Sulzbach / Saar im Saarland

0.Sulzbach im Ersten Weltkrieg

0.1.Der Kriegsbeginn

Postkarte von Sulzbach um 1900.[Bild: Stadtarchiv Sulzbach]

„…Vor dem Krieg war die Gemeinde Sulzbach eine der wohlhabenden Gemeinden des Landkreises Saarbrücken. Dank der weitschauenden Finanzpolitik der damaligen Gemeindevertretungen konnte man tatsächlich von einem gewissen Wohlstand reden. Alle Gemeindeanlagen, Betriebe, Wege etc. befanden sich in vorzüglicher Verfassung. Für soziale Bestrebungen und Kulturfortschritte war Geld und Sinn vorhanden.“[Anm. 1] So beschrieb der ehemalige Bürgermeister von Sulzbach, Wilhelm Barth (Amtszeit 1921 bis 1936) im April 1923 die Lage in der Gemeinde vor dem Kriegsbeginn Im August 1914. Ein Krieg, welcher später, im Anschluss des Krieges einen wesentlichen Einschnitt in die Geschichte der Gemeinde darstellte.

Lebensmittel waren während des Krieges nur noch schwer zu beschaffen. Postkarte des Marktplatzes, gelaufen 1918.[Bild: Stadtarchiv Sulzbach]

Doch auch in Sulzbach machte sich zu Beginn des Krieges der sogenannte Geist von 1914 bemerkbar. Wie auch in anderen Städten und Gemeinden des deutschen Reiches, herrschte im August 1914 teilweise große Euphorie und Begeisterung. Der damals amtierende Bürgermeister Rudolf Eymael (Amtszeit 1907 bis 1920) stellte fest, „erfreuliche Erscheinungen“ beobachten zu können.[Anm. 2] Aber auch die Gemeinde kam schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Mobilmachung und Einziehungen wehrfähiger Männer machte sich noch im Jahre 1914 bemerkbar. Neben einer hohen Zahl an Arbeitslosen, Armut und Schwierigkeiten die Versorgung sicherzustellen, stellte die Gemeindeverwaltung bereits vor eine nicht zu stemmende Aufgabe. Bereits im Jahre 1915 war eines der Hauptaufgaben das Beschaffen und Verteilen von Lebensmitteln an die Bevölkerung. Durch verschiedene Programme versuchte man die Lage ein zu dämmen. Hierzu wurden u.a. in Schulen Küchen für bedürftige Kinder eingerichtet, aber alle ergriffenen Maßnahmen halfen bei weitem nicht die Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen.[Anm. 3]

Wie in vielen anderen Schulen wurde auch im Sulzbacher Realgymnasium eine Spendenaktion durchgeführt, wofür die Schüler obige Postkarte zum Dank erhielten.[Bild: Stadtarchiv Sulzbach]

So stellte der Bürgermeister Rudolf Eymael 1916 fest: „Fett, Fett und abermals Fett verlangen sie, und wir können doch keines geben, wenn wir keines haben. Von uns wird überhaupt alles verlangt, wir sind für alles verantwortlich, bei uns wird jede Klage angebracht“.

„Der Beamte hat mit seinem Friedensgehalt die schwere Teuerung durchzuhalten und die Frechheit der Leute einzustecken“.[Anm. 4] Die Mitarbeiter der Verwaltung trugen eine große Last im Laufe des Krieges mit sich. Viele von Ihnen, u.a. auch der Nachfolger im Amt des Bürgermeisters, Wilhelm Barth, erhielten das Verdienstkreuz für ihre Arbeit.[Anm. 5]

 

0.2.Das Sulzbacher Knappschaftskrankenhaus

Das Sulzbacher Krankenhaus.[Bild: Stadtarchiv Sulzbach]

Von militärische Bedeutung was das Knappschaftskrankenhaus in Sulzbach. Mit dem Bau des Krankenhauses wurde im Sommer 1860 begonnen, die in Dienststellung erfolgte am 10. September 1862 mit einer Kapazität von 80 Betten. Das Krankenhaus diente als Lazarett zur medizinischen Versorgung der Bergleute, welche in den umliegenden Gruben beschäftigt waren. Das Krankenhaus wurde fortwehrend um- und ausgebaut um mit der medizinischen Entwicklung Schritt zu halten. Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges stagnierte der weitere Ausbau und das Krankenhaus wurde zum Reservelazarett für verwundete Soldaten. Nur noch wenige Bergleute wurden in dieser Zeit dort behandelt. Während dieser Zeit leitete der Sanitätsrat Dr. Brauneck aus Sulzbach das Lazarett.[Anm. 6]

0.3.Die Industrie

Die Grube Mellin um 1900.[Bild: Stadtarchiv Sulzbach]

Zu den größten Industriebetrieben in Sulzbach gehörten am Anfang des 20. Jahrhunderts die Gruben. Um 1900 waren folgende Gruben in der Gemeinde Sulzbach in Betrieb: Die Abteilung Sulzbach mit den Mellinschächten I und II, die Venitzschachtanlage mit dem Venitzschacht und dem Venitzstollen sowie der Lochwiesschacht. Die Grube Altenwald war mit den Eisenbahnschächten I und II, der Georgschachtanlage mit dem Georgschacht und dem Flottwellstollen, der Moorbachschacht, der Kolonieschacht, der Hermannschacht sowie der flache Schacht.[Anm. 7]

