Münster am Stein im Naheland

Heilquellen und Kurbetrieb von Bad Münster am Stein Ebernburg

Bad Münster - Kurhaus mit Rheingrafenstein[Bild: Giggel (CC BY 3.0)]

Im Jahr 1478 werden die Heilquellen von Münster am Stein erstmals erwähnt. Aus dem Jahr 1490 stammt eine Urkunde, die das Recht zur Nutzung der Salzquellen zum Salzsieden und als Badestelle beschreibt. Man nimmt hierzu aber nur eine kurze Dauer der Anlage an.

1576 wurden die Quellen durch einen „Salzsodmeister“ im Auftrag von Rheingraf Friedrich untersucht. Zunächst erteilte der Kurfürst als Landesherr keine Genehmigung zu Nutzung (1478 und 1490). Ab 1606 wurde aber mit dem Bau von Anlagen durch den „kurpfälzischen Salzwerksverwalter Cohendos“ begonnen, der bis zu einer Zerstörung der Anlagen durch Unwetter 1614 dauerte. Erst 1707 wurde der Betrieb erneut aufgenommen. [Anm. 1]

Rheingraf Johann Karl-Ludwig (1686–1740) übernahm 1721 die Salinen. 1843 wurden sie an den Preußischen Staat verkauft. 1852 wurde neben der Salzgewinnung auch ein Badebetrieb eingerichtet. Die ersten Kurhäuser wurden 1859 durch die ausgebaute Rhein-Nahebahn und 1870 durch die Pfalzbahn von Kurgästen erreicht. 1872 erwarb die Gemeinde Münster am Stein die zum Verkauf anstehenden Salinen, und musste sich dafür bis 1918 verschulden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Radioaktivität der Quellen bekannt und 1911 wurden eine Trinkhalle und später ein Bäderhaus errichtet.

Die Heilquellen von Bad Münster am Stein-Ebernburg enthalten Radium, Jod, Brom, Lithium, Natrium und Chlor. Sie werden mit einer Temperatur von etwa 30 Grad gefördert. Die Heilmittel-Bezeichnung lautet „Thermal-Radium-Sole“ und „Thermal-Jod-Brom-Lithiumhaltige Solquelle“. Verwendung findet die Sole in Form von Bädern, aber auch für Inhalationen und Trinkkuren und für die Salinen. [Anm. 2] Ursprünglich dienten Salinen zur Salzgewinnung. Ihre Wände sind mit Schlehdornhecken bestückt, über die das Wasser der salzhaltigen Quelle fließt. [Anm. 3]

Die Heilquellen müssen zur Nutzung als Heilmittel künstlich erschlossen werden, damit das Wasser in qualitativ gutem Zustand auf künstlichem Weg transportiert werden konnte. Im Jahr 1911 wurde die Erschließung und Fassung der Quellen von einem Unternehmen aus Bad Ems unter Beachtung der hydrologischen Besonderheiten jeder Quelle neu gestaltet. [Anm. 4]

1945 wurden die beiden Gradierwerke von Bad Münster am Stein durch Kriegseinwirkungen zerstört und nach und nach erst wieder aufgebaut. [Anm. 5]

Als Folge der Verwaltungsreform wurden 1970 die „Kurbetriebe Bad Münster am Stein Ebernburg” gegründet. Die Betriebe sollten dazu beitragen, die weltweit bekannten, heilkräftigen radonhaltigen Thermen zu modernisieren. Hierbei sollte der besondere Charakter des Kurmittelhauses erhalten bleiben. Die Brunnenhalle für den Aufenthalt der Kurgäste stach als einmaliger Baukörper mit Jugendstil-Elementen darin besonders hervor. [Anm. 6]

Das Solewasser der Quelle wurde im Kurbetrieb für die Salinen und als Wasser für im Freibad verwendet. Kurmittelhaus 1 und 2 bildeten den Anlaufpunkt für die Behandlungstherapien der Kurgäste. 1974/75 wurde ein neuer Kurgarten angelegt. 1975 wurde zusätzlich dazu noch ein Kurpavillon als Veranstaltungsgebäude errichtet. [Anm. 7]

NACHWEISE

Verfasserin Text: Marion Nöldeke

Verwendete Literatur:

  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1987, S. 33-34, http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Bad_Kreuznach.pdf (Aufruf: 16.07.2021).
  • Kurverwaltung Bad Münster am Stein-Ebernburg und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler: Thermal-Sole-Radon-Bad Bad Münster am Stein-Ebernburg, Bad Bad Münster am Stein-Ebernburg 1986.

Erstellt am: 16.07.2021

Anmerkungen:

  1. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 37. Auf früheren Abbildungen ist noch ein „Salztempel“ von 1710 auf einer Saline überliefert  Zurück
  2. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 14.  Zurück
  3. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 12.  Zurück
  4. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 21.  Zurück
  5. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 12.  Zurück
  6. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 10. Quellsammelbehälter sammeln das radonhaltige Natrium-chlorid-Wasser für die Verwendung als Radon-Thermalwasser, Radium-Emanation (physikalischer Begriff für freigesetztes Material) und Solwasser.  Zurück
  7. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 12.  Zurück