Lautzenhausen im Hunsrück

Zur Geschichte von Lautzenhausen

Vor- und Frühgeschichte und römische Zeit

Funde auf der Gemarkung des heutigen Lautzenhausen zeigen eine Siedlungskontinuität von der Eisenzeit bis zur Römerzeit. Von der ausgehenden römischen Zeit bis zum frühen Mittelalter werden die archäologischen Funde weniger. Eine Siedlungskontinuität für diesen Zeitraum ist schwer nachweisbar.

Die frühgeschichtlichen Siedlungsspuren lagen zwischen Lautzenhausen auf der einen und Sohren und Büchenbeuren auf der anderen Seite. In Richtung Raversbeuren wurden 24 Hügelgräber gefunden. „Im Scheid“ lagen mehr als doppelt so viele Hügelgräber. Es wurden Scherben gefunden. Sie wurden der Hunsrück-Eifel-Kultur um 650 v. Chr. zugeordnet. Ein großer Teil der Grabhügel auf der Wasserscheide von Hunsrück und Mosel fielen in den 1950er Jahren dem Bau des Flughafen Hahn zum Opfer.

Römerzeitliche Funde wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entdeckt. Es handelte sich um Mauerreste, Streufunde und einen Brunnen. In der Nähe wurden Scherben und sogar die steinernen Grundmauern eines Gebäudes entdeckt. Im Boden des Gebäudes fanden sich Ziegelstücke und Bruchstücke von Tassen, Schalenfüßen und Tellerrandstücken aus Sigillata und Bruchstücke von Bechern, Schalen und Töpfen aus Terra-Nigra. Zudem fand man einige Eisennägel. Die Grundmauern lagen etwa 15 Minuten Fußweg von Lautzenhausen entfernt.[Anm. 1]

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Die Anfänge des heutigen Lautzenhausen finden sich auf dem Gebiet des ehemaligen Königshofes Sohren. König Albrecht I. gestattete am 27. Oktober 1301 die Übertragung von Sohren an die Adeligen von Sponheim. Bereits 1260 besaßen die Sponheimer in Lautzenhausen einen Hof. Mit der Übertragung 1301 endete die Geschichte des Königshof Sohren als selbständige Einheit. Danach übten auch die Besitzer der Burg Dill in Lautzenhausen Herrschaftsrechte aus. 1338 wurde die halbe Burg an den Erzbischof und Kurfürsten Balduin von Trier übertragen. Hier wurde Lautzenhausen unter dem Namen Kotzenhusen genannt. Ein weiteres Dokument aus dem Jahr 1338 benennt Lautzenhausen als Lutzenhusen. 1442 belehnte König Friedrich III. die Markgrafen Jakob von Baden und Friedrich von Veldenz als Erben der Grafschaft von Sponheim mit Sohren und den dazugehörigen Dörfern. Darunter wurde Lautzenhausen unter dem Namen Kuchehusen genannt. Eine weitere Schreibweise stellt Lutzenhausen dar. 1463 gab es im Dorf mindestens drei Höfe. Das Kirchberger Gültbuch nennt den Herrenhof, den Deylen-, Schurrings- und Drappen(erben)-hof. Diese Pachthöfe wurden Anfang des 16. Jahrhunderts erneut erwähnt. Für die Folgezeit fehlen zusammenhängende Nachrichten über den Ort. 1719 taucht Lautzenhausen erneut im Rahmen von Grenzstreitigkeiten mit Raversbeuren auf. Eine weitere Grenzstreitigkeit wurde 1773 mit einer sogenannten Grenzgerechtigkeit beendet. Die Urkunde beschreibt die Grenzen des Ortes genau. In einer Bauordnung von 1791 wird Lautzenhausen dann erneut genannt.[Anm. 2]

