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Reformation

Kirchliche Erneuerungsbewegung zwischen 1517 und 1648

(lat. reformatio = Erneuerung)

Seit dem ausgehenden Mittelalter gab es mehrere Versuche, Misstände in der Kirche abzuschaffen und eine Erneuerung der lateinischen Kirche voranzutreiben. Die Amtskirche reagierte nicht in genügendem Umfang auf diese Kritik. Martin Luther (1483-1546) kritisierte hauptsächlich, dass sich die Lehre der Kirche von den biblischen Grundlagen entfernt habe. Diese Kritik fand viele Befürworter und löste eine Bewegung aus, an deren Ende die Spaltung der lateinischen Kirche stand. Es bildeten sich "evangelische" Kirchen und der Protestantismus als christliche Konfession heraus.

Lutherisch-protestantische Konfession

Martin Luther (1483-1546) war der Begründer einer Bewegung, die sich in Deutschland und Skandinavien verbreitete: Grundsätze der Bewegung waren:

 

  • Ablehnung der päpstlichen Kirche und ihrer Auslegung der Bibel
  • Nur die Bibel gibt Antworten über den Glauben
  • Nur durch die Gnade Gottes kann der Mensch erlöst werden
  • Der Mensch soll sich nur an seinem Glauben orientieren.

Luther baute auf die Landesfürsten als Träger der Reformation und unterstützte die Obrigkeit, um sich von der päpstlichen Glaubensauslegung lösen zu können.

Calvinismus

Johann Calvin (1509-1564) französischer Theologe, der in Genf seine Lehren in die Praxis umsetzte. Grundsätze: Wie Luther baute auch er auf das Bibelstudium und auf die Ablehnung der päpstlichen Kirche. Wichtige Unterschiede sind: Lehrer und Pfarrer wurden in der Kirchengemeinde gewählt. Der Mensch ist vorherbestimmt zur ewigen Seligkeit oder zur Verdammnis. Wer auf Erden Erfolg hat, ein arbeitsreiches und tugendsames Leben führt, kann sich zu denen rechnen, die zur Seligkeit vorherbestimmt sind. Calvin vertrat im Gegensatz zu Luther die Vorherrschaft der neuen Kirche über den Staat. Diese Lehre wurde in der Schweiz, Frankreich (Hugenotten) und von England (Puritaner) aus mit den Auswanderern nach Amerika verbreitet. Anerkannt wurde diese Richtung auf dem westfälischen Frieden als reformierte Kirchen.

Anglikanische Kirche

Der englische König, Heinrich VIII., führt eine Trennung seiner Landeskirche von England durch. Die Kirchenherrschaft des Papstes ging auf den König und die Bischöfe über. Diese neue Kirche, in der viele Gottesdienstrituale nach katholischem Muster abliefen, wurde anglikanische Kirche genannt. Die von Calvin beeinflusste reformatorische Richtung (Presbyterianer) war mit dieser Kirchenverfassung nicht einverstanden. Sie wandte sich gegen die anglikanische Staatskirche und setzte die Vorstellung dagegen, dass es keine von einem Herrscher geleitete Kirche geben sollte. Entscheidungen über alle kirchlichen Fragen sollten nur in der Gemeinde fallen. Diese Idee von der Selbstbestimmung der Gemeinde nahmen die englischen Auswanderer nach Amerika mit. Bis heute ist diese von Calvin geprägte Glaubensauffassung in Amerika bestimmend für den Aufbau der Kirche. In England setzten sich die Ideen der puritanischen Reformation nicht durch.

Täufer

Die Täufer sind Gruppierungen der Reformation in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden. Sie vertraten die Auffassung, dass nur die Erwachsenentaufe einen Menschen in die christliche Gemeinde aufnehmen kann. Sie lehnten politische Ämter und die päpstliche Kirche ab. Andere Richtungen wie Thomas Münzer, der mit der Reformation sozialrevolutionäre Ideen verband, wurden von der Obrigkeit blutig unterdrückt.

 

 

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