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Mörtel

Gemisch aus Sand, Kalk, Wasser als Bindemasse des Mauerwerks und des Verputzes an Wänden

Der Trockenmauerbau, der auf ein festigendes Bindemittel verzichtet, war in ganz Mitteleuropa bis weit in den Osten verbreitet. Der frühmittelalterliche Steinmauerbau unter Verwendung von Mörtel geht auf römische Überlieferungen zurück und ist z.B. bei den karolingischen Anlagen (679-814) Büraberg/Fritzlar und Kesterburg/Christenberg in Hessen anzutreffen. Er setzte sich im Befestigungsbau seit dem 10. Jahrhundert mehr und mehr durch.

Der mittelalterliche Mörtel bestand aus einer Mischung von Kalk und Sand, die in einem Verhältnis von etwa 1:2,5 mit Wasser in Holzkästen angemacht wurde.

Der Kalkstein wurde teilweise über größere Entfernungen herangeschafft. Er wurde grundsätzlich ungebrannt zur Baustelle gebracht, damit er nicht schon vorher Kohlensäure und Wasser aus der Luft aufnahm und seine Wirkung verlor. Auf der Baustelle gab es mehrere Öfen, in denen der Kalk gebrannt wurde. Danach löschte man den gebrannte Kalk in einem Sandbett mit Wasser und mußte ihn dann zügig vermauern.

Kalkmörtel gab es in unterschiedlichen Härtegraden. Neben steinhartem, mit Beton vergleichbarem, kam auch mehlig weicher Kalkmörtel vor. Die Härte des Mörtels konnte mit Zusätzen wie Kieselsteinen, Ziegelmehl, Gips, Kohle und Kalbshaar variiert werden. Wenn man den Chroniken glauben will, wurden auch Tannenzapfensud, Wein, Eier und Buttermilch beigegeben, um den Mörtel haltbarer und vor allem frostsicher zu machen.. Als Mischbehälter dienten seit dem späten 12. Jahrhundert aus Bohlen zusammengesetzte Holzkästen, die von in den Boden geschlagenen Pflöcken zusammengehalten wurden. Handlanger schleppten den Mörtel in hölzernen Schalen (Mulden) oder zuweilen zu zweit auf einem hölzernen Traggestell auf die Mauerkrone. Gelegentlich füllte man den Mörtel in Bottiche, die man an einen Lastaufzug hängen konnte. Schubkarrenähnliche Handwagen sind bereits im 13. Jahrhundert bekannt.

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