Das 19. Jahrhundert

Das Ende der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mächteverhältnisse wurden durch den Einmarsch der französischen Revolutionsarmee im Hunsrück 1794 besiegelt. Unter der Führung des Generals Claude-Silvestre Colaud wurde Lautzenhausen am 16. Oktober 1794 von der französischen Armee erobert. Die Verwaltung des linken Rheinufers wurde in der Folgezeit neu gegliedert. Lautzenhausen wurde 1798 der Mairie Sohren im Kanton Kirchberg zugeordnet. In der Armee Napoleons kämpften daraufhin auch Männer aus Lautzenhausen. An den sogenannten Befreiungskriegen 1812/1813 sind keine teilnehmenden Lautzenhausener bekannt. Das Ende der französischen Herrschaft auf dem linken Rheinufer leiteten die preußischen und russischen Truppen ein, die in der Neujahrsnacht 1813/1814 über den Rhein übersetzten. Die französische Verwaltungsordnung wurde von Preußen übernommen. Sie blieb bis 1816 bestehen. Danach wurde eine neue Verwaltungsgliederung etabliert. Lautzenhausen in der Amtsbürgermeisterei Sohren kamen zum Landkreis Zell. Sitz der Amtsbürgermeisterei war allerdings Büchenbeuren.

Während der Deutschen Revolution von 1848 wurden auch vier Männer aus Lautzenhausen in der preußischen Armee eingesetzt. Einer von ihnen starb bei Kämpfen in Baden. Vom Kriegsdienst im Feldzug gegen Dänemark 1864 wurden die Lautzenhausener verschont. Am preußisch-österreichischen Krieg von 1866 nahmen mehrere Lautzenhausener teil. Alle kamen unverletzt und lebendig aus dem Krieg zurück. Zur Unterstützung der Familien und der erwarteten verletzt heimkehrenden Soldaten war zu Beginn des Krieges vom Gemeinderat Gelder aus der Gemeindekasse bewilligt worden. Im März 1869 wurden BürgerInnen von Lautzenhausen zur Quartierleistung für Truppen des Norddeutschen Bundes und seiner Verbündeten verpflichtet. 1870 begann der Krieg gegen Frankreich. Durch den Ort zogen deutsche Soldaten. Die DorfbewohnerInnen hatten sie zu versorgen. Mehrere Männer aus Lautzenhausen nahmen am Krieg teil. 1871 hatte das Deutsche Kaiserreich gewonnen und im französischen Versailles wurde ein Friedensvertrag zwischen dem Kaiserreich und Frankreich unterzeichnet. In der Folgezeit wurden auch in Lautzenhausen die Monarchie und der Kaiser verherrlicht. Am Geburtstag des Kaisers erhielten die Kinder Brötchen, sogenannte Kaiserwecken. Gegenüber des Friedhofs wurden Eichen für den Reichskanzler Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I. gepflanzt.[Anm. 3]

Das 20. Jahrhundert

Ein Pferd wird beschlagen, zwischen 1900 und 1950[Bild: Bildarchiv des Rhein-Hunsrück-Kreises www.rheinhunsrueck-bild.de [CC BY-SA 3.0]]

Seit 1871 wurden auf dem Hunsrück im Herbst sogenannte Kaisermanöver abgehalten. Hierbei wurden Waffen demonstriert und „Krieg gespielt“. Dies trug zur Verharmlosung des Krieges und der Militarisierung der Bevölkerung bei. Die Schulchronik Lautzenhausen berichtet für das Jahr 1913 von einem Kaisermanöver bei Büchenbeuren. Das neuste militärische Gerät wurde präsentiert, darunter Flugzeuge. Im Zuge dieses Manövers raste eines der Militärflugzeuge in eine Menschenmenge, die der militärischen Übung zusah. Zwei Männer, eine Frau und ein 8jähriger Junge starben. Es gab drei Schwer- und mehrere Leichtverletzte. Im folgenden Jahr begann der Erste Weltkrieg. Zunächst war die Bevölkerung verwirrt und wusste nicht, ob es wirklich Krieg geben würde oder nicht. Im Verlauf des August 1914 wurden viele Männer aus Lautzenhausen zur Armee eingezogen, 32 an der Zahl. Auf die Verwirrung folgte Hysterie. In Lautzenhausen machten Gerüchte von einem sich dem Dorf nähernden „feindlichen Auto“ die Runde. Die Bevölkerung bewaffnete sich mit Karst, Rechen, Bohnenstangen, Steinen, Heugabeln und Gewehren. Die Straßen des Dorfes wurden mit Wagen blockiert. Man eilte von einem Ende des Ortes zum anderen. Ein Mann fiel hin und es löste sich ein Schuss. Als ein Lautzenhausener, der im Wald Reiser geschnitten hatte, aus dem Wald kam, wäre er beinahe von der aufgebrachten Menge erschossen worden. Er floh zurück in den Wald.

