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Versorgungslage, Inflation und Währungsreform

Tabelle der Preisteuerung aus der Chronik von Gappenach[Bild: Landeshauptarchiv Koblenz, 716-315 Bl. 9]

Bereits in den Jahren 1914 bis 1918 war das Preisniveau durch die Kriegsfinanzierung über Anleihen stark angestiegen. So kostete 1913 ein Kilo Roggenmehl rund 30 Pfennige, 1918 waren es bereits über 55 Pfennige. Der Kilopreis von Kartoffeln stieg von 7 auf 21 Pfennige. Die Preise für Grundnahrungsmittel wurden, wie seit Beginn des Krieges, auch nach 1918 vom Staat festgelegt.

Auf dem blühenden Schwarzmarkt zahlten die Menschen deutlich mehr für die gleichen Produkte. Die Preise hatten sich in etwa verdreifacht. Dennoch waren die Menschen in den Städten froh, überhaupt bestimmte Lebensmittel zu erhalten. Nach dem über vier Jahre andauernden Krieg waren viele von ihnen unterernährt. Die amerikanischen und französischen Besatzer nahmen zum Teil Rücksicht auf die schlechte Versorgungslage und teilten Lebensmittel an die Bevölkerung aus oder untersagten ihren Truppen, sich vor Ort selbst zu versorgen. Allerdings war auch in Frankreich Hunger weit verbreitet.

Verkauf von Lebensmitteln auf der Straße, 1922[Bild: Landeshauptarchiv Koblenz, 710-7136]

Nach Abschluss des Versailler Vertrages musste das Deutsche Reich Reparationsleistungen an die Siegermächte zahlen, nicht zuletzt, um Schäden an den Kriegsschauplätzen in Frankreich und Belgien auszugleichen. Die „Erfüllungspolitik“ der Reichsregierung basierte darauf, diesen Forderungen nachzukommen. Hierfür druckte die Regierung Geld, ohne dass mehr Waren hergestellt wurden. Dadurch wurde die Inflation stark beschleunigt (Hyperinflation). Im Januar 1922 kostete ein Kilo Roggenbrot 8 Mark, im Dezember über 300 Mark. Während des Ruhrkampfes 1923 stiegen die Preise immer weiter: Im April zahlten die Bürger für ein Roggenbrot bereits 1.600 Mark, im September mehrere Millionen und bald Milliarden Mark.

Scheck der Seitz-Werke, Bad Kreuznach, über 25 Milliarden Mark, 26. Oktober 1923[Bild: Stadtarchiv Bad Kreuznach, MS Notgeld]

Nach Einstellung des Ruhrkampfes im September 1923 wurde im November eine Währungsreform durchgeführt. Neues Zahlungsmittel wurde die Rentenmark. Erst jetzt wurde allen Deutschen klar, dass ihre Kriegsanleihen wertlos waren. Viele Familien verloren ihre gesamten Ersparnisse, Eigentümer von Häusern hingegen behielten ihr Vermögen und Spekulanten profitierten. 1924 löste die Reichsmark die provisorische Währung ab.

Chronik der Stadt Linz, 31. Dezember 1918

„Die Lebensmittelversorgung hatte im Berichtsjahre mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Besonders haushälterisch mußte mit den Kartoffeln, die nur eine mittelmäßige Ernte gebracht hatten, umgegangen werden.“ (Stadtarchiv Linz, P 33)

Texte und Redaktion:
Dr. Walter Rummel (Landesarchiv Speyer), Dr. Hedwig Brüchert; Dr. Ute Engelen, Marion Nöldeke, Dr. Kai-Michael Sprenger (alle Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.), Franziska Blum-Gabelmann M.A. (Haus der Stadtgeschichte Bad Kreuznach), Dr. Eva Heller-Karneth (Museum Alzey), Dr. Armin Schlechter (Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Pfälzische Landesbibliothek)