Frauen bei der Arbeit in der Kokerei Altenwald im Oktober 1917.[Bild: Stadtarchiv Sulzbach]

Der Ausbruch des Krieges hatte für die Grube Sulzbach-Altenwald weitreichende Einschnitte in das Personal sowie die Fördermengen. Aufgrund der Einberufungen zum Wehrdienst schrumpfte die Belegschaft um 25,8 %, was der Zahl von 1187 Mann entsprach. Gegenüber den Vorkriegsjahren viel die Fördermenge um 36%, bzw. 470.000 to gegenüber 1913 zurück.[Anm. 8] Bereits Ende 1914 ließen 151 Bergleute ihr Leben auf den Schlachtfeldern Europas. 1915 ist die Zahl sogar auf 239 gestiegen, weiterhin waren 79 Kriegsbeschädigt. Ende 1917 betrug die Zahl der Gefallenen sogar 291 und 214 Bergarbeiter waren aufgrund des Krieges versehrt.[Anm. 9]

„Viele aus unseren Reihen folgten dem Rufe ihres obersten Kriegsherrn und ach, recht so viele blieben auf dem Felde der Ehre. "[Anm. 10] So schrieb es der Kath. Knappenverein „St. Barbara“ in ihr „Goldenes Jubelheft“ zum 50. Jährigen Bestehen. So hatte auch der Verein 26 Gefallene zu beklagen. Durch das hinzuziehen von Kriegsgefangenen versuchte man ab Anfang August 1915 die Förderzahlen wieder an das Vorkriegsniveau heranzuführen, dies gelang jedoch nicht. Grund hierfür war unter anderem, dass ein großer Teil der Kriegsgefangenen nicht für die Arbeit unter Tage tauglich war. Viele fielen jedoch aufgrund von Krankheit aus, oder verweigerten aus sonstigen Gründen die Arbeit. Hauptsächlich wurden die Kriegsgefangenen als Schlepper unter Tage eingesetzt.[Anm. 11]

Exemplarisch die Förderzahlen der Gruben in Sulzbach und Altenwalt im Zeitraum 1912 bis 1918:[Anm. 12]

  • 1912: 1.284.272 to
  • 1913: 1.325.056 to
  • 1914:    854.162 to
  • 1915:    789.230 to
  • 1916:    925.365 to
  • 1917:  1.045.746 to

0.4.Das Kriegsende und die Folgen

Rückzug der bayr. Fußartillerie-Batterie 27 durch Sulzbach.[Bild: Stadtarchiv Sulzbach]

Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstand von Compiègne unterzeichnet. Dieser sah u.a. vor, dass die deutschen Truppen binnen 14 Tage die besetzten Gebiete zu räumen haben. Es begann der Abzug der deutschen Truppen zurück in ihre Heimatgarnisonen.

So erwartete auch die Stadt Sulzbach am 17. November 1918 den Durchmarsch von Truppenteilen der Armeeabteilung C. Einige versprengte Einheiten der Etappen haben bereits in kleinen Gruppen die Gemeinde passiert.

Verfasser: Peter Kirsch
red. Bearb. KT
erstellt am: 13.04.17
Quellen und Literatur
aus dem Bestand des Stadtarchiv Sulzbach:

  • LDS, DS, 27/5
  • Ortschronik
  • Festschrift KA Sulzbach
  • Geschichte der saarländischen Steinkohlegrube Sulzbach-Altenwald (1841-1932), Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, Saarbrücken 1987, Ernst Klein.
  • Goldenes Jubelheft des Kath. Kappenvereins „St. Barbara“ in Sulzbach an der Saar, am 30. Juli 1933.

Anmerkungen:

  1. Schreiben von Bürgermeister Barth an die Regierungskommission vom 05.04.1923; Quelle LAS, DS, 27/5. Zurück
  2. Zeitungsbericht Eymel an Landrat, 19.09.1914, Quelle: LAS, DS, 116/7. Zurück
  3. Ortschronik, S. 281. Zurück
  4. Eintrag Tagebuch des Bürgermeisters Rudolf Eymael, 1916, Quelle: Stadtarchiv Sulzbach, Bestand „Bürgermeister“, S. 4. Zurück
  5. Ortschronik, S. 282. Zurück
  6. Festschrift zur Hundertjahrfeier des Knappschaftskrankenhauses Sulzbach (Saar), April 1961, S. 3f. Zurück
  7. Geschichte der Saarl. Steinkohlegrube Sulzbach-Altenwald (1841-1932), S. 86-88. Zurück
  8. Ebd., S. 94. Zurück
  9. Ebd., S. 86. Zurück
  10. Goldenes Jubelheft des Kath. Kappenvereins „St. Barbara“, S. 5. Zurück
  11. Geschichte der Saarl. Steinkohlegrube Sulzbach-Altenwald (1841-1932), S. 95. Zurück
  12. Ebd., S. 97. Zurück