Im Zuge des Krieges beschloss der Gemeinderat, russische Kriegsgefangene zur Ernte anzufordern. Lebensmittel wurden aufgrund des Krieges rationiert. Es kam zu Lebensmittelhamstern und die hungernde Stadtbevölkerung versuchte auf dem Land an Lebensmittel zu kommen. Trotz mehrerer Tote aus dem Dorf wirkte die Propaganda der Regierung, die Siegeszuversicht verbreitete. Bei Kriegsende im November 1918 waren 12 der 32 Lautzenhausener Soldaten gestorben. Auf die Zeit der kriegführenden Monarchie folgte die Zeit der Weimarer Republik.

Im Jahr 1923 trübte die Weltwirtschaftskrise das Leben der Menschen. Die Preise für Lebensmittel und andere Güter stiegen rapide. Bauern des Dorfes versuchten, den Viehhandel in den stabilen Währungen Dollar oder Franc abzuwickeln. Dies scheiterte jedoch, da sie keine Kontakte in das Saargebiet oder den „Freistaat Birkenfeld“, das „Dollarländchen“, hatten. Es entwickelte sich der Tauschhandel. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Umstände wurde in Lautzenhausen der örtliche Turnverein gegründet. In den Jahren 1926 und 1927 wurde eine Flurbereinigung durchgeführt. Um 1931 sanken die Viehpreise, die Arbeitslosenzahlen stiegen.

