwig-Straße.
Mittelalterliche Schulen
Um 1400 befanden sich jeweils eine städtische Schule an der St. Sebastianskirche (1496 genannt) und an der Katharinenkirche (1407 und 1414 erstmals genannt). Letztere bestand bis 1680 und wurde in die Reformatorische Schule integriert. Die Mädchenschule am Zisterzienserinnenkloster Maria Cron war den Bürgertöchtern verwehrt. Sie diente den Oppenheimer Adelsfamilien als Ausbildungsstätte ihrer Töchter. Sie wurde Mitte des 16. Jahrhunderts geschlossen. Die Reformierte Schule, eine Lateinschule, wurde 1557 im Haus Pilgersberg Nr. 1 und 3 (obere Ecke der Steckengasse) eingerichtet und übernahm 1680 die Schüler der Katharinenschule. Die Stiftsschaffnerei, die sich bis 1557 in diesem Haus befand, zog in die Klostergasse 10 um.
Während der spanischen Besatzungszeit entstand eine katholische Schule, unter den Schweden wurde im Anwesen Am Markt 6 eine lutherische Schule eingerichtet. 1648 gab es folglich 3 Schulen, die reformierte Schule am Pilgersberg, die katholische Knabenschule am Markt und die lutherische Schule in der Altstadt. 1754 wird erstmalig die katholische Mädchenschule erwähnt, die ihren Unterricht in der Backgasse 31 abhielt. Als sich 1822 die Religionsbekenntnisse der Lutheraner und der Reformierten zusammenschlossen, gab es seit dieser Zeit nur noch eine evangelische Schule. Eine israelitsche Schule wird in Oppenheim erstmals 1830 erwähnt.
Wirtschaft und Handel
Haupterwerbszweig im mittelalterlichen Oppenheim war die Landwirtschaft und hier besonders der Weinanbau. Bereits bei der Erstnennung des Ortes wird ein Weinberg erwähnt.
Im 8. Jahrhundert unterstreichen die vielen Schenkungsurkunden für Wingerte in der Überlieferung des Lorsch auf die Bedeutung des Weinbaus hin. Im 12. Jahrhundert trug der Reichsministeriale Werner II. von Bolanden den Weinzehnten in Oppenheim von Reich zu Lehen. Am 14.4.1273 wird in Oppenheim erstmals eine vinea dicta Kredimburne, der heutige "Oppenheimer Krötenbrunnen" erwähnt. Im 16. Jahrhundert blühten Weinbau und Weinhandel noch einmal auf, doch der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) fügte den Winzern in Oppenheim schweren Schaden zu. Die Wingerte wurden verwüstet, die Rebstöcke herausgerissen, die Pfähle als Brennholz missbraucht. Der Pfälzische Erbfolgekrieg und vor allem die Pfalzzerstörung 1689 brachte den Weinbau fast zum Erliegen, nur noch wenige Winzer produzierten Wein, und dann meist für den Eigenverbrauch.
Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erlebten Weinbau und Weinhandel dank verbesserter Verkehrswege eine neuen Aufschwung. Die Weinlagen Sackträger, Goldberg, Kreuzt, Krötenbrunnen, Herrenberg, Reisekahr, Zuckerberg, Schloßberg, Daubhaus, Steig usw. wurden über die Grenzen Oppenheims hinaus berühmt und sind es zum Teil heute noch. Im Jahr 1895 wurde eine Wein- und Obstbauschule in Oppenheim gegründet, die sich bis heute zur Landeslehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Gartenbau weiterentwickelt hat.
Oppenheimer Gasthäuser
Der Wein war in den Weinbaugegenden ein Hauptgetränk des Mittelalters. Bei allen privaten und öffentlichen Anlässen wurde Wein gereicht. Mit Weinrationen wurden Landarbeiter, Handwerker, Lehrer, Pfarrer, Ratsherren, Amtleute und sonstige Bedienste entlohnt. Die Ortsbewohner besuchten die zahlreichen Schankwirtschaft. Laut einer Urkunde Rudolfs von Habsburgs vom 11.4.1282 durften in Oppenheim nur eingesessene Bürger Wein ausschenken.
Die"Schildwirte" betrieben den Weinausschank als Gewerbe. Ihre Gaststätten dienten oft auch als Übernachtungsherbergen. Sie mussten ein entsprechendes Schild vor der Türe anbringen, damit man sie als Schildwirte erkannte. Daneben gab es noch die "Kranzwirte", die nur Eigenbau verzapfen durften und Vorläufer der heutigen Straußenwirtschaften sind.
Von den Oppenheimer Gasthäusern sind noch viele dem Namen nach bekannt. In der Chronik von 1689 werden das Wirtshaus "Zum Grünen Baum" und die Schildgaststätten "Zur Goldenen Kanne" sowie "Zur Stadt Düsseldorf" genannt, 1740 werden die Schildgaststätten "Zum Engel", "Zum Ritter", "Zum goldenen Anker", "Zum Schwanen", "Zum goldenen Löwen", "Zum weißen Roß" und "Zum Löwen" erwähnt.
Gasthaus "Zur Goldenen Kanne"
Die "Kanne" gehörte zu den berühmtesten Gasthäusern im Ort. Es stand in der Mainzer Straße. Auf seinem Weg zum Reichstag nach Worms übernachtete Martin Luther dort am 15. April 1521. Auch bei seiner Rückreise kehrte er am 26. April ein. Eine Gedenktafel erinnert an dieses Ereignis. Im Juli 1621 fiel die "Kanne" dem großen Stadtbrand zum Opfer, wurde aber später wieder aufgebaut.
Am 15.2.1740 war der Posthalter Friedrich Hormann Besitzer der "Kanne". 1762 wurde der Gasthof an Jacob Borngesser und dessen Ehefrau Susanna geborene Hofmann versteigert. Am 2.3.1764 kündigte Borngesser den Bäckern, Schneidern und Bauleuten ihre Zunftstuben in der "Kanne". Er musste jedoch die Kosten für die Versetzung der Zunftstuben tragen.
Verkehrsverbindungen
Dank seiner verkehrsgünstigen Lage spielte der Handel in Oppenheim eine herausragende Rolle. Die Stadt lag zum einem am Rheinweg von Basel über Mainz nach Köln und an der Ost-West-Verbindung von Paris, Metz, Saarbrücken nach Frankfurt, Thüringen und Franken. Bei Oppenheim überquerte man auf dieser Straße den Rhein. Den Transport auf die andere Rheinseite übernahm eine Fähre (Nehen), die 1373 erstmals urkundlich erwähnt wird. Um 1700 kam es zu einer Versandung des Rheins. Der Rhein verlagerte sich innerhalb weniger Jahrzehnte weit nach Osten. Die Fährleute mussten ihre Abfahrtsstelle eine gutes Stück an den heutigen Fährpunkt verlegen. Im Jahr 1701 wurde eine mobile "fliegende Brücke" über den Rhein erbaut, auf der man noch um 1900 den Strom überwinden konnte.
Seit dem 14. Jahrhundert besorgte das Oppenheimer Marktschiff den Verkehr zwischen Oppenheim und Mainz. Zu Land unterhielt einen regelmäßigen Botendienst mit den anderen Städten, bis 1744 auch Oppenheim an das Thurn- und Taxissche Postnetz angeschlossen wurde. Der erste Eisenbahnzug erreicht die Stadt am 15. März 1853. Das Telefon hielt im Jahr 1900 Einzug in Oppenheim.
Handwerk in Oppenheim
An Handwerksbetrieben werden im Mittelalter Bäcker, Metzger, Schuster, Schneider, Schmiede, Schlosser, Böttcher, Bender, Schröter, aber auch Wollweber, Tuchmacher, Gerber, Ziegler und Bierbrauer genannt. Bis in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs lässt sich auch das Kunstgewerbe, Kupfer-, Silber- und Goldschmieden sowie Kupferstechern und Kunstdruckern in der Stadt nieder.
Als in den Jahren 1575, 1582 und 1596 große Epidemien die Einwohnerschaft dezimierten und den Wohlstand gefährdeten, reagierten die Kurfürsten und siedelten Religionsflüchtlinge aus den Niederlanden und Frankreich an, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dabei entstanden ganz neue Gewerbezweige, so etwa der Buchdruck. Weit über Grenzen hinaus bekannt geworden ist der Buchdrucker Jakob Köbel, der von 1494 bis 1533 in Oppenheim arbeitete.
Nach seinem Tod hatte Oppenheim lange Zeit keine Druckerei. Erst 1609 siedelte der aus Frankfurt vertriebene Lütticher Goldschmied Theodor de Bruy nach Oppenheim über. In seinem Gefolge wurden die Druckereien Julius und Galler sowie für kurze Zeit Matthäus Merian in Oppenheim ansässig.
Das Zunftwesen in Oppenheim
Im Jahr 1738 werden zwölf Zünfte erwähnt: Die Fuhrleute und Weinschröter mit 21 Mitgliedern, Schmiede und Schlosser, Färgen und Schiffer sowie Fischer mit jeweils 18 Mitgliedern, Küfer und Brauer mit 16 Zunftgenossen, Krämer, mit 15, Schuhmacher mit 14, Bäcker und Metzger mit jeweils 11, die Bauzunft mit 8 und schließlich die Weinweber mit 5 Zunftmitgliedern.
Messen und Märkte
Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1225 wurden nacheinander zwei Messen in Oppenheim eingerichtet. Beide sollten jeweils 18 Tage dauern. Bei der Ostermesse versammelten sich Kaufleute und Händler an der Bartholomäuskirche, die Martinimesse im November fand an der Katharinenkirche statt. Außerdem wurde seit 1008 ein Wochenmarkt abgehalten und später gab es auch periodische Holz-, Frucht- und Viehmärkte. Genannt werden der Speise- und Krautmarkt, der wohl auf dem Marktplatz abgehalten wurde. Der Saumarkt fand am Gautor statt, der Fischmarkt in der Wormserstraße beim Brauhaus an der "Fischertreppe" am Riesen. Der Holzmarkt fand in alten Zeiten vor dem Fischtor später auf dem Postplatz statt. Der Fruchtmarkt war auf dem Platz vor dem Rheintor (Postplatz) zu finden. Wo Korn-, Roß- und Heumarkt abgehalten wurden, ist nicht bekannt.
Das alte Kaufhaus, das 1621 abgebrannt ist, stand in der Nähe des Marktplatzes an den "Hallen". Damit ist wohl ein Arkadenhaus gemeint.
red. bearb. S.G., db, ds


