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Steigzeug

Belagerungsgerät

Eine Sturmleiter ist das älteste und einfachste Mittel, um die Mauerkrone einer belagerten Burg einzunehmen. Sie taucht in ägyptischen Fresken des Alten Reiches ebenso häufig auf wie in neu-assyrischen Darstellungen. Auch Griechen und Römer haben verschiedene Arten von Steighilfen benutzt. Die zusammenlegbaren Strickleitern ließen sich gut transportieren, die hölzernen Leitern an Ort und Stelle schnell zusammenzimmern. Mittelalterliche Sturmleitern waren meist aus Holz gefertigt, entweder als starre oder als zusammensteckbare Konstruktion, es gab aber auch aufrollbare Leitern nach dem Strickleiterprinzip.

In den mittelalterlichen Kriegsbüchern werden teilweise abenteuerliche Konstruktionen von Sturmleitern erwähnt, etwa in Gestalt von vielgliederigen Scherenleitern, die in der abgebildeten Form schwerlich jemals praktische Anwendung gefunden haben können. In ihrem um 1409 geschriebenen Livre des faits d'armes et de chevalerie empfiehlt Christine de Pisan (1365-1430?) für eine Belagerung zahlreiche doppelte Leitern mit vier Sprossenreihen, um vier Kriegern zugleich den Aufstieg zu ermöglichen. Die Konstruktion, teilweise bis 40 Fuß hoch, soll auf Rollen an die Mauer geschoben worden sein.

Fast alle Arten von Sturmleitern besaßen am oberen Ende krallenartige Eisenhaken, die man auf der Mauerkrone einhakte. Bei Strickleitern nahm man dazu lange Stangen zu Hilfe.

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen.

(Text: Stefan Grathoff)

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