Direkte Auskunft über die Zeit des Nationalsozialismus in Lautzenhausen geben die Schulchronik und die seit 1931 geführte Ortschronik. Am 21. März 1933 feierte man im Ort freudig die Eröffnung des Reichstags mit einem Feuer auf dem Sportplatz, einem Fackelzug und dem Gesang von NS-Liedern. Es folgten Feierlichkeiten zum 1. Mai, bei denen das ganze Dorf mit Baumgrün und Fahnen geschmückt wurde. Auf dem Schulhof wurden Reden von Reichspräsident Hindenburg und Innenminister Frick aus Berlin übertragen. Es folgte ein Gottesdienst und am Abend die Übertragung der NS-Feierlichkeiten auf dem Tempelhofer Feld aus Berlin mit Rede von Reichskanzler Adolf Hitler. Das Jahr 1933 stand im Zeichen des Nationalsozialismus. Es wurden Großveranstaltungen, Feste und Kriegsspiele durchgeführt. So sollte es auch in den folgenden Jahren weiter gehen.[Anm. 4]1935 verabschiedeten die Nationalsozialisten die Nürnberger Rassegesetze, die auf die systematische Entrechtung und Verfolgung der jüdischen MitbürgerInnen abzielte. Der Gemeinderat von Lautzenhausen setzte diese um und beschloss in diesem Jahr, dass „diejenigen Volksgenossen, welche heute noch mit Juden Geschäfte pflegen, von sämtlichen Gemeindenutzungen ausgeschlossen werden. Die Gemeindewaage darf zum Wiegen der Tiere, die durch die Hände der Juden gehen, nicht mehr benutzt werden. Zu den Märkten wird der Besuch der Juden gesperrt.“[Anm. 5] 1937 wurden diese Repressionen nachweislich durchgeführt. Drei Gemeindemitgliedern, die Schlachtvieh an jüdische Händler verkauft hatten, wurden für einige Tage die Bürgernutzungsrechte am Backhaus, dem Gemeindebürgerland, der Viehwaage und der Sähmaschine entzogen. Im gleichen Jahr wurde in Koblenz die Anlage von landwirtschaftlichen Musterdörfern erörtert. Es diskutierten die Kreisleiter der NSDAP, die Landräte und die Kreisbauernführer des Gaus über den Vierjahresplan für die Landwirtschaft. Der Amtsbürgermeister von Büchenbeuren wählte Lautzenhausen als landwirtschaftliches Musterdorf. Es sollten alle BürgerInnen informiert und alle Bauern auf eine Besichtigungsfahrt für musterhaft eingerichtete Betriebe geschickt werden. Über eine Durchführung der Maßnahmen geben die vorhandenen Quellen keine Auskunft.[Anm. 6]Für den Zeitraum des Zweiten Weltkrieges ist die Quellenlage für Lautzenhausen sehr dünn. Neben der Chronik Michel gibt die Schulchronik Auskunft. Die Schulchronik weist im Jahr 1939 eine Dienstanweisung auf, die über die NS-Propagandaziele und auch die Kriegsvorbereitungen Aufschluss gibt. Es wird von einer politischen Umerziehung städtischer Jugendlicher durch achtmonatige "Verpflanzung in völlig neue Umgebung"[Anm. 7], also auf das Land, geschrieben. Ziel der Nationalsozialisten war es, "(...) kämpferische junge Kräfte (... zu schaffen), die körperlich und seelisch gesund und gestählt, wachen Geistes von fanatischen Willen erfüllt sind, ihr Leben der Aufforstung, Erstarkung und Verteidigung unseres Volkstums nach innen und außen zu opfern."[Anm. 8]Für die Adressaten der Dienstanweisung, in diesem Fall den Lehrenden, könnte aus diesen Zeilen die fremd- und selbstzerstörerischen Vorhaben der nationalsozialistischen Führung mit ihren Schützlingen herauslesbar gewesen sein. Aus der Ortschronik Michel geht hervor, dass auch die außenpolitischen Ereignisse, der Einmarsch der NS-Wehrmacht in die Tschechoslowakei und die Auseinandersetzung mit Polen, im Ort bekannt waren. Nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurden zwei Lautzenhausener zu den nationalsozialistischen Besatzungstruppen nach Polen versetzt. Nach dem Ende des Angriffs auf Polen verlagerte die NS-Führung die Truppen Richtung Frankreich. Durch Lautzenhausen wurden Truppen und Material geschleust, für den Angriff auf das Nachbarland vorgesehene Soldaten wurden im Dorf einquartiert. Über Lautzenhausen abgeworfene Flugblätter der Alliierten hätten aufklärerisch wirken können, wurden aber abgetan, sie dienten dazu "die Bevölkerung irre zu machen"[Anm. 9]Für 1940 berichtet der Chronist Michel, ein Teilnehmer des Ersten Weltkriegs, begeistert über den Sieg gegen Frankreich und zieht Vergleiche mit der Zeit von 1914 bis 1918. Freimütig wird auch über den Einsatz von 20 Kriegsgefangenen aus Polen und später von Kriegsgefangenen aus Frankreich zur Zwangsarbeit bei den Bauern berichtet.[Anm. 10]Für 1941 wird in der Chronik Michel über militärische Vorstöße, aber auch langsam beginnende Versorgungsprobleme und die Einführung der Zwangswirtschaft berichtet. Stolz schreibt Michel von den Ergebnissen der Sammlung von Winterkleidung zur Unterstützung des nationalsozialistischen Vernichtungsfeldzuges gegen die Sowjetunion. 1942 folgen neue Berichte über die Zwangsarbeit französischer Kriegsgefangenen. 5 Wochen sei die Hunsrückhöhenstraße von diesen von Schnee befreit worden. Ebenfalls wurde im Ort deutlich, dass der von NS-Deutschland begonnene Weltkrieg langsam ins sogenannte Dritte Reich zurückkam. Über Lautzenhausen flogen alliierte Flugzeuge, jedoch ohne Bomben abzuwerfen. Luftschutzmaßnahmen in der Bevölkerung wurden getroffen.[Anm. 11]Im Sommer 1943 starben zwei Männer aus dem Ort während der sowjetischen Sommeroffensive. Über Lautzenhausen fanden Luftkämpfe statt, die Schulchronik berichtet über abstürzende Flugzeuge. „Mit ausländischen Arbeitern, Polen, Franzosen und Ukrainern wurde die Erzeugungsschlacht zur Ernährung unseres Volkes geschlagen“[Anm. 12], so schrieb der Chronist im NS-Jargon über die 39 nach Lautzenhausen verschleppten Menschen.Ab Mitte 1944 wurde die Zahl der Luftangriffe auf die Region erhöht. Über Sohren und Büchenbeuren wurden Bomben abgeworfen. Im Sommer wurden etwa 40 Frauen und Kinder aus Koblenz im Ort einquartiert. Im Oktober brannte eine Scheune in Lautzenhausen nach einem Luftangriff ab. Während der Ernte kreisten oftmals alliierte Jäger über den Feldern. Es kam zu Einquartierungen im Dorf, der Chronist Michel schätzt 300 Mann. Im November wurden Personen aus den Kreisen Prüm und Saarburg wegen der Frontnähe in den Kreis Simmern gebracht.[Anm. 13]Aus der Schulchronik geht hervor, dass der Unterricht ab Herbst 1944 nicht mehr stattfinden konnte. Der Lehrer beschwerte sich in der Chronik über die ihm vom NSDAP-Ortsgruppenleiter zusätzlich auferlegten Aufgaben. Im März 1945 wurde der Lehrer zum aktiven Wehrdienst eingezogen und sollte seiner Vermutung nach aus dem Ort entfernt werden, denn „in Wirklichkeit traute (ihm, dem Lehrer) der Ortsgruppenleiter nicht (…) und er wollte (ihn, den Lehrer), wenn es mit dem Dritten Reich zu Ende ginge, aus den Augen haben.“[Anm. 14] Über das Ende der NS-Herrschaft in Lautzenhausen berichtet der Lehrer, dass „die Amerikaner als Sieger in den Ort (einzogen) und die Spukgestalt des Ortsgruppenleiters (…) als Beherrscher des Ortes für immer verschwunden (sei).[Anm. 15] Aus der Chronik Michel geht hervor, dass es am 17. März, dem Tag der Befreiung von Lautzenhausen, zu Kampfhandlungen zwischen einem kleinen deutschen Truppenverband und amerikanischer Panzer kam. Eine Frau aus Koblenz habe schließlich die weiße Flagge gehisst und die amerikanischen Truppen sodann den Beschuss eingestellt. Es folgte Besatzung, Durchsuchung und Auflösung der NSDAP-Organisationen am 18. März durch amerikanischen Beschluss. Zu Beginn des Jahres 1946 stellte sich bei Chronist Michel eine sehr nachdenkliche Stimmung ein. Er schreibt, es sei „Friede und doch kein Friede. (…) Die Soldaten kehren (…) beschämt nach Hause. (…) jetzt sieht man, wohin uns der Nationalsozialismus gebracht hat. Darüber nachzudenken, könnte man verrückt werden.“[Anm. 16]Im Zuge des Zweiten Weltkriegs starben 13 Männer aus Lautzenhausen, neun blieben vermisst.[Anm. 17]

Die Nachkriegszeit war zunächst von Armut und Schwarz- und Tauschhandel geprägt. 1948 endete mit der Währungsreform der Tauschhandel. Im Februar 1951 erreichte die erste Nachricht vom Bau des Flugplatzes, das Projekt, das den Ort in den folgenden Jahrzehnten prägen und verändern sollte. Die „Hahn Air Base“ wurde nach dem benachbarten Dorf Hahn benannt, liegt jedoch größtenteils auf der Gemarkung Lautzenhausen.[Anm. 18]

Schild der Hahn Air Base, Lautzenhausen 1972[Bild: gemeinfrei]
Luftaufnahme Hahn Air Base, 1977[Bild: gemeinfrei]
Mark 82 Bomben, Hahn Air Base 1978[Bild: gemeinfrei]
Warnschild am Eingang der Air Base, 1986[Bild: gemeinfrei]

Von der Baumaßnahme betroffen waren 50,71 Hektar Privatgrund, 26 Hektar Gemeindeland und 154 Hektar Wald. Für viele Bauern bedeutete dies Einbußen bei der Ernte, weswegen Entschädigungen gezahlt wurden. Das geschlagene Holz wurde von der Gemeinde gewinnbringend verkauft. Bei vielen Familien des Dorfes mieteten sich Arbeiter ein. Die Pferde des Dorfes kamen ebenfalls beim Bau des Flughafens zum Einsatz. In der Folgezeit wurde viel gebaut, im November 1951 wurde Richtfest gefeiert. Anfang August 1953 wurden ca. 3.000 amerikanische Soldaten und Düsenjäger auf dem Flughafen stationiert. Der Lärm der Düsenjäger sollte von diesem Zeitpunkt an prägend sein für die Region. Mit der Stationierung der Soldaten stieg im Ort die Nachfrage nach Freizeitangeboten. Die Gastronomie wurde ausgebaut, Tanzbars, Nacktbars und Bordelle eingerichtet. In den Jahren 1959 und 1960 wurde durch verschiedene Presseberichte das Bild des „Las Vegas im Hunsrück“ geprägt. Durch den regen Publikumsverkehr der Soldaten und der süddeutschen Bevölkerung profitierte der Ort finanziell, wurde jedoch auch u.a. durch Lärm belastet. 1971 diskutierte der Gemeinderat über eine Ausweitung der Sperrstunde. Im April 1974 wurde die Sperrstunde um eine Stunde verlängert, da die Gaststätten „Bar Kabarett“, „Fürst Dominik“, „Imbiß“ und „Airport“ weiterhin regen Zuspruch hatten. Schon im September wurde der Versuch wieder eingestellt.[Anm. 19][Anm. 20]

