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Dendrochronologie

Verfahren der Altersbestimmung

Die Dendrochronologie (vom griechischen dendros = Baum, chronos = Zeit und logos = Kunde) ist ein zu Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entwickeltes Verfahren zur Datierung von Holz unbekannten Alters durch Vergleich seiner Jahresringmuster mit einem "Baumringkalender". Dieser wurde durch Korrelation teilweise gleichzeitiger Jahrringfolgen im Laufe jahrzehntelanger Forschung erstellt.

Entdeckt wurde sie von dem jungen Astronomen Andrew Eliott Douglass aus Flagstaff, Arizona. Eigentlich suchte dieser nach einem Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und Klima. Dafür vermaß er die Dicke der Jahresringe an alten Kiefern und trug diese Dicke in ein Diagramm ein. Dadurch erstellte er eine Datensammlung für die letzten 585 Jahre, indem er die extrem schmalen und breiten Jahrringe auf einer Zeitskala zur Deckung brachte. 1929 gelang ihm der Durchbruch, als er die Jahrringmuster archäologischer Fundhölzer in den älteren Abschnitt seines Kalenders einhängen konnte. Somit war der Aufbau einer längeren Jahrringchronologie geschafft.

Das Zellbildungsgewebe (Kambium) im Holzkörper der Bäume beginnt im Frühjahr zunächst mit der Anlage verhältnismäßig weiter Gefäßbündel (Frühholz) und beendet seine Tätigkeit im Sommer mit der Ausbildung enger Leitstränge (Spätholz). in Querschnitten ist dieser jährliche Radialzuwachs als Jahresring sichtbar. Anhand der Jahresringe kann man das Lebensalter eines Baumes bestimmen sowie Informationen über seine Wuchsbedingungen erhalten. Für die Archäologie und Baugeschichtsforschung ist die Dendrochronologie von besonderer Bedeutung, weil sich historische Hölzer mit Hilfe dieser Methode exakt datieren lassen. Sobald Splintholz, die äußeren, heller gefärbten Zuwachsschichten eines Baumes, erhalten ist, kann der Fällungszeitraum bis auf wenige Jahre eingegrenzt werden.

Die Waldkante, der definitiv letzte Jahresring, den der Baum vor der Fällung angelegt hat, datiert exakt das Jahr der Fällung. Während man heute beim Bau mit Motorsägen, -fräsen und -bohrern auch älteres, hart gewordenes Holz bequem bearbeiten kann, war das früher sehr viel schwieriger und deshalb nicht üblich. Bauholz wurde im Mittelalter grundsätzlich während der Vegetationsruhe geschlagen und frisch verarbeitet. Daher entsprechen die dendrochronologischen Daten der Hölzer in der Regel auch dem Zeitpunkt ihrer Verwendung am Bau.

Wie erstellt man eine Dendrochronologie?

  • Schritt 1: Nach Präparierung der Holzoberfläche werden die Jahresringbreiten mit einem speziellen Gerät vermessen, einem Auflichtmikroskop, und zwar mit einer Genauigkeit von 0.01 mm.
  • Schritt 2: Durch graphische Umsetzung der Ringbreiten entsteht ein Kurvenmuster. Die Kurvenmuster verschiedener Bäume werden verglichen.
  • Schritt 3: Ist eine passende Position gefunden, wird rechnerisch eine Mittelkurve gebildet.
  • Schritt 4: Die Mittelkurve wird zur Deckung mit dem Jahrringkalender gebracht. Dies geschieht heutzutage mit statistischen Computerprogrammen. Für einen besseren Vergleich werden die Kurven geglättet.
  • Schritt 5: Die Datierung wird von der Endposition der Jahrringkurve im Kalender abgeleitet. Damit die Zeitangabe jahrgenau ist, muß der letzte Wuchsring vorhanden sein, die Waldkante.

 

Eine Dendrochronologie kann immer nur für eine bestimmte Baumart erstellt werden. Man nimmt solche Baumarten, die auf Klimaveränderungen sehr stark reagieren. Außerdem müssen auch beim Standort einige Dinge beachten werden: Man verwendet nur Bäume, die an Standorten gewachsen sind, an denen keine menschlichen Einflüsse vorhanden sind, wie z. B. Abgase, Müll oder Spritz- und Düngemittel.

 

Quelle: Sybille Bauer (aus: Lebendiges Rheinland-Pfalz III-IV (2003), S.13); redakt. Bearb.: S.G.

 

Weitere Informationen: http://www.archaeologie-online.de/links/85/93/320/index.php

 

 

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