1989 Spätjahr, Gau Turnfest; Hauptstraße in Lautzenhausen, in der Bildmitte die legendäre Rotlicht Kneipe Fürst Dominik[Bild: Achim Berg [CC BY-SA 3.0]]
Die Hauptstraße von Lautzenhausen, 2008[Bild: gemeinfrei]

Mit dem Ende des Kalten Krieges endete auch die Zeit der militärischen Nutzung des Flughafens. 1991 wurde bekannt, dass die ca. 4.300 Soldaten mit 6.000 Familienangehörigen abgezogen werden sollten. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 750 deutsche Zivilisten auf dem Flugplatz beschäftigt. Der Abzug der Amerikaner stellte einen wirtschaftlichen Einschnitt in der Region dar. In der Folgezeit wurde der Flughafen von einem Militärflughafen zu einem Fracht- und Passagierflughafen umgebaut. Die Landespolizeischule siedelte sich auf dem Flughafengelände an, was zu einer gewissen wirtschaftlichen Stabilisierung der Region führte. Eine Golfanlage wurde eröffnet. 1995 fand das erste „Nature One“-Festival statt. Im Folgejahr wurde es auf das Gelände der ehemaligen Raketenbasis Pydna bei Kastellaun verlegt.[Anm. 21]

 

 

 

Bilderstrecke Lautzenhausen

1950-2000 Lautzenhausen Flughafen Eisenbahn[Bild: Bildarchiv des Rhein-Hunsrück-Kreises www.rheinhunsrueck-bild.de [CC BY-SA 3.0]]

Nachweise

Autor: Konstantin Arnold

 

Verwendete Literatur:

  • Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998.
  • Ochs-Wederz, Dieter: Wie sah der Flugplatz Hahn vor 30 Jahren aus? In: Rhein-Hunsrück-Kalender Heimatjahrbuch 2021. Simmern, 2020.

 

Erstellt am 06.12.2020

Anmerkungen:

  1. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.17-22. Zurück
  2. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.23-28. Zurück
  3. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.29-35. Zurück
  4. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.35-65. Zurück
  5. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.65. Im Original im Gemeindebeschlussbuch Nummer 4 vom 15. September 1935. Zurück
  6. Schellack, Fitz: Lautzenhausen : Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.65-75 Zurück
  7. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.77. Im Original in der Schulchronik von 1939, S.179. Zurück
  8. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.77. Im Original in der Schulchronik von 1939, S.179. Zurück
  9. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.78. Zurück
  10. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.80. Zurück
  11. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.81. Zurück
  12. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.82. Zurück
  13. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.82f. Zurück
  14. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.84. Zurück
  15. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.84. Zurück
  16. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.86. Zurück
  17. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.87. Zurück
  18. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.89-91. Zurück
  19. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.101-120. Im Jahr 2010 veröffentlichte die Kulturwissenschaftlerin Anja S. das Buch „Jed Schouwer war en Puff“, in dem sie sich mit der Nachkriegszeit in Lautzenhausen auseinandersetzte. Eine Leseprobe findet sich auf der Verlagsseite unter https://www.bod.de/booksample?json=http%3A%2F%2Fwww.bod.de%2Fgetjson.php%3Fobjk_id%3D381964%26hash%3D6d6142d0a7084f301ae67538fbeca8b1 Zurück
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  21. Schellack, Fitz: Lautzenhausen: Geschichte und Entwicklung einer Hunsrückgemeinde am Tor zum Flugplatz Hahn. In: Hunsrücker Geschichtsverein: Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins Bd. 29. Lautzenhausen, 1998. S.121-129. Fotos des Flughafengeländes aus der Zeit kurz nach dem Abzug der Amerikaner finden sich im neuen Rhein-Hunsrück-Kalender. Ochs-Wederz, Dieter: Wie sah der Flugplatz Hahn vor 30 Jahren aus? In: Rhein-Hunsrück-Kalender Heimatjahrbuch 2021. S.121